myloveduncan
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Floristik
  Fan Fictions
  Eine Chance für die Liebe?!
  How do I?
  Make it happen
  Once more with Feeling
  Love Rules - Don't go breakin' my heart
  Halloween - Schrei, wenn du kannst...
  Whatever Happens
  Sweet teenage Love - I feel your pain
  Supersexually - You are the one for me
  Shape of my heart
  Love's just the beginning of something beautiful
  Sweet Halloween - Der Tod ist näher, als du denkst
  Where you want me
  Lost without you
  Greetz
  Blue
  Gästebuch
  Kontakt

 
Links
  Cindy's Blog
  Kitty's Australien Blog
  Kitty's Blog
  Ivy's Blog


http://myblog.de/myloveduncan

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Halloween – Schrei, wenn du kannst…

Es ist die Nacht, der die Menschen mit gemischten Gefühlen entgegensehen…
Es ist die Nacht, in der sich Kinder voll Vorfreude verkleiden, um auf Beutezug nach Süßigkeiten zu gehen
Es ist die Nacht der wilden Partys, in der man sich zum Spaß gegenseitig erschreckt, doch daraus kann ganz schnell bitterer Ernst werden…

Es ist die Nacht der Geister, Hexen und Dämonen
Es ist die Nacht, in der die Trennwand zwischen den Lebenden und Toten besonders dünn ist
Es ist die Nacht der Irren…und der Mörder!

Es ist die Halloween Nacht, in der Alpräume wahr werden…


******************************************************************************************

29. Oktober

Wie gerädert erwachte Liz am Morgen des 29. Oktobers. Die Nacht hatte ihr nicht viel Schlaf beschert, wie jedes Jahr um diese Zeit, wenn sich der 31. Oktober erneut jährte. Jedes Mal aufs Neue suchten sie Alpträume heim, die sie einfach nicht bewältigen konnte. Doch sich jemanden anvertrauen oder gar professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen kam für sie nicht in Frage. Nein, auf keinen Fall, denn niemand würde es verstehen…

Liz war schon immer selber damit klar gekommen, denn etwas anderes war ihr nicht übrig geblieben. Sie hatte keine Familie mehr, schon lange nicht mehr und so hatte sie sich ihr ganzes Leben, und zwar genau 21 Jahre lang selbst durch geschlagen…

Nein, halt, so ganz stimmte das nicht. Seit zwei Jahren hatte sie einen Mann an ihrer Seite, der jetzt ihre Familie war, er und seine Mutter, für die sie wie eine eigenen Tochter war, gaben ihr Halt. Sie vertraute ihrem Freund bedingungslos und doch hatte sie ihm einen Teil ihres Lebens verschwiegen. Den Teil, warum sie keine mehr lebenden Verwandten hatte, bis auf einen…

Das war dann wohl die sprichwörtliche Leiche im Keller, die wohl jeder tief im Keller seiner Vergangenheit vergraben hatte. Ihr ganzes Leben lang hatte sie versucht, dieses Dunkel zu vergessen, ihre Vergangenheit zu begraben, doch irgendwie wurde sie immer wieder davon eingeholt, nämlich jedes Jahr an einem ganz bestimmten Tag, in einer ganz bestimmten Nacht...

Zu verdrängen war einfach, doch zu vergessen umso schwerer und das hätte Liz am liebsten getan. Einfach alles vergessen und mit ihrem Freund ein neues Leben anfangen, vielleicht auch in einem anderen Land, doch das war unmöglich. Sie liebte London, diese Stadt, die ihr so viel bedeutete und die sie nicht auch noch verlieren wollte. Außerdem hang ihr Freund auch daran, seine Mum wohnte außerdem auch noch hier und schon allein sein Job hätte einen Umzug unmöglich gemacht…

„Irgendwann wird es vorbei sein....vielleicht ist es das schon…“, murmelte Liz leise vor sich hin, als sie es endlich bis nach unten in die Küche geschafft hatte, um sich einen starken Kaffee zu kochen, den sie jetzt mehr als alles andere brauchte. Es war gerade mal halb sechs morgens und Liz hatte noch jede Menge Zeit, bis sie zur Arbeit aufbrechen musste. Ihr Freund lag natürlich noch oben im Bett und schlief tief und fest. Bei dem Gedanken an ihn musste sie schmunzeln…

Er sah aus wie ein Baby aus, so unschuldig, wenn er schlief, was er ganz und gar nicht war. Nein, wenn er wollte, konnte er es ganz schön faustdick hinter den Ohren haben. Er war es, der sie immer aufheitern konnte und der ihr die Hoffnung auf eine doch noch glückliche Zukunft gegeben hatte…

„Das erste Mal, dass mir Gott einen Menschen geschickt, statt weg genommen hat“, seufzte sie leise und schüttelte gleich darauf den Kopf. Nein, jetzt war nun wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, Traurigkeit aufkommen zu lassen. Das alles war schon so lange her und Liz hatte sich damit abgefunden, dass ihre Familie nicht mehr da war, die Familie, die sie über alles geliebt hatte…

„Du wirst noch zur Nachteule“, gähnte plötzlich jemand hinter ihr, der gleichzeitig die Arme um sie schlang und sein Kinn auf ihrer Schulter abstützte. Ganz kurz war sie zusammen geschreckt, doch ihr Freund schien es nicht bemerkt zu haben, worauf sie sich gleich wieder entspannt hatte. Es war auch kein Wunder, dass er ihren Schrecken nicht bemerkt hatte…

Sie löste sich aus seiner Umarmung, drehte sich zu ihm um und musterte ihn. Seine blonden Haare waren total verwuschelt und standen in jede erdenkliche Richtung von seinem Kopf ab. Sein Gesicht war noch total zerknautscht und seine Augen waren mehr zu als offen. Keine Frage, der Blondschopf schlief noch mehr, als das er wach war!

„Was tust du denn schon hier unten?“, fragte sie verwundert. „Ich kann eben nicht schlafen, wenn du nicht neben mir liegst“, maulte er brummig als Antwort und hörte sich dabei mehr an, wie ein kleiner Junge, als der erfahrene erwachsene Mann, der er eigentlich war. Liz lächelte, drehte sich wieder um und schenkte sich etwas von dem Kaffee ein, der nun endlich durch gelaufen war. Ja, sie konnte wirklich nicht mehr ohne einander, was zum Teil ziemlich kompliziert wurde, wenn ihr Freund mit seiner Band unterwegs war und Liz zuhause saß, weil sie sich nun mal nicht andauernd Urlaub nehmen konnte. Obwohl er ihr oft genug gesagt hatte, dass sie es nicht nötig hatte, arbeiten zu gehen, hatte sie ihren Beruf nie aufgegeben. Sie hatte noch nie jemanden auf der Tasche gelegen und ganz sicher würde sich das bei ihrem Freund auch nicht ändern, auch, wenn er sich insgeheim darüber ärgerte…

Am liebsten hätte er Liz immer und überall bei sich gehabt und das Geld, das er mit seiner Musik zusammen mit seinen drei besten Freunden verdiente, war nun wirklich von schlechten Eltern. Außerdem brauchte man nur einen guten Finanzberater und das Geld vermehrte sich von allein. Trotzdem blieb seine Freundin stur und der Blondschopf hatte es aufgegeben, mit ihr darüber zu „diskutieren“…

„Du bist richtig knuffig, wenn du so muffelig bist“, neckte sie ihn mit einem Kniff in die Wange, den er mit einem mehr als unwilligen Brummen zur Kenntnis nahm und ihr die Kaffeetasse weg schnappte, die sie in der einen Hand hielt. Sekunden später riss er die Augen auf, denn nun war er mit einem Schlag wach geworden…kein Wunder, bei dem Kaffee…

„Man Babe, damit könntest du einen Toten ja wieder lebendig machen“, verzog er das Gesicht, nachdem er es dann doch vorgezogen hatte, die Tasse mit dem schwarzen Gebräu so weit wie möglich aus seiner Reichweite zu schaffen. Liz ließ sich nicht anmerken, dass sie von seiner Wortwahl nicht gerade begeistert war und zuckte nur mit den Schultern: „Selbst schuld!“

Mit sich und der Welt unzufrieden lehnte der Blondschopf nun an der Arbeitsplatte und schaute seiner Freundin muffelig ins Gesicht. „Schatz, warum gehst du nicht noch etwas ins Bett?! Du hast doch nachher auch wieder Termine und so hält es ja nun wirklich keiner mit dir aus!“ „Oh vielen Dank auch“, grummelte er eingeschnappt. Er war ein Morgenmuffen, ganz klar, doch noch schlimmer war es, wenn er noch früher wach wurde, als er eigentlich aufstehen musste…dann konnte es schon mal Tote geben…

