myloveduncan
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Floristik
  Fan Fictions
  Eine Chance für die Liebe?!
  How do I?
  Make it happen
  Once more with Feeling
  Love Rules - Don't go breakin' my heart
  Halloween - Schrei, wenn du kannst...
  Whatever Happens
  Sweet teenage Love - I feel your pain
  Supersexually - You are the one for me
  Shape of my heart
  Love's just the beginning of something beautiful
  Sweet Halloween - Der Tod ist näher, als du denkst
  Where you want me
  Lost without you
  Greetz
  Blue
  Gästebuch
  Kontakt

 
Links
  Cindy's Blog
  Kitty's Australien Blog
  Kitty's Blog
  Ivy's Blog


http://myblog.de/myloveduncan

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Sweet Halloween - Der Tod ist näher, als du denkst...


Egal, was du tust, unterschätze nie die Nacht in der sich der schwarze Mann auf den Straßen rum treibt, denn sie könnte dir zu deinem größten Verhängnis werden...

„Und noch heute erzählt man sich von jenem Massenmörder, der sich jedes Jahr in den Tagen zu Halloween neue Pärchen holt. Er lauert in Parks, in Gassen und er wird auch euch kriegen...“, senkte Martin dramatisch und bedrohlich zu gleich seine Stimme und leuchtete Claire und Duncan mit der Taschenlampe, die ,vorher noch sein Antlitz bedrohlich erhellte, ins Gesicht. Stockdunkel war es in Martin´s Wohnzimmer, nur ein paar Kerzen und diese Taschenlampe spendeten etwas Licht, was unheimlich Schatten an die Wände warf. Die Kerzen flackerten wild, als würde ein kräftiger Wind sie dazu antreiben. Schutzsuchend drängte Claire sich an ihren Freund. Halloween war noch nie Claire´s Fall gewesen. Sie hielt nichts von dieser Maskerade und es beängstigte sie, dass in diesen Tagen auch noch die letzten Irren aus ihren Löchern krochen. Am liebsten würde sie diese Tage verschlafen, aber Duncan zuliebe hatte sie ihr schönes Bett zuhause in England verlassen und war mit ihm nach Deutschland, nach Bochum gereist, um seinen deutschen Freund zu besuchen. Und natürlich musste Martin jetzt auch noch die Geschichte eines Massenmörders erzählen, der hier vor vielen Jahren sein Unwesen getrieben hatte. Claire zitterte. Sie gab es ja zu, ihre Nerven waren nicht die stärksten und sie musste sich schon dazu zwingen, mit Duncan einen seiner geliebten Horrorfilme anzuschauen. Duncan allerdings verstand die Angst seiner Freundin nicht. Was war so schlimm, an einer witzigen, kleinen Horror-Story?! Sicher, sie hatte recht. In diesen Tagen tummelten sich noch mehr Verrückte auf den Straßen, die Schrecken verbreiteten, aber davon durfte man sich nicht einschüchtern lassen. Seiner Meinung nach übertrieb Claire ganz gewaltig. Er wusste von ihrer Abneigung gegenüber Halloween, denn Claire hatte sich, seit sie mit ihm zusammen war, jedes Mal geweigert, auf eine Halloween – Party zu gehen. Das war der einzigste Streitpunkt, den es in ihrer Beziehung gab. Um jeden kleinen Horror – Film hatte Duncan zu kämpfen, denn Claire war in dieser Sache knallhart....meistens jedenfalls! „Du willst uns verschaukeln?“, fragte Claire hoffnungsvoll. Martin schüttelte bedächtig den Kopf. Keineswegs hatte er das vor. Es war kaum zu glauben, aber in dieser Stadt, mitten im schönen Ruhrgebiet, hatte tatsächlich ein Irrer sein Unwesen getrieben. Einst ein normaler, vernünftig denkender Mensch, verwandelte sich Peter Daniels in ein unzähmbares Monster, nachdem seine Freundin ihn belogen, betrogen und schließlich für einen Anderen verlassen hatte. Peter war kein Schönling gewesen, Frauen hatten sich immer einen Dreck um ihn geschert und um so glücklicher war er gewesen, als er endlich Denise gefunden hatte. Er hatte geglaubt, sie würde ihn aus ganzem Herzen lieben, sie sei etwas besonderes und sie würden für immer vereint sein, aber nein.....stattdessen tat sie ihm etwas so schreckliches an. Der Schmerz, der ihn durchfuhr, war so überwältigend, dass er drohte, daran zu Grunde zu gehen. Doch dann verflog der Schmerz und zurück blieb die Wut und unvorstellbarer Hass. Dieser trieb ihn dazu, dass wohl grausamste Verbrechen zu tun, was man auf Erden kannte....die Ermordung eines Menschen! Spät Abends, als die beiden händchenhaltend durch einen lauschigen Park gingen, metzelte Peter seine ehemalige Freundin Denise und ihren Geliebten auf bestialische Art und Weise nieder. Mit einer Axt trennte er ihnen den Kopf vom Leib, so groß war sein Hass. Doch es genügte ihm nun nicht mehr, sich nur an seiner ehemaligen Geliebten zu rächen.... Dies alles ereignete sich vor vielen Jahren zu Halloween und seit jeher hatte er sich jedes Jahr auf die Jagt gemacht. Neue Paare waren ihm zum Opfer gefallen.....unschuldige, sich liebende Menschen, die nicht an seinem Leid und seiner Wut schuld waren. Dennoch riss er sie aus der Blütezeit ihres Daseins in einen grauenvollen Tod.
Bochum´s Einwohner waren in Panik versetzt. Niemand traute sich mehr auch nur noch einen Fuß auf die Straße zu setzen, aus Angst, der Tod könne an der nächsten Ecke auf sie lauern. Die Polizei gab sich alle Mühe, diesen Irren aufzuspüren und zu fangen, doch das stellte sich als ausgesprochen schwierig heraus. Erst die Falle eines schlauen Kommissars und die Hilfe einer mutigen Polizistin und eines mutigen Polizisten, ließ die Bestie ins Netz gehen. Peter wurde für nicht zurechnungsfähig erklärt und man wollte ihn für immer in eine Anstalt stecken. Sie dachten, sie hätten ihn im Griff, doch nichts vermochte ihn unter Kontrolle zu halten. Die Beruhigungsmittel verloren ihre Wirkung und eines Tages entkam Peter. Die Ärzte und Schwestern waren ihm nicht gewachsen. Er hinterließ ein schreckliches Blutbad und ward nie wieder gesehen. Verzweifelt fahndete die Polizei nicht nur in Bochum nach Peter, sondern im ganzen Land, aber die Suche blieb erfolglos....
Ruhe kehrte wieder in Bochum ein......aber nur, bis Halloween wieder näher rückte. Die Menschen konnten nicht vergessen, welcher Schrecken all die Jahre durch die Straßen gezogen war. Die ganze Stadt war in heller Aufruhr und es geschah.....nichts! Keine Morde, kein Blut, kein vermummter schwarzer Mann, der durch die Straßen streifte auf der Suche nach seinen nächsten Opfern.....

*****************

Schon zum dritten Mal in dieser Nacht schreckte Claire aus einem ihrer schrecklichen Albträume auf. Kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn und ihr Blick glitt hektisch durch den Raum. Nichts bedrohliches war zu sehen und Claire lauschte einem Moment dem Heulen des Windes. Sie sah neben sich und erblickte Duncan, der selig vor sich hin schlummerte. Kein Mal war er aufgewacht, nicht mal Anstalten hatte er dazu gemacht und Claire wurde so langsam wütend. Heftig rüttelte sie ihn an der Schulter, bis er sich verschlafen über die Augen rieb. „Was ist denn los?“, gähnte er und streckte sich. „Was los ist?!“, erbost sprang sie aus dem Bett. Gut, dass Claire jetzt nicht sah, wie er mit den Augen rollte. „Ich kann nicht verstehen, wie du hier ruhig schlafen kannst“, giftete sie weiter, „in dieser Stadt sind Morde geschehen und.....“ „Claire, denkst du, in London spazieren keine Mörder durch die Gegend? Zuhause gibt es genau so viele Irre, wie an jedem anderen Ort auf der Welt! Außerdem sind die letzten Morde vor über 30 Jahren geschehen. Wahrscheinlich guckt sich dieser Typ schon längst die Radieschen von unten an.“ „Ich find das überhaupt nicht witzig“, keifte Claire. Duncan liebte seine Freundin, wirklich, so langsam aber sicher riss ihm aber nun der Geduldsfaden. Nun war er auch aus dem Bett gesprungen: „Weißt du eigentlich, dass du total paranoid bist?!? So stellen sich wirklich nur kleine Kinder an!“ „Verdammt Duncan, ich hab schreckliche Angst! Kannst du das nicht verstehen?“, Duncan konnte eine Träne im Mondlicht sehen, die ihre Wange hinab rann. Nun schämte er sich, dass er sie so blöd angefahren hatte. „Es tut mir leid, Schatz“, entschuldigte er sich und schloss sie in seine Arme, „ich werde nicht zulassen, dass dir irgendwas passiert. Vertraust du mir?“ Claire nickte stumm und krabbelte nun wieder mit Duncan ins Bett. „Versprichst du mir etwas?“, fragte er plötzlich, während Claire in seinen Armen lag und er ihr immer wieder beruhigend über den Rücken strich, „Bitte, vergiss diesen Mist und mach dir darum keine Gedanken mehr!.....Claire?“ „Ja, ich verspreche es“, antwortete sie. In dieser Nacht wachte Claire Stevens kein einziges Mal mehr auf. Sie schlief tief und fest in den Armen ihres Freundes.....und weder Claire, noch Duncan waren sich bewusst, dass bald wieder ein schwarzer vermummter Mann durch die Straßen schleichen würde.....

***************


Am nächsten Morgen ließ Claire sich nichts weiter anmerken. Beim Frühstück war sie so fröhlich wie immer, denn sie hatte ja versprochen, sich keine weiteren Gedanken über die Morde zu machen. Aber irgendwie klappte ihr Vorhaben nicht so richtig. Sie grübelte immer wieder darüber nach und beschloss, sich etwas mehr darüber zu informieren. Nur Duncan durfte davon nichts mitkriegen und so überlegte sie, wie sie ihn am besten los werden konnte. Ja, klar, das wars! Duncan liebte Shopping über alles......nur nicht mit Claire! Er hasste ihre Unentschlossenheit und es war ihm ein Rätsel, wie man durch so viele Läden rennen konnte ohne etwas zu kaufen. „Schatz“, säuselte Claire in sein Ohr, „wie wärs mit Shopping?“ Oh je, genau darauf hatte er schon die ganze Zeit gewartet und Claire´s erwartete Reaktion trat ein. Lockend wedelte er mit seiner Kreditkarte vor ihrer Nase rum. So zog er sich immer aus der Affäre, wenn er absolut keine Lust hatte, mit ihr einkaufen zu gehen. Grinsend schnappte sich Claire seine Kreditkarte, drückte dem sehr erleichterten Duncan einen Kuss auf die Wange und machte sich auf den Weg in die Stadt...

*****************

„Du musst wirklich aufhören mit diesen Horror – Geschichten“, bat Duncan eindringlich, „Claire konnte fast die ganze Nacht nicht schlafen. Glaub mir, sie bringt es fertig und fliegt früher nach hause.“ „Du weißt, dass es keine Geschichte ist, Duncan, du weißt es!“ „Ja, ich weiß es, aber dieser Irre ist schon seit langer, langer Zeit verschwunden. Wahrscheinlich liegt er irgendwo auf Hawaii am Strand und schlürft an einem Cocktail“, witzelte Dunc. „Das ist nicht lustig“, ermahnte Martin seinen Freund, „es beunruhigt mich, dass du keine Angst hast.“ „Genervt verdrehte Duncan die Augen: „Jetzt fängst du schon genau so an, wie Claire.“ „Und sie hat auch recht!“ Nun fragte sich Duncan, ob hier wirklich alle so naiv waren oder nur so taten. Vor über 30 Jahren geschahen die letzten Morde und noch heute spielten alle verrückt. „Das ist doch lächerlich“, energisch stand Duncan auf und begann den Tisch abzuräumen, um sich den Quatsch nicht mehr anhören zu müssen. „Irgendwann wird es wieder geschehen! Du wirst es erleben, Dunc, du wirst es erleben.....“

****************

„Danke schön“, lächelte Claire die Kellnerin an, die ihr vorsichtig einen Kaffee vor die Nase gesetzt hatte. Nun wandte sie sich dem PC zu. Claire hatte sich in ein Internetcafé begeben, um Nachforschungen anzustellen. Prompt erschien vor ihr die die Seite des Bochumer Stadtspiegels und als sie sich im Archiv umsah, stellte sie sofort fest, dass in jenen Tagen diese Zeitung täglich erschienen war. Kein Wunder, denn die Zeitung war voll von den damaligen Geschehnissen. Schockiert las Claire einen Bericht nach dem anderen. Nicht mal in ihren schlimmsten Albträumen hatte sie sich so etwas brutales, grauenvolles vorstellen können. „Es ist nicht gut, in der Vergangenheit zu wühlen, mein Kind“, plötzlich stand eine alte Dame hinter Claire. Erschrocken fuhr sie herum und blickte in das eingefallene Gesicht der Alten. „Sie haben Angst, dass sagen mir Ihre Augen“, wisperte die Alte und musterte Claire. „Woher wissen Sie....?“ „Weil es mir genau so ging damals. Ja, ich habe es erlebt und mir nichts sehnlicher gewünscht, als von hier zu verschwinden. Ich konnte es nicht, aber Sie können es, denn Sie sind nicht von hier?!“, wollte die Alte wissen. „Ich....ich komme aus London“, erwiderte Claire zögerlich. „Verweilen Sie hier nicht zu lange mit ihrem Freund, Kindchen. Wissen Sie, zum wievielten Male sich die letzten Morde am 31. Oktober, an Halloween jähren?“ Claire studierte den letzten Artikel. „Die letzten Morde geschahen vor.....“ „....31 Jahren“, ergänzte die Alte, „am 31. Oktober. Erkennen Sie es? Die Stadt versucht zu verdrängen, was damals geschah. Sie denken, es wäre jetzt hier sicher, aber wir beide wissen, das es nicht so ist.“ Claire starrte auf den Bildschirm. Sie zitterte, als sie den Atem der alten Frau in ihrem Nacken spürte: „Passen Sie auf sich auf und seien Sie auf der Hut, mein Kind, seien Sie auf der Hut“, wiederholte sie nachdrücklich. Als Claire sich wenige Momente später umdrehte, war die alte Frau verschwunden und sie hatte das Gefühl, sich in einem Albtraum zu befinden, aus dem es so schnell kein Entrinnen mehr gab. Eilig schnappte sie sich ihre Tasche und lief so schnell sie konnte zurück zu Duncan....

***************

Völlig außer Atem stürzte Claire ins Wohnzimmer, wo Martin und Duncan zusammen saßen und sich unterhielten. „Schatz, du bist ja so blass. Was ist denn passiert?“, sorgenvoll geleitete Duncan seine Freundin zur Couch. Stockend berichtete Claire, was ihr widerfahren war. „Weißt du, wer hier irre ist?“, wütend stapfte Duncan durch das Wohnzimmer, „diese Frau! Und du, Martin, hast auch eine gehörige Portion davon abgekriegt. Ist hier eigentlich noch irgendwer normal?“ „Hier sind alle normal“, funkelte Martin seinen Freund an, „im Gegensatz zu dir zeigen wir nur mehr Respekt vor dem was war.“ „Respekt? Ich nenne so was Paranoia“, erwiderte Duncan genervt, „meinen Urlaub hab ich mir irgendwie anders vorgestellt. Ich wird jetzt den Flughafen anrufen und sehen, ob ich unseren Flug umbuchen kann.“ Claire fiel ein zentnerschwerer Stein vom Herzen, als sie ihren Freund das sagen hörte. Endlich zeigte er Einsicht oder auch nicht, denn er tat es eigentlich nur, weil er keine Lust hatte, sich den Rest seines wohlverdienten Urlaubs damit herum zu ärgern. „Tut mir leid, Mr. Inglis, aber wir können ihren Flug frühestens auf den 1. November verlegen. Vor Halloween sind leider alle Flüge voll besetzt.“ Widerwillig stimmte Duncan zu. Er wäre lieber heute als morgen geflogen, um sich diesen Blödsinn nicht mehr anhören zu müssen, aber man musste nehmen, was man kriegen konnte. „Wann fliegen wir zurück? Morgen?“, wollte Claire hoffnungsvoll wissen. „Tut mir leid, Honey, der Flug am 1. November war der erste, den ich kriegen konnte.“ „Gott, das sind ja noch 4 Tage“, wieder wurde Claire ganz bleich im Gesicht. „Keine Angst, Kleines, die paar Tage kriegen wir auch noch rum“, beruhigte er seine Freundin, „bald sind wir wieder zuhause....“

****************

Claire war so schreckhaft wie nie zuvor. Jedes Klappern, jedes kleinste Knistern versetzte sie in Angst und Schrecken. Duncan grübelte darüber nach, wie er seine Freundin bis zu ihrem Abflug am besten beschäftigten konnte. Heute hatte er Claire erstmal zu einem lauschigen Candle – light Dinner eingeladen. Zunächst gefiel ihr die Idee überhaupt nicht, dass Duncan das Haus verlassen wollte, doch nach dem er eine Weile auf sie eingeredet hatte und seinen Dackelblick hervor gekramt hatte, stimmte Claire schließlich zu. Auf dem Weg zum Restaurant war sie ausgesprochen nervös und auch die beruhigenden Worte ihres Freundes halfen nicht sonderlich viel. „Hast du Angst, dass dich gleich einer anspringt?“, fragte Duncan neckisch, weil Claire in alle Richtungen warnende Blicke versprühte, damit ihr ja keiner zunahe kam. Selbst der Kellner hatte schon geschluckt. „Du nimmst mich nicht ernst“, war ihre schmollende Antwort. „Doch!“ „Ach ja, und warum reißt du dann immer noch deine Witzchen?“, giftete Claire leise, „wir werden ja sehen, ob du das zuhause immer noch machst...“ „Was willst du damit schon wieder andeuten?“ „Das ich deine Horror- Video- Sammlung entsorgen werde“, funkelte sie ihren Freund herausfordernd an. Duncan fand dafür keine Worte. Seine Lieblings – Horror – Videos, unter denen sich echte Klassiker befanden, wollte sie so mir nichts dir nichts in den Müll befördern??! „Hat es dir die Sprache verschlagen, Dunc?“ „A...a...aber Süße“, stotterte er, „das kannst du doch nicht machen!“ „Und ob ich das kann“, wiederholte Claire nachdrücklich, „es sei denn, diese Filmchen sind dir wichtiger als ich, denn dann...“ „Nein, nein, schon gut“, unterbrach er sie eilig, „ich werde sie Lee geben. Wenn wir uns mal wieder einen Männerabend machen, guck ich sie mir halt mit ihm an.“ „Du bist ein Schatz“, strahlte Claire nun glücklich über das ganze Gesicht und griff über dem Tisch hinweg nach seiner Hand. „Was tut man nicht alles für die Liebe“, seufzte Duncan und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken.....

****************

Genervt verdrehte Duncan die Augen, während Claire wie ein Rohrspatz neben ihm schimpfte. Dabei war das Essen eigentlich sehr schön gewesen. Claire hatte sich zusehends entspannt und sogar dem schon etwas ängstlichen Kellner ein Lächeln geschenkt, als er das Essen servierte. Als die beiden das Restaurant verließen, entdeckte seine Freundin ein Taxi und drängte Duncan, damit nach hause zu fahren. Doch kurz bevor sie das Taxi erreichten, brauste der Fahrer davon. Nun standen sie beide hier und Claire fluchte nicht gerade damenhaft vor sich hin. Konnte man überhaupt damenhaft fluchen? „Dann laufen wir eben“, zuckte Duncan mit den Schultern, „is doch nix dabei.....und komm mir jetzt ja nicht wieder mit diesem Killer!“ „Wenn du laufen willst, dann bitte! Ich jedenfalls rufe mir ein Taxi“, blieb sie stur und verlangte nach seinem Handy. „Pech gehabt“, grinste Duncan, als er auf das Display sah, „Akku leer!“ „Na toll“, meckerte Claire und wollte schnurstracks zurück zum Restaurant laufen, doch Duncan legte den Arm um sie und zog Claire mit sich, obwohl sie versuchte, sich zu wehren. „Ich liebe deine kratzbürstige genau so wie deine sanfte Art“, lachte Duncan, während sie nun schmollend neben ihm herging, „es ist doch nicht weit, Darling. Wir müssen doch nur durch den Stadtpark und dann sind wir doch bald da.“ Hoffentlich, dachte Claire nur. Während Duncan versuchte, seine Freundin mit einem Gespräch abzulenken, strafte Claire ihn mit Schweigen und hielt Ausschau nach allem, was nur irgendwie nach Bedrohung aussah. Irgendwas war hier doch, dass spürte sie ganz deutlich.....

***************

Das junge Pärchen bemerkte gar nicht, wie er ihnen durch den Stadtpark nach schlich......zumindest der junge Mann tat es nicht. Die junge Frau jedoch schien etwas zu ahnen, denn von ihr ging eine ungeheure Nervosität aus, während sie sich immer wieder ängstlich umblickte. Aber sie würde ihn nicht sehen....niemand hatte bisher den schwarzen Mann gesehen.....schon damals nicht, als Peter Daniels noch die Stadt in Angst versetzte und auch in Zukunft, wo er diese Rolle übernehmen würde, würde ihn niemand sehen. Er war noch jung, gerade mal 20 Jahre alt und er kannte die Morde nur aus Erzählungen seiner Eltern, die alles hautnah miterlebten, dennoch verschont blieben. Mit zunehmendem Alter interessierte er sich immer mehr für die Vergangenheit und stellte viele Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Peter fest. Seine Besessenheit wuchs von Tag zu Tag bis er an einem Punkt angelangte, an dem es kein Zurück mehr gab. Und genau an diesem Abend, wo er diesem Pärchen folgte, befand er sich an diesem Punkt. Immer weiter schlich er den beiden lautlos nach, denn er musste sie erwischen, bevor sie den Ausgang des Parks erreichten. Der Griff um das Holz in seiner Hand verstärkte sich. Es war nicht irgendein Holzgriff, sondern der einer Axt, dessen Klinge im Mondlicht aufblitzte. Der Anblick der Axt hatte ihn zu sehr abgelenkt.... Ein unachtsamer Schritt und ein Stück Holz zerbrach unter seinem Fuß. Normalerweise kein lautes Geräusch, doch jetzt schien es durch den ganzen Park zu hallen.....

*************

„Hast du das auch gehört?“, zuckte Claire erschrocken zusammen und drängte sich an Duncan. „Das war bestimmt nur ein Hase oder so was“, beruhigte er sie. „Da! Hast du das gesehen?“, aufgeregt deutete Claire auf ein entferntes Gebüsch und eine Reihe von dicht beieinander stehenden Bäumen, „Wie erklärst du dir das Aufblitzen dahinten? War das auch ein Hase?“ Darauf hatte Duncan nun keine Antwort, also stritt er ab, etwas gesehen zu haben. Es war ihm nur aus den Augenwinkeln aufgefallen und er war sich zunächst nicht sicher gewesen, wirklich etwas gesehen zu haben. Doch Claire hatte es auch bemerkt....wie könnte sie auch nicht?! Da hinten schien etwas zu sein und...Duncan, bist du jetzt total von Sinnen? Im Stillen tadelte er sich selbst, weil er gerade damit anfing, genau so paranoid zu werden, wie alle anderen. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass Angst in ihm aufkeimte. Diese jedoch wollte er seiner Freundin nicht zeigen, die sowieso schon vor Angst schlotterte. „Komm“, sagte er nur und lief schnellstmöglich mit ihr aus dem Park. Als sie den Park nun endlich hinter sich gelassen hatte, entdeckten sie am Straßenrand eine Telefonzelle. Eiligst quetschten sie sich beide hinein und Duncan warf ein paar Münzen in den Schlitz, um endlich ein Taxi zu rufen. Claire blickte angestrengt in die Dunkelheit. Vielleicht würde sie ja noch ein Aufblitzen sehen, eine Bewegung, die ihren Verdacht bestätigte, dass Jemand dort draußen mit bösen Absichten rum lief. „Gleich ist das Taxi da“, schützend legte Duncan den Arm um Claire. Und er hatte recht. Fünf Minuten später traf das Taxi ein und brachte die beiden nach hause. Eiligst schloss Claire die Tür, als sie sich wieder in Martins Haus befanden. Sie verriegelte die Tür und die Fenster und schlüpfte ins Bett. Duncan folgte ihr wenige Minuten später. „Du hast es doch auch gesehen oder?!“, durch brach sie die Stille. „Das kann alles mögliche gewesen sein“, wiegelte er ab. „Aber sicher bist du dir nicht?!“ Ihr Freund seufzte leise auf: „Versuch das bitte zu vergessen und ruh dich jetzt erstmal aus.“ Na klasse, er hatte ja auch leicht reden, schließlich war er, Sekunden nachdem er das gesagt hatte, schon im Land der Träume versunken. Nur noch ein einzigster Gedanken beschäftigte Claire.....Warum will er die Wahrheit nicht sehen?

**************

Halloween rückte unaufhaltsam näher und Claire weigerte sich strikt, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Duncan verfiel mal wieder in leichte Genervtheit, denn jedes Mal, wenn er den Vorschlag machte, etwas zu unternehmen, brach ein wahres Donnerwetter über ihn herein. „Wenn wir auf die Party wollen, müssen wir so langsam die Kostüme besorgen“, bemerkte Martin beim Frühstück zwei Tage vor Halloween, was Claire von ihrem Brötchen aufschauen ließ. Diese Party veranstaltet ein gemeinsamer, alter Freund von Duncan und Martin und Duncan freute sich schon darauf, ihn wieder zu sehen. „Ja, klar, Angst vor so nem irren Spinner, der schon seit Jahren verschwunden ist, aber auf ne Halloween Party gehen. Habt ihr nicht Angst, dass euch Jemand ein Messer hinterrücks in den Rücken stoßen könnte?!“, witzelte Duncan und verschluckte sich beinahe an seinem Brötchen. Wenn Blicke töten könnte, wäre er jetzt tot umgefallen und das sogar doppelt. „Du hast also wirklich vor, da noch hinzu gehen?“, fragte Claire überrascht. „Sicher, kommst du gleich mit, die Kostüme besorgen?“ Ja, dieser vernichtende Blick seiner Freundin sprach Bände. Das war ein klares, deutliches „Nein, du hast sie wohl nicht mehr alle!“ Also machte er sich mit Martin allein auf den Weg. Duncan entschied sich für ein ganz einfaches Kostüm. Es bestand aus einem grauen Overall und einer Maske. Er war sicher, dass es seine schockende Wirkung bei Claire nicht verfehlen würde, wenn er als Michael Myers auftauchen würde, ein Mann aus seinen Lieblings – Horror – Filmen, der seine Familie umbringt. Zufrieden grinste Duncan unter seiner Maske, als er vor dem Spiegel stand und das unechte Messer in seiner Hand betrachtete. „Du kannst es wirklich nicht sein lassen“, schüttelte Martin den Kopf, der sich augenscheinlich für ein Vampir – Kostüm entschieden hatte. Duncan konnte nur grinsen, was Martin zum Glück nicht sehen konnte. „Was ist eigentlich mit Claire? Nimmst du ihr auch ein Kostüm mit?“ „Aber klar“, Duncan zog sich die Maske vom Kopf und ging durch die Reihen, zog hier und da mal ein Kostüm heraus, schüttelte den Kopf und suchte weiter, bis er etwas passendes gefunden hatte. „Sie wird dich umbringen“, meinte Martin, als Duncan sich ein Prinzessinnen – Kleid vor die Brust hielt. „Claire war schon öfters kurz davor mir den Hals umzudrehen“, winkte er ab und betrachtete zufrieden seinen Fund, „ich bin das schon gewöhnt.“ Auf dem Nachhauseweg versuchte Duncan seinen Freund zu überzeugen, bei seinem kleinen Streich, der ihm spontan eingefallen war und den er Claire spielen wollte, mitzumachen. Denn Duncan hatte es sich nicht nehmen lassen, sein Michael Myers – Kostüm nicht auszuziehen. „Dich soll mal einer verstehen“, seufzte Martin und betrachtete Duncan, der bettelnd neben ihm her lief. „Du brauchst ja nur deinen Mund zu halten, das ist auch schon alles“, grinste Dunc spitzbübisch und Martin fügte sich in sein Schicksal. Er würde ja eh nicht eher Ruhe geben.....

********************

Claire war zuhause geblieben und ärgerte sich über den Dickkopf ihres Freundes. Dieser sture Kerl würde sich wohl nie ändern. Sie versuchte sich mit Fernsehen abzulenken und zappte sich durch sämtliche morgendliche Talkshows, wo sich betrogene Frauen mit ihren Ehemännern zofften oder mal wieder einer von vielen Vaterschaftstests gemacht wurde. Claire schüttelte belustigt den Kopf. Es war einfach nur lächerlich. Wie konnte man nicht wissen, wer der Vater des eigenen Kindes ist? In diesem Moment war Claire froh, nicht solche Probleme zu haben. Für sie gab es nur Duncan und auch, wenn er so seine kleinen Macken hatte, liebte sie ihn über alles. Kinder waren derzeit noch nicht geplant, aber das würde sich auch noch ergeben. Nur hoffentlich hatten sie dann nicht den selben Horror – Tick wie ihr Daddy?! Schließlich hörte Claire die Tür und schaltete den Fernseher aus. Martin kam ins Wohnzimmer und ließ sich auf einem Sessel fallen. „Wo ist Duncan?“, fragte Claire, doch darauf bekam sie nur ein Schulterzucken zur Antwort. Wo trieb der sich denn jetzt schon wieder rum? Instinktiv spürte Claire, dass jemand hinter ihr stand. Im Fernseher erkannte sie dann voller Schrecken, wie sich eine Gestalt darin spiegelte und das mit hoch erhobenen Messer. Kreischend sprang Claire auf und die Gestalt brach in schallendes Gelächter aus. Er zog sich die Maske vom Kopf und zum Vorschein kam Duncans grinsendes Gesicht. „Oh, du bist ein elendiger Mistkerl, Duncan Inglis“, schrie sie ihren Freund an und schlug ihm wütend gegen die Brust, „wie kannst du nur?“ Nun fing Duncan erst richtig an zu lachen. „Verstehst du keinen Spaß mehr, Honey?“, gluckste er und hielt sich den Bauch. „Wenn ich dich nicht so verdammt lieben würde, hätte ich dich schon längst zum Teufel gejagt“, zischte Claire und funkelte ihn vernichtend an. „Da hab ich wohl noch mal Glück gehabt, was?!“, witzelte Dunc und wich einem Sofakissen aus Claire´s Richtung aus, „wie findest du mein Outfit?“, grinste er provozierend. „Ich an deiner Stelle würde vorsichtiger sein, wenn du nicht auf dem Sofa nächtigen willst....“, raunte sie Claire im Vorbeigehen zu. „Ich liebe dich auch, Babe“, rief er ihr hinterher, worauf sekundenspäter die Tür zum Gästezimmer zuknallte. „Zufrieden, Dunc?“, fragte Martin und seiner Stimme war ein vorwurfsvoller Unterton zu entnehmen. „Mein Gott, versteht denn hier keiner mehr einen Scherz?“, murrte dieser und ließ sich auf die Couch plumpsen. Was für Spaßbremsen, dachte er eingeschnappt.....

******************

D....d.....das kannst du doch nicht machen, Duncan“, stotterte Claire und sah ihren Freund ängstlich an, der sich zufrieden im Spiegel betrachtete. Es war Halloween – Abend und Duncan steckte in seinem Michael Myers´ Kostüm. „Warum kann ich das nicht?“, fragte er unbeeindruckt, „Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder bleibst du hier oder du kommst mit!“ „Du kannst mich doch nicht allein lassen!“ „Claire, ich habe extra wegen dir den Flug umgebucht und wir fliegen morgen nach hause. Ist es da zuviel verlangt, wenn ich mich dann heute mal amüsieren möchte?!“, Duncan setzte zu guter letzt noch seine Maske auf. „Bitte, bleib hier“, bat sie flehend. „Nein, ich gehe! Kommst du nun mit oder nicht?“ „Wie soll ich das bitteschön anstellen?“, aufgebracht stapfte Claire durch das Zimmer, „Ohne Kostüm?“ Grinsend holte Duncan eine Tüte aus dem Schrank und drückte sie seiner Freundin in die Hand: „Alles schon erledigt!“ Eilig verließ er das Zimmer. Warum er so schnell gegangen war, wurde Claire klar, als sie das Kostüm aus der Tüte holte. Mies gelaunt verzog die junge Frau das Gesicht. Das würde Duncan ihr noch büßen.....

*****************

„Du siehst soooo süß aus“, quietschte Duncan wie ein kleiner Junge, während Claire immer wieder an ihrem Kostüm herum zupfte. In Martins´ Auto waren die drei auf dem Weg zur Party. „Schade, dass du kein Katzenkostüm genommen hast....“, erwiderte Claire bedauernd. „Warum?“ „Weil ich dir dann nämlich jetzt die Augen ausgekratzt hätte“, zischte sie. „Sind Eure Hoheit heute mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden?“, witzelte Dunc, „kann ich Euch irgendwie wieder gnädig stimmen? Euer treuer Untertan steht Euch immer zu Diensten, Prinzessin!“ Du kannst endlich deine Klappe halten, dachte Claire genervt, verkniff sich aber irgendwas zu sagen. Duncan gab nun auch Ruhe und zog sich seine Maske über. Kurz darauf parkte Martin den Wagen auch schon vor Olivers Haus. Drinnen schien schon mächtig was los zu sein. Im Wohnzimmer trennten sich dann die Wege der drei: Martin wollte zunächst Oliver begrüßen, Duncan stürzte sich gleich ins Getümmel, während Claire sich etwas zu trinken holte und sich missmutig auf einem Sofa nieder ließ. Claire fragte sich mal wieder, was die Leute nur an Halloween so toll fanden. Was für ein Blödsinn das hier war, dachte sie verärgert, und sie machte hier auch noch mit. Gelangweilt nippte sie an ihrem Getränk und wimmelte lästige Verehrer ab, die sie zum tanzen aufforderten. Plötzlich spürte Claire ein Messer an ihrer Kehle. „Tanzen Sie mit mir, Prinzessin, oder muss ich Gewalt anwenden?“, vernahm sie die Stimme ihres Freundes, die wegen der Maske dumpf an ihre Ohr drang. „Hast du sie eigentlich noch alle?“, brauste Claire auf. Ihr Herzschlag hatte sich in Sekunden auf das Doppelte beschleunigt und ihr Atem ging stoßweise. Wortlos zog Duncan sie mit sich und begann mit ihr zu tanzen. Claire verfluchte diesen Moment. Sie konnte Duncan hier noch nicht mal richtig zur Schnecke machen ohne großes Aufsehen zu erregen. „Hat es dir die Sprache verschlagen?“, raunte Duncan ihr ins Ohr, „mal ganz was neues.....Claire? Redest du jetzt nicht mehr mit mir?“ „Schlau analysiert, du Genie“, erwiderte Claire sarkastisch, „so lange du diese Maske auf hast, wechsele ich kein Wort mehr mit dir!“ Seufzend zog sich Duncan die Maske vom Kopf: „Kannst du dich nicht einfach entspannen und den Abend genießen?“ „Ich fühle mich hier einfach nicht wohl, Duncan“, antwortete Claire und spürte, wie Duncan ihr beruhigend über den Rücken strich. „Kannst du es nicht wenigstens versuchen....mir zu liebe?“ „Du machst es mir nicht gerade einfach...“ „Das war ja auch meine Absicht“, lächelte Duncan frech und zog Claire an sich, „du brauchst keine Angst zu haben! Ich passe auf dich auf...“

***************

Niemand hatte bemerkt, wie er sich von der Party still und heimlich verzogen hatte. Das Pflichtprogramm hatte der junge Mann erfüllt, indem er den Gastgeber, Oliver, und noch einige andere seiner Freunde begrüßt hatte. Danach hatte er sich noch ein wenig unter die Leute gemischt, denn niemand sollte Verdacht schöpfen. Bevor er das Haus verließ, galt sein letzter Blick einem jungen Pärchen, Claire und Duncan. Duncan würde schon noch sehen, was er von seiner Sorglosigkeit hatte.... Eilig machte er sich auf den Weg nach hause. Das was er am Leib trug, gefiel ihm ganz und gar nicht....Ein Vampir – Kostüm....pf, was war das schon? Davor würden sich höchstens kleine Kinder erschrecken, wenn überhaupt.... Als er sich zuhause umgezogen hatte, fühlte er sich schon wohler. Ja, vermummte Gestalten machten Angst, nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen. So gut wie in jedem Menschen ruhte die Angst vorm schwarzen Mann.....

***************

Spät in der Nacht verließen Claire und Duncan die Party. Duncan war sehr zufrieden mit sich, denn er hatte es geschafft, dass sich seine Freundin doch noch etwas amüsierte, obwohl sie das selbst unter Folter nicht zugegeben hätte. „Sein Auto ist weg“, Claire deutete auf die Stelle, an der Martin das Auto abgestellt hatte. „Er ist bestimmt schon nach hause gefahren“, meinte Dunc, nahm sie bei der Hand und lief los. Oh je, irgendwoher kam Claire diese Situation schrecklich bekannt vor. Sie wusste genau, dass ihr Freund wieder irgendwelche seiner makaberen Witzchen reißen würde und hielt deswegen besser ihren Mund. Diesmal war es nicht der Stadtpark, den die beiden durchqueren mussten, sondern ein anderer Park, man könnte auch bald Wäldchen sagen, denn die Bäume standen so dicht beieinander, dass sie kaum das Mondlicht auf die Wege scheinen ließen. Claire´s Herz raste wie verrückt, denn sie spürte die Anwesenheit einer weiteren Person. Auch Duncan war nicht gerade zum lachen zu mute. Vorhin hätte er noch darüber Witzchen gerissen, doch jetzt beschlich ihn ein eigenartiges Gefühl. Irgendwas...nein, irgendwer lauerte hier draußen und wartete nur auf den richtige Augenblick um zu schlagen zu können. Duncans Angst sollte nicht unbegründet sein, denn plötzlich zerriss ein Geräusch hinter ihnen die Luft. Erschrocken fuhren die beiden herum und erblickten eine vermummte Gestalt, die eine Axt durch die Luft schwang. „Claire, LAUF!“, befahl Duncan, während die Gestalt immer näher kam. „Auf keinen Fall“, protestierte sie, „ich lass dich nicht allein!“ „Jetzt geh schon!“, fuhr er sie an und während Claire weinend rannte, so schnell ihre Beine sie trugen, kämpfte Duncan mit diesem Verrückten. Ja, verrückt, anders konnte man ihn nicht beschreiben. Obwohl Duncan groß und kräftig gebaut war, schaffte er es nicht, ihm die Axt zu entreißen. Dieser Kerl hatte beinahe unmenschliche Kräfte. Erneut sauste die Axt durch die Luft und sie verfehlte ihr Ziel nicht. Duncan Inglis hatte noch nicht einmal mehr Zeit, ein letztes Stoßgebet gen Himmel zu schicken, dass seine Freundin beschützen sollte. Wie gern hätte er ihr noch einmal in die Augen gesehen, sie in seine Armen gehalten und ihr gesagt, wie sehr er sie liebte. Doch nichts davon konnte er mehr tun. Mit einem Hieb war sein Leben ausgelöscht worden. Sein enthaupteter Körper fiel zu Boden, genauso wie sein Kopf. Aus weit aufgerissenen, anklagenden Augen starrte Duncans Kopf zu seinem Mörder empor....

****************

Unzufrieden blickte er auf sein enthauptetes Opfer hinab. Duncan....schade, dass du dich jetzt nicht selbst sehen kannst, dachte er, nein, du hättest erst deine Freundin sehen müssen, dann wäre dir bewusst geworden, was deine Sorglosigkeit angerichtet hat. Jetzt musste er nur noch Claire erwischen und, bei Gott, das würde er. Er würde nicht eher Ruhe finden, bis er sie Duncan hinterher geschickt hatte. Erst dann war sein Halloween zu ende, wenn sich ihr Blut vor seinen Füßen ausbreitete....

**************

Wie von Sinnen lief Claire aus dem Park, inständig hoffend, dass Duncan es schaffen würde, gegen diesen Verrückten an zu kommen. An dem ersten Haus, dass sie erblickte, klingelte sie Sturm, bis ein Mann mittleren Alters ihr die Tür öffnete. „Was wollen Sie?“, grummelte der Mann und rieb sich die Augen. „Bitte, Sie müssen die Polizei rufen! Mein Freund und ich wurden dort hinten im Park überfallen. Er braucht Hilfe!“, drängte Claire panisch und der Mann war mit einem Schlag hell wach. Eiligst rief er die Polizei, die wenige Minuten später an dessen Haus eintrafen. Claire allein kannte den Weg und sie führte die Polizisten mit schnellen Schritten in den Park hinein. Eine gespenstische Stille hatte sich ausgebreitet, kein Rufen, noch nicht einmal ein Wimmern war von Duncan zu hören. „Gleich sind wir da...“, murmelte Claire angsterfüllt. Warum meldete er sich nicht? Warum war es hier so ruhig? Es war, als hätte jemand auf einen Stummschalter gedrückt. Die Strahlen der Taschenlampen huschten durch die Nacht und fingen plötzlich etwas menschliches ein....einen Fuß! „Oh mein Gott, Duncan“, schrie Claire und sank neben dem Körper auf die Knie. Die Polizisten leuchteten den ganzen Körper ab und Claire wich vor ihm zurück, als sie das viele Blut sah, dass aus seinem Hals floss. Das Licht der Taschenlampe hob nun auch seinen Kopf aus der Dunkelheit hervor, der direkt zu Claire´s Füßen lag. Sie weinte, schrie und zappelte, als einer der Polizisten sie festhielt, da sie hyperventilierte, bis sie schließlich zusammenbrach und nur noch Duncans Namen wimmerte. „Das ist ein Fall für die Kriminalpolizei“, flüsterte ein fassungsloser Polizist und eilte zurück zum Auto....

****************

Es war ein scheußlicher Anblick für den jungen Kommissar Ben Hillefeld. Eine enthauptete Leiche hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen und er hoffte, dass das auch nie wieder der Fall sein würde. Doch am schlimmsten war es für die junge Frau, die ihren toten Freund so sehen musste. Nie wieder würde sie diesen Anblick vergessen. Es würde sie verfolgen, in ihren Träumen ihr ganzes Leben lang. Ben musste eine Welle des Ekels zurück halten und deckte die Leiche zu. Wer zum Teufel, konnte etwas so furchtbares tun? Ein Irrer? „Geht es Ihnen wieder einigermaßen gut?“, fragte er vorsichtig und setzte sich neben die junge Frau, die ihre Augen starr auf die abgedeckte Leiche ihres Freundes gerichtet hatte. Sie hatte sich strikt geweigert, diesen Ort zu verlassen. „Ist das wirklich Ihr Ernst?“, die Augen der schönen jungen Frau waren leer, „es wird mir nie wieder gut gehen....nie wieder....“ „Verzeihen Sie“, blickte Ben sie beschämt an, „aber wir wollen den Mord an ihrem Freund so schnell wie möglich aufklären und dazu brauchen wir ihre Hilfe. Haben Sie den Kerl erkannt?“ „Es war der schwarze Mann“, flüsterte Claire, „der schwarze Mann....“ Wieder starrte sie auf die Leiche. Das brachte Ben nicht besonders weiter, aber die junge Frau stand nun mal unter Schock. Es konnte jetzt nicht zuviel von ihr verlangen. „Kann ich jemanden für sie benachrichtigen?“, harkte er behutsam nach und informierte wenig später einen gewissen Martin. Dieser traf Minuten später ein und schloss die junge Frau gleich in seine Arme. „Passen Sie gut auf sie auf“, mahnte der junge Kommissar, denn auf Claire kamen nun schwere Zeiten zu. „Keine Angst, das werde ich“, erwiderte Martin, „das werde ich.....“

*****************

Claire hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Apathisch lag sie nun im Gästezimmer und hatte eines von Duncans Hemden an ihre Brust gedrückt. Man hatte ihr das Liebste auf der Welt entrissen und es würde nie wieder kommen. Welche Pläne hatte die beiden doch gehabt.....Verlobung, Heiraten, Kinder kriegen, alles wie im Bilderbuch....bis zu jener vergangenen Nacht, in der alles auf so grausamen Art und Weise zerstört worden war. Vereinzelte Tränen rannen über ihre Wangen, als am nächsten Nachmittag der junge Kommissar Ben Hillefeld ihr Zimmer betrat, um sie erneut zu befragen. Doch alles, was sie hervor brachte, war: „Es war der schwarze Mann!“ Ben´s Versuche, der jungen verzweifelten Frau etwas mehr zu entlocken, scheiterten kläglich. Grübelnd ließ er Claire wieder allein. Es blieb ihm nichts weiters übrig, als nach zu forschen, wer in letzter Zeit aus dem Gefängnis entlassen oder geflüchtet war. Ben hatte das Zimmer verlassen und Claire starrte auf die Tür. Nie würden sie „ihn“ finden....nie im Leben..... Ihre Gedanken wanderten wieder zu Duncan. Er war allein....sie war allein, nur konnte Duncan von dort, wo er jetzt war, nie wieder zu ihr zurück kommen. Sie hingegen hatte die Möglichkeit, alles hinter sich zu lassen. Ihr Glück war tot und mit ihm war auch ein Teil von ihr gestorben. Der andere Teil würde ihm bald folgen.....

*****************

„Claire, bist du sicher, dass ich dich nicht begleiten soll?“, fragte Martin, „immerhin ist es schon dunkel....“ „Ja, ich bin sicher“, antwortete Claire bestimmt, „ich möchte einfach nur allein sein.“ Damit trat sie aus der Tür in die Dunkelheit. Schon den ganzen Tag regnete es unaufhörlich, doch Claire machte das nichts aus. Es kam ihr vor, als würde der Himmel mit ihr um Duncan weinen....unendlich viele einzelne Tränen.... Ihre Füße trugen Claire wieder zu der Stelle, an der Duncan sein Leben lassen musste. Einige Zeit starrte sie auf die Stelle, an der sich sein Blut mit dem, vom regen aufgeweichten, Schlamm vermischt hatte. Nur, wenn man ganz genau hinsah, konnte man es noch erkennen. Plötzlich hörte Claire ein Rascheln. Sie wusste, dass „er“ gekommen war. „Na komm, zeig dich“, flüsterte sie und sah sich Sekunden später mit „ihm“ konfrontiert. Langsam kam „er“ auf sie zu. „Seine“ Axt, die Axt mit der Duncan getötet worden war, blitze im Mondlicht auf. „Ich will sehen, wer du bist“, forderte Claire, „du hast nichts mehr zu verlieren!“ Zu diesem Entschluss kam „er“ auch und gab sich ihr zu erkennen. „DU?!“ „Ja, ich!“, grinste Martin bösartig. „Du hast deinen besten Freund verraten! Wir haben dir vertraut! Wie kannst du dir überhaupt noch vor dem Spiegel in die Augen schauen?“, schrie Claire außer sich. „Wäre Duncan nicht so sorglos gewesen und hätte auf dich gehört, wäre das alles nicht passiert. Du weißt, was dir blüht....“, fügte Martin hinzu, „du kannst dem nicht entkommen....“ „Ich weiß und ich habe keine Angst!“ Gleich bin ich bei dir Duncan.... Kein Laut drang aus Claire´s Kehle, als die Axt unbarmherzig auf sie nieder sauste....

Zufrieden betrachtete Martin sein „Werk“. Es war vollbracht. Nun erst war „sein“ Halloween vorbei. Ein grausames, irres Lachen bereitete sich vom Park über die ganze Stadt aus. „Happy Halloween.....“



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung