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Love Rules - Dont´t go breakin’ my heart

Manche Menschen sind der Meinung, die Liebe sollte am besten ganz bestimmten Regeln folgen und vorhersehbar sein. Das erste Date, der erste Kuss und dann das erste Mal…bis hin zur Kennenlernenphase, ganz getreu nach dem Motto „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“…
Nur eines wird dabei nur allzu oft gern vergessen…
Die Liebe lässt sich nicht beeinflussen! Manchmal schlägt sie zu wie ein Blitz, Herzen laufen Gefahr zu brechen und ob sie je wieder heilen, kann nur die Zeit zeigen…

***********************************************************

Regel Nummer 1 :
Open up your heart to me and say what's on your mind…


Prüfend musterte sich die junge Brünette und nickte ihrem Spiegelbild zufrieden zu. Ihr Shopping - Trip, um das perfekte Kleid für die Hochzeit ihrer Cousine zu finden, hatte sich wirklich gelohnt!

Kiara hatte sie zu ihrer Trauzeugin auserkoren, worauf sie wirklich sehr stolz war. Immerhin waren Kiara und ihre jüngere Cousine Marissa Teil einer großen Familie, doch die beiden Cousinen verstanden sich immer noch am besten, so dass man sie schon für Schwester halten konnte…

Es war das einzige, dass sich die beiden Cousinen noch aus einer längst vergangenen Zeit bewahrt hatten, denn seit ihr gemeinsamer Großvater gestorben war, war nicht mehr so, wie es einmal war...

Stück für Stück brach die Familie auseinander , bis sich der Kontakt nur noch auf das Telefon oder die gelegentlichen Familienfeiern beschränkte. Traurig, aber wahr…Marissa´s Familie war nur noch eine Erinnerung…eine Erinnerung, die nur ihr allein noch etwas zu bedeuten schien…

Seufzend schüttelte sie den Kopf und tadelte sich selbst im Stillen, dass sie sich davon so runter ziehen ließ, während sie sorgfältig ihr Make up auftrug. Aber so war es jedes Mal bei ihr, wenn wieder mal solch eine Familienfeier anstand…

Zwar war es schön, endlich mal alle wieder zu sehen, doch der schön Schein trog ganz gewaltig. Alle würden mal wieder furchtbar nett zueinander sein, so, als sei nie etwas geschehen, aber hinterher würde das Getuschel los gehen…

Jeder würde über jeden her ziehen und dann kam es Marissa so vor, als hätte das Wort „Familienzusammenhalt“ nie existiert….

Kopfschüttelnd betrachtete sie noch einmal ihr Spiegelbild, bevor sie endlich aufbrach. Marissa würde ihre Cousine vor der kleinen niedlichen Kapelle treffen, wo sie von dem Trauzeugen ihres zukünftigen Mannes hingebracht werden würde. Dann sollte auch endlich die Brünette erfahren, wer denn dieser ominöse Trauzeuge eigentlich war…

Darüber hatten sich sowohl der zukünftige Mann ihrer Cousine, als auch Kiara selbst in Schweigen gehüllt. Aber für die anschließende Feier hatten die beiden allen eine tolle Überraschung versprochen…

Marissa frage sich erneut, was das wohl sein könnte und warum die beiden nur so ein Geheimnis daraus machten. Wenigstens ihr, Marissa, hätten sie es doch sagen können…

Gerade noch rechtzeitig kam die junge Frau an der Kapelle an, parkte ihren Wagen und hastete, so schnell es die Absätze ihrer Schuhe erlaubten, die Treppe zur Kapelle nach oben. Dort, vor der Tür erblickte sie ihre Cousine, die einfach nur wunderschön aussah und einen jungen Blondschopf, dessen strahlend blaue Augen sie sofort in seinen Bann zogen…

Der attraktive Unbekannte übte sofort eine Anziehungskraft auf sie aus, die sie ängstigte, denn normalerweise ging Marissa an solche Sachen immer langsam heran. Sachen, die ihr Herz forderten und bei denen sie sich ganz sicher sein musste, dass sie das richtige tat…

Unwillig wandte sie ihre dunklen Augen von ihm ab und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Cousine. „Du siehst einfach umwerfend aus“, lächelte Marissa und schloss Kira in ihre Arme. „Du aber auch! Stiehl mir ja nicht die Show“, drohte Kira ihr spaßeshalber lachend mit dem Zeigefinger und strahlte ihre jüngere Cousine an. Mit etwas Glück würde nicht nur für sie, Kira, sondern auch Marissa heute ein neuer Lebensabschnitt beginnen…

Der Unbekannte räusperte sich nun vernehmlich, um auf sich Aufmerksam zu machen. Er hatte die Blicke der jungen Frau direkt auf sich gespürt, als sie um die Ecke zur Kapelle hoch gekommen war und es war ihm nicht unangenehm gewesen. Doch nun wurde er ignoriert oder zumindest im Moment nicht beachtet, was der junge Blonde nun gar nicht gewöhnt war...

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht vergessen“, entschuldigte sich Kira schuldbewusst, als sie sich wieder dem jungen Mann zugewandt hatte. „Wie wäre es, wenn du uns vorstellst? Ich wüsste gerne den Namen von meinem reizenden Gegenüber“, lächelte der Blondschopf charmant und musterte Marissa so aufmerksam, dass sie Gefahr lief zu erröten…

„Aber natürlich! Also, das ist meine jüngere Cousine Marissa! Marissa, das ist Lee! Er ist Marc´s jüngster Cousin und vielleicht kennst du ihn sogar?!“ Kennen??? Angestrengt überlegte die junge Frau, ob sie Lee schon mal irgendwo begegnet war, doch spontan fiel ihr keine Erinnerung ein, die sie mit dem Blondschopf verband…und wenn eines sicher war, dann, dass sie sich an dieses Gesicht, diese Augen und dieses charmante Lächeln ganz sicher erinnern würde!

Bevor sie jedoch nach fragen konnte, was sie mit „Kennen“ gemeint hatte, trat ihr Onkel, Kira´s Dad aus dem Eingang der Kapelle hervor und meinte, dass es nun an der Zeit wäre, den Gang zum Altar zu beschreiten.

Lee hielt Marissa aufmerksam seinen Arm hin, damit sie sich bei ihm unterharken konnte und schritt langsam mit ihr nach vorne zum Altar. Dort trennten sich dann für kurze Zeit ihre Wege…

Der Blondschopf stellte sich zu seinem älteren Cousin, während Marissa auf der anderen Seite stand, um Kira gleich bei zu stehen. Allen stockte der Atem, als die Musik einsetzte und Kira an der Seite ihres Vaters nach vorne Schritt. Doch jemand in dieser Kapelle hatte nicht nur Augen für die wunderschöne Braut…

Lee Ryan richtete das Meiste seiner Aufmerksamkeit auf die junge Brünette, die sich schon jetzt eine Träne aus den Augenwinkeln wischte, obwohl ja eigentlich noch nicht viel passiert war. Marissa hatte ihn sofort, vom ersten Moment an fasziniert, denn sie hatte irgendetwas besonderes an sich und das beste war, dass sie ihn nicht zu kennen schien. Durch seinen Job bedingt, war es für den Blondschopf nicht einfach, eine Frau zu finden, die an ihm, an Lee Ryan, dem Menschen interessiert war…

Unter den Gästen befand sich ein weiterer Blondschopf, der still vor sich hin schmunzelte. Er brauchte wirklich nicht zweimal hinzusehen, um fest zu stellen, dass es seinen jüngeren Kumpel total erwischt hatte. Nein, der Blick Lee´s, wie er zu der hübschen Brünette hinüber sah, an dessen Seite er in die Kapelle geschritten war, genügte vollkommen…

„Gibt es etwas, dass wir wissen sollten?“, der Dunkelhäutige junge Mann neben ihm stieß ihm leicht in die Rippen. „Ja, du, nein ihr, solltet dem Optiker mal einen Besuch abstatten“, amüsiert beobachtete Duncan, wie Simon nun immer verwirrter drein sah und sich nun auch Antony, der vierte im Bunde, der Band „Blue“, die gerade eine Pause einlegte, einschaltete. „Und du solltest es dir abgewöhnen, in Rätseln zu sprechen!“

„Na schön, na schön….guckt euch doch mal unseren Kleinen genau an…Naaa, was fällt euch auf?“, grinste Duncan viel sagend. Grübelnd kratzte sich Simon am Kinn und musterte Blue´s Nesthäkchen aufs Genaueste. „Das einzigste, was mir auffällt ist, dass er seine Krawatte vergessen hat…und wie ich sehe, ist er da nicht der Einzigste…“, gab Simon schneidend zur Antwort und spielte damit auf Duncans halb geöffnetes Hemd an, während er selber und Antony sich an die normale Kleiderordnung gehalten hatten…

Etwas säuerlich guckend überging der junge Mann diesen Seitenhieb und schüttelte nur seufzend den Kopf und das aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil seine Freunde genau wussten, wie sehr er Krawatten hasste und sie sich trotzdem nie eine Bemerkung verkneifen konnten und zum anderen, wie sie so blind sein konnten. Lee´s Blicke sprachen doch wirklich Bände!!

„Ich werde die Kleine nachher mal genauer unter die Lupe nehmen“, murmelte Duncan vor sich hin, während er die Brünette eingehend musterte. Er sah zwar jetzt nur ihre Rückenansicht, doch die war auch nicht von schlechten Eltern und er konnte seinen Freund wirklich verstehen, dass er so beeindruckt von ihr war. Sie würde perfekt zu Lee passen, jedenfalls vom Äußeren her und wenn ihr Charakter jetzt auch noch stimmte, dann war Lee so gut wie in festen Händen….

….was auch dringend nötig war! Lee war ein Mann, dem man zeigen musste, wo es lang ging, der eine Hand brauchte, die ihn führte und Duncan wollte sich so langsam aber sicher aus seinem Babysitter Job zurück ziehen. Nach einigen peinlichen Skandalen hatte der Blondschopf seinen jungen Freund richtig unter seine Fittiche genommen und ihm….nun ja…etwas Benehmen beigebracht. Die beiden hatten zusammen eine WG gegründet und Lee hatte sich zu einem richtigen Gentlemen gemausert. Nun würde sich also zeigen, was Duncans Mühen gebracht hatten…hoffentlich versaute er es nicht!

„Duncan….“, wisperte Antony warnend, worauf der junge Sänger seinen Freund empört musterte. „Was denkst du von mir??! Ich will nur sehen, wie sie so drauf ist und ob sie zu Lee passt!“ „Ich denke, das kriegt er auch allein raus…Ich weiß du hast ihn ganz schön umgekrempelt, aber…“ „Ja genau, ICH habe ihn umgekrempelt und ICH werde auch darauf achten, dass er sich nicht die Flügel bricht, wenn er das Nest verlässt“, zischte Duncan leise und verfolgte nun die Zeremonie.

Antony saß da neben und schüttelte nur den Kopf. Im Bezug auf Lee stellte sich Duncan manchmal mehr wie eine beschützende Glucke an, als wie ein Freund. Lee war erwachsen und wenn er schon wieder eine Sache verbockte, musste er endlich mal allein dafür gerade stehen, ohne dass Duncan gleich angerannt kam um ihm das Händchen zu halten.

Seitdem die beiden vor über einem Jahr eine WG gegründet hatten, waren die beiden noch unzertrennlicher geworden und man konnte nicht verleugnen, dass Lee keine Veränderung durch gemacht hatte. Über etliche Alkohol Exzesse und nächtliche besoffene Fahrten mit seinem Auto hatte er sich unter Einfluss seines älteren Freundes zu einem ruhigen besonnen jungen Mann entwickelt, der zeitweise noch etwas von seiner Hyperaktivität raus lassen musste, worüber Antony und auch Simon ganz froh waren…ein zweiter Duncan wäre nun auch nicht gerade zu ertragen gewesen…

Das andere 2/4 von Blue fragte sich sowieso schon, ob die beiden nicht vielleicht als siamesische Zwillinge in getrennten Körpern zur Welt gekommen waren, so wie die beiden immer zusammen hingen und so bewundernd wie Lee seinen älteren Kumpel manchmal ansah konnte man Duncan doch echt für ein Idol halten…

Bei diesem Gedanken musste sich Antony auf die Zunge beißen, um nicht zu lachen. Duncan hatte am Anfang auch über die Strenge geschlagen und nur aus seinem Alter und seiner Erfahrenheit hatte Lee, der sich der Leichtigkeit des Showbiz hingegeben hatte, profitiert. Nein, nein, auch Duncan war kein Heiliger, ganz sicherlich nicht!

Vielleicht hatte der Blondschopf sich auch deshalb so intensiv um das Nesthäkchen gekümmert, um ihn vor dem Absturz zu bewahren. Niemand war davor sicher, niemand, der in diesem Biz ‚zuhause’ war, konnte sich sicher sein, nicht eines Tages auf der Straße zu landen und genau das hatte Duncan dem jungen Blonden ersparen wollen!

Die versammelte Hochzeitsgesellschaft verfolgte nun aufmerksam die Vermählung zwischen Marc und Kira, während Lee immer wieder zu Marissa hinüber schielte. Überrascht registrierte er, dass sie ihn auch angesehen hatte und nun schnell wieder ihren Blick auf ihre Cousine lenkte. ‚ Hmmm was würde Duncan nur tun?’, grübelte Lee im stillen, ‚Ach ja…süß lächeln’

Lee hatte die Erfahrung machen müssen, dass die subtile Anmache seines Freundes viel besser funktionierte, als seine zum Teil doch sehr frechen Sprüche mit denen er früher irgendwelche Weiber aufgerissen hatte…

Als die Brünette das nächste mal zu ihm rüber sah, war er besser vorbereitet. Er lächelte Marissa an, die es erwiderte und sogar leicht errötete. Was stellte dieser Mann nur mit ihr an? Sie kannte ihn doch gar nicht oder zumindest nicht bewusst, denn ihre Cousine war ja da anderer Meinung…

Lee musste sich nach ihrem Lächeln förmlich dazu zwingen, sich auf die Trauung zu konzentrieren, um seinen Einsatz nicht zu verpassen. Ohne Ringe war das mit dem Heiraten ja nun mal mehr als schlecht…

Er nestelte etwas ungeduldig das schwarze Samtkästchen aus seiner Tasche und hielt es den beiden fast Eheleuten unter die Nase, damit sie sich die Ringe anstecken konnten. Lächelnd beobachtete er dann Marissa, die gerührt vor sich hin schniefte und ihm wieder ein Lächelnd schenkte, dass Lee´s Knie zittern ließen. Wann hatte ihn das letzte Mal eine Frau nur in eine solche Situation gebracht?

Bevor er auch nur weiter darüber nach denken konnte, folgte schon der obligatorische Hochzeitskuss und das Brautpaar machte sich auf den Weg nach draußen. „Lee??“ Erwartungsvoll stand Marissa da und wartete darauf, sich wieder bei ihm unterharken zu können…wartete auf ein Gefühl, dass sie während der Zeremonie vermisst hatte, seine Nähe zu spüren und sein unvergleichliches Aftershave zu riechen, dass ihrer feinen Nase sofort aufgefallen war…

Verwirrt erwachte der Blondschopf aus seiner Erstarrung. Hatte er die Brünette doch die ganze Zeit nur angesehen und nicht mit bekommen, dass sie ihn angesprochen hatte. Leicht verlegen errötete er nun und bot ihr wieder seinen Arm an, damit sie sich bei ihm unterharken konnte…

Draußen wurden sogleich fleißig Fotos geschossen. Marissa und Lee wollten sich zu beiden Seiten der frisch Vermählten aufstellen, doch die beiden drängten ihre Cousine und ihren Cousin in die Mitte, so dass die jungen Leute nahe bei einander standen.

Zaghaft hatte der junge Sänger den Arm um Marissa gelegt und sie genoss die Hand, die auf ihrer Hüfte lag und sie leicht an ihn ran zog. Es war schon lange her, dass sie so etwas bei einem Mann empfunden hatte und es ängstigte und freute sie zugleich…

Marissa war eine Frau, die alles nach der Reihe, Schritt für Schritt anging…Das erste Date, dann am Abend der erste schüchterne Kuss auf die Wange…alles kleine Schritte, bis sie sich ganz sicher sein konnte, auch keinen Fehler zu begehen. Doch irgendwas sagte ihr, dass es bei Lee anders sein würde, dass ihre bisherige Vorgehensweise, sich selbst zu schützen nicht funktionieren würde…

Könnte sie sich ihm einfach so öffnen? Einem eigentlich völlig fremden gestehen, dass sie gerade dabei war, sich Hals über Kopf in ihn zu verlieben?

Regel Nummer 2:
It's up to you and me, to face our destiny


Verträumt schlenderte Marissa den kurzen Weg zum Gasthaus, in dem die Hochzeitsfeier statt finden sollte, allein entlang. In dem ganzen Gemenge hatten sie und Lee sich verloren und sie vermisste schon jetzt wieder seine Nähe. Ob er das auch tat? Oder ob er sie nur für eine flüchtige Bekannte hielt? Jemanden, den man gleich darauf schon wieder vergaß?!

„Na schöne Frau, so ganz allein?!“, wurde sie plötzlich von der Seite angesprochen, was sie erschrocken aus ihren Gedanken hoch fahren ließ. Marissa blickte zur Seite und sah sich mit einem zweiten, gut aussehnenden Blondschopf konfrontiert…Als ob einer an einem Tag nicht schon reichen würde…

Der junge Mann, der nun neben ihr her ging, war jedoch nichts gegen Lee. Während dieser hier sie prüfend aus wachen meerblauen Augen musterte, konnte man bei Lee, wenn man nahe bei ihm stand, einen geheimnisvollen grünlichen Schimmer vernehmen, der zusammen mit diesem unglaublichen Blau eine beeindruckende Wirkung auf sie hatte…

Aber etwas sagte ihr, dass der Blondschopf neben ihr nicht die selben Interessen an ihr hatte wie Lee, oder zumindest hoffte sie doch, dass Lee dieses Interesse an ihr hatte…

„Na ja, nun ja nicht mehr“, lächelte Marissa ihn nun leicht schüchtern an. Genau wie Lee zuvor, bot er ihr Gentlemenlike seinen Arm an und die junge Brünette harkte sich zögernd bei ihm unter. Sie kannte ihn doch gar nicht und sie wurde nicht schlau daraus, welche Ziele er verfolgte…

…auch beim anschließenden Anstoßen, hatte er ihr bisher nur seinen Namen verraten: Duncan! Ein ungewöhnlicher Name, den Marissa noch nicht allzu oft gehört hatte. Auch, wenn sie ihn nicht durch schaut hatte, konnte man sich ausgezeichnet mit ihm unterhalten und er hörte sehr aufmerksam zu, wie sie fest stellte…

Lee, der schon die ganze Zeit auf der Suche nach Marissa war, trieb seine beiden älteren Freunde, Antony und Simon, bald in den Wahnsinn. Sie hatten ihm dabei geholfen, die Augen nach ihr offen zu halten, doch bisher ohne Erfolg. „Lee, sie wird schon nicht verschwunden sein“, klopfte Simon ihm auf die Schulter, um ihn etwas zu beruhigen. „Wo ist Duncan?“, war Lee´s nächste Frage und meckerte vor sich hin, „Wenn man den Mann einmal braucht…“

Genervt sahen sich Ant und Simon an und verdrehten gleichzeitig die Augen. „Wo ist Duncan?“ Diese Frage stellte ihr junger Freund immer, wenn er nicht mehr weiter wusste. Als ob dieser Marissa aus dem Hut zaubern könnte. SO ein Zauberer war Duncan nun auch wieder nicht…

Aufgeregt überflog Lee abermals den Saal und blieb an einem Bild trauter Zweisamkeit hängen…

Da standen sein bester Freund und Marissa mit einem Glas Champagner in der Hand, lachten und unterhielten sich anscheinend sehr angeregt miteinander. Diese Szenerie versetzte Lee einen Stich ins Herz und das obwohl er wusste, dass Duncan ihm nie eine Frau ausspannen würde und umgekehrt. Das war schließlich die Männerfreunschaftsregel Nummer 1!

Wahrscheinlich hatten sich die beiden nur zufällig getroffen, so Lee´s Vermutung und woher sollte Duncan auch wissen, dass er, Lee, kurz davor war oder vielleicht auch schon mitten drin war, sich in Marissa zu verlieben?!

Es war nichts, alles nur ganz harmlos und deshalb atmete er nun tief durch und ging schnurstracks auf die beiden zu. Er glaubte Marissas Augen aufleuchten zu sehen oder war es einfach nur das Licht, dass sich in ihnen widerspiegelte?!

„Wie ich sehe, hast du meinen Kumpel schon kennen gelernt“, begann Lee ohne Umschweife um raus zu kriegen, wie sich die beiden über den Weg gelaufen waren. Erstaunt musterte Marissa nun beide und wandte sich Duncan zu: „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du mit Lee befreundet bist?“

Lee sah seinen blonden Freund nun ebenfalls überrascht an, der sich mit einem frechen Grinsen aus der Affäre ziehen wollte. Er klopfte Lee auf die Schulter: „Also meinen Segen habt ihr, Kleiner! Ich werde mich dann mal zurück ziehen…Ihr seid alt genug, dass ihr keinen Anstandswau wau mehr braucht….hoffe ich doch mal…“, lachte er und verschwand blitzschnell aus Lee`s Reichweite, damit dieser ihm keinen Schlag auf den Hinterkopf versetzten konnte. Seine Aussage hatte nämlich dazu geführt, dass er und Marissa verlegen errötet waren. Er liebe seinen älteren Freund zwar wie einen Bruder, aber manchmal konnte Duncan auch echt peinlich sein!

„Kann es sein, dass mich dein Freund gerade unauffällig abgecheckt hat?“, fragte Marissa nun lachend und erinnerte den blonden Sänger daran, dass sie auch noch anwesend war. „Das könnte schon sein…Aber ich hab damit nichts zu tun! Wirklich!“, beteuerte Lee und hob zum Schwur feierlich eine Hand, „Er ist manchmal etwas überbesorgt…“

„Aber er ist nett…“ „Ja…das ist er“, nickte Lee und blickte sich zu seinen Freunden um, denen Duncan gerade berichtete, was er über Marissa in Erfahrung gebracht hatte. Okay, also sie fand Duncan nett, aber was dachte sie über ihn? Ob sie ihn das im Laufe des Abends noch wissen lassen würde???

Beim anschließenden Kaffee trinken gesellte sich Marissa zu Lee und seinen Freunden an den Tisch, wo sich ihr auch Duncan in seiner Funktion als Babysitter noch einmal vorstellte. Lee, dem die ganze Sache mehr als peinlich war, ließ puterrot an…

Die Brünette beobachtete die Blicke, die lee seinem Kumpel zuwarf, damit dieser endlich sein Plappermaul hielt, doch Duncan grinste nur frech und missverstand es absichtlich falsch.

„Ihr seid echt zum schießen!“, lachte Marissa plötzlich auf, weil Lee Duncan allerhand vernichtende Blicke zugeworfen und beleidigt die Arme vor der Brust verschränkt hatte, während Duncan das gänzlich unbeeindruckt ließ.

„Du meinst wohl zum ‚ER’schießen“, neckte Simon die beiden Blonden, die wie auf Kommando beide hörbar nach Luft schnappten. „Wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr“, murmelte Lee vor sich hin und wurde gleich darauf von Antony in den Schwitzkasten genommen, der ihm seine aufs genauster frisierte Frisur mit einem Zerwuscheln zur Nichte machte!

„Aber zum Schluss lieben wir uns doch alle, nicht wahr, Kleiner?!“, lachte Antony und ließ von Lee ab, der grummelnd nach seiner Frisur tastete, ob und wie viel sein Kumpel durch einander gebracht hatte, „Jetzt hab dich mal nicht so! Du hast doch vom großen Meister gelernt“, der Dunkelhaarige schielte zu Duncan hinüber, „Ein bisschen Gel und schon sitzt wieder alles!“

Empört schnaubte Duncan auf und schüttelte den Kopf: „Antony, man(n) nimmt WACHS und nein, ich werde dir jetzt keinen Vortrag darüber halten, wie Haare richtig behandelt werden!“ Der Blondschopf warf einen leicht pikierten Blick auf die Haare seines Freundes, was Marissa schon wieder zum lache brachte. Sie lachte so sehr, dass ihr schon bald Tränen über die Wangen liefen und gar nicht mit bekam, wie Lee sie unverwandt musterte…

‚Und das mit rosaroten Herzchen in den Augen’, dachte Duncan schmunzelnd. Er fand schon jetzt, dass die beiden ein tolles Paar wären. Fraglich war nur, ob Marissa nach heute Abend immer noch erpicht sein würde, denn es gab einen guten Grund, warum sie das Thema Musik und ihren damit verbundenen Job außen vor gelassen hatten…

Der Abend rückte näher und die damit verbundene angekündigte Überraschung stand vor der Tür. Marissa wunderte sich, warum Lee plötzlich so heimlich verschwunden war und sah Duncan fragend an. Dieser zuckte jedoch nur mit den Schultern und gab sich unwissend, obwohl sich die Brünette sicher war, dass er irgendwas wusste…

„Na Cousinchen, amüsierst du dich gut???“, kam es zuckersüß von Kira, die sich hinter sie geschlichen hatte. „Musst du mich so erschrecken???“, grummelte diese leicht verärgert und das nicht nur, weil sie sich erschreckt hatte, sondern weil Lee nicht an ihrer Seite saß. „Das tut mir leid, aber es wird Zeit…“

„Zeit??? Wofür???“, irritiert drehte sich die junge Frau zu Kira um und musterte sie misstrauisch. „Erinnerst du dich noch an das Album das ich dir vor einigen Wochen gegeben habe??“ „Das Gebrannte?? Von dem du mir sagtest, es wäre von einem Freund von dir??“ „Genau das und wir haben uns von ihm gewünscht, dass er heute etwas daraus singt…zusammen mit….“, Kira wedelte mit einem Mirko vor ihrer Nase herum. „Ohhhhhhhh NEIN! NEIN!“, energisch schüttelte Marissa den Kopf, “Vergiss es, Cousinchen!”

“Tut mir leid, aber da musst du durch! Du und Lee…ihr seid schließlich die Überraschung!“ „Er hats die ganze Zeit gewusst…und ihr auch“, fuhr die Brünette seine drei Freunde an, die schuldbewusst wie auf Kommando die Augen nieder schlugen. „Kira hätte uns gekillt, wenn wir auch nur ein Wort darüber verloren hätten“, murmelte Duncan kleinlaut. „Ach, ist es dir angenehmer, von mir gekillt zu werden??“

Der Blondschopf schluckte. Marissa wäre durch aus dazu in der Lage, so wie sie ihn jetzt ansah. Ihre Augen funkelten gefährlich und er war noch mehr davon überzeugt, dass sie das richtige Gegenstück für Lee war, die Frau, die ihm kontra geben konnte, wenn er etwas verbockt hatte, die Frau, die ihn lieben konnte, so wie er war, mit all seinen Macken und Fehlern…

„Ich glaube, ich sage da besser nichts mehr zu“, nuschelte Duncan und Marissa wollte ihm gerade zustimmen, als sie von Kira auf die Füße gezogen wurde und ausgerechnet in Richtung Bühne geschleift wurde. Ihre Cousine hob das Mirko an die Lippen und bevor Marissa auch nur reagieren konnte, war es auch schon zu spät: „Ich freue mich, dass sich meine kleine Cousine Marissa und der Cousin meines frisch angetrauten Mannes dazu bereit erklärt haben, hier und heute für uns zu singen! Also einen kräftigen Applaus, wenn ich bitten darf!“

Marissa warf ihrer Cousine einen vernichtenden Blick zu, während sie gezwungenermaßen das Mikro ergriff und auf die Bühne ging. Sie wusste, dass Kira der Meinung war, dass sie eine außergewöhnliche Stimme hatte, wovon Marissa selbst nicht überzeugt war. Kein Wunder also, dass ihre Cousine zu diesem kleinen miesen Trick mit dem Album gegriffen hatte. Sie wollte, dass die Brünette die Songs konnte und ihr Plan war aufgegangen…

Marissa liebte dieses Album und hatte mehr als einmal, wenn sie sich ohne Gesellschaft befand, mit gesungen. Sie liebte dieses Album ,aber vor allem hatte sie sich sofort in diese Stimme verliebt, die beinahe der eines Engels glich, denn ja, so stellte sie sich Engel vor und mehr als einmal hatte sie sich gefragt, wie dieser Engel wohl aussehen mochte, der eine solche Stimme besaß….

….und nun sah sie sich hier mit ihm auf der Bühne konfrontiert und hätte ihm am liebsten vor versammelter Mannschaft die Augen ausgekratzt!

Aber nein, Marissa behielt die Fassung, denn das tat sie immer, weil sie es nicht anders gelernt hatte. Vor ihrer Familie behielt sie sie und zeigte ihnen nur sehr selten und wenn, dann nur Kira ihre Gefühle. Einzig allein sie wusste, wie es in ihr aussah und was die junge Frau belastete…

Es gab nun kein Zurück mehr! Sie stand hier, vor der Hochzeitsgesellschaft, die sie erwartungsvoll musterte und neben dem Mann, dem Engel, der ihre Gefühle ganz schön in Aufruhr versetzt hatte. Eine, ihr vertraute Melodie erklang und sie spürte, wie Lee ihre Hand ergriff und diese zärtlich drückte. Er wollte ihr den Halt geben, damit sie sich ohne Angst auf den Song einlassen konnte…

Save me from myself
I wanna love somebody else
Someone like you
Makes me smile the whole night through

I'm hungry for some answers
I'm hunting for the truth
You are what I'm looking for
Please show me the way
Please show me the way

I'll do anything to be close to you
And I'll be anyone that you want

Marissa versuchte, die Menschen, die sich mit ihr in diesem Saal befanden ganz auszublenden und das selbe versuchte sie auch mit Lee, doch es klappte nicht! Wie sollte sie auch diese Hand ignorieren können, die ihre fest in seiner hielt?!

If you let me know
Where you run to
Where you go
All around the world
I will follow

Coz I'm looking for the real thing
I'm haunted by the truth
You can do anything you want
I wanna be
I wanna be with you

I'll do anything to be close to you
And I'll be anyone that you want

‘Eigentlich dürfte er mich doch nicht so durcheinander bringen’, grübelte Marissa in ihrem Inneren, während sie verzweifelt versuchte, sich auf den Song zu konzentrieren. Aber er tat es und das beunruhigte sie mehr als gut war…

Marissa hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, immer einen Schritt nach dem anderen zu gehen und irgendwie hatte sie gerade das Gefühlt, dass sie dabei war, einen zu überspringen… Das Lee viel von ihr fordern würde und sie wusste nicht, ob sie dazu bereit sein würde…sich einem fremden Mann, über den sie so gut wie nichts wusste, sich aber trotzdem zu ihm hingezogen fühlte, zu öffnen…


Save me from myself I want you
One more time I got to show you how I feel

I'll do anything to be close to you
And I'll be anyone that you want

I'll do anything to be close to you
And I'll be anyone that you want

Erleichtert atmete die Brünette aus, als sie das Mikro endlich sinken lassen konnte. Zusammen mit Lee verbeugte sich sie unter tobendem Applaus und wollte sich eigentlich sofort auf dem Staub machen, um nachzudenken, ihre Gefühle zu ordnen, doch sowohl Lee, als auch Kira machten ihr einen Strich durch die Rechnung…

Ihre Cousine hatte nämlich gleich dafür gesorgt, dass der DJ Lee´s Album spielte und gab dem Blondschopf einen Wink, dass er Marissa sich jetzt ja nicht entwischen lassen sollte!

Schneller, als sie gucken konnte, befand sie sich in einer festen Umarmung und schwebte mit ihm zu „Daydreamer“ über die Tanzfläche. „Ich weiß, du würdest mich jetzt am liebsten erwürgen…“ „Das ist noch gar kein Ausdruck dafür, was ich am liebsten mit dir machen würde…“, knurrte Marissa ungehalten und blieb so ruhig wie möglich, obwohl sie innerlich kochte! Wie hatten die beiden sie nur ins kalte Wasser schmeißen können?!

„Ich weiß…aber du hättest sonst niemals mit gemacht! Marissa, hör mir zu, ich…ich weiß, ich hab damit vielleicht nicht gerade Pluspunkte gesammelt, aber Marc und Kira haben es sich so gewünscht und da konnte ich nicht ablehnen. Kira hatte schon vor raus geahnt, dass du darüber nicht begeistert sein würdest, denn weißt du, sie hat mir viel von dir erzählt und obwohl wir uns heute zum ersten Mal gesehen haben, habe ich das Gefühl, dich schon ewig zu kennen…“

Marissa flehte, dass er nicht weiter sprechen möge, denn sie hatte doch gewusst, dass er viel zu schnell voran preschen würde. Er sagte er hätte das Gefühl sie schon zu kennen…aber das nur aus Erzählungen Kira´s, dachte Marissa, im Prinzip wusste er doch gar nichts von ihr…was sie empfand und das sie gerade befürchtete, einen Fehler zu machen…

„Ich…ich…brau..brauche frische…Luft“, würgte die Brünette hervor, machte sich von ihm los und eilte nach draußen, während Lee verdutzt und von Zweifeln geplagt, ob er ihr das wirklich alles hätte sagen sollen, auf der Tanzfläche zurück blieb….

Es war ein warmer Frühlingsabend und die Sonne war gerade dabei am Horizont zu versinken, als Marissa nach draußen ins Freie trat und sich auf einer nahe gelegenen Mauer fallen ließ. Ein tiefes Gefühl von Traurigkeit und Bedauern hielt sie gefangen und wollte sie einfach nicht los lassen…

Nein, es war nicht nur, dass es zu schnell ging! Marissa musste immer wieder daran denken, wer er war, ein berühmter Sänger, dem die Frauenwelt zu Füßen lag. Außerdem war er so viel unterwegs, bereiste die ganze Welt und sie würde ihn vielleicht nie wieder sehen…

Nein, dass könnte sie einfach nicht ertragen, wenn sie sich jetzt auf ihn einlassen würde…

„Marissa, bist du okay?“, fragte plötzlich Jemand leise neben ihr, was sie aufschrecken ließ, „Tut mir leid, das wollte ich nicht!“ Entschuldigend sah Lee sie an und setzte sich neben sie. „Schon gut, es gibt schlimmeres“, zuckte sie mit den Schultern und der Blondschopf ahnte schon, worauf sie anspielte…

„Es ist wegen dem, was ich gesagt habe, stimmts??!“ „Lee, es ist nicht so einfach, wie du es dir vorstellst…Ich bin kein Mensch, der etwas überstürzt! Halt mich für verrückt, aber ich denke tausend mal über eine Sache nach, bevor ich mich entscheide und…“ „Hast du noch nie eine spontane Entscheidung getroffen??“, harkte Lee nach, „Hast du noch nie etwas aus reinem Impuls getan?“

„Diese Dinge gehen meistens schief“, die junge Frau lächelte traurig, „Außerdem habe ich meine Prinzipien…“ „…die du noch nicht mal für mich, für uns über Board werfen könntest?! Was würdest du tun, wenn ich dich jetzt einfach küsse?“

Leicht erschrocken blickte Marissa ihn an: „Ich küsse nicht vor dem ersten Date! Meine Regel Nummer 1!“ „Könnte man das heute nicht als ein solches bezeichnen?!“ „Nein, immerhin sind wir nicht zusammen her gekommen! Einen Kinobesuch oder ein Abendessen könnte man als Date bezeichnen, aber das hier…“ „Hmm ich würde dich ja gerne in die Spätvorstellung einladen, aber ich glaube, Kira und Marc würde das nicht sonderlich gefallen…also wirst du deine Regel Nummer 1 vergessen müssen…“

Noch während er sprach, kamen seine Lippen den ihren immer näher und berührten sie kurz darauf zunächst flüchtig, bevor Lee den Kuss intensivierte und erleichtert registrierte, dass sich Marissa ihm nicht verwehrte…

„Wovor hast du noch Angst?“, flüsterte er atemlos gegen ihre Lippen, als er sich eher widerwillig von den ihrigen gelöst hatte. „Vielleicht werden wir uns hier nach nie mehr wieder sehen…immerhin bist du ein Star, berühmt und…“ „…und deshalb brauche ich keine Liebe?!“, entgegnete er forschend. „Nein, aber ich will mich nicht auf einen Traum einlassen…“

Sanft zog der Blondschopf sie an sich und streichelte beruhigend über ihren Rücken, während er eine ihr bekannte Melodie vor sich hin summte und schließlich zu singen begann…

Young man got a lot of soul
In God he trust he broke the mould with this one
It feels like theres nowhere left to run
In fact his life has just begun
With a dream
And sometimes that’s enough

Fly away drift and glide
Fly away drift and glide

Daydreamer what are you dreaming of
Daydreamer what are you thinking of
Daydreamer I wanna dream with ya
And leave it all behind
I say welcome to the dreamtime

“Verstehst du, manchmal reicht schon ein Traum aus, um sein Schicksal zu begreifen und nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu verändern…“

Regel Nummer 3:
I will love you till death do us part


“Kann es sein, dass du nervös bist?” „Ich??? Aus welchem Grund sollte ich nervös sein?“, so unschuldig wie möglich versuchte Marissa ihrer Cousine in die Augen zu blicken. „Oh, den kann ich dir sagen…dieser Grund ist groß, blond, ein sehr attraktiver Sänger eben, der dir seit meiner Heirat vor einigen Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht“, neckte Kira ihre jüngere Cousine. „Möglich, dass ein solcher Grund existiert…“, nuschelte Marissa und errötete leicht. „Du bist voll in ihn verschossen, oder?“

Die Brünette errötete nur noch mehr und schwieg. Es war mehr als nur dieses Gefühl des „Verschossen seins“ so, wie Kira es nannte. Marissa vermisste Lee mit jeder Faser ihres Körpers, mit jeder Faser ihres Seins und deshalb reichten ihr auch nicht mehr die täglichen Telefonanrufe und die zahlreichen süßen SMS, die der Blondschopf ihr schickte. Ihr fehlte seine Nähe, ihr fehlten seine Lippen und umso länger er unterwegs war, immer auf dem Weg zu einem nächsten Termin, umso mehr vermisste sie ihn…

Deshalb freute sich Marissa auch schon so auf heute, denn Lee würde kommen. Marc, sein Cousin und seines Zeichens Kira´s Ehemann, hatte heute Geburtstag und deshalb war Marissa auch schon früher gekommen um Kira zu helfen. Diese hatte jedoch nichts besseres zu tun, als ihre Sehnsucht nach dem blonden Sänger noch gewaltig anzuschüren…

„Übrigens dachte ich, könnte Lee bei dir schlafen…“ Augenblicklich wandte Marissa ihren Kopf von dem Partyschmuck ab, das sie grade noch prüfend gemustert hatte. „So, dachtest du also?!“ „Na ja, es wird Zeit, dass ihr beiden euch mal so ‚richtig’ kennen lernt“, grinsend stieß Kira ihr einen Ellbogen in die Seite. „Ich weiß nicht, wovon du redest…“, murmelte Marissa und versuchte, nicht schon wieder zu erröten. „Hey, jetzt komm schon, das ist eine ganz normale Sache, über die wir ja wohl reden können und wie du an mir siehst, hab ich auch nicht bis zur Hochzeitsnacht gewartet…“

„Darum…darum geht’s ja nicht nur…“, druckste Marissa herum, „Ich hab das Gefühl Achterbahn zu fahren und alles geht einfach viel zu schnell, verstehst du?!“ „Lass doch einfach mal alles auf dich zukommen und versuche nicht, die Kontrolle übernehmen zu wollen! Dann ist alles viel einfacher!“ Beschützend schloss Kira ihre jüngere Cousine in die Arme. Diese lehnte sich an sie und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, der nichts mit Lee zu tun hatte, doch es gelang ihr nicht…Kira hatte ja gut reden…

Je mehr Zeit verging, desto nervöse wurde Marissa und als schließlich die ersten Gäste eintrafen und Lee immer noch nicht da war, verwandelte sie sich in ein Nervenbündel. Wo blieb er bloß? Ob ihm etwas passiert war?

Da sie sich mit irgendwas beschäftigen musste, ging die Brünette in die Küche, um neue Häppchen für die Gäste zu holen. Als sie an der Theke stand, umschlangen sie plötzlich zwei starke Arme: „Hallo schön Frau!“ „Lee! Wo warst du?“, sie wirbelte zu ihm herum, „Ich hab mir Sorgen gemacht und dachte schon es wäre was passiert und…“

Kurzerhand unterbrach er ihren Redeschwall, in dem er einfach seine Lippen auf die ihrigen presste. „Weißt du, dass ich das schon die ganze Zeit tun wollte?!“, hauchte der blonde Sänger gegen ihre bebenden Lippen. „Und weißt du, dass ich schon die ganze Zeit darauf gewartet habe?!“, gab sie flüsternd zurück und drängte sich noch enger an ihn. „Hmmm dann sollten wir vielleicht weiter machen?!“

Und schon hatte er sie wieder in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelt. „Aber nicht jetzt und hier…“, schwer atmend löste sie sich von ihm. „Nein, aber heute Abend…mir ist nämlich zu Ohren gekommen, dass ich bei dir schlafen werde…“, Lee grinste bis über beide Ohren und fing sich dafür einen Knuff in die Seite ein, womit Marissa verhindern wollte, dass er sich seiner Sache zu sicher war…

Nachdem auch die letzten Gäste eingetroffen waren, war die Party im vollen Gange und Kira beobachtete zufrieden, wie Lee und ihre Cousine nur Augen für einander hatten. Eng umschlungen wiegten sie sich zu einem ruhigen Song auf der Tanzfläche sacht hin und her und man konnte förmlich die Anziehungskraft zwischen ihnen spüren. Ja, es war wirklich eine glänzende Idee von ihr gewesen, die beiden miteinander zu verkuppeln…

Marissa atmete leicht gegen seinen Hals, während Lee sie ganz fest in seinen Armen hielt, und wünschte sich endlicht mit ihm allein sein zu können. Ohne diesen ganzen Rummel, ohne all diese Leute und ohne die neugierigen Augen ihrer älteren Cousine!

„Sag mal, bist du genau so müde wie ich?!“, verschmitzt grinsend hob die Brünette den Kopf und blickte in seine blau-grünen Augen. „Ich dachte schon, du fragst nie“, gab er ihr grinsend zurück und gähnte demonstrativ. Die beiden sahen sich um, schlichen heimlich zur Tür und verließen das Haus. Draußen prusteten die jungen Frau und der Sänger erst einmal los. „Ich komme mir vor, wie ein Schwerverbrecher, so wie wir da raus geschlichen sind“, gluckste Lee und ging Hand in Hand mit Marissa zu ihrem Wagen.

„Das bist du ja auch! Schließlich bist du Schuld daran, dass ich so oft an dich denken musste und dich vermisse!“ „Tust du das wirklich?!“, er umfasste ihr Gesicht zärtlich mit seinen Händen und hauchte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze, „Ich hab mir so sehr gewünscht, dass du das sagst, weil…weil ich dich auch furchtbar vermisst hab und oft in Versuchung war, mich einfach davon zu schleichen und her zu kommen, aber…na ja…ich wollte dich nicht überrumpeln…“

Marissa war so gerührt, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Stattdessen küsste sie ihn flüchtig und beide stiegen in ihr Auto. Zielsicher lenkte die junge Frau den Wagen zu sich nach hause, wobei sie von Lee aufmerksam gemustert wurde. „Für eine Frau fährst du ziemlich gut“, neckte er sie. „Oh, so ein großzügiges Kompliment von einem Herren der Schöpfung hätte ich nun nicht erwartet“, gab Marissa ironisch zurück und nahm kurz eine Hand vom Lenkrad um Lee einen Schlag gegen den Oberschenkel zu versetzen.

„Du solltest aufpassen! Das kriegst du doppelt von mir zurück“, grinste der blonde Sänger frech und sprang sogleich aus dem Auto, als sie es geparkt hatte. Galant reichte er ihr seinen Arm und geleitete sie zur Tür, wo sie aufschloss und mit die beiden mit dem Fahrstuhl hoch zu ihrer Wohnung fuhren. Als die Tür hinter ihnen zu fiel, drückte Lee sie sogleich gegen die Wand und begann ihren Hals zu liebkosen.

„Marissa…es…es..tut…mir leid“, er atmete schwer gegen ihren Hals und knabberte an ihren Ohrläppchen. Genießerisch schloss sie die Augen: „Wofür entschuldigst du dich?“ „Dafür, dass ich schon wieder über das Ziel hinaus schieße…“ „Dann muss ich mich wohl auch entschuldigen…“, hauchte sie ihm entgegen und begann langsam sein Hemd aufzuknöpfen, denn Marissa hatte beschlossen, den Rat ihre Cousine zu befolgen und alles auf sich zu kommen zu lassen…

There´s an army of lovers dying to meet you
Dying to make your acquaintance
It could be you or it could be me
So don’t let go because I need you so

I´m yours and you are mine
There´s something about you baby
I want to hold you tonight

Da Lee noch nicht wusste, wo sich das Schlafzimmer befand, ließ er sich von Marissa dort hin ziehen und übernahm dann wieder die Führung. Er drängte sie auf das große weiche Bett und beugte sich sofort über sie. „Du bist so wunderschön, weißt du das?“

„Du machst mich ganz verlegen“, lächelte die Brünette und konnte nicht verhindern, dass sie errötete. „Und so bist du noch süßer“, lachte er und rollte mir ihr über das Bett, weil sie angefangen hatte, ihn zu kitzeln. Bevor sie jedoch seine Schwachstelle heraus finden konnte, hatte Lee sich ihre Arme geschnappt und sie über ihrem Kopf fest gehalten. „Versprich mir, dass du mir sagst, wenn du nicht weiter gehen willst!“, forderte er ernst und sah sie aufmerksam an. Marissa nickte nur und öffnete dabei die restlichen Knöpfe seines Hemdes, um es ihm gleich darauf über die Schultern zu streifen….

Sie hatte zwar genickt, aber ihren Kopf schon längst ausgeschaltet. Niemals würde sie Lee gehen lassen oder sich ihm verweigern, denn die Sehnsucht, von ihm heute Nacht gehalten zu werden, war einfach zu stark…

Accidents happen strangest of places
How come they happen at all
Look for the turning for something or nothing
I won´t let go because I need you so

I´m yours and you are mine
There´s something about you baby
I want to hold you tonight

Lee hatte die Ruhe weg, als er Marissa ihrer Sachen entledigt, doch das war nur der äußere Schein. Tief in seinem Inneren war er unglaublich nervös und er fragte sich warum. Die Antwort darauf war ganz simpel: Er wollte einfach nichts falsch machen!

Sein Lebensweg hatte den jungen Sänger in seiner Vergangenheit zwar schon durch einige Betten geführt, aber keine war so gewesen, wie Marissa. Keine Frau hatte es langsam angehen lassen wollen, wie sie, keine hatte ihren Liebreiz besessen und keine hatte eine der Arte Wirkung auf ihn gehabt!

Erst Marissa´s Hände, die sich unermüdlich an seiner Jeans zu schaffen machten, holten ihn aus seinen Gedanken zurück. Als sie ihn von eben dieser befreit hatte, grinste sie ihn triumphierend an und machte gleich mit seiner Shorts weiter. Je mehr von seiner nackten Haut zum Vorschein kam, die bisher noch durch das letzte störende Kleidungsstück verdeckt war, desto fester biss sich die junge Frau auf die Unterlippe.

Anschließend ließ sie sich von Lee aus dem BH helfen und sah ihm tief in die Augen, während er gleichzeitig langsam ihren Slip nach unten schob. „Noch kannst du zurück, Marissa“, hauchte er ihr zu, wobei der Blondschopf hoffte, dass sie diese Möglichkeit in Erwägung zog, „Noch ist es nicht zu spät, aber wenn du erstmal diese Nacht in meinen Armen verbracht hast, dann….“

„Schon, als ich deine Stimme das erste mal hörte, war es zu spät“, lächelte Marissa, wobei sie ihn mitten im Satz unterbrochen hatte. Das war das Zeichen für Lee, dass sie es auch wollte. Langsam zog er sich zwischen ihre bereits gespreizten Schenkel und drang vorsichtig in sie ein…

Everytime I see you, you complete my life
Got to find an answer stay with me tonight
Stay with me, oh baby won’t you stay with me
Stay with me

Lee sah sie währenddessen unverwandt an, während sich im Gesicht der Brünetten die verschiedensten Emotionen widerspiegelten. Lust, Leidenschaft, aber vor allem eine Liebe konnte er in ihren Augen erkennen, wie er sie noch nie zuvor gesehen, geschweige denn gespürt hatte…

Marissa wand sich unter ihm wie eine Schlange, erwiderte seine Vorgaben, aber überließ ihm nicht allein die Kontrolle und Lee war froh darüber! Auf keinen Fall sollte die Frau an seiner Seite sich ihm unterwürfig zeigen oder ihm alles nach plappern. Das war es, wodurch viele Beziehungen ihren Reiz verloren…

Lee spürte in diesem Moment, wie sie sich um ihn herum zusammen zog und sich dann vollkommen entspannte, während er noch einmal tief in sie stieß, bevor sein Körper auf den ihrigen hinab sank. Sein Atem ging schnell und unregelmäßig und es dauerte eine ganze Weile, bis er sich wieder einigermaßen beruhigt und sich von Marissa herunter gerollt hatte.

Sanft kraulte diese ihm über den Bauch und hob dann den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. Es war das Gefühl, das in diesem Moment zwischen zwei Menschen existierte, dass sie sicher sein ließ, dass ihre Liebe für immer anhalten sollte…

Doch dieses Gefühl konnte täuschen und alles durcheinander bringen, was es bisher geschaffen hatte, wie ein Wirbelsturm der in den Leben rast, alles zum positiven auf den Kopf stellt, doch genau so gut, konnte er es wieder zerstören….Herzen brechen und ob sie je wieder heilen, weiß wohl nur Gott selbst…


Regel Nummer 4:
Sometimes I wish I could
Turn back time…


Von jener Nacht an, versuchte Lee so viel wie möglich von seiner Zeit mit Marissa zu verbringen, was natürlich nicht ohne Folgen blieb…

Genau so, wie ihre Liebe wuchs, wuchs auch etwas in Marissa heran, wie sie wenige Wochen, nachdem sie das erste Mal mit Lee geschlafen hatte, fest stellte…

Die junge Frau, sowieso schon beunruhigt, dass sich ihr Leben auf so drastische Weise verändert hatte, stellte plötzlich fest, dass sie schwanger war! Marissa wusste nicht, was sie davon halten sollte…

Einerseits war ein Kind etwas wunderschönes, doch andererseits war sie erst so kurz mit dem blonden Sänger zusammen und sie hatte keine Ahnung, was er davon halten würde. Außerdem bedeutete ein Kind eine weitere drastische Veränderung in ihrem Leben! Sie würde die Verantwortung für einen noch so kleinen Menschen übernehmen und bei dem geringsten Fehler…

…das wollte sich Marissa erst gar nicht ausmalen! Tagelang grübelte sie hin und her, wie sie es Lee am besten sagen konnte, ohne ihn damit gleich umzuhauen. Ihr fiel jedoch nichts geeignetes ein und so platze sie, als sie es nicht mehr aushalten konnte, einfach damit heraus…

Verdutzt hatte Lee seine Freundin angesehen und sich gefragt, ob er seinen Ohren noch trauen durfte. Marissa, die Frau, die er über alles liebte, erwartete wirklich ein Kind von ihm?

Erst, als Marissa in Tränen ausgebrochen war, weil er nichts gesagt hatte, fand Lee wieder aus seinen Gedanken zurück in die Gegenwart. Er umarmte und küsste die Brünette und versicherte ihr, wie sehr er sich auf das kleine Wunder, dass da in ihr heran wuchs, freute und das war noch nicht alles….

Strahlend verkündete Lee wenig später seinem Freund und Mitbewohner Duncan, dass er ausziehen würde. Er packte seinen Kram und zog mit Sack und Pack bei Marissa ein, die nun vollends beruhigt war, dass er sich wirklich über das Baby freute, zumal Lee schon die Kinderzimmergestaltung am planen war…

Doch alles kann sich Schlag auf Schlag ändern und je weiter die Schwangerschaft seiner Freundin fort schritt, desto unsicherer wurde er. Selbstzweifel plagten ihn, denn er wusste nicht, ob er es schaffen würde, ein guter Vater zu sein und dem Baby das zu geben, was es brauchte. Ein Kind bedeutete so viel Verantwortung und was würde geschehen, wenn er auf ganzer Linie versagen würde?!

Marissa war nun schon im fünften Monat und er wollte auf gar keinen Fall, dass sie sich aufregte, denn sie liebte dieses Baby über alles und auch er wollte es auf keinen Fall verlieren! Trotzdem blieben die Zweifel und Lee zog sich mehr und mehr von seiner brünetten Freundin zurück, damit sie sein Problem nicht erkannte…

Marissa hatte jedoch schon länger gespürt, dass etwas mit ihm nicht stimmte und hatte gehofft, dass er von allein zu ihr kommen würde. Doch ganz im Gegenteil. Lee zog sich nur noch weiter von ihr zurück, schenkte ihr nur noch flüchtige Zärtlichkeiten und hoffe, seine Freundin so zu schützen. Diese jedoch machte sich nur noch mehr Sorgen und auch die Gespräche mit Duncan brachten sie nicht viel weiter…

Er war derjenige, der eigentlich immer wusste, was mit Lee los war, doch diesmal hatte auch Duncan keine Ahnung, was seinen jüngeren Freund bedrückte. So gut es ging, versuchte er Marissa zu trösten, die, seitdem sich Lee so von ihr zurück gezogen hatte, oft bei ihm Zuflucht suchte. So auch an diesem Abend…

Da es einfach nicht mehr so weiter gehen konnte, hatte die Brünette beschlossen, ihren Freund endlich auf sein merkwürdiges Verhalten angesprochen, doch er wollte ihr weiß machen, dass alles in Ordnung sei, obwohl Marissa ganz eindeutig spürte, dass das Gegenteil der Fall war.

Tief enttäuscht war sie aus der Wohnung zu Duncan geflüchtet, um sich bei ihm auszuweinen. Nachdem sie sich in seiner Nähe wieder einigermaßen beruhigt hatte, begann sie die Zärtlichkeiten zu genießen, die er ihr schenkte, nach denen sie sich bei Lee so sehr sehnte, die er ihr aber verwehrte…

Ganz sacht strich seine Hand beruhigend über ihren Babybauch, während Marissa den Kopf an seiner Schulter angelehnt hatte. „Ich hab es von Anfang an gewusst…es ist einfach alles viel zu schnell gegangen…Lee will das Baby nicht…es war alles nur gespielt und jetzt bleibt er garantiert nur aus Pflichtgefühl bei mir…“, schniefte die Brünette nun wieder leise. „Das glaube ich nicht! Lee hat sich doch so auf das Kleine gefreut…es muss etwas anderes sein…“, versuchte Duncan sie wieder zu beruhigen. Was zum Teufel war bloß mit Lee los? Am liebsten wäre Duncan sofort los gefahren, um seinem jüngeren Freund erstmal ordentlich in den Hintern zu treten, doch Marissa war jetzt erstmal wichtiger…sie und ihr Baby…

„Ach ja?!“, mit verweinten Augen sah Marissa ihn an. Gleichzeitig legte sie ihre Hand auf die seine, die Hand, die immer noch zärtlich über ihren Bauch strich. „Wenn es so wäre, wenn es wirklich irgendwas anderes wäre, warum fasst Lee mich dann nicht mehr an?! Je weiter meine Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto mehr hat er sich von mir zurück gezogen…je mehr das Baby in mir gewachsen ist, desto abstoßender hat er mich und meinen Körper wahrscheinlich gefunden und…“

„Hör auf damit, Marissa! Du bist eine wunderschöne und begehrenswerte Frau!“, widersprach Duncan entschieden, während er nun beide Hände auf ihren Bauch legte. „Und warum fühle ich mich dann nicht so?! Warum komme ich mir dann so abstoßend vor?!“, Tränen liefen nun wieder über ihre Wangen und Duncan zog sie schützend in seine Arme. Sacht strichen seine Fingerspitzen über ihre Wirbelsäule, was ein angenehmes Prickeln auf ihrer Haut hinter ließ…

Plötzlich nahm Marissa Duncan noch viel intensiver war….sein Geruch, sein warmer Atem in ihrem Nacken verursachten ihr Gänsehaut. Er war der einzige, der ihr immer Mut zugesprochen hatte, der sie einfach nur berührte ohne sich dabei vor ihr zu ekeln. Wahrscheinlich hatte Lee sie deshalb nicht berührt…vielleicht war er so darauf bedacht gewesen, dass sie nicht sah, wie sehr er sich vor ihr ekelte….

„Lass dich durch ihn nicht so verunsichern“, redete der Blondschopf nun wieder leise auf sie ein, „Du bist wunderschön und du wirst von Tag zu Tag schöner und aufregender! Jeder Mann würde sich glücklich schätzen, eine Frau wie dich begehren zu dürfen!“ „Dann beweis es mir!“

Ohne darüber nach zu denken, hatte dieser Satz ihren Mund verlassen, worauf Duncan sie nun ein Stückchen von sich weg drückte und sie irritiert ansah. „Schlaf mit mir!“

Immer noch glaubte Duncan seinen Ohren nicht zu trauen: „Du bist verwirrt, Marissa! Du weißt nicht, was du da redest!“ „Ich war noch nie so klar, wie jetzt in diesem Moment! Du hast gesagt, ich wäre eine wunderschöne und begehrenswerte Frau, Duncan, aber Worte allein reichen mir nicht mehr! Schlaf mit mir!“

Während sie das sagte, knöpfte sie langsam sein Hemd auf und begann seine Brust zu küssen. „Marissa, bitte…du bist die Freundin meines bestens Freundes“, würgte Duncan hervor und versuchte ihren Mund, der immer weiter Richtung Süden wanderte, zu ignorieren. „Na und? Was ist denn noch zwischen Lee und mir?“, trotzig hob sie nun den Kopf. „DU liebst ihn noch und erwartest ein Kind von ihm!“

„Ja, ein Kind von dem er nichts wissen will! Und über das andere werde ich auch hinweg kommen! Was hast du noch für Probleme?! Kann es sein, dass du das, was du sagtest, doch nicht ernst gemeint hast?!“ Marissa blickte ihm provozierend in die Augen und setzte sich dabei rittlings auf seinen Schoß. Langsam begann sie auf ihm hin und her zu rutschen, während der junge Sänger gequält die Augen schloss…

„Du weißt, dass ich dich nicht angelogen habe“, presste Duncan hervor. „Das stimmt, ich kann bereits spüren, dass du mich willst! Und ich will genau das gleiche… es gibt kein Hindernis für uns!“, redete Marissa, schon fast flehend auf ihn ein. Sie gierte so sehr nach seinen Berührungen. Nach seinen Fingerspitzen, die über ihren Haut tänzelten, nach seiner Zunge, die ihre Brustwarzen neckte und nach seiner Hand, die sich zwischen ihre Schenkel schob und sie zur Ekstase trieb…

„Lee wird mich hassen!“ „Lee wird davon keine Notiz nehmen! Er wird dir bestimmt sogar noch dankbar sein, dass du ihm einen Grund gegeben hast, um mit mir Schluss zu machen!“, widersprach Marissa entschieden, „Bitte Duncan, lass mich nicht länger betteln!“

„Du verlangst von mir, meinen besten Freund zu hintergehen!“ Marissa wurde nun immer ungeduldiger. Der junge Mann dachte ihr entschieden zu viel nach und das wollte sie ändern. Entschlossen presste sie ihre Lippen auf die seine und schob ihre Zunge zielstrebig in seinen Mund, während ihre Hand sich schon lange an seinem Schritt befand und Duncan den Kampf Fleischliche Gelüste gegen Verstand und Moral verlor…

Er hob sie auf seine Arme, um sie nach oben in sein Schlafzimmer zu tragen. Dort setzte er sie ab und Marissa schupste ihn sogleich auf das große weiche Bett. Anschließend krabbelte sie ihm hinter her und machte sich sogleich daran, ihm sein Hemd ganz auszuziehen. Hecktisch fuhr sie dann mit seiner Jeans und Boxershorts fort…

Als sie ihn endlich vollkommen nackt vor sich liegen hatte, setzte Marissa alles daran, dass es sich Duncan im letzten Moment nicht noch anders überlegte. Seine Erregung war zwar unverhohlen erkennbar, doch dieser Mann hatte einen stärkeren Willen, als man vielleicht glauben mochte…

Fest, jedoch ungemein zärtlich hielt sie ihn mit ihren Lippen gefangen und verwöhnte seinen Unterleib. Duncan konnte sein lautes Stöhnen nicht zurück halten, obwohl er sich innerlich gleichzeitig dafür verfluchte, dass er drauf und dran war, mit der Freundin seines besten Freundes zu schlafen. Hier war kein Alkohol im Spiel, auf den man diese Situation schieben konnte, nur Unvernunft…und ja…auch ungezügelte Begierde…

Als sie endlich von ihm abließ, begann sich Marissa langsam aber sicher vor ihm auszuziehen. Ein Kleidungsstück nach dem anderen flog aus dem Bett heraus und fand seinen Weg auf den Fußboden. In diesem Moment fragte sich Duncan, wie Lee diese Frau nicht begehren konnte. Sie trug sein Kind in sich und wie sie nun vor ihm auf dem Bett kniete, mit ihren festen großen Brüsten, sah sie einfach nur wunderschön aus….

Der Blondschopf setzte sich auf und sah sie forschend an. Sein Blick blieb an ihrem Bauch hängen, während seine Hand über die Innenseite ihres Oberschenkels strich und sich schließlich zwei seiner Finger in ihr versenkten. Marissa zitterte vor Lust und auch Duncan durch lief ein Schauer, als sie sich ihm willig entgegen bog, nur damit er sie noch besser verwöhnen konnte…

„Ich möchte dir oder dem Baby nicht weh tun“, flüsterte er leise, als er seine Finger aus ihrer Hitze zurück zog. „Keine Angst, ich passe schon auf“, hauchte sie ihm zu, bevor sie sich auf seinem Schoß nieder ließ und erleichtert ausatmete, als sie ihn in sich spürte…

Erst ganz langsam, dann immer schneller werdend bewegte sie sich auf ihm und Duncan hatte seine Mühe, sie zu bremsen. Seine Gedanken, trotz aller Lust, kreisten um das Baby, dem er nicht weh tun wollte. „Ich weiß schon, was ich tue“, keuchte sie ihm zu, bevor sie sich seine Hände schnappte und diese auf ihren Hüften platzierte…

Marissa hätte Duncan noch unendlich länger in sich spüren können, doch die Kontraktionen ihrer Muskeln und auch Duncans Gesichtsausdruck sagten ihr etwas anderes…

Sie zitterte am ganzen Körper, als sie ihren Höhepunkt erlebte und sich auch der Blondschopf kurz danach unter ihr aufbäumte. Erschöpft ließ sie sich neben ihn in seine Arme gleiten und bettete den Kopf auf seine Brust. Das war es, wonach sie sich so sehr gesehnt hatte, danach, was Duncan ihr gerade gegeben hatte…und nicht Lee!

‚Es ist schon traurig, dass mich ein andere Mann trösten muss, dass mir ein anderer Mann das gibt, wonach ich mich eigentlich von Lee sehne’, dachte Marissa verbittert und eine einzelne Träne rann ihre Wange hinab. Sie tropfte auf Duncans nackte Haut, den sein Gewissen schon wieder mächtig quälte….

„Bereust du es?“, fragte er plötzlich leise. „Nein, ich bereue nichts, was zwischen uns war! Das tue ich jetzt nicht und werde es auch nie! Es war wunderschön, mit dir zu schlafen und ich werde diese Nacht nie vergessen!“, versicherte ihm Marissa, „Aber du tust es…hab ich recht?“ „Was erwartest du von mir?!“, seufzte Duncan und schloss gequält die Augen, „Ich finde dich anziehend, ja, aber das ist für mich noch lange kein Grund, meinem besten Freund die Freundin auszuspannen…und doch habe ich mit dir geschlafen!“

„Du musst dir wirklich keine Schuldgefühle einreden, Duncan! Ich weiß, dass du es nicht wolltest und ich dich verführt habe! Dich trifft keine Schuld!“ „Dazu gehören immer Zwei! Ich hätte mich wehren können…“ „Es ist egal...“ „Nein, nichts ist egal, Marissa! Denn du hast mit mir geschlafen, obwohl du Lee immer noch liebst! Bist du dir wirklich sicher, dass du ihn einfach so vergessen kannst?“

„Man kann alles, wenn man es nur will“, meinte die Brünette zuversichtlich. „Dein Verstand mag das vielleicht so sehen, aber ich weiß, dass dein Herz noch immer ihm gehört…“

Regel Nummer 5
You showed me how to face the truth…


Am nächsten Morgen, als Marissa Duncans Haus verlassen hatte, war sie fest dazu entschlossen, endlich reinen Tisch zu machen. Sie wollte so nicht länger mit Lee zusammen leben und sie würde ihm auch eiskalt ins Gesicht sagen, dass sie mit Duncan geschlafen hatte. Was kümmerte es ihn schon, wenn sie die Nacht mit einem anderen Mann verbracht hatte?!

Die Tür hinter ihr war gerade ins Schloss gefallen, da hörte sie auch schon jemanden, der im Wohnzimmer auf und ab lief. Dieser Jemand war Lee, der aus Sorge die ganze Nacht kein Auge zugemacht hatte. Normalerweise sagte seine Freundin ihm immer, wo sie hin ging, doch diesmal war sie einfach weg geblieben…und der Blondschopf hatte Todesängste um sie und das Baby ausgestanden!

„Wo warst du?“, herrschte er sie sogleich ungewohnt laut an, doch Marissa zuckte noch nicht mal mit der Wimper. „Weg!“ „Das ist mir schon klar“, fauchte er wütend zurück, „Ich will wissen, wo du die Nacht über warst!“ „Was interessiert dich das überhaupt??? Ich wüsste keinen Grund, dir zu sagen, wo ich gewesen bin!“, provozierte sie ihn und glaubte, kleine Dampfwolken aus Lee’s Ohren aufsteigen zu sehen. „Ich will wissen, wo du gewesen bist!“, verlangte er schnaubend zu wissen. „Schön, wenn es dich so brennend interessiert…Ich war bei einem anderen!“

Überrascht schnappte Lee nach Luft und starrte sie an. Marissa, seine Freundin und ein anderer Mann?! Hatte er sich verhört oder hatte die Brünette das wirklich ernst gemeint?

„Hast du…hast du…mit ihm…geschlafen?“ „Ich wüsste zwar nicht, was dich das noch angeht, aber ja! Ja, ich habe mit ihm geschlafen!“ In diesem Augenblick brach für Lee eine Welt zusammen und er wollte nur noch eines…seine Wut an diesem Kerl auszulassen!

„Wer???“ „Pfffff“, war Marissa´s verächtliche Antwort, worauf Lee sie grob am Arm packte. „Ich will wissen, mit wem du es getrieben hast!“ Sie sah das Glitzern in seinen Augen und bekam plötzlich Angst vor ihm. Das war dann wohl der andere Lee Ryan…Wo war der Mann geblieben, in den sie sich verliebt hatte? Der ihr all seine Liebe gegeben hatte? Der ihr Mut gemacht hatte, das manchmal schon ein Traum reichen würde…

„Duncan“, flüsterte sie leise. Entsetzt ließ Lee sie los und taumelte einige Schritte zurück. Das konnte und durfte einfach nicht wahr sein…nicht seine Freundin…nicht seine Freundin mit seinem besten Kumpel…

„Wie konntest du mir das antun, Marissa?!“ „ICH DIR???“, schrie Marissa ihn an, nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, „Pass bloß auf, dass du nicht in deinem Selbstmitleid versinkst! Seit Wochen strafst du mich mit deiner Ignoranz und ziehst dich gänzlich von mir zurück. Dabei hätte ich dich mehr als jemals zuvor gebraucht!“ „Stattdessen lässt du dich von Duncan flach legen…während du MIT MEINEM BABY SCHWANGER BIST!“, mit jedem Wort war Lee immer lauter geworden. Den Schmerz, den er fühlte, konnte er nicht beschreiben…man musste ihn selbst erlebt haben…

„Fang jetzt ja nicht mit dem Baby an! Es interessiert dich doch gar nicht mehr und ich bezweifle, ob es dich überhaupt jemals interessiert hat!!“ „Hör auf damit, Marissa“, zischte er gefährlich leise. „Was? Warum soll ich aufhören? Du, ja genau DU hast mir durch dein Verhalten geholfen, der Wahrheit ins Auge zu sehen!“ „Was meinst du damit?“, harkte der junge Sänger ungläubig nach. Warum lief nur plötzlich alles schief?

„Ich hätte auf meinen Verstand vertrauen sollen und mich niemals so schnell auf diese Beziehung einlassen sollen, aber wie sagtest du noch so schön?? ‚Manchmal reicht schon ein Traum aus…’ Verstehst du, ich hab dir geglaubt! Ich hab dir vertraut und was hast du getan? Mir vorgekaukelt, du würdest dich auf das Kind freuen und dann…dann hast du mich einfach so im Stich gelassen! Du warst zwar da, aber dennoch meilenweit von mir entfernt und das du mich begehrst…davon ist nichts mehr übrig geblieben…“

Lee wusste nicht, was er darauf sagen sollte und ob sie ihm glauben würde, dass der einzige Grund dafür war, dass er sie nicht beunruhigen wollte. Das ihn solch schreckliche Selbstzweifel quälten, mit denen er sie nicht hatte belasten wollen…ein Fehler, wie sich nun sehr schmerzhaft heraus gestellt hatte…

Mit gesenktem Kopf verließ die Brünette das Wohnzimmer und betrat das angrenzende Schlafzimmer. Sie wollte nur noch eines...

Obwohl dies ihre Wohnung war, wollte sie hier raus, um sich nicht mehr den Träumen hin zu geben, die sie mit Lee verbindete…Träume von einer gemeinsamen Zukunft…sie, das Baby und…Lee…

Eilig zog sie ihren Koffer hervor und stopfte so viele Sachen wie möglich hinein, bis sie ihn nur noch mit Mühe wieder verschließen konnte. Noch einmal sah sie sich in ihrem Schlafzimmer um, hier, in dem Lee sie so oft nächtelang voller Leidenschaft geliebt hatte…

Und was war noch davon übrig geblieben??? Nichts…rein gar nichts….

Als Marissa wieder das Wohnzimmer betrat, saß Lee auf dem Sofa, hatte das Gesicht in den Händen vergraben und versuchte zu realisieren, was geschehen war…

Duncan…Marissa…diese zwei Namen gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf und er fragte sich, wie sein bester Freund ihm das antun konnte? Der Mann, den er doch für seinen großen Bruder hielt, der bisher immer auf ihn aufgepasst und ihm bei gestanden hatte…

Und plötzlich kommt der Moment, in dem man einen Menschen mit ganz anderen Augen sieht…

Lee konnte nicht verhindern, als er Marissa wieder vor sich sah, wie Bilder von einer leidenschaftlichen Liebesnacht zwischen Duncan und seiner Freundin in ihm aufstiegen…wie Duncan und nicht ER, die Brünette berührte…

„Wo willst du hin?“, flüsterte er schon fast, als er sie mit dem Koffer bemerkte. „Ich ziehe aus…“ „Wo…wo willst du hin?“ „Zu…“, Marissa schluckte, „…zu Duncan!“ Sie war sich sicher, dass sie bei ihm erst einmal unter kommen konnte, das er sie mit offenen Armen empfangen würde, egal, was zwischen ihnen beiden geschehen war…

„Warum willst zu ihm? Warum…“, fragte Lee, doch er wurde sogleich schon wieder von Marissa unterbrochen. „Warum ich zu ihm will? Weil er der einzige ist, bei dem ich mich geborgen fühle…weil er mir das gegeben hatte, was ich brauchte…“ „Sex?!“, schnaubte der blonde Sänger verächtlich. „Nein! Er hat mir das Gefühl gegeben, immer noch begehrenswert und nicht abstoßend zu sein. ER war die ganze Zeit über für mich da, hat mich aufgemuntert, meinen Bauch berührt, ohne sich dabei vor mir zu ekeln, während du…ach lassen wir das…Was nützt es, wenn ich dir sage, wie ich mich gefühlt habe…du hast es mir ja auch verschwiegen…jedenfalls mit deinen Worten…Mich hat noch nie jemand so gekränkt wie du, Lee...

Das war der letzte Satz, bevor die Tür hinter ihr ins Schloss viel und zwei Menschen allein waren, die sich doch eigentlich liebten. Und dennoch hatten sie einander mit Worten und Taten verletzt, die anscheinend nicht mehr gut zu machen schienen…


Regel Nummer 6
It’s only small drops of pain…but even the rain can turn into rivers…



Die Monate vergingen und es war nichts mehr so, wie es war….

Marissa wohnte seit jenem Tag bei Duncan und sie hatte auch nicht vor, auszuziehen. Sie fühlte sich so geborgen und sicher aufgehoben, wie schon lange nicht mehr. Der blonde Sänger machte ihr keine Vorwürfe wegen dem was geschehen war, vielleicht, weil er sich die ganze Schuld dafür gab…

Innerlich zerfleischte er sich jedes mal aufs Neue, wenn er auf Lee traf, der nur noch das Nötigste mit ihm sprach. Ihre Freunde waren zwischen den beiden hin und her gerissen. Lee tat ihnen leid, weil er ohne Marissa völlig am Ende war und Duncan tat ihnen leid, weil es ihm selbst nicht besser ging und Lee’s Ex Freundin ihn nach alldem immer noch in Anspruch nahm…

‚Irgendwie war alles schief gelaufen, was nur schief laufen konnte’, überlege Antony, als er Duncan und Lee beobachtete, als sie eines späten Nachmittags gemeinsam im Tonstudio saßen. Simon war gerade dabei, seinen Part einzusingen und bekam deshalb die Spannung zwischen seinen beiden Jüngeren Freunden nicht mit. Antony jedoch umso mehr…

Duncan und Lee saßen auf der Couch, jeder an einem Ende und starrten wortlos vor sich hin. Antony spürte Lee’s Anspannung, dass er sich beherrschen musste, Duncan nicht an die Kehle zu springen und einfach auf ihn einzuprügeln, alles raus zu lassen, was Duncan sicher nicht verhindert hätte. Der schwarzhaarige Sänger war sich sicher, dass er sich nicht gegen Lee gewährt hätte, wenn dieser ihm die Faust unbarmherzig ins Gesicht schlagen würde…

Und plötzlich ist alles anders…der Mensch, den man am meisten vertraut hat, verrät einen und du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst…

Genau so ging es Lee. Seit Marissa ausgezogen war, ging es immer mehr bergab und das wortwörtlich. Sie fehlte ihm, sie und das kleine unschuldige Baby in ihrem Bauch und das sie bei dem Mann war, der einmal sein bester Freund gewesen war, machte ihn noch rasender. Der blonde Sänger hatte gedacht, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen konnte, doch da hatte er sich gewaltig getäuscht…

Marissa jedes Mal zu sehen, wenn sie Duncan von irgendwelchen Auftritten abholte, tat unbeschreiblich weh. Jede kleinste Berührung, die sie ihm schenkte, wenn sie seine Hand nahm und sie auf ihren runden Babybauch legte, ließ Lee immer mehr in sich zusammen sinken. Was bezweckte sie damit bloß? Hatte sie ihm nicht schon genug weh getan? Sie enthielt ihm ihr gemeinsames Kind vor und Duncan hatte er auch verloren! Wusste sie eigentlich, was das für ihn bedeutete? Verschwendete Marissa auch nur einen Gedanken daran?

Duncan hingegen war es äußerst unangenehm, dass Marissa ihn andauernd abholte, doch was sollte er tun? Sie war so empfindlich, so sensibel, dass sie einfach nicht von ihm zurück gestoßen werden wollte. Ganz anders ging sie jedoch mit ihrem Ex- Freund um…

Manchmal glaubte der Blondschopf Befriedigung in ihren Augen aufglimmen zu sehen, wenn Lee durch eine Berührung, die sie ihm schenkte, wieder einmal verletzt den Blick abwandte. Duncan hatte versucht, sich zu entschuldigen, doch es war kein Wunder, dass er das nicht hören wollte. Immerhin hatte er Lee seine Familie genommen…er allein war Schuld daran, dass sein kleiner Bruder jetzt so unglücklich war…Ja, für Duncan war er immer noch sein kleiner Bruder, auch wenn es vielleicht in der Realität niemals wieder so sein würde…

Grübelnd seufzte Antony auf, während er beobachtete, wie Duncan heimlich zu Lee hinüber schielte, der die Ringe an seinen Fingern viel interessanter fand. „Dunc, kann ich dich mal sprechen?“, bat der dunkelhaarige Sänger nun, packte seinen blonden Freund am Arm und zog ihn mit nach draußen, „Gut, und jetzt erzählst du mir mal, was dich bedrückt!“

„Mein Gejammer interessiert dich doch gar nicht“, winkte dieser ab. „Wäre ich sonst hier? Duncan, du hast einen Fehler gemacht, an dem du aber nicht allein beteiligt warst! Lee wird irgendwann…“ „Lee wird gar nichts, wenn er erfährt, dass…“, brauste dieser auf. „Was? Sprich weiter! Was ist los?“ „Marissa will, dass ich…“, er schluckte, „…dass ich…der Vater ihres Kindes werde!“

In diesem Augenblick stürzte sich Lee mit einem Aufschrei auf seinen ehemals besten Freund. Er hatte alles mit angehört und sah nun einfach rot….

Fausthiebe trafen ihn überall, im Magen, im Gesicht, doch Duncan wehrte sich nicht, genau, wie Antony es vermutet hatte. Noch ehe er reagieren konnte, hatte Lee Duncan schon fast besinnungslos geschlagen, so dass schon Blut aus seiner Nase lief und sein Hemd benetzte…

„Lee, hör auf! Sei doch vernünftig“, ging Antony nun dazwischen und zog seinen wild gewordenen Freund von ihm runter. In diesem Augenblick kam Marissa um die Decke und stürzte erschrocken auf Duncan zu, der am Boden lag. Sie half ihm auf und stürzte ihn, damit er überhaupt stehen konnte…

„Es tut mir leid, Lee“, flüsterte er, worauf dieser nur abfällig schnaubte. „Spar dir das! Es tut dir rein gar nichts leid! Wenn es das tun würde, dann würdest du mir nun nicht auch noch mein Kind vorenthalten!“, schrie dieser außer sich und machte schon wieder Anstalten, sich auf ihn zu stürzen, was Antony seinen Griff verstärken ließ…

„Marissa, bring Duncan nach hause! Na los, mach schon!“, befahl Antony, worauf diese ihrem Ex Freund noch einen giftigen Blick zu warf und Duncan in sein Auto verfrachtete. Anschließend kam sie noch einmal zurück und funkelte Lee wütend an. „Warum machst du so einen Aufstand? DU hast kein Anrecht auf dieses Kind, denn ich kann mich nicht erinnern, dass DU in den vergangenen Monaten für uns da gewesen bist! Ich warne dich nur einmal, Ryan! Gehst du noch einmal auf Duncan los, dann hast du eine Anzeige am Hals! Hast du mich verstanden?!“

Es war keine Frage, sondern mehr eine Aussage, die Lee veranlasste, heftig zu schlucken. Noch ehe er darauf etwas erwidern konnte, war sie in Duncans silbernen Mercedes gestiegen und davon gebraust…

Kraftlos sackte Blue’s Nesthäkchen zu Boden und lehnte sich gegen die Hausmauer. Antony ließ sich neben ihm nieder und schwieg…vorerst…

„Du solltest nicht zu hart zu ihm sein“, durchbrach Antony schließlich leise die Stille. „Er hat…“ „Er hat einen schrecklichen Fehler gemacht“, unterbrach Antony ihn sofort, „aber durch deinen ganzen Hass auf Duncan vergisst du Marissa total! Du siehst nicht, wie sie ihn benutzt, damit sie dich verletzten kann, Lee! Das hat sie gerade wieder einmal bewiesen! Ihm geht es mindestens genau so schlecht wie dir, und er wird jeden Tag, jede einzelne Minute daran erinnert! Denkst du nicht, dass er damit genug gestraft ist???“

„Denkst du, ich kann das alles vergessen?“, frage Lee den Tränen nahe. „Nein, aber verzeihen wäre vielleicht ein guter Anfang…Lee, niemand verlangt von dir, dass du ihm direkt wieder um den Hals fällst, aber ich denke es wäre auch in deinem Interesse, wenn ihr wieder wenigstens einen vernünftigen Umgangston hättet…denk wenigstens darüber nach…“
Mit diesen Worten ließ Antony einen nachdenklichen Lee allein zurück…

Währenddessen hatte Marissa Duncan nach hause verfrachtet und war gerade dabei, das Blut zu entfernen und prüfend seine Nase zu betasten. „Du solltest zu einem Arzt…vielleicht ist sie gebrochen!“, bemerkte die junge Frau besorgt. „Das ist sie nicht! Das würde ich merken!“, grummelte der Blondschopf und verzog das Gesicht, als sie ihm einen kühlenden Lappen auf sein geschwollenes Auge legte. „Warum hast du dich nicht gewehrt?“, fragte sie nun aufgebracht. „Ich schlage doch meinen kleinen Bruder nicht“, murmelte er leise und drehte das Gesicht weg. Konnte sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Konnte sie nicht verstehen, dass er nicht darüber reden wollte?

Sacht legte drehte sie sein Gesicht wieder zu sich und strich zärtlich über seine Wange. „Du hast es immer noch nicht akzeptiert?!“ „NEIN! Und das werde ich auch nicht“, fuhr Duncan sie plötzlich ungewohnt laut an, „Warum hörst du nicht endlich auf, dir etwas vor zu machen? Ich weiß ganz genau, dass du ihn noch liebst! Ich hab dich im Schlaf seinen Namen wimmern hören! Du hast dabei geweint! Du willst ihn und doch verletzt du ihn jedes Mal wieder aufs Neue und stößt ihn immer weiter von dir weg! Nicht genug, dass wir ihn hintergangen haben, nein, jetzt erfährt er auch noch, dass du willst, dass ich der Vater deines Kindes werde!“

„Aber ich dachte…du sagtest…“, schniefte Marissa. „Du bist schwanger und ich will dich nicht verletzten! Du hättest dich nur aufgeregt, wenn ich dir gesagt hätte, was ich wirklich denke! Ich hab mich lange genug von dir benutzen lassen um ihm noch mehr weh zu tun! Hast du eigentlich einmal an dein Kind gedacht?“ Empört über Duncans Frage schnappte die junge Frau nach Luft, doch bevor sie zu einer passende Antwort ansetzen konnte, fuhr ihr gegenüber auch schon fort…

„Nichts kann die Liebe eines leiblichen Vaters ersetzen…glaub mir, ich weiß, wovon ich rede…“, eine gewisse Portion Wehmut schwang in seiner Stimme mit, als er sie noch einmal ansah und dann ohne ein weiteres Wort das Haus verließ…

Ohne jedes Ziel irrte Duncan durch London. Er wollte einfach nur einen freien Kopf bekommen, doch das würde wohl nicht möglich sein, denn nichts würde mehr so sein, wie es einmal gewesen war…vor Marissa…

Als der Sonnenuntergang schön und klar über London schwebte, ließ sich der blonde Sänger unter einem Baum im Hyde Park nieder. Er wusste nicht, wie er dort hingekommen war, nur, dass er diese unglaubliche Ruhe genoss. Sein Kopf schmerzte so sehr von den ganzen Dingen, die ihn immer und immer wieder einholten, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute…

Lee würde ihm nie wieder verzeihen, das war ihm seit heute klar geworden. Wie sehr vermisste Duncan die Zeit, in der sie ungehindert hatten lachen können, in denen sie sich alles anvertraut und über alles gesprochen hatten, wie…nun ja…Brüder eben…

Der Blondschopf war so sehr in seinen Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkte, das sich ihm leise jemand genähert hatte, eine Person, mit der er als letztes, wenn überhaupt, gerechnet…

Ein leises Räuspern durchbrach die Stille und Duncan schreckte auf. Neben ihm stand…

„Lee“, krächzte er heiser und musterte ihn ungläubig. Ohne eine Aufforderung ließ sein Gegenüber sich neben ihm nieder und knetete nervös seine Hände. Er war sich nicht sicher, wie er anfangen sollte, bis schließlich alles aus ihm raus platzte…

„Hat sie dich wirklich gefragt, ob du der Vater unseres…meines Babys werden willst?“ „Gefragt würde ich nicht sagen…es war mehr eine Aussage…sie war total davon begeistert…“, erwiderte Duncan leise. „Und du?“

„Lee, ich weiß, ich hab alles kaputt gemacht! Ich hätte niemals mit ihr…“ „Ich will eine Antwort auf meine Frage!“ „Nein, ich war alles andere als begeistert! Aber ich wollte nicht, dass sie sich aufregt, wegen des Kindes…Ich weiß, dass du sie liebst und euer Baby! Was war bloß los?“

„Vermutlich wäre das alles gar nicht passiert, wenn ich nicht so unsicher gewesen wäre…wenn…wenn ich Marissa oder dir meine Zweifel anvertraut hätte, aber…“ „Aber?“, erwartungsvoll wagte Duncan einen Blick zur Seite. „Ich wollte Marissa einfach nicht beunruhigen! Ich hab nie aufgehört, sie oder das Baby zu lieben, aber…ich…ich hatte einfach Angst…ich meine, ich trage bald so viel Verantwortung… Was, wenn ich dem nicht gerecht werden kann? Was, wenn ich als Vater versage???“ „Oh Lee, wenn du damit nicht zu Marissa gehen wolltest, warum bist du dann nicht zu mir gekommen? Ich war doch immer für dich da…oder hab ich dich jemals abgewiesen???“

„Nein, das ist es ja gerade! Du warst immer für mich da und hast dir mein Gejammer angehört! Ich dachte, dieses eine mal müsste ich allein damit fertig werden!“ „Ich dachte, du weißt, das ich das gerne gemacht hab?! Wofür sind Brüder schließlich da?!“

Es war das erste mal seit langer Zeit, dass Lee wieder lächeln konnte. „Mensch, Dunc, was hat sie nur aus uns gemacht?! Nicht nur, dass meine Beziehung zu Marissa in die Brüche gegangen ist, nein, das zwischen uns hat sie auch zerstört…“ „Ich hab einen riesen großen Fehler gemacht, Lee, und ich..“ „Nein, nicht du…WIR!“, wurde er von Lee berichtigt, „Ich mit meinen unausgesprochenen Zweifeln und Marissa hätte sich sicher einen anderen gesucht, wenn du ihr nicht nach gegeben hättest…selbst jetzt nutzt sie dich noch aus! Es tut mir leid…“

Ungläubigkeit machte sich bei Duncan breit. Wofür entschuldigte sich Lee? „Weshalb….?” „Das du da mit rein gezogen wurdest! Dazu hatte Marissa kein Recht! Antony hatte recht…Ich hab viel mit ihm geredet, nachdem…na ja du weißt schon, er mir erzählt, das du ihm gesagt hast, Marissa wäre ziemlich aufdringlich gewesen und das sie dir keine Ruhe gelassen hätte…“

„Und trotzdem, wenn…“ „Wenn, wenn, wenn…das bringt uns jetzt auch nicht mehr weiter! Geschehen ist geschehen und daran ist nichts mehr zu ändern…Aber ich will nicht, dass unsere Freundschaft auch noch daran zerbricht…Vielleicht wird es nicht mehr so sein, wie es war, aber wir können lernen uns neu zu vertrauen und diesmal wird uns keine Frau dazwischen funken!“

Duncans Augen waren bei seiner kleinen Rede ganz wässrig geworden. Lee fand, dass es nun wirklich nichts mehr zu sagen gab. Freundschaftlich legte er den Arm um seinen Kumpel und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Es war das erste Mal, dass Lee der stärkere von ihnen beiden war und Duncan war ihm dankbar dafür…

Eine ganze Weile saßen die beiden so da, bis der Ältere die Stille durchbrach, als wären sie mitten in einem Gespräch gewesen. „Und trotz allem liebst du sie noch?!“

Nachdenklich betrachtete Lee das Abendrot. Sein Verstand wollte „Nein“ sagen, „Nein“ zu dieser Frau, „Nein“ zu einem neuen Anfang, den er auch gerade eben mit Duncan gemacht hatte, doch sein Herz gab eine andere Antwort…

„Ja, ich liebe Marissa trotz allem noch…“ Doch ihre Liebe war versunken, wie die Sonne am Horizont und er bezweifelte, das sie eines Morgens je wieder aufgehen würde…

Regel Nummer 7
…cos sometimes a dream is enough! i>


Lee hatte das Gefühl, wenigstens wieder etwas Halt gefunden zu haben. Die Tatsache, dass mit Duncan wieder fast alles in Ordnung war, ließ ihn wieder etwas aufatmen, zumal dieser alles tat, um ihn wenigstens etwas der der restlichen Zeit von Marissa’s Schwangerschaft teil haben zu lassen…

Duncan hatte nämlich heimlich ein Ultraschallbild stibitzt, um es seinen Freund zu geben. Lee hatte über das ganze Gesicht gestrahlt, als er es gesehen hatte und konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. „Du wirst ein guter Daddy sein“, hatte Duncan ihn aus seinen Gedanken gerissen. „Ich wünschte, ich wäre davon auch schon immer so überzeugt gewesen wie du“, hatte er geseufzt, „Nun wird Marissa da anderer Meinung sein…“ „Sie liebt dich, Lee! Ihr glaube, ihr habt euch einfach gegenseitig so verletzt, dass euch der Mut fehlt, aufeinander zu zugehen…“ Und der blonde Sänger sollte recht behalten…

Der Geburtstermin rückte immer näher, doch von einer Versöhnung zwischen Marissa und Lee war keine Spur. Marissa hatte sich damit abgefunden, dass Duncan nicht der Vater für ihr Kind sein wollte, obwohl sie sich das gewünscht hatte. Sie redete sich ein, sie wollte sich selbst davon überzeugen, dass er viel besser gewesen wäre, als…als Lee. Doch ihr Herz sagte etwas anderes…Jedes Mal wenn sie an ihn dachte, zerriss es förmlich bei dem Gedanken, wie schön, doch alles hätte sein können…sie, Lee und das kleine unschuldige Baby in ihrem Bauch…

„Verdammt“, entfuhr es Marissa, als sie wieder einmal bei Duncan allein zu hause saß, da er arbeiten musste. Gleich darauf fasste sie sich an den Bauch, da sie ein heftiges Ziehen durch zogen hatte. Nein, das konnte doch nicht sein…es waren doch noch drei Wochen hin, bis ihr Kind auf die Welt kommen sollte…und nun war niemand bei ihr! Nicht ihre Cousine, nicht Duncan…nicht Lee…

Das Ziehen wurde immer stärker, bis Marissa es gar nicht mehr aushielt und langsam versuchte, zum Telefon zu kommen, dass auf dem Schrank auf der anderen Seite des Raumes lag. Auf halben Weg dorthin durchfuhr sie ein so heftiges Ziehen, das Marissa in die Knie ging. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sie sich den Bauch und hoffte, dass es ihrem Baby gut ginge…

Plötzlich hörte sie, wie sich die Tür öffnete und wieder schloss. Gut gelaunt, kam Duncan herein getrabt und erschrak, als er die junge Frau auf dem Boden kauern sah. Vorsichtig half er ihr auf die Beine, ohne irgendwelche Fragen zu stellen, denn er hatte die Situation genau erfasst...Marissa hatte Wehen!

„Duncan, das Baby…ich glaub, es ist was nicht in Ordnung“, wimmerte sie unter Schmerzen, während er sie bis zum Auto stützte und ihr beim Einsteigen half. „Shit“, entfuhr es ihm, als er um seinen silbernen Mercedes herum ging. Das durfte doch jetzt nicht wahr sein?! Hoffentlich hatte Lee sein Handy dabei…

Eilig stieg er ein und fuhr los. An der nächsten roten Ampel, an der er gezwungenermaßen anhalten musste, zückte er sein Handy und wählte die Nummer seines Kumpels. Es kam Duncan wie eine halbe Ewigkeit vor, bis er statt dem Tuten endlich Lee’s Stimme vernahm: „Was gibt’s denn, Dunc?“

„Du musst auf der Stelle ins Krankenhaus kommen…Marissa hat Wehen!“ Dann legte er auf und hoffte, dass dieser Anruf Lee genügen würde, um, auch, wenn er Marissa nicht verzeihen konnte, wenigestens seinem Kind beizustehen…

„Wer war da? Wen hast du angerufen?“, fragte Marissa schwer atmend. „Deine Cousine“, log der blonde Sänger ohne rot zu werden, „Ich dachte, es wäre vielleicht gut für dich, wenn sie dabei wäre…“ Schon etwas erleichterter nickte sie, bis sie das nächste heftige Ziehen durch fuhr…nein, irgendwas war wirklich nicht in Ordnung…das spürte sie einfach…

Im Krankenhaus angekommen, wurde Marissa sofort in ein Behandlungszimmer gebracht. Ungeduldig tigerte Duncan davor auf und ab. Marissa schien schon unendlich lange darin zu sein und Lee ließ sich auch nicht blicken. Wo blieb er bloß? Steckte er in irgendeinem Stau fest?

Gleich darauf kam der behandelnde Arzt aus dem Untersuchungsraum, der ihm mit ernster Miene verkündete, dass sich das Baby in keiner guten Lage befand. Die Nabelschnur hatte sich um den Hals des Kindes geschlungen und es blieb nur eine Möglichkeit, um es zu retten: ein Kaiserschnitt!

Duncan war nicht ganz wohl zu mute, als der Arzt ihm außerdem noch sagte, dass Marissa ihn dabei haben wollte. Das sollte doch Lee’s Part und nicht seiner sein! Nervös fuhr er sich mit den Händen durch die Haare, als Marissa an ihm vorbei in Richtung Kreissaal geschoben wurde. Was sollte er tun? Sein Freund war noch nicht da und alleine konnte er sie ja auch nicht lassen…wieder einmal…

Seufzend ging er neben dem Arzt her, als plötzlich hinter ihm seinen Namen rief. Erleichtert atmete er auf, als Lee auf ihn zu gestürzt kam. „Sie ist schon im Kreissaal! Die Nabelschnur hat sich um den Hals des Babys geschlungen! Sie müssen einen Kaiserschnitt machen!“, berichtete Duncan in Windeseile, während Lee versuchte, diesen Schwall an Informationen erstmal zu realisieren und zu verarbeiten, „Na los, geh schon mit!“, schubste Dunc ihn in die Richtung des Arztes.

Dieser starrte verdutzt von einem zum andere. „Aber ich dachte, Sie…“, verwirrt deutete er auf den Älteren der beiden. „Nein, das hier ist der Daddy“, er klopfte Lee auf die Schulter, „Lange Geschichte! Fragen Sie besser nicht, das wollen Sie gar nicht wissen“, rollte Duncan mit den Augen. Der Arzt nickte nur und zog Lee weiter mit sich. Hoffnungsvoll sah der Blondschopf ihm nach und drückte ihm die Daumen, denn nun war er auf sich allein gestellt… „Viel Glück, Kleiner!“

In einen grünen Kittel gehüllt, betrat Lee den Kreissaal und sah eine weinende Marissa auf dem OP Tisch liegen. Ihr Bauch war vor ihren Blicken abgeschirmt und Lee wollte auch gar nicht wissen, was die Krankenschwestern mit ihr machten. Die Hauptsache war, dass sie sein Baby gesund aus ihrem Bauch heraus holten…

Neben ihrem Kopf stand ein Hocker, auf den er sich nieder ließ, während Marissa ihn ungläubig anstarrte. „Wie…? Duncan…“, seufzte sie wimmernd, als ihr das Telefonat wieder in den Sinn kam, „Er hat gelogen!“ „Ja, das hat er…und ich bin ihm dankbar dafür“, antwortete der blonde Sänger leise. „Lee, unser Baby, die Nabelschnur“, es waren nur Wortfetzen, die die junge Frau aus Sorge um ihr Kind heraus brachte…

„Schhhht keine Angst! Wenn es gleich anfängt los zu schreien, wirst du dir wünschen, dass sie es bis zum eigentlichen Geburtstermin wieder rein stecken“, witzelte Lee, was ihr ein leichtes Lächelnd entlockte. Dieser intime Moment wurde durch den Arzt unterbrochen, der nun verkündetet, dass die beiden jungen Leute, die sich so weit voneinander entfernt hatten. bald Eltern eines kerngesungen Babys sein würden…

Tränen rannen über ihre Wangen, doch Marissa hielt tapfer durch, was nicht zuletzt an Lee lag, der ihre Hand ganz fest in seiner hielt und beruhigend auf sie einredete….

…bis das endlich alles erlösende Schreien einsetzte! Marissa lächelte unter Tränen, als man ihr das Baby neben den Kopf hielt, damit sie es betrachte konnte. „Sie ist wunderschön!“ „Genau wie ihre Mami“, lächelte Lee, als er sah, dass er eine kleine Tochter hatte. „Lee, ich…ob du es glaubst oder nicht, aber ich liebe dich noch immer!“, krächzte Marissa mit tränenerstickter Stimme hervor. Das war alles, was er sich gewünscht hatte, wovon er geträumt hatte, sie sagen zu hören, dass sie ihn noch immer liebte…

„Ich liebe dich auch“, erwiderte er leise und beugte sich zu ihr hinunter, um ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Würde der frisch gebackenen Daddy mir dann folgen um seine Tochter zu baden und anzuziehen?!“, wurde er von einer gerührten Schwester aufgefordert. Noch ein letzter Kuss und Lee verließ zusammen mit der Schwester, die das kleine Mädchen trug den Kreissaal…

Neugierig sah er zu, wie die kleine gebadet wurde. Wie klein und hilflos sie doch war und für sie würde er ab jetzt immer da sein! Ja, niemals würde er sein kleines Mädchen im Stich lassen! „Ab jetzt werden Mum und Dad beide für dich da sein“, flüsterte er der kleinen zu, als er ihr den Strampler anzog und sich ganz sicher war, dass nun wieder alles gut werden würde, auch, wenn es noch Zeit brauchte, damit ihre Wunden heilen und sie einander wieder vertrauen konnten, aber es bestand wieder Hoffnung…

Ja, Lee Ryan glaubte wieder daran, was er einmal selbst gesagt hatte…Das manchmal schon ein Traum genug war….

~Epilog~

„Lee, komm, du kannst doch nicht ewig hier stehen bleiben! Außerdem hat die Kleine sicher bald Hunger“, versuchte Duncan seinen Kumpel zum mit gehen zu bewegen, „Mach dich doch nicht selber fertig!“ Duncan meinte es gut, ja, und dennoch…

Seufzend sah er auf das kleine Mädchen hinab, dass noch immer selig in seinen Armen vor sich hin schlief. Manchmal war es schwer, Dinge zu akzeptieren, die einfach so geschehen waren, ohne das man etwas dagegen unternehmen konnte, ohne, dass man auch nur die geringste Möglichkeit gehabt hatte, die Zeit zurück zu drehen, um noch einmal von vorne anzufangen…

„Lässt du mich noch einen Augenblick mit ihr allein?“, bat Lee, ohne seinen Blick von ihr abzuwenden. Duncan nickte stumm und ließ seinen Freund allein zurück….

Eine alles erdrückende Stille umgab Blue’s Nesthäkchen…doch nein, das war er nun wirklich nicht mehr! Lee war erwachsen geworden. Er trug Verantwortung, nicht nur für sich, auch für seine kleine Tochter Juliette, die ihn mehr als alles andere auf der Welt brauchte, wo sie doch nur noch ihn hatte…

Nach Marissa’s Tod stand Lee vor einem tiefen Abgrund, der ihn unbarmherzig verschlungen hätte. Der Grund, warum er nun hier, aufrecht vor ihr, vor ihrem Grab stehen konnte, war der Mann gewesen, mit dem sie ihn betrogen hatte: Duncan!

Er hatte ihn auf gefangen, nachdem ihm die Ärzte kurz nach der Entbindung mit geteilt hatten, dass die Mutter seines Kindes an einer inneren Blutung gestorben war, die sich einfach nicht aufhalten ließ…

Bei ihm hatte er sich ausgeheult, er hatte Lee bei den Vorbereitungen und der anschließenden Beerdigung geholfen und bei gestanden, ihm den Rücken, bei den ganzen Beileidsbekundungen gestärkt.

Duncan war es, der ihm klar gemacht hatte, dass er sich nicht hängen lassen durfte, dass er für sich und seine Juliette stark sein musste. Die Kleine brauchte ihn doch umso mehr, nun, da sie keine Mutter mehr hatte…

Der Streit zwischen den beiden blonden Sängern gehörte nun endgültig der Vergangenheit an. Lee hatte sich zu ihm geflüchtet. Er musste einfach aus Marissa’s alter Wohnung raus und sein Kumpel hatte ihm ohne groß zu Fragen sein altes Zimmer angeboten. Außerdem war Lee froh, dass ihm jemand mit Julie half und er jemanden zum reden hatte, der sein Seelenleben kannte und ihn einfach nur verstand…

Erschrocken zuckte Lee zusammen, als ein Vogel plötzlich aufflatterte und die Stille auf dem Londoner Friedhof schlagartig durchbrochen wurde. Sein Blick glitt erneut über das Grab, in dem Marissa ihre letzte Ruhe gefunden hatte…

„Ich werd dich niemals vergessen, Marissa, niemals!“, flüsterte er leise, drückte seine kleine Tochter fest an seine Brust und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, „Julie wird alles von dir erfahren, wenn sie älter ist, aber jetzt muss ich erstmal weiter leben…für sie…und für mich! Bitte verzeih mir!“

Mit Tränen in den Augen wandte sich der blonde Sänger ab und verließ langsam aber sicher den Friedhof…

Zurück blieb der große weiße Grabstein mit den geschwungenen goldenen Lettern:

In fact her life has just begun with a dream…
and sometimes that’s enough…


*ENDE*



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