Schmunzelnd drückte Liz ihm einen sanften Kuss auf die Lippen und zog ihn ins Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch fallen ließ und neben sich klopfte. Der blonde Sänger verstand, ließ sich der Länge nach neben ihr nieder und bettete seinen Kopf auf ihrem Schoß. Anschließend griff er sich die Wolldecke, die über der Lehne hing und deckte sich bis zur Nasenspitze zu. Lächelnd strich die junge Frau ihm sanft durch die Haare, während sie ihn ausgiebig betrachtete…

Die Augen waren ihm, kaum hatte er sich richtig unter die Decke gekuschelt, auch schon zugefallen und Liz fragte sich, was er wohl träumen mochte. Zumindest hatte er nicht diese Alpträume, mit denen sie sich immer rum quälen musste und das war auch gut so. Dieses Wissen sollte ihm verborgen bleiben, denn er sollte sich erst gar nicht fragen, wie sie sich gefühlt haben mochte…

Vielleicht war es eines Tages einmal endgültig vorbei, die Angst, die Alpträume, die Gefahr, dass alles wieder von vorne los gehen könnte und diesmal ihr Freund in Gefahr war. Denn eines wusste Liz ganz sicher, würde sie den Mann an ihrer Seite verlieren, so wäre diesmal ihr Leben endgültig am Ende…

*
Gut 1 ½ Stunden später saß Liz immer noch auf der Couch und strich ihrem Freund sanft durch die Haare. So langsam aber sicher musste sie aufstehen, um sich für die Arbeit fertig zu machen, doch da sich ihr Freund auch noch an mit den Händen an ihrem Bein fest geklammert hatte, eine Vorsichtsmaßnahme, damit sie sich nicht einfach wieder so aus dem Staub machen konnte, war es unmöglich, ohne ihn zu wecken…

„Schatz, ich muss wirklich aufstehen“, flüsterte sie leise, in der Hoffnung, dass sein Unterbewusstsein sie los lassen würde. „Nein“, brummelte er leise, aber deutlich genug, dass sie es hören konnte. „Ich komm aber zu spät zur Arbeit“, versuchte sie es erneut. „Na bitte, hätte sich dieses Problem also auch erledigt…“ Empört zwickte die junge Frau ihm in die Seite und stand abrupt auf, so dass sein Kopf unsanft auf dem Sofa zum liegen kam. „Frechheit“, murmelte er, merkte aber schon im nächsten Moment, dass er zu weit gegangen war, als sie davon rauschte und die Badezimmertür oben zu knallte. Er wusste ganz genau, wie empfindlich sie darauf reagierte, denn dieses Thema hatten sie schon so oft durch gekaut, doch manchmal passierte es, dass ihm darüber doch noch etwas raus rutschte und dann…

Der blonde Sänger wusste, dass sie ihren Job liebte, ebenso sehr, wie er seinen liebte und nicht mehr ohne ihn leben könnte, obwohl er ihn unter gewissen Umständen, wenn Liz ihn darum bitten würde, aufgeben würde. Warum verstand sie nicht, dass er sie einfach nur bei sich haben wollte? Wo war das Problem?

Schwerfällig erhob er sich, tapste in die Küche und entsorgte erstmal diesen schrecklich starken Kaffee, um neuen aufzusetzen, den man auch trinken konnte. Als seine Freundin frisch geduscht und angezogen runter in die Küche kam, stand er an der Arbeitsplatte angelehnt und sah sie unverwandt an. „Ich werde ganz sicherlich nicht mit dir darüber diskutieren!“, fuhr sie ihn sofort an, drehte sich auf dem Absatz um und lief in den Flur. Ihr Arm steckte schon in einem Ärmel ihrer Jacke, als der Blondschopf sie zu sich herum drehte und sich seine Lippen auf die ihren senkten…

„Kannst du nicht verstehen, dass ich dich einfach nur bei mir haben will?“, hauchte er, als er von ihr abgelassen hatte, „Liz, du bist wie eine Sucht für mich, von der ich nicht mehr los kommen kann und will. Ist es so schwer für dich zu verstehen, dass ich deine Nähe brauche?!“

Liz war wütend gewesen, so wütend, dass ihn am liebsten ignoriert hätte, doch irgendwie schaffte er es doch immer wieder sie einzuwickeln. „Ich hasse es, wenn du das tust“, grummelte sie. „Was denn?“, fragte er ganz unschuldig, doch sein freches Grinsen bestätigte, dass er genau wusste, was sie meinte. „Ich brauche deine Nähe doch auch, aber…du kannst mich auf Tour doch gar nicht dabei gebrauchen! Oder willst du, dass ich dir die Ohren voll jammere, wann du endlich mal Zeit für mich hast?!“ „Das würde ich gern in Kauf nehmen!“, erwiderte er sofort mit einem bittenden Blick. Liz lachte leise: „Ja, das sagst du jetzt…bisher hat es doch mehr oder minder gut geklappt und das Wiedersehen war doch jedes Mal nun wirklich nicht zu verachten…“

Seine Lippen umspielte ein leicht dreckiges Grinsen, wofür er sich wieder einen Kniff in die Seite einhandelte. „He, das ist Körperverletzung!“ „Verklag mich doch!“, lachend befreite sie sich aus seinem Griff und zog sich nun endlich ihre Jacke ganz an, dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, um ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Ich liebe dich!“, ernst sah er sie an und strich mit der Hand sanft über ihre Wange. Mit geschlossenen Augen genoss Liz diese Zärtlichkeit und das Gefühl von Sicherheit, dass er ihr bot…

Mit einem letzten Kuss verabschiedete sich die junge Frau von ihm und verließ das Haus. Jedes Mal, wenn sie das tat, machte sie einen Schritt ins Ungewisse mit dem Gedanken, ob sie es jemals wieder sehen würde. Das Haus, in dem sie mit Blue’s Duncan James so glücklich war…

**

Seufzend trippelte Duncan zurück in die Küche und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Da war er ja gerade noch mal so davon gekommen ohne sein Leben dabei zu verlieren. Liz war ihm verfallen und er wusste das sehr gut auszunutzen. Das gleiche galt natürlich für sie. Seit gut zwei Jahren befand sich Duncan nun schon in ihrer kleinen Hand und er hatte keinesfalls vor, daraus zu entfliehen, ganz im Gegenteil. Viel lieber würde er sie noch fester an sich binden, doch da er keine Ahnung hatte, was seine Liebste davon hielt, behielt er den funkelnden Diamantring erstmal unter Verschluss…

Erneut griff er zu seinem Kaffee und nahm einen großzügigen Schluck. Bis er los musste, hatte er noch so viel Zeit, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Wie auch? Liz war weg und er wusste nichts mit sich anzufangen. Ob er ihr hinter her gehen sollte? Nein, besser nicht, sie würde ihn sonst hochkant aus dem Laden werfen, wenn er ihr auf die Nerven gehen würde…

Also beschloss er, nach oben ins Bad umzuziehen und sich eine schöne lange heiße Dusche zu gönnen…

***

Das war er also, der Mann, den Liz so abgöttisch liebte. Doch das würde bald auch vorbei sein. Er hatte es beschlossen und so würde es geschehen. Ihr würde noch Hören und Sehen vergehen, wenn sie merken würde, dass er wieder da war, dass er sich wieder in ihr Leben geschlichen hatte, ohne es zu merken...

Er musterte den blonden Sänger ganz genau aus seinem Versteck heraus, wie er da in seiner Küche saß und garantiert an sie dachte. Das Lächeln, das seine Lippen zierte, war ein eindeutiger Beweis dafür! Aber Duncan würde schon noch sehen, was er davon hatte, dass er sich auf Liz eingelassen hatte. Es würde ihm zum Verhängnis werden…

Er hatte sich noch nie davor gescheut, diejenigen zu beseitigen, die ihm im Weg waren und hier handelte es sich außerdem noch um ein Mittel zum Zweck in Gestalt einer menschlichen Person. Liz würde ohne ihn nicht mehr leben wollen und sie würde ihn anbetteln, ihm nichts zu tun, ihm das Leben zu lassen und stattdessen sie zu nehmen…

Doch so einfach würde er es ihr nicht machen. Sie sollte leiden und dafür bezahlen, dass sie ihm die ganzen Jahre über entkommen war, dass er nicht die Möglichkeit dazu hatte, das zu ende zu bringen, was er angefangen hatte. Während sie in ihrer netten kleinen Idylle gelebt hatte, hatte er sein Leben an diesem schrecklichen Ort verbracht, wo man ihn wie einen Irren behandelt hatte. Doch das war er nicht, nein, er wusste ganz genau was er erreichen wollte…

Als Duncan nach oben gegangen war, verlor auch er das Interesse an ihm…vorläufig! Der Sänger würde eine ganz entscheidende Rolle in diesem Spiel, seinem Spiel, übernehmen. Er war der Schlüssel zu Liz, für ihn würde sie sich opfern, doch sein Part war noch nicht gekommen…nein, noch war die Nacht nicht da, in der Liz alles verlieren sollte…

****

Währenddessen war Liz auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Sie war dafür verantwortlich, dass der Laden pünktlich öffnete und das war sie gern. Floristin war zwar nicht von klein auf ihr Traumjob gewesen, aber im Laufe der Jahre hatte sie gemerkt, dass es das richtige für sie war. Sie war glücklich mit ihrer Wahl und hoffe, dass sie vielleicht irgendwann einmal selber ein eigenes Geschäft eröffnen konnte. Doch dafür war noch sehr viel Zeit. Erstmal hatte sie hier genug zu tun und etwas Zeit wollte sie auch noch mit ihrem Freund verbringen, der sowieso viel zu oft und viel zu lange irgendwo in der Weltgeschichte herum reiste…

Ja, er war oft unterwegs, was aber nicht hieß, dass sie ihm deswegen Vorwürfe machte. Er liebte seinen Job eben genau so sehr wie sie und er war ein Teil von ihm. Ohne das, ohne seine Musik wäre er nicht glücklich und sie auch nicht. Außerdem war sie sich seiner Lieben hundertprozentig sicher, so dass sie keine Gefahr für ihre Beziehung sah. Dafür sah sie aber eine andere Gefahr nicht auf sich zu kommen…

Er war ganz in ihrer Nähe, so nahe, dass er beinahe nach ihr greifen konnte, so nahe, wie ein Alptraum nur sein konnte! Hätte Liz gewusst, wer sie beobachtete, so hätte sie sicherlich nicht so unbeschwert mit den Kunden lachen und entspannt ihrer Arbeit nachgehen können. Ihre Gedanken wären um ihn gekreist und nicht um ihren Freund und wie sie sich beiden den heutigen Abend versüßen konnte…

Nicht einen Gedanken verschwendete sie an den Schatten, der ihr gefolgt war, der Schatten, der ihre Vergangenheit und auch die nächsten Tage zieren würde. Sie versuchte zu verdrängen, dass besagter Tag fast wortwörtlich vor der Tür stand und sie Gefahr lief, erneut wieder davon eingeholt zu werden…

„Ist Ihnen kalt??“, die nette alte Dame, für die Liz gerade einen Strauß zusammen stellte, deutete auf ihren Arm, der von einer Gänsehaut bedeckt war. „Etwas“, lächelte Liz freundlich, wusste jedoch genau, dass ihre Gänsehaut im Zusammenhang mit etwas ganz anderem stand…

Der Tag neigte sich immer mehr dem Ende zu und je dunkler der Himmel über England’s Hauptstadt wurde, desto sorgenvoller starrte sie nach draußen. Sie hasste es, in der Dunkelheit allein nach hause gehen, doch ihren Freund wollte sie nicht bitten, sich abzuholen. Schon oft genug hatte er darauf gedrängt, ein zweites Auto anzuschaffen, das er mit Freunden bezahlen würde, doch Liz hatte jedes Mal abgewinkt. Sie mochte es nicht, wenn ihr Freund ihr teuere Geschenke machte, auch wenn er das gar nicht gerne hörte…

Duncan wusste von ihrem geheimen Traum, einem eigenen kleinen Flitzer und nur zu gern wäre er lieber heute als morgen mit ihr los gezogen, damit sie sich einen aussuchen konnte, nicht nur, einfach so zum Spaß, sondern, damit sie abends sicher nach hause kam, doch Liz weigerte sich hartnäckig, was den Blondschopf manchmal so richtig zur Weißglut trieb. Tröstend strich die junge Frau ihm dann immer über die Wange und schmiegte sich an ihn, damit er von seinem trotzigen-klein-Jungen Trip runter kam. Nein, sie wollte sein Geld nicht, sie wollte seine Liebe, seine Zuneigung, mit der sie wunschlos glücklich war…

Am Abend, als die Dunkelheit London fest im Griff hatte, schloss Liz den Laden zu und machte sich auf den Weg nach hause. Langsam ging sie durch verschiedenen Straßen und mit jedem weiteren Meter wurde ihre Nervosität größer und größer. Schatten stürzten von allen Seiten auf sie ein, drohten sie zu verschlingen und nie wieder los zu lassen. Deshalb hasste sie diese Jahreszeit…die Tage waren kürzer, die Nacht verschlang den Tag und London erschien ihr so unheimlich wie nie zu vor, obwohl sie sich doch hier eigentlich wohl fühlte…Hier war sie glücklich, hier war ihr Zuhause…

Ein Vogel flatterte hinter ihr auf und Liz zuckte erschrocken zusammen. Sie wirbelte herum und sah das kleine Tier weg fliegen. „Nur ein Vogel…keine Panik, Liz, es war nur ein kleiner harmloser Vogel“, sprach sie selbst leise auf sich ein und versuchte, sich wieder zu beruhigen. Ihr Puls war in einer Sekunde auf 180° geschossen und ihr Atem ging nur noch stoßweise…

Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie einen Schatten ausmachte, einen Schatten, der sich in einiger Entfernung vor ihr versuchte zu verbergen. Nein, das konnte nicht sein…es DURFTE einfach nicht sein! „Hallo???“, mit nicht so viel Mut, wie sie gehofft hatte, hatte sie ihre Stimme erhoben. Sie blinzelte einmal kurz und kniff dann die Augen zusammen…

...nichts war zu sehen! Die Straßen lag so ruhig hinter ihr, wie sie um diese Uhrzeit nur sein konnte. Hatte sie sich etwas getäuscht? Aber Liz hatte doch ganz deutlich gesehen, dass…

Unwillig schüttelte die junge Frau den Kopf. Sie hatte sich getäuscht…mal wieder! Gut, dass sie keiner gesehen hatte! Man würde sie für verrückt halten und sie wohlmöglich sogar einweisen lassen! Ihre Fantasie hatte ihr schlicht und ergreifend mal wieder einen Streich gespielt…

Eilig sah Liz nun zu, dass sie schnell nach hause kam. Die Anspannung, trotz, dass sie sich weiterhin gut zugeredet hatte, war erst abgefallen, als die Haustür ihres gemütlichen Heimes hinter ihr ins Schloss gefallen war. Am liebsten hätte sie noch die Tür verriegelt, doch ihr Freund war noch nicht da und er würde garantiert Fragen stellen…

Liz kuschelte sich auf die Couch und schlang eine Wolldecke um ihren zitternden Körper. Zwanghaft versuchte sie sich unter Kontrolle zu bekommen, damit ihr Zittern aufhörte und sie wieder einigermaßen gefasst war, wenn Duncan nach hause kam. Sie schloss die Augen und atmete einige Male tief durch.

Allmählich merkte sie, wie ihr Atem wieder langsamer ging und sie sich entspannte. Gerade noch rechtzeitig, denn schon konnte sie hören, wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte, die Tür auf und zugemacht wurde. Freudig sprang Liz auf, fiel ihrem Freund um den Hals und verwickelte ihn in einen leidenschaftlichen Kuss…

Überrascht erwiderte Duncan und ließ sich von ihr in Richtung Sofa drängen. „Babe, was ist los mit dir? Du lässt mich ja kaum Luft holen“, grinste er sie zwischen zwei Küssen an, während Liz schon sein Hemd entfernt hatte und an dem Gürtel seiner Jeans herum nestelte. „Hattest du dafür nicht den ganzen Tag Zeit?!“, warf sie ihm einen lasziven Blick zu, was Duncan veranlasste, seine Hände unter ihren eng anliegenden Pullover zu schieben und ihn ihr über den Kopf zu streifen. Aus Genauste betrachtete er ihre Brüste, die sich in einem aufreizenden roten Spitzen BH befanden, und er fragte sich mal wieder, ob diese extra für ihn gemacht worden waren. Sie, Liz und er schienen für einander gemacht zu sein…ihre Körper passten sich einander an, mal langsam, zärtlich und vorsichtig…mal leidenschaftlich, wild und voller Verlangen…

Dieses mal traf das letztere ein und Duncan war überrascht, wie schnell Liz ihm heute die Jeans samt Boxershorts hinunter riss. Er stand ihr jedoch in nichts nach. Seine Hände, die gerade noch ihre Hose von ihren langen Beinen runter gestreift hatten, wanderten wieder hinauf, öffneten ihren BH und umschlossen ihre vollen, üppigen Brüste. Mit Genuss begann er an ihnen zu saugen, sie zu massieren, sie zu liebkosen.

Seufzend schob Liz seine Hände nach unten zu ihrem Slip, den er ihr sogleich runter streifte. Voll Vorfreude wollte er zwischen ihre Schenkel gleiten, doch seine Freundin schuppste ihn auf den Rücken und ließ sich langsam auf ihm nieder. Erregt stöhnte Duncan auf und umfasste mit den Händen ihren Hintern…

Stöhnend begann sie sich auf ihm zu bewegen, langsam und qualvoll, um ihm und sich noch größere Lust zu bereiten. Duncan konnte es kaum noch aushalten. Er hob sein Becken an und fand sich in Sekunden schnelle noch tiefer in Liz wieder, als zuvor. Krampfhaft umklammerte sie seine Handgelenke und genoss die regelmäßigen Stöße, die von seinem Unterleib ausgingen…

„Oh Schatz“, seufzte Liz, als ihre Muskeln sich zuckend um ihn herum zusammen zogen, während der Blondschopf sie fest auf seinen Unterleib gedrückt hatte. Langsam sank sie auf seine Brust und vergrub das Gesicht an seinem Hals. „Sag mal, Honey, nicht, dass ich mich beschweren will, aber ist alles in Ordnung???“ Liz hörte leichte Besorgnis aus seiner Stimme, die es galt, sofort zu zerstreuen. „Natürlich! Darf ich denn meinen Freund nicht mal verführen???“, harkte sie grinsend nach, während sie ihm dabei in die Augen sah…

Seine blauen Augen verrieten zunächst Skepsis, bis sich ein schelmischer Ausdruck breit machte und er sie wieder an sich zog. Zufrieden vor sich hinlächelnd genoss Liz seine Nähe und seine Geborgenheit, bis aus unerklärlichen Gründen wieder ihre altbekannte Gänsehaut bekam. Duncan strich über ihre Arme und bereitete die Wolldecke über ihnen aus, damit seiner Freundin ganz schnell wieder warm wurde…

Doch Liz war nicht kalt, nein, es lag an etwas ganz anderem…als sie kurz den Kopf hob, sah sie am Fenster einen Schatten. Schnell vergrub sie wieder das Gesicht an seinem Hals. „Versprich mir, dass du immer für mich da sein wirst!“, bat sie leise. „Natürlich! Was für eine Fragen“, antwortet er leise und drückte ihr eine Kuss auf den Haarschopf…

*****

Sie hatte ihn gesehen, zweimal, doch so wie es aussah, schon Liz diese Begegnungen auf ihre lebhafte Fantasie. Sollte sie nur glücklich sein…lange würde sie dafür nicht mehr Zeit haben…

Jeden einzelnen Moment hatte er beobachtete, jede einzelne Sekunde gesehen, in der der Blondschopf und Liz sich geliebt hatten. Er konnte den Schweiß, den sie dabei verströmt hatten, sogar noch durch das auf Kippe geöffnete Fenster bis nach draußen riechen. Und doch, vor aller Lust, ging von Liz noch etwas anderes aus…Angst!

Sie fürchtete ihn mehr als alles andere auf der Welt und dazu hatte sie auch allen Grund…

Mit einem letzten Blick auf das kuschelnde Pärchen wandte er sich ab. Diese Nacht sollte sie noch genießen….


30. Oktober

Verschlafen richtete sich Liz am nächsten Morgen auf. Sie hatte die Nacht mit ihrem Freund auf der Couch verbracht, doch sie hatte sich noch nie so ausgeschlafen und frisch gefühlt, wie an diesem Morgen. Ein Blick auf Duncan sagte ihr, dass er noch tief und fest schlief, doch das würde sie sogleich ändern. So eine faule Schlafmütze!

Vorsichtig erhob sie sich von ihm und tapste leise in die Küche, um dort ein Glas mit Wasser zu füllen…kaltem Wasser wohl gemerkt. Kichernd schlich sie zurück ins Wohnzimmer und ließ einige Tropfen auf seinen Oberkörper kullern. Im Schlaf strich der Blondschopf sich grummelnd über die Brust und lag dann wieder ruhig da. Nun kippte Liz kichernd den gesamten Inhalt auf seinen Bauch, von dem auch etwas sehr viel auf eine besonders empfindliche Stelle an seinem Unterleib spritzte und Duncan wie ein H- B Männchen in die Senkrechte schoss!

Schnaufend bedachte er seine Freundin mit einem muffeligen Blick und blickte dann an sich hinunter: „Mein schöner Traum hat sich damit dann wohl erledigt!“ Ich dachte, den hätte ich dir letzte Nacht schon erfüllt?!“, fragte sie mit einem unschuldigen Blick, während sie das Glas auf dem Tisch absetzte, um gleich darauf vor ihrem Freund zu flüchten. „Bleib stehen, du feiges Biest“, rief er ihr nach und konnte gerade noch so ins Bad schlüpfen, bevor Liz die Tür verschließen konnte, „Jetzt bist du fällig!“

„Uhhhh jetzt hab ich aber Angst“, spottete sie, wich jedoch immer weiter vor ihm zurück in die Dusche hinein. „Das solltest du auch“, grinste er, drehte die Brause auf und bespritzte seine Freundin mit kaltem Wasser. Liz quietschte erschrocken auf, doch Duncan kannte kein Erbarmen und noch dazu versperrte er ihr die Fluchtmöglichkeit. „Wirst du in Zukunft artiger sein?!“, fragte er in einem Daddyhaften Ton. „Vor mir aus“, klapperte sie mit den Zähnen. „Dann will ich mal nicht so sein…“, meinte der junge Sänger gönnerhaft und stellte das Wasser wieder an, diesmal auf warm. Anschließend trat er zu ihr unter die Dusche und presste Liz mit seinem Körper an die Wand…

„Meinst du, dass hast du nach gerade eben verdient?!“, fragte sie schneidend, während er gerade dabei war, ihrem Hals einen saftigen Knutschfleck zu verpassen. „Ich verhandele ja schon über vieles mit dir, Honey, aber darüber nicht!“ Seine Hände umschlossen mit einem festen Griff ihren Hintern und gleich darauf saß sie auch schon auf seinen Hüften…

Liz klammerte sich an ihm fest, als er mit einem tiefen festen Stoß in sie eindrang und sie wünschte sich, er würde niemals mehr damit aufhören, niemals damit aufhören sie so zu lieben, wie er es jetzt gerade tat und das er immer bei ihr sein würde. Menschen waren so vergänglich und ihre Liebe war so schnell verblasst, egal ob durch Streit, Lügen oder…den Tod! Keiner wusste das besser, als Liz…

Erlöst seufzte die junge Frau auf und glitt langsam von den Hüften ihres Freundes, der sie schwer atmend, aber dennoch glücklich anlächelte und sie zärtlich einseifte. „Was hältst du davon, wenn ich uns Frühstück mache und wir uns damit dann noch mal ins Bett kuscheln?!“, raunte der blonde Sänger ihr ins Ohr, als er ein Handtuch um den schlanken Körper seiner Freundin wickelte. „Da sage ich nicht nein“, sie bedachte ihn mit einem kurzen Kuss auf die Lippen, bevor sie hüftenschwingend das Bad verließ und Duncan sich mehr als sicher war, dass sie das extra machte. Liz wusste einfach, wie sie ihn um den Verstand bringen konnte…

…was Duncan wenig später erneut fest stellte, als sich die junge Frau auf dem riesigen Bett räkelte und ihn dabei mit unschuldigen Blicken musterte. Er musste aufpassen, dass ihm das Tablett nicht aus den Händen fiel, denn seine Freundin würde ihn bestimmt killen, wenn er das Schlafzimmer einsauen würde…Frauen eben…

So schnell es ging krabbelte er zu Liz ins Bett und ließ sich mit ihr zusammen das üppige Frühstück schmecken. „Honey“, nuschelte Duncan an ihrem Hals, als er genug gegessen hatte und nun damit fortfuhr, seine Freundin irgendwie dazu zu kriegen, dass sie heute die Arbeit schwänzte. Zwar musste sie heute erst am frühen Mittag anfangen, doch ganz frei hatte sie nicht und das wollte Duncan mit seiner Idee ändern…

„Sag mal, was hältst du davon…“ „…wenn wir es uns nachher wieder im Bett bequem machen?!“, beendete Liz freudig den Satz ihres Freundes. Ja, der Gedanken, sich nach der Arbeit so richtig von ihm verwöhnen zu lassen, der hatte was….

„Äääähm eigentlich dachte ich da an was anderes…“, gab der Blonde kleinlaut zu, weil seine Freundin ihn mit lauernd hochgezogenen Augenbrauen musterte, „Lee hatte die Idee zu einem kleinen vorhalloweenlichen Abend und…“ „Nein!“

„Bitte?“, Duncan glaubte sich verhört zu haben. „Nein!“, erwiderte Liz schlicht. „Aber es ist schon zu spät…Ich fand Lee’s Idee so toll und…“ „…da musstest du natürlich gleich drauf einsteigen!“, erbost sprang die junge Frau aus dem Bett und zog sich ihren seidenen Morgenmantel über, der neben dem Bett auf dem Fußboden gelegen hatte. „Warum regst du dich denn so auf?!“, der junge Sänger war sichtlich verwirrt. Sonst hatte sie doch auch nichts dagegen gehabt, wenn er die Jungs eingeladen hatte. Warum also jetzt dieser Aufstand???

„Tzzz das du das noch fragst! Du hast es wohl nicht mehr nötig, unsere Verabredungen mit mir abzusprechen!“, schnaubte sie ihn patzig an. „Ich kann ja nicht ahnen, dass Madame sich heute so anstellen würde“; schoss er spitzfindig zurück. „Treib es nicht zu weit!“

Diese letzten geknurrten Worte, seitens Liz’ schwangen noch im Raum, als Duncan sich ganz allein darin befand. Im Nebenzimmer, dem Bad, hörte er das Wasser rauschen, während er versuchte, sich langsam aber sicher abzuregen. Irgendwas stimmte doch da nicht. Von einer Minute auf die andere, war Liz auf 180 gewesen…ein sehr seltsames Verhalten!

Als sie wieder aus dem Bad ins Schlafzimmer gerauscht kam, würdigte sie ihren Freund keines Blickes. Dieser redete auf sie ein, was denn los sei, während Liz sich so schnell es ging anzog. Anschließend hastete sie, Duncan im Schlepptau, die Treppe hinunter nach draußen. Der Blondschopf blieb jedoch an der Türschwelle zurück: „Wo zum Teufel willst du jetzt noch hin, Liz?“

Doch er bekam keine Antwort und verstand die Welt nicht mehr. War diese Furie, die da gerade eben aus seinem Haus gestürmt war, wirklich seine Freundin???!!!

*

Rasend vor Wut stiefelte Liz früher, als sie eigentlich musste, zur Arbeit. Ansonsten hätte es wohl noch mehr zwischen ihnen gekracht und das, obwohl Liz es hasste, mit ihm zu streiten. Doch dieser Halloween Kram hatte sie einfach rot sehen lassen. Bisher hatte Duncan doch auch nichts davon gehalten und nun war er auf einmal Feuer und Flamme. Ihren Schuldigen hatte Liz bereits gefunden: Lee!

Ja, das war ganz klar Ryans Schuld! „Dieser Kindskopf, der noch Grün hinter den Ohren ist…kein Wunder!“, meckerte sie vor sich hin, als sie endlich ihre Arbeit aufgenommen hatte, mit dem Ziel, sich eigentlich abzulenken, doch es gelang ihr nicht…

Die Angst vor diesem Abend, die Angst vor Halloween ließ sich einfach nicht los…

So Leid es ihr tat, dass sie ihrem Freund gegenüber so ausgeflippt war, sie konnte einfach nichts dagegen tun…

Als sich Liz am Abend auf den Heimweg machte, war ihre Wut einigermaßen verraucht. Sie hatte beschlossen, die Zähne zusammen zu beißen und den Abend durch zu stehen. Schon von weitem konnte sie das Pappskelett sehen, dass nun die Haustür zierte. Außerdem standen sicher ein dutzend Kürbisse auf der Veranda, allesamt mit hässlichen Grimassen und innen drin flackerte es geheimnisvoll…

Als Liz das Innere betrat, war alles stockdunkel, nur die Kürbisse mit ihren Kerzen, die auch hier herum standen, spendeten etwas Licht. Langsam durch querte die junge Frau die Diele und betrat das Wohnzimmer, das ganz auf Halloween getrimmt war. Eines musste man Duncan lassen, das Zeug zum Dekorateur hatte er!

Ihr Weg führte sie weiter in die Küche, wo ihr Freund gerade Popcorn machte. Sie schlang die Arme von hinten um ihn und kraulte ihm sanft seinen Bauch. „Hi“, begann er unsicher und drehte sich zu ihr um. „Worauf wartest du? Bekomm ich heute keinen Kuss??“ „Ich warte darauf, dass du mich zusammen schreist wegen….“

„Schatz, es tut mir leid! Ich weiß auch nicht, was los war heute morgen…“ „Heißt das, du leistest uns Gesellschaft?“, harkte der Blonde hoffnungsvoll nach, worauf sie nickte. Freudig wirbelte Duncan sie herum, um gleich darauf aus der Küche zu hüpfen, weil es an der Tür geläutet hatte. Kopfschüttelnd sah Liz ihm nach, bevor sie das Popcorn aus dem Topf holte und ins anliegende Wohnzimmer ging....

Lächelnd beobachtete sie, wie sich Lee stauend umsah und seinem besten Freund anerkennend auf die Schulter klopfte. Ein anderer, der die beiden ebenfalls schmunzelnd, wenn auch eher belustigt beobachtete, war der attraktive dunkelhäutige Simon Webbe!

Seit Lee Duncan mit seinem Halloweenfanatismus angesteckt hatte, waren beide außer Rand und Band. Es würde ihn nicht wundern, wenn sich die beiden verkleiden und Süßigkeiten sammeln gehen würden, denn tief in ihrem Inneren waren die beiden eben doch noch kleine Jungs.

„Na, du siehst auch nicht gerade begeistert aus“, sprach er sie plötzlich an. „Dito“, grinste Liz gequält, „Aber ich hab keine List, mich weiter mit Duncan rum zu streiten.“ „Lee und ich hatten auch eine…“angeregte Diskussion“ über diese albernen Horrovideos, aber na ja…wie du siehst, habe ich verloren“, verzog Simon das Gesicht. „Was tuschelt ihr zwei denn da?“, tönte Lee plötzlich laut los, „Spann unserem Duncy mal nicht die Freundin aus, Sy!“ „Stopf du dir deine Videos lieber mal irgendwo rein, damit du still bist“, zischte dieser zurück, worauf Lee beleidigt eine Schnute zog und es nun vorzog, das erste Video in den Player zu schieben…

Die fünf machten es sich auf den Sofas bequem, wobei sich Liz ganz dicht an Duncans Brust kuschelte. Lee’s Film war in jedem Fall echt der Bringer: blutig, blutig und noch mal blutig! Liz drehte sich bei manchen Szenen regelrecht der Magen um, während Lee zum Schluss nur noch gelangweilt gähnte…

Als der Film zu ende war, schaltete er sofort den überdimensionalen Flachbildschirm ab. „Boah, war das interessant“, gähnte Lee demonstrativ, „Jetzt bringen wir erstmal Leben in die Bude! Na los, zieht euch an, wie gehen uns jetzt gruseln!“

„Wo denn? Hast du deine eigene Kirmes samt Geisterbahn gegründet?“; gluckste Ant belustigt. „Nee, das ist doch Kinderkram! Wo kann man sich denn noch besser gruseln, als auf dem Friedhof?!“, grinste Lee voller Vorfreude. Erschrocken riss Liz die Augen auf: „No Way, Ryan!“

„MR. Ryan, wenn ich bitten darf“, knirschte der Blonde hervor, „Kein Wunder, dass den Freund so ne Spaßbremse ist…war!“, korrigierte er sich mit einem Seitenblick auf Duncan. Dieser war ganz hin und her gerissen zwischen ihm und seiner Freundin. Einerseits wollte er sich den Spaß nicht entgehen lassen, andererseits wollte er aber auch erneuten Streit mit Liz vermeiden…

„Babe, es wird doch gar nicht so schlimm! Außerdem bin ich doch bei dir und…“ „Findet ihr das ganze nicht etwas kindisch?!“; mischte sich nun Simon ein. Der Beginn einer hitzigen Diskussion…

**

Draußen vor dem geöffneten Fenster lauschte er der Auseinandersetzung zwischen den jungen Leuten und noch am Anfang war ihm klar gewesen, dass Lee seinen Willen kriegen würde…

Außerdem hatte er Duncan auf seiner Seite, der obwohl er hin und her gerissen schien, sich eigentlich schon für eine Seite, für Lee’s Seite, entschieden hatte…

…Und wenn der Blondschopf mit gehen würde, würde auch Liz mit gehen. Es wurde Zeit, dass sie auf das Kommende vorbereitet wurde…

Lautlos verließ er seinen Platz unter dem Fenster und verschwand in der Nacht…

***

„So ein Kinderkram hier!“ „Hast du was gesagt, Sy?!“, fragte Lee im spitzen Tonfall nach. „Nein, du hast dich ganz sicher verhört!“, knurrte der attraktive Dunkelhäutige zurück und wandte sich dann leise an Liz, die still neben ihm her schlich, während ihr Freund zusammen mit Lee die Mannschaft anführte: „Bist du okay? Du bist so blass!“

Stumm schüttelte die junge Frau den Kopf. Was sollte sie auch sagen? Das sie vor Angst auf offener Straße fast umkam? Das sie sich am liebsten in ihr Bett verkrochen und wie ein kleines Mädchen die Decke über den Kopf gezogen hätte? Nein, das wollte sie nicht zugeben und schon gar nicht vor Lee, der sich eh nur über sie lustig machen würde…

Es blieb ihr als nichts anderes übrig, als dem Grüppchen zu folgen, dessen Wg sie geradewegs auf einen von Londons Friedhöfen führte…

Bedrohlich schienen die Bäume auf den Weg zuzukommen, sie einzuengen, während auf den Gräbern die Kerzenlichter wild flackerten. Überhaupt schien es noch dunkler geworden zu sein, was vielleicht daran lag, dass sich eine Wolke vor den Mond geschoben hatte…

Liz konnte sehen, wie sich der Jüngste grinsend umsah, jedoch schien er keine Angst zu haben und irgendwie beneidetete sie ihn um seine Furchtlosigkeit. Die junge Frau musste aufpassen, dass sie nicht auf der Stelle kehrt machte, denn damit hätte sie den Jungs, vor allem Duncan, wohl einigen Grund zum misstrauen gegeben…

„Seht mal, da hinten ist es ja so hell…“, deutete Lee plötzlich aufgeregt auf eine Stelle, die sich so ziemlich in der Mitte des Friedhofs befand. Langsam und leise schlichen die jungen Leute näher. Diese Stille, die sie umgab, war schon beinahe unnatürlich und als ein Vogel aufkrächzte, schrak sogar Lee zusammen. Keuchend fasste sich der junge Sänger an die Brust, setzte seinen Weg aber dennoch fort. Zu groß war die Neugier auf das, was vor ihm lag…

Wenn er gewusst hätte, was ihn erwartete, hätte Lee vielleicht nicht so sehr darauf gedrängt, im Dunkeln auf den Friedhof zu gehen. Vielleicht wäre er dann doch lieber bei seinen Horrovideos geblieben, bei der Gewissheit geblieben, dass diese nur eine Illusion waren…

Als die jungen Leute bei der Lichtquelle ankamen, stellte sich heraus, dass es ein von Fackeln beleuchtetes Grab war. Fünf Augenpaare weiteten sich vor Ungläubigkeit…

Das Grab, vor dem sie standen, war ausgehoben worden, doch der Grabstein zeigte eindeutig, dass hier schon zwei verstorbene Seelen ihre Ruhe gefunden hatten…und es bald noch zwei neue tun sollten…

In roter verschmierter Schrift waren zwei neue Namen über die alten geschrieben worden:

Liz McLeen und Duncan James

„Wer in Dreiteufels Namen…“, murmelte Lee leise, bevor sein Blick in das geöffnete Grab fiel. Seine Knie fingen an zu zittern und die Übelkeit stieg so sehr in ihm hoch, dass er dachte, sich auf der Stelle übergeben zu müssen…

Darin lag nämlich der Grund für die Namen, die mit keiner roten Farben geschrieben waren…

Ein Hund, ein Welpe, erst wenige Monate alt, lag mit aufgeschnittener Kehle auf einem menschlichen Skelett, das mit Blut bespritzt war….tierischem Blut…

„Das ist der kleine Hund der Nachbarstochter“, schüttelte Duncan fassungslos den Kopf. Wer in Dreiteufels Namen…“, begann Lee erneut.

„…mein Bruder“, flüsterte Liz nun endlich die Antwort auf Lee’s abgebrochene Frage. Es war also soweit, die Vergangenheit hatte sie nun endgültig eingeholt…

****

Die nächtliche Ruhe des Friedhofes wurde zum wiederholten Male in dieser Nacht gestört. Dem Getümmel nach zu urteilen, hätte man meinen können, die halbe Londoner Polizei hatte sich dort versammelt. Die Spurensicherung war mit höchster Konzentration bei der Arbeit, während ihre Kollegen dabei waren, die fünf jungen Leute zu vernehmen…

„Miss McLeen, ich kann verstehen, dass sie geschockt sind, aber Ihre Freunde sagten, Sie hätten eine Vermutung bezüglich des Täters ausgesprochen?!“, wurde Liz von einem der Polizisten angesprochen. Augenblicklich erwachte die junge Frau aus ihrer Trance und musterte den Mann vor ihr mit großen Augen, ehe sie zu sprechen begann…

„Ja, es kann niemand anderes gewesen sein, als mein älterer Bruder Tom…“, brach Liz krächzend ab. „Müssen Sie meine Freundin so quälen?!“, sprang Duncan vorwurfsvoll ein, obwohl er selbst die ganze Wahrheit wissen wollte. „Wir müssen diesen Kerl so schnell wie möglich kriegen, denn das hier ist ganz klar eine Morddrohung gegen Sie und Ihre Freundin! Bitte fahren Sie fort, Miss McLeen!“

„Vor…vor 6 Jahren…es war Halloween…tötete mein Bruder unsere Eltern! Er war…Tom war noch nie „normal“ gewesen. Schon als kleiner Junge fand er Gefallen daran, Tiere bis zum Tod zu quälen. Meine Eltern machten sich Sorgen, zu mal er keine Freunde hatte und lieber für sich war, als seine Zeit damit zu verbringen, was eben jeder Jugendliche so macht. Sie wollten ihm helfen, damit er seine Aggressionen oder was auch immer sich in ihm aufgestaut hatte, überwand, doch jegliche Therapieversuche schlugen fehl. Sie klammerten sich immer mehr an mich und ließen ihn schließlich schweren Herzens, nachdem er beinahe einen seiner Mitschüler zu Tode gequält hatte, in eine Psychiatrie einweisen. Morgen jährt sich der Todestag meiner Eltern zum 6.ten Mal. In dieser Halloween Nacht war Tom die Flucht gelungen und er wollte nur eines…Rache…wegen was auch immer…“, Liz lachte verbittert auf, „Haben Sie schon mal einen Menschen sterben sehen? Ich meine, einen Menschen, den sie über alles geliebt haben?!“, wandte sie sich an den Polizisten, „Ich sah, wie er meiner Mum die Kehle aufschlitze….ganz langsam und genüsslich…Nur meinem Dad habe ich zu verdanken, dass ich noch lebe, denn er gab sein Leben für meines! Tom wurde gefasst, aber ich wusste, dass er mich irgendwann finden würde…“

Geschockt schlang Duncan die Arme um seine Freundin. Es passte alles zusammen…nun ergab alles ein Bild, weshalb sie ihm eine derarte Szene gemacht hatte…

„Es tut mir so leid“, schluchzte Liz nun und vergrub das Gesicht an seinem Hals, „Ich wollte das alles einfach nur vergessen…“ „Pssst, das ist doch jetzt nicht mehr wichtig!“, sprach der Blonde beruhigend auf sie ein, „Sind Sie jetzt endlich mit ihr fertig?!“ „Dunc, ganz ruhig!“, beschwichtigte Simon seinen aufgebrachten Freund. „Ja, Mr. James! Nur eines noch! Sie bekommen Personenschutz! Zwei meiner Männer werden Sie nach hause bringen und vor Ihrem Haus Wache halten!“

Duncan nickte und saß wenig später zusammen mit Liz in einem Polizeitauto, dass sich vor dem Anwesen so positionierte, , dass sie das ganze Haus im Blickfeld hatten…

Der blonde Sänger trug seine Freundin nach oben ins Schlafzimmer, wo er ihr beim ausziehen half und sie dann ins Bett verfrachtete. „Ich sollte nicht hier sein, Duncan! Ich bringe dich nur in Gefahr, verstehst du?!“, schluchzte Liz verzweifelt. „Du musst dich damit nicht mehr allein herum quälen, hörst du?!“, zärtlich strich er über ihre Wange und küsste ihre Stirn. „Ich hole dir noch einen Tee, damit du besser schlafen kannst“, flüsterte er und verließ den Raum…

…und Liz blieb mit der Gewissheit zurück, dass es nie aufhören würde, niemals…

*****

Er lauerte in der Dunkelheit und wartet auf sein Opfer. Es war sein Glück, dass der junge Mann, weil er sich in seinem Haus so gut auskannte, kein Licht anschaltete, als die Treppe hinunter ging…oder Duncans Pech, denn so bemerkte er nicht, wer in der Dunkelheit lauerte…

Duncan spürte gerade mal so den Schlag gegen den Hinterkopf, doch schreien konnte er nicht mehr. Wie ein Sack Kartoffeln ging er zu Boden und blieb ohnmächtig liegen…

Mit einem irren Grinsen starrte Tom auf den Freund seiner Schwester hinab. Er würde Liz zuerst das Liebste auf der Welt nehmen…Sie sollte zusehen, wie ihr Ein und Alles starb…bevor ihr Blut durch seine Hände fließen würde…

******

31. Oktober

Zum zweiten Mal in dieser Nacht wurde Liz mit der Polizeit konfrontiert. Diese stellte das ganze Haus auf den Kopf, sehr zu Liz’ Verärgerung. Was wollten sie noch finden? Tom? Der schon längst über alle Berge war?!

Es war klar, dass sich ihr Bruder schon lange ins Haus geschlichen hatte, als auf dem Friedhof noch reger Betrieb geherrscht hatte. Er hatte nur abzuwarten brauchen und heimlich wieder durch die Hintertür zu verschwinden…mit Duncan!

Liz machte sich schreckliche Vorwürfe, dass sie nicht sofort die Notbremse gezogen und abgehauen war. Mit Sicherheit wäre ihr Freund verschont geblieben…

„Miss McLeen haben Sie wirklich keine Ahnung, wo sich Ihr Bruder jetzt aufhalten könnte?“ „Herr Gott noch mal, NEIN!“, brauste die junge Frau auf, „Denken Sie nicht, ich würde es Ihnen sagen?! Er hat meinen Freund!“ Ihre letzten Worte gingen in einem Wimmern unter, worauf Simon, der in der Zwischenzeit mit Lee und Antony eingetroffen war, sie fürsorglich in seine Arme zog. „Also schön! Da sich die Lage so zugespitzt hat, stellen sich meine Männer nun um das ganze Haus herum auf und…“ „Wir bleiben auch hier“, fügte Simon nun hinzu während die anderen beiden zustimmend nickten. „Wir werden ihn finden!“, nickt der leitende Beamte ihnen noch einmal zu und verabschiedete sich…

Es war still im Haus, zu still, wie Simon fand, während er Liz zum Sofa geleitete., die kurz davor war, in ihn rein zu kriechen. Sein Blick kreuzte den von Antony, der wohl genau so viele Zweifel hatte, wie Simon selbst. Doch sie musste stark sein, nicht nur für Liz, die sich apathisch an den Dunkelhäutigen geklammerte hatte, sondern auch für Lee, der sich mit Selbstvorwürfen überschüttete….

„Ich hätte euch niemals dazu überreden dürfen, auf den…“, schluchzend brach er ab, worauf Anton den Jüngsten fürsorglich in seine Arme schloss. „Das hilft uns jetzt auch nicht weiter, Lee! Keiner kann etwas dafür, dass Duncan…“ „…doch! Ich!“, Liz starrte apathisch in die Schatten, die sie wortwörtlich umhüllten…

…Und zurück blieben vier junge Menschen, die verzweifeln würde, sollte ihr blonder Freund Tom’s Rache zum Opfer fallen…

*

Die restliche Nacht wurde zu einer einzigen Tortur. Keiner der vier machte auch nur ein Auge zu, trotzdem schafften es alle irgendwie, sich auf den Beinen zu halten. Die Polizei hatte bis zum Morgen rein gar nichts raus gefunden und trotz des sicheren Tageslichts wurde die Wache zur Sicherheit nicht abgezogen…

Mittlerweile war auch Dunc*s Mum Fiona eingetroffen, die trotz aller Sorge um ihren Sohn einen kühlen Kopf behielt. Irgendwer musste stark sein, denn Simon und Antony waren nach dieser langen Nacht so ziemlich am Ende ihrer Kräfte, ganz zu schweigen von Lee und Liz…

Sekunden dehnten sich zu Stunden aus und die Zeit schien nur so dahin zu tröpfeln. Stündlich rief die Polizei an, doch jedes Mal nur die selbe Antwort: „Keine Neuigkeiten!“ Die Polizeit wertete das als ein gutes Zeichen, denn das hieß, dass der Blonde noch am Leben war. Tom McLeen würde ihn mit Sicherheit zur Schau stellen, wenn er ihn schon getötet hätte…

Stunde um Stunde verging und Liz wurde so langsam aber sicher wahnsinnig. Sie kannte ihren Bruder und der würde sich ganz sicher niemals von der Polizei erwischen lassen, nein, so dumm war er nicht!

Mittlerweile war es schon später Nachmittag geworden und es hatte sich immer noch nichts getan….bis plötzlich Liz’ Handy klingelte. Zitternd nahm sie das Gespräch an, denn der Anruf kam von Handy ihres Freundes, was nur eines bedeuten konnte: Entweder war es der Blondschopf selbst oder Tom…

„Liz?!“, kam es krächzend aus dem Hörer. „Ja, Dunc! Ich bin es! Wo bist du?” “Dort wo alles begann…du darfst nicht hier her…“, sie konnte hören, wie ihm ein Schlag versetzt wurde, denn er stöhnte gequält auf, „Egal, was du tust, Liz! Keine Polizei!“ Nur noch ein Tuten erfüllte ihr Ohr…

Zitternd ließ sie die Hand sinken und das Mobeiltelefon fiel zu Boden. Fragen stürmten auf Liz ein, die sie nicht wusste, wie sie sie beantworten sollte…

Nachdem die junge Frau alles erklärt hatte, stand ihr Entschluss fest: „Nein, Kind, du wirst nicht allein gehen!“, entschieden schüttelte Duncan*s Mum den Kopf. „Sein Leben für meines, Fiona! Und ich werde nicht zu lassen, dass er deinem Sohn etwas antut!“ „Die Polizei…“ „Die Polizei kann gar nichts ausrichten! Er will mich und ich sterbe lieber, als ein Leben lang ohne ihn auf dieser Welt zu sein! Versuch mich doch zu verstehen, Fiona“, sie drückte die Mutter ihres Freundes fest an sich, „Bald hast du deinen Sohn wieder!“

Ohne ein weiteres Wort verließ Liz das Haus. Die Beamten, zu vertieft in ihr Gespräch, bemerkten sie erst, als sie den silbernen Mercedes bereits gestartet hatte und auf das Gas drückte. In Sekunden schnelle war sie verschwunden, so dass es unmöglich war, sie einzuholen…

Zielsicher lenkte Liz den Wagen aus London heraus. Dort, wo alles begann….damit konnte nur ein Ort gemeint sein…

Erst am Abend, als es schon dunkel war, kam Liz an ihrem Ziel an. Gut 3 Stunden entfernt von London lag ein kleines Städtchen, Liz’ ehemalige Heimat. Schon lange war sie nicht mehr da gewesen, um genau zu sein, seitdem Tod ihrer Eltern, die auch hier auf dem hiesigen Friedhof begraben worden waren. Der hiesige Friedhofsgärtner kümmerte sich mit besonderer Sorgfalt um die Gruft der Eheleute McLeen, denn ihre Tochter, die er schon kannte, als sie noch ein ganz kleines Mädchen gewesen war, hatte ihn vor ihrer Abreise unter Tränen darum gebeten, sich um ihre Eltern zu kümmern…

Die junge Frau hielt vor einem herunter gekommenen Haus, ihrem Elternhaus, in dem sie so lange gelebt hatte und in dem auch diese schrecklichen Dinge passiert waren. Seitdem stand es zum Verkauf, doch niemand interessierte sich dafür, als sei es verflucht…

Fest entschlossen ging Liz auf die Eingangstür zu. Von vorne sah es verlassen aus, aber sie war sich sicher, dass auf der anderen Seite zumindest das Flackern von Kerzenlicht von außen zu sehen war. Kurz, bevor sie den Türknauf berühren konnte, schwang die Tür auch schon mit einem bedrohlichen Quietschen auf…

Ein Schauder lief ihren Rücken hinab, doch Liz ignorierte das beklemmende Gefühl und trat vorsichtig ein. Obwohl es stockdunkel und sie schon lange nicht mehr hier gewesen war, fand sie den Weg zur Treppe und stieg langsam hinauf. Ihre Nase kräuselte sich wegen dem ungewohnt muffigen Geruch, trotzdem setzte sie ihren Weg nach oben fort, wobei sie die Stufe in der Mitte übersprang, die, wie sie wusste, furchtbar knarrte. Auf keinen Fall wollte sie Tom früher als nötig zu verstehen geben, dass sich außer ihm und Duncan noch jemand im Haus befand…

Leise schlich sie an den Zimmern vorbei, auf den Raum zu, der am Ende des Flures lag. Ein schwacher Lichtschein drang unter dem Türspalt hervor, ganz genau, wie erwartet, denn Tom hatte sich schon immer in sein Zimmer zurück gezogen…

Vorsichtig stieß sie die Tür auf und erblickte eine Sekunde später ihren Freund. Mit weit aufgerissenen Augen schüttelte er den Kopf und versuchte sich gegen seine Fesseln zu wehren, die seine Bewegungen von Armen und Beinen gänzlich einschränkten…

Liz las die Angst in seinen Augen und wollte nur noch eines: so schnell wie möglich mit ihm fliehen!

Blind stürzte sie auf den Blonden zu und sackte im gleichen Augenblick mit einem Aufstöhnen zu Boden…

Das war es gewesen, wovor Duncan sie hatte warnen wollen…Tom!

**

Gefesselt, jedoch nicht geknebelt, fand sich Liz auf dem Boden liegend wieder., als sie aus ihrer Ohnmacht erwachte. Ihr Kopf dröhnte fürchterlich, doch sie riss sich zusammen und blickte sich im Zimmer um. An die Tür gelehnt stand Tom und spielte mit einem Messer, als wäre es nur ein Spielzeug…

„Ach Schwesterherz, schön, dass du endlich wieder unter uns weilst!“ „Lass ihn gehen!“, ignorierte Liz seinen spitzen Unterton und wies mit einer Kopfbewegung auf Duncan. „Was? Dein liebster soll uns schon wieder verlassen?! Das kommt ja gar nicht in Frage, jetzt, wo wir gerade so gute Freunde geworden sind…“

„Du willst doch mich und nicht Duncan!“ „Klug erkannt, Schwesterchen, aber weißt du, was ich damals wollte? Mein Leben, meine Freiheit und mich ja tauch niemand frei gelassen, ganz im Gegenteil!“ Du und dieser Schandfleck von Eltern hättet doch gern gesehen, wenn ich dort verrottet wäre!“, spuckte Tom seine Worte verächtlich aus. „Es war nur zu deinem Besten! Mum und Dad wollten…“

„Hör doch auf! Die dachten doch immer nur an dich…Everybodys Darling! So war es doch schon immer, nicht wahr, Liz?!“, mit einem Ruck riss er Duncan das Klebeband vom Mund und zog ihn auf die Knie, damit er und Liz sich in die Augen sehen konnten…

„Nein, Tom, bitte…“

„Na, wie fühlt sich das an, so hilflos zu sein?“, mit einem irren Grinsen ließ er das Messer über die Brust des Blonden gleiten, so dass sein Hemd bald mit Blut bespritzt war. Duncan gab keinen Ton von sich. Das letzte, was er wollte, warm diesem Verrückten noch mehr Genugtuung zu bereiten…

Gequält schluchzte Liz auf, als das Messer sacht über den Hals ihres Freundes fuhr und eine Blutspur zurück ließ. Das war erst der Anfang, das wusste Liz, denn noch spielte er mit ihr, wollte sie quälen…

„Dein Freund ist doch ein Sänger, oder?! Wie ich hörte, ein sehr guter noch dazu…“, begann Tom erneut, „Schade, die Welt wird seine Stimme sicher vermissen…“

Die Klinge lag an seinem Hals und drohte, in die weiche Haut zu schneiden…

In wenigen Sekunden würde das Leben Duncan James’ ausgelöscht sein….

***


Besinnungslos sackte Tom zu Boden, während Duncan erleichtert aufstöhnte und so gut es ging von ihm weg robbte. „Gerade noch rechtzeitig“, schnaufte ihr Retter und ließ den Wagenheber zu Boden fallen. „Mach uns los! Schnell!“, bat Liz erleichtert und kümmerte sich, als sie von ihren Fesseln befreit war, zunächst um ihren Freund. Schuldbewusst begutachtete sie die Schnitte auf seiner Brust und seinem Hals. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wäre er nicht gekommen…

„Du musst sofort zu einem Arzt“, sanft strich sie dem Blonden über die Wange und wandte sich dem vierten im Raum zu, „Los, bring ihn zum Auto!“

Ohne zu zögern half er Duncan auf und wollte schon mit Duncan gestützt aus dem Zimmer gehen, als er inne hielt…Liz würde doch nicht?! Nein, dazu wäre sie doch nie in der Lage…

„Liz, das..das kannst du nicht machen!“ „Tu endlich, was ich dir gesagt habe, LEE!“, fuhr sie das Nesthäkchen mit zischender Stimme an. Warum konnte Lee nicht einfach mal das tun, was man ihm sagte? Hatte Duncan nicht schon genug durch gemacht? Musste er das jetzt auch noch mit ansehen?

„Nun geh endlich!“, fauchte die junge Frau erneut, während sie direkt neben ihrem „Bruder“ in die Knie ging. Ihre Hand zitterte nicht einmal, als sie ihm das Messer aus der Hand nahm. „Ich will nicht mehr davon laufen! Ich will nachts nicht mehr von Alpträumen geplagt aufwachen und jedes Mal erneut meine Eltern sterben sehen!“, ihre Stimme war nur noch ein Flüstern, „Ich will einfach keine Angst mehr haben! Kannst du das nicht verstehen, Lee?!“

Mechanisch nickte der junge Sänger. Liz war so verzweifelt, nicht nur aus Sorge um Duncan, sondern auch, weil sie Angst hatte, wieder davon laufen zu müssen, etwas, das sie schon so lange tat. Ihre Entscheidung würde mit einem Schlag alles ändern…und niemand würde es erfahren!

„Es wird aussehen, wie ein Unfall…Als wir flüchten wollten, hat er uns wieder aufgelauert…Er war unvorsichtig und lief völlig blind vor Wut in das Messer…“

Liz warf ihm noch einen dankbaren Blick zu, bevir sie sich wieder Tom zuwandte. Die Hand mit dem Messer war erhoben und sauste Sekunden später ohne zu Zögern direkt auf sein Herz zu…

Tom riss die Augen auf und sah seine Schwester unverwandt an. „Du wirst dich nie von diesem Alptraum lösen können…niemals!“, krächzte er. „Irrtum! Das habe ich schon!“ Ein weiterer Ruck ließ sein Herz nun ganz durch bohren. Ein letztes Röcheln und sein Körper erschlaffte…

Erschöpft schloss Liz die Augen, um sich augenblicklich zu erheben und mit Lee’s Hilfe ihren Freund aus dem Haus zu stützen. Zusammen verfrachteten sie den blonden Sänger ins Auto, doch bevor sie selbst einstieg, drehte sich die junge Frau noch einmal um. Ihr Elternhaus lag so verlassen da, wie an dem Tag, an dem sie es vor vielen Jahren verlassen hatte, nur, dass jetzt ihr Bruder darin ruhte…

„Du hast dich geirrt! Ich bin nun endgültig frei!“ Ihre Worte waren nicht mehr als ein Flüstern, die der Wind davon trug. Voller Zuversicht schlug Liz die Autotür hinter sich zu und Lee startete den Wagen, ohne das Liz noch einmal zurück blicken konnte. Nein, nie wieder würde sie den selben Fehler machen!!

~Ende~



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung