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Once more with Feeling

Written by dunkgirl and moi *g*


Was tust du, wenn dir ein Mann begegnet, der dich an allem zweifeln lässt, für das du dich entschieden hast?

Wie entscheidest du dich, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem du wählen musst, zwischen dem Mann, dem sich dein Verstand verpflichtet fühlt und dem Mann, der dein Herz im Sturm erobert hat?

Wirst du dich umdrehen und ihn um eine letzte Chance bitten? Wirst in seine Augen sehen und ihn fragen, ob er sie dir gewährt und es noch einmal mit dir probiert?

Just one last chance….Once more with feeling…


**************************************************

~Holly~

Wasser….überall Wasser und es gab kein Entkommen! Ich hörte Schreie…panische Schreie kleiner Kinder, die ihren Eltern aus den Armen gerissen wurden und die sie wahrscheinlich nie wieder sehen würden…Mit aller Kraft klammerte ich mich an einem Baum fest und hielt panisch Ausschau nach meiner Schwester. Wenige Meter entfernt konnte ich sie entdecken, wie sie sich ebenfalls an einem Baum fest krallte und….was zum Teufel tat sie da??? Sie streckte die Hand nach einem Kind aus, das weinend an ihr vorbei trieb, halb unter Wasser gedrückt. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Finger von denen des Kindes, als eine erneute Welle sie erfasste und zusammen mit dem Kind fort spülte….weg von mir! Tränen schossen mir in die Augen und das nicht nur, weil meine Arme fürchterlich schmerzten. Warum gerade sie? Wofür bestrafte Gott sie? Mich? Diese ganzen Menschen, die gerade in einen fürchterlichen Tod gerissen wurden? Ich war mir sicher, sie nie wieder zu sehen…so viele Menschen würden in den Fluten ihr Leben verlieren…Familienväter und Mütter, die verzweifelt versuchten, ihre Kinder an sich zu pressen, damit sie nicht davon gespült wurden. Egal, ob Einheimische oder Touristen…alle würden dasselbe Schicksal teilen...hier, im wunderschönen Sri Lanka…Und jetzt sah es so aus, als ob auch ich dazu gehören würde….sollte es so sein, dass ich meine ältere Schwester hier verlor? Das ich Nachhause zurückkehren musste und unserer Familie, unseren Eltern sagen musste, dass Trischa tot war? Trug ich die Verantwortung dafür, weil es meine Idee war? Sicher, sie hatte freiwillig zugestimmt. Euphorisch hatte sie sofort mit der Planung begonnen, doch ohne mich wäre sie sicher nicht auf diese Idee gekommen…Da hatte ich also die Schuldige gefunden…MICH! Tränen rannen über mein Gesicht, während ich mich fragte, was das alles noch für einen Zweck hatte, dass ich krampfhaft versuchte, mein Leben zu retten. Wofür noch? Meine Schwester war tot, sicher schon längst ertrunken, daran hatte ich keine Zweifel! Solch eine gewaltige Flut konnte sie einfach nicht überlebt haben und alles, was ich wollte, war einfach nur bei ihr sein…. „PATRISCHA!!!!“, schrie ich verzweifelt immer wieder gegen das Tosen und Rauschen des Wassers an, doch wie sollte sie es hören…wie?

~Lee~

Völlig entnervt ließ ich mich in meinem Stuhl zurücksinken. „Mir ist egal, was für Einwände du noch hast Johnny, ich werde morgen früh um sieben in diesen Flieger steigen!“ Das Gesicht des Glatzköpfigen hatte mittlerweile die Farbe einer reifen Tomate angenommen. „Das wirst du nicht tun!“ Seufzend drehte ich mich zu meinem Bandkollegen und gleichzeitig besten Freund um. „Dunk?“ Ganz im Gegensatz zu mir, blieb Duncan bei Diskussionen mit unserem Tourmanager und Vaterersatz immer ruhig und überlegt, wohingegen Johnny und ich immer anderer Meinung waren und dies meist in lautstarken Gesprächen Kund taten! „Hey Johnny, diesmal hat Lee wirklich gute Gründe für seine Entscheidung!“ „Pfft“ Mehr als dieses Schnauben und ein wütendes Funkeln in meine Richtung war unserem Gegenüber nicht zu entlocken. „Es geht doch um einen wirklich guten Zweck!“

Duncan setzte zu einer langen Verteidigungsrede für mich an, der ich jedoch nach kürzester Zeit nicht mehr folgen konnte, denn ich musste immer wieder an diese Augen denken. Diese traurigen Augen die mich seit öffnen der Sun heute morgen nicht mehr losließen! Die Katastrophe an sich war schlimm genug, aber das Schicksal dieser jungen Frau ließ mich nicht mehr los.

Junge Amerikanerin sucht verzweifelt ihre Schwester in der Flutkatastrophe von Sri Lanka!“

Entspannt liegen die Touristen am Sonntag auf dem weißen Sandstrand von Sri Lanka und genießen die Weihnachtssonne. Es sind einige tausend, die sich auf der Flucht vor dem Winter am Strand von Sri Lanka zusammengefunden haben. Doch aus der Ferienidylle wird mit einem Schlag ein Horrorerlebnis, wie es noch niemand erlebt hat.

"Ich lag mit meiner älteren Schwester Patrischa am Strand in der Sonne, als plötzlich diese riesige Welle auf uns zu kam, sich über den ganzen Strand stürzte und alles auf ihrem Weg zerstörte. Erst konnten wir uns noch an ein paar Bäumen festklammern, bis meine Schwester versuchte ein vorbeischwimmendes Kind zu retten. Doch sie verlor den Halt und wurde weggeschwemmt", berichtet die 19-jährige Holly aus Los Angeles unter Tränen. „Ich habe sie noch nicht wieder gefunden! Wahrscheinlich ist sie tot!“

Schon seit Jahren engagierte ich mich in diversen Hilfsorganisationen, aber diesmal musste ich direkt vor Ort helfen. Dieser jungen Frau helfen! Gleich nach dem lesen des Artikels hatte ich deswegen gleich den nächsten Flug nach Sri Lanka gebucht, Duncan von meinem Plan erzählt und ein Treffen mit Johnny angesetzt.

„O.K. dann flieg nach Sri Lanka!“ Johnny´s Worte rissen mich aus meinen Gedanken und verblüfft musterte ich den Glatzköpfigen. „Wie?“ Fragend richtete ich meinen Blick auf meinen besten Freund, der mich nur zufrieden angrinste. „Na ganz einfach! Ich werde dich begeleiten!“

~Duncan~

Amüsiert beobachtete ich die „angeregte“ Diskussion zwischen unserem Nesthäkchen und unserem Tourmanager und stellte mal wieder, wie so oft fest, dass Lee überhaupt nichts von mir gelernt hatte. Johnny musste man mit Diplomatie überzeugen und nicht, indem man bei ihm mit dem Kopf durch die Wand wollte und schon gar nicht, wenn mein bester Freund das bei ihm versuchte. Besonders bei ihm ließ unser allerseits geschätzter „Daddy“ Strenge walten, denn…nun ja, wie kann ich es nett ausdrücken? Er hatte schon ziemlich viel Mist gebaut. Je länger ich ihnen zuhörte desto klarer war, dass sich dieses „Gespräch“ auf eine Sackgasse zu bewegte…..die für meinen besten Freund dort enden würde….

„Dunk?“, wandte er sich mir seufzend mit einem Dackelblick zu. Warum nur hatte ich das vermutet und dann auch noch mit so einem Dackelblick? Johnny war schon gänzlich dagegen immun, was nicht wirklich verwunderlich war. Schließlich kam am Tag alle fünf Minuten jemand, vorzugsweise einer von uns Vieren zu ihm, der etwas von ihm wollte. Manchmal glaube ich, sein Job ist noch stressiger als unserer und soll ich ehrlich sein? Ich möchte nicht mit ihm tauschen….

Ich musste nun mal wieder die Karre für meinen werten Kumpel herum reißen und gab mein bestes, damit er doch noch die Erlaubnis für den morgigen Flug bekam. „Du kennst ihn doch, Duncan. Er kennt manchmal seine Grenzen nicht und ist ziemlich unüberlegt! Wenn du es wärst, ja dann….dann würde ich dich sofort fliegen lassen, aber Lee….? Wer weiß, was er da unten alles allein anstellt und ich hab wirklich keine Lust, ihn als Wasserleiche aus dem Meer zu angeln“, grummelte Johnny und warf seinem Schützling, der sich etwas von uns entfernt hatte, einen misstrauischen Blick zu.

Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Mich würde er also fliegen lassen….Also, wenn ich…? „Wie wär’s denn, wenn ich ihn begleite?“, schlug ich vor. „Das würdest du tun?“ „Sicher, wenn er das unbedingt will….Außerdem ist es eine gute Sache und er hängt nicht hier zu hause rum. Dann würde er erst recht auf dumme Gedanken kommen!“ „Meinetwegen….dann soll er in Gottes Namen fliegen“, seufzte Johnny, „aber pass mir ja gut auf ihn auf!“ „Mach ich, aber wir müssen ihm ja nicht unbedingt auf die Nase binden, dass ich quasi als sein Babysitter mitfliege“, zwinkerte ich Johnny verschwörerisch zu, worauf ihm ein unwilliges Grinsen über die Lippen huschte…

„O.K. dann flieg nach Sri Lanka!“ Johnny´s Worte rissen ihn aus seinen Gedanken und verblüfft musterte er den Glatzköpfigen. „Wie?“ Fragend richtete sich sein Blick auf mich, worauf ich ihn nur zufrieden angrinste. „Na ganz einfach! Ich werde dich begeleiten!“

Lee machte vor Freunde einen Hüpfer und fiel mir stürmisch um den Hals. In diesem Moment wusste ich, dass ich es nicht bereuen würde, mich so für ihn eingesetzt zu haben und wenn er doch etwas anstellen sollte, war ich ja auch immer noch da. Würde er mir allerdings weiter so die Luft aus den Lungen quetschen, würde er noch nicht mal einen Fuß aus England raus setzen, dachte ich grinsend und schon ihn resolut von mir….

~Lee~

Hehe, ich durfte fliegen! Und was noch besser war, mein Plan war aufgegangen! Denn wie erwartet ließ mich Johnny nicht allein los und mein gutmütiger Freund hatte gleich zugestimmt, mich als Babysitter zu begleiten! Und die Beiden kamen sich bestimmt zu genial vor, mich so ausgetrickst zu haben, aber manchmal war ich einfach zu schlau für sie. Ich wollte zwar unbedingt helfen und diese junge Frau finden, aber tief in meinem Inneren hatte ich auch Angst, was mich in Sri Lanka erwartete. Die Bilder im Fernsehen und in der Presse waren schon erschreckend. Leichen an Leichen, die auf den Straßen übereinander gestapelt lagen. Aber immer, wenn mich diese Angst zu ersticken drohte, tauchte wieder das Bild von dieser Holly vor meinem Auge auf. Ich musste ihr einfach helfen.

„Dann werd ich mal schauen, ob ich noch einen Platz in deinem Flieger bekomme?“ „Ach Dunk, laß mal. Ich mach das schnell!“ Wie der Blitz schoß ich aus dem Zimmer, um fünf Minuten später zufrieden wieder hineinzugehen. .„Leider war nur noch erste Klasse frei, aber ich dachte, daß wär dir bestimmt Recht. Viel hübschere Stewardessen.“ Johnny war anscheinend schon weg, denn nur noch Duncan saß bequem in seinem Stuhl zurückgelehnt und grinste mich herausfordernd an. „Was?“ „Na ja, wie hast du eigentlich die Fluggesellschaft angerufen, wenn dein Handy hier rumliegt?“ Shit! Er hatte mich mal wieder ertappt! Doch nachdem ich ihm einen diesmal sehr verzweifelten Hundeblick schenkte, lachte er nur noch laut los. „Hast du echt gedacht, ich hätte dich erst jetzt durchschaut?“

Am nächsten Morgen hatte sich Dunk´s gute Laune jedoch deutlich gelegt, denn der Flieger ging bereits um sechs Uhr morgens und wenn mein bester Freund eine Sache hasste, war es früh aufstehen. Grummelnd schlich er, mit seinem Lieblingskissen unterm Arm neben mir durch das Flughafengebäude. „Musste es wirklich so früh sein? Gab es keine andere Maschine nach Sri Lanka?“ Wie sollte ich ihm bloß erklären, daß wir so schnell wie möglich da sein mussten, um Holly und ihre Schwester zu suchen. Am besten wäre hier wohl die Wahrheit! Nachdem wir Beide unsere Plätze in der ersten Klasse eingenommen hatten, beugte ich mich zu Duncan herüber und reichte ihm schweigend den schon ziemlich abgegriffenen Zeitungsartikel.

~Duncan~

Hatte ich mir wirklich genau überlegt, worauf ich mich da eingelassen hatte? Die ganze Sri Lanka Sache war wirklich furchtbar schlimm und die Menschen taten mir unendlich Leid….aber mussten wir wirklich so früh los fliegen? Ich meine, immerhin brauchen wir dort unsere gesamten Kräfte und dafür mussten wir doch ausgeschlafen sein….Was ICH definitiv nicht war! Mein Kumpel allerdings war glänzender Laune, wofür ich ihm einfach nur den Hals umdrehen könnte. Ohne meine 10 Stunden Schlaf bin ich morgens kein Mensch und schon gar nicht um 6 Uhr, mitten in der Nacht! Zum Glück hatte ich an mein Lieblingskissen gedacht, dass mir schon so manchen Flug mit Träumen, die ich garantiert hier nicht weiter erläutern werden, versüßt hatte….

Im Flieger hatten wir gerade unsere Plätze in der ersten Klasse eingenommen und ich rückte schon voller Vorfreude mein Kissen zurecht, als sich Lee zu mir rüber beugte und mir, ohne ein Wort, einen schon ziemlich ramponierten Zeitungsartikel unter die Nase hielt. „Was soll das?“, grummelte ich und schloss die Augen, Wenn du da unten heil ankommen willst, dann solltest du mich besser schlafen lassen!“ „Man Schlafmütze, jetzt lies doch mal!“, quengelte er. „Gib endlich R – U – H – E!!! Soll ich dir das noch schriftlich geben, damit du´s auch kapierst?“ „Jetzt hab dich nicht so, Duncylein“, oh, wie ich es hasste, wenn er das zu mir sagte und das wusste er auch. Umso lieber tat er es natürlich auch und auch noch dann, wo ich sowieso schon mies gelaunt war. „Je eher du liest, umso eher kannst du in deine feuch…ähm…ich meine, in deine äußerst abenteuerlichen Träume entschwinden“, grinste er mich frech an und ich schnappte ihm den Artikel weg. Müde überflog ich den Text und reichte ihn meinem Freund wieder. „So geht es leider vielen Menschen dort“, seufzte ich und kuschelte mich in meinem Sitz zurück. „Ja, aber hast du diese Augen gesehen? So traurig, so….tiefgründig…und wie hübsch sie aussieht“, hörte ich ihn schwärmen. Moment mal…noch mal ganz langsam…Was sagte er da gerade? Wie hübsch sie aussieht? Schlagartig war ich plötzlich wach und musterte ihn. „Sag mir nicht, dass ich nur mit dir wegen dieser Frau darunter fliege?!“, fragte ich misstrauisch und wartete lauernd auf seine Antwort. Würde diese ein „Ja“ sein, hatte mein Kumpel schneller wieder nassen englischen Boden unter den Füßen, als er „Sri Lanka“ sagen konnte….

~Lee~

Verflucht! Anstelle mich auch nur ein bißchen zu verstehen, blitzte mich Duncan nur wütend an und ich war zum ersten Mal in meinem noch recht jungen Leben um eine Ausrede verlegen. „Nein .... Ja ... Ach Mensch!“ Das war wohl nicht die Antwort, die mein Kumpel hatte hören wollen. Mit wutverzerrtem Gesicht machte er sich an seinem Gurt zu schaffen, als die Maschinen mit einem lauten Grollen den Start ankündigten. Zu spät! Aussteigen unmöglich! Zwei Sekunden später wurden wir schon von den Bewegungen des Starts in die Sitze gedrückt, doch das machte Dunk nur umso wütender. Mit zusammengebissenen Zähnen presste er hervor: „Jetzt muß ich auch noch diesen ätzenden Start miterleben! Du schuldest mir was Ryan! Und glaub mir, das wird dich was kosten!“

Jetzt machte sich bei mir schon fast so was wie ein schlechtes Gewissen bereit, denn ich wusste, daß Duncan den Start und die Landung immer verschlief, weil ihn da übelste Flugangst plagte und eigentlich war ich ihm deswegen umso dankbarer, daß er mich überhaupt begleitete. „Hey Dunk“, verlegen sah ich ihn an, denn Entschuldigungen waren mal so gar nicht mein Ding. „Es tut mir echt leid! Ich hätte es dir vielleicht früher sagen sollen, aber ich hatte, als ich ihr Gesicht gesehen habe, einfach das Gefühl, daß ich ihr helfen muß! Dunk, sie ist was Besonderes! Ich weiß das einfach!“ Die Wut wich langsam aus seinen Augen. „Du hast dich doch nicht etwa in ein Foto verliebt?“ Ganz leise und zögerlich kam ein „doch“ über meine Lippen..

~Duncan~

Unwillig schüttelte ich nach seinem leisen und zögerlichen „Doch“ den Kopf. Johnny hatte recht, wenn er sagte, Lee ist unüberlegt…den besten Beweis hatte er gerade mal wieder geliefert. Was denkt er sich eigentlich dabei? Liebe per Foto? Was quatscht er da für n Mist? Ich bin wirklich ein Träumer, ein Romantiker, der für seine Liebste alles tun würde, der an die Liebe auf den ersten Blick glaubt, aber das ist einfach nur absurd. Was will er tun, wenn sie ihn überhaupt nicht will? Wenn sie einen Freund oder sonst was hat und….Bin ich eigentlich total bescheuert? Was mache ich mir darüber Gedanken? Man merkt wirklich, dass ich viel zu viel Zeit mit Ryan verbringe und diese verdammte Flugangst kommt auch noch dazu…Zum wiederholten Male fragte ich mich, warum ich mich nur darauf eingelassen hatte…Demnächst halte ich einfach meine Klappe und lass „Diskussion“ „Diskussion“ sein…

„Jetzt sag doch mal was?“, bat er leise. „Was willst du hören?“, schnaubte ich, „Glückwunsch?!“ „Würdest du mich bitte mal ernst nehmen?!“, grummelte er. „ICH soll DICH ernst nehmen? Darf ich mal lachen?“, meine Stimme wurde immer lauter, was ich gar nicht so wirklich wahrnahm. Lee trieb meinen Blutdruck ganz gewaltig in die Höhe, wobei Höhe ein gutes Stichwort ist…Eines würde mich sicher noch mal ins Grab bringen…entweder mein bester Freund oder ein Flugzeug…wobei ich im Moment nicht wusste, was mir lieber war…

„Du blickst überhaupt nicht, in was du dich da verrennst und verlangst von mir, dass ich dich ernst nehmen soll? Sag mal, Ryan, wo lebst du eigentlich?“, ereiferte ich mich lautstark, denn irgendwann ist auch mal meine Geduld zu ende und erst recht, wenn ich in einem Flieger sitze. Dieser blickte sich pikiert um und bat mich, leiser zu sprechen. „Ich rede, so laut es mir passt“, gab ich patzig zurück, „Solche Szenen stören dich doch sonst auch nicht!“ Eine Dame mittleren Alters lehnte sich wütend von hinten zu uns herüber: „Würden die Herrschaften wohl die Güte besitzen leiser zu reden? Ich möchte gerne schlafen!“ „Ja, ich auch, aber mich lässt man auch nicht! Ich empfehle ihnen Ohropax“, brummte ich und wandte mich wieder Lee zu, während sich Dame schimpfend wieder nach hinten in ihren Sitz zurückzog. „Hast du Fieber? Oder was ist los mit dir?“, fragte er entgeistert. „Nein, nur bis aufs Blut gereizt!“ „Schön, dann lass ich dich jetzt bis wir da sind in Ruhe, damit du dich wieder abreagiert hast, bis wir Holly suchen…“ „NEIN! NEIN! Und nochmals NEIN! Wir werden deinem Hirngespinst nicht hinter her jagen!“ „Aber ich will helfen!“, protestierte er. „Ja, das wirst du auch, aber wir werden diese junge Frau nicht suchen! Ich hoffe, wir haben uns verstanden?!“, damit war für mich die Sache abgeharkt, so dass ich mich zur Seite drehen und meinen Kopf endlich in mein Kissen vergraben konnte. Meine Träume waren diesmal, wie Lee es genannt hatte, rein gar nicht abenteuerlich, sondern ich träumte von einem guten Friseur….Irgendwer musste mir ja die Haare färben, wenn diese wegen Ryan gänzlich ergraut waren….

„Pssst Duncy…psssst…“ Mein Friseur Traum verwandelte sich in einen Alptraum, als ich plötzlich Lee hinter mir im Spiegel sah, der sich an meinen Haaren zu schaffen machte. Ruckartig schreckte ich auf und stieß einen erschrockenen Schrei aus, der durch den ganzen Flieger schallte, als ich Lee direkt vor mir sah. „Tu..“, prust, „das..“, prust, „nie..“, prust, „wieder!“ „Sorry, ich wollte dich ja nur wecken“, maulte er eingeschnappt und stand auf. Wir waren also bereits gelandet und ich konnte endlich dieses, mir so verhasste, Flugzeug verlassen. Immer noch müde, doch schon etwas fitter trippelte ich Lee hinterher. Zunächst holten wir erst einmal unsere Koffer ab, während ich darüber nach grübelte, was uns bzw. mich noch alles erwarten würde, denn das Lee keine Ruhe geben würde, war mal gewiss…

~Holly~

Völlig verzweifelt irrte ich durch die Straßen und suchte immer noch nach meiner Schwester. Tage waren vergangen und ich hatte immer noch kein Lebenszeichen von ihr…wie auch? Mein Verstand sagte mir, dass sie tot war, dass ich los lassen musste, doch mein Herz….mein Herz klammerte sich panisch an das Leben Patriascha´s und wollte einfach nicht aufgeben…ICH wollte nicht aufgeben!

Erst jetzt, Tage später, war das Ausmaß dieser fürchterlichen Katastrophe ganz auszumessen. Allein in Sri Lanka waren es zehntausende Tote…vielleicht zwanzig oder auch dreißig tausend Tote und unzählige Vermisste, zu denen bis jetzt noch meine Schwester zählte. Dörfer lagen in Schutt und Asche, Seuchen und schwere Durchfallerkrankungen drohten, woran die mangelnde Hygiene der Wasserversorgung Schuld war. Welche Ironie! Erst stürzt es ohne Vorwarnung über einen herein und dann war auch noch das Trinkwasser verseucht. Irgendwie würde es diese Menschen klein kriegen…irgendwie….

Kinder schrieen überall und mir kam wieder das kleine Mädchen in den Sinn, das Patrischa zu retten versucht hatte. Ob es noch am Leben war? Oder ob auch das Wasser sie verschluckt hatte, wie so viele andere? Mein Weg führte mich wieder ans Meer, das so still und ruhig da lag, als könne es kein Wässerchen trüben. Leichen türmten sich hier und dort und eigentlich hätte ich schreiend weg rennen müssen, doch es störte mich nicht, nicht einmal der Verwesungsgeruch, den ich sicher nie wieder in meinem Leben vergessen würde. Ich starrte auf das Wasser und hing meinen Gedanken nach, wie es weiter gehen würde…für mich? Für meine ältere Schwester? Für unsere Familie und Freunde?

Eine Welle kam auf den Strand zu, doch es war nicht eine jener Wellen, die die Küste zerstört hatten. Dennoch rannten alle panisch ins Dorf zurück, doch auch dort wären sie nicht sicher, wenn das Wasser wieder kommen würde. Ich jedoch blieb einfach stehen und fragte mich, ob die Natur erneut Rache dafür üben würde, ob sie erneut zuschlagen und Vergeltung fordern würde, für das, was die Menschen ihr alles angetan hatten….

~Lee~

„Wie du hast KEIN Hotel gebucht?“ Kaum wieder festen Erdboden unter den Füßen hatte mich Dunk auf diesen offensichtlichen Fehler hingewiesen und stand jetzt fluchend wie ein wilder Berserker vor mir. „Wie verblödet kann man einfach sein? Hast du dir nie eine Sekunde Gedanken gemacht, wo wir schlafen sollen?“ „Aber... aber, alle Hotels sind doch zerstört.“ „Ja und? Mensch Lee, so doof kannst doch nicht mal du sein! In ein fremdes Land zu fliegen, daß obendrein ach noch zerstört ist und nicht mal eine Unterkunft zu besorgen.“ Mittlerweile war sein Ton eher ins weinerliche geglitten, denn der Flug hatte ihm mal wieder mehr zu schaffen gemacht, als er mir eingestehen wollte. „Und ich hab echt keinen Bock zurückzufliegen! Was machen wir bitte jetzt? Ich will einfach nur noch ne Stunde oder zwei schlafen!“ „Gib mir fünf Minuten!“

Gut, es dauerte vielleicht mehr als fünf Minuten, aber als ich zurückkam hatte ich eine Unterkunft für uns gefunden und zwar genau in dem Dorf, wo sich Holly laut dem Zeitungsartikel aufhielt. Doch ich fand weder einen wütenden, noch einen maulenden Duncan vor. Stattdessen hatte es sich mein Bandmate auf einer der Sitzreihen im Wartebereich des Colomboer Flughafen bequem gemacht und schien wieder mal in einen seiner abenteuerlichen Träume versunken zu sein. „Dunk!“ Sanft rüttelte ich an seiner Schulter, doch nichts schien in wecken zu können. „O.K. Kumpel, du hast es nicht anders gewollt!“ Nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte, presste ich ihm einen feuchten Kuß auf die Lippen, woraufhin er langsam seine Augen öffnete...mich erkannte.. und mir mit einem lauten Klatsch eine verpasste. Doch selbst der Schmerz in meiner Wange hielt mich nicht von dem lauten Lachen ab, daß meine Lungen zu sprengen drohte. „TU DAS NIE WIEDER!“ So schnell war er noch nie auf den Beinen gewesen! „Keine Angst! Deine Küsse machen mich nicht wirklich an Dunky!“

Eine halbe Stunde später hatte sich Duncan aber wieder beruhigt und wir saßen in dem schweineteuren Mietwagen, der uns in das kleine Hafendorf Galle bringen sollte. In diesem Dorf hatte sich UNICEF, einer Kinderhilfsorganisation der ich schon vor Jahren beigetreten war, in einem relativ unzerstörten Wohnhaus ein Lager eingerichtet. Einerseits hatten sie in diesem Haus eine Art Krankenhaus eingerichtet, andererseits waren dort sämtliche Hilfskräfte der Organisation untergebracht und man war mehr als erfreut über unser Hilfsangebot. Auch wenn das Matratzenlager, was uns dort erwarten würde, ganz bestimmt nicht Duncan´s Lebensstandard entsprach.

~Duncan~

Dieser kleine „Sonntagsausflug“ wurde wirklich immer besser! Erst kam mir Ryan damit, dass er rein gar nichts gebucht hatte, nichts, nada, nothing! Keine Unterkunft, kein Hotel, noch nicht mal ein Zelt oder einen Wohnwagen oder weiß der Geier was und dann sabberte er mich auch noch in der Öffentlichkeit vor allen Leuten ab, wo ich grade so ein schönes Schläfchen gehalten hatte. Wenn das rum ist, dann ist mein Ruf als Frauenschwarm ruiniert. Ryan´s Liste an Gefälligkeiten wuchs von Minute zu Minuten und ich schwöre, dass ich mir alles ganz genau notieren werde. Der Kleine wird bis in alle Ewigkeiten in meiner Schuld stehen!

Wenigstens hatte er eines auf die Reihe gekriegt und einen Mietwagen arrangiert. Gnade ihm Gott, wenn ich auch noch hätte Laufen müssen…Der Wagen sah richtig teuer aus und so hatte ich darauf bestanden zu fahren. Lee murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, setzte sich dann aber doch brav auf den Beifahrersitz. Etwas umständlich faltete er eine Karte auseinander und dirigierte mich an der Küste entlang zu dem Dorf in dem unser Lager war. Allerdings hatte Lee nicht gesagt, wie dieses „Lager“ aussah und er war auch nicht bereit damit heraus zu rücken. Mir blieb nichts übrig, als nach zu geben….vor erst!

„Sooo, da sind wir“, lächelte Lee, glücklich, dass wir doch noch angekommen waren, weil ich mich mit seiner „Hilfe“ zweimal verfahren hatte. Musternd blickte ich mich um, es sah hier einfach nur schrecklich aus, allein ein Wohnhaus war relativ unversehrt geblieben….und mein Kumpel steuerte geradewegs darauf zu! Nahm er seinen Koffer mit? Nein! Den musste ich ihm hinter her schleppen und meinen eigenen noch dazu! „Wie schön, dass Sie da sind, Mr. Ryan“, wurde er freundlich von einer jungen Frau begrüßt. „Danke, wir freuen uns auch hier zu sein!“, gab er freundlich zurück. „Und Sie sind…?“ „Mr. Ryans persönlicher Gepäckträger!“ Lee lachte gekünstelt und deutete auf mich: „Er beliebt gerne zu scherzen! Das ist mein bester Freund, Duncan James!“ „Bitte, kommen Sie doch herein“, sie deutete in das Innere des Hauses und Lee dackelte hinter ihr her. Grummelnd schlurfte ich hinter den beiden her und nur in dem ich den Fußboden leise mit meinen Flüchen beschimpfte, schaffte ich es, Lee nicht sofort den Hals umzudrehen.

„Da wären wir!“ Verblüfft fielen mir die Koffer aus den Händen und ich konnte nicht mehr verhindern, dass sie geräuschvoll zu Boden krachten. Das war unser Lager….unser Matratzenlager! Matratze an Matratze lagen auf dem Boden aneinander gereiht und warteten nur darauf, von uns „benutzt“ zu werden, wenn man das denn so nennen durfte. Es sah nämlich so aus, als ob man auch gleich auf dem Boden schlafen konnte. „Das ist ein Witz, oder?“, fragte ich fassungslos. „Ganz und gar nicht, Mr…..“ „James!“, gab ich grummelnd zurück. „Die beiden dort sind noch frei“, sie deutete auf zwei Matratzen und schenkte Lee noch ein freundliches Lächeln, bevor sie ging, während sie mich nur noch einmal mit einem Nasen rümpfen musterte.

„Siehst du, wir haben doch noch was gefunden“, grinste Lee triumphierend. „Was gefunden?!? Sag mal, spinnst du eigentlich? Guck dich doch mal um!“ „Jetzt führ dich mal nicht auf wie ne Diva“, winkte Lee ungerührt ab. „Diva?! Tut mir leid, wenn ich mich aufrege, weil ich mich für DICH bei Johnny eingesetzt habe, wenn ich im Flieger wach gehalten werde und erfahren muss, dass MEIN Kumpel einer kindischen Schwärmerei nach jagen will, wenn ich erfahre, dass DU für keine Unterkunft gesorgt hast, ich dir DEINEN scheiß Koffer nach schleppen muss und dann auch noch in so einem Loch hausen muss!“ So, jetzt war alles raus und ich fühlte mich definitiv besser! So schlimm, wie es aussah, war es eigentlich nicht, es war auszuhalten, aber ich musste ihm einfach mal die Meinung sagen.

„Oh, ich wusste ja nicht, dass der Herr so empfindlich ist“, spottete er und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich bin nicht empfindlich, nur stocksauer!“, Lee wollte gerade wieder zu einem patzigen Gegenargument, doch da hatte er sich geschnitten und zwar ganz gewaltig, „Es liegt gar nicht an diesem Lager, sondern einzig und allein an dir! Mich juckt es schon den ganzen Tag in den Fingern und ich schwöre dir, Ryan, wenn du mich noch einmal so auf die Palme treibst, dann fliegen wir zurück! Und ich beliebe diesmal nicht zu scherzen!“

~Lee~

Oh Mann, der Herr war aber heute empfindlich! Schließlich waren wir nicht zum Spaß oder im Urlaub hier! Was würde er erst sagen, wenn es morgen ans Aufräumen ging? Das, was wir unter den Trümmern finden würden, würde Herrn James wohl nicht so gefallen! Aber das war eine Sache die ich getrost auf Morgen zu schieben gedachte! Heute wollte ich einfach nur die Augen schließen und träumen! Träumen von diesen großen dunklen Augen...

Im Gegensatz zu seiner Maulerei am Vorabend schien Duncan auf seiner Matratzenstatt ganz ausgezeichnet zu schlafen, denn weder das laute Schnarchen im Raum noch die Aufbruchstimmung der anderen Helfer am Morgen konnte ihn wecken. Also beschloß ich meinem blonden Freund noch eine Mütze Schlaf zu gönnen und machte mich allein auf den Weg, unser Quartier zu erkunden. Zwanzig Minuten später ratzte er immer noch vor sich hin, aber ich hatte Duncan´s absoluten Lieblingswecker bei mir: Kaffee! Und zwar frisch aufgebrühten Kaffee aus hiesigem Anbau!

Nach dem ich frisch geduscht hatte, war ich schon mal vor die Haustür getreten und hatte einen Einheimischen beobachtet, wie er in seinen wenigen verbliebenen Habseligkeiten mit einer uralten Kaffeemühle frische Bohnen gemahlen hatte. Vorsichtig hatte ich ihn gefragt, ob er mir wohl zwei Becher des köstlichen Gebräus verkaufen würde und als er den 50 Pfund Schein in meiner Hand gesehen hatte, waren ihm fast die Tränen in die Augen gestiegen und er hatte mir zu den beiden Pappbechern mit Kaffee noch ein frisch gebackenes Brot mitgegeben. Wenn das kein fürstliches Frühstück war! Das sollte meinen Kumpel doch ein wenig besänftigen.

Kaum hatte ich den besagten Becher ein- bis zweimal unter seiner Nase geschwenkt, öffnete er bereits vorsichtig die Augen und begann zu schnuppern. „Kaffee?“ Keinen Mann großer Worte so früh am Morgen musste ich wieder mal feststellen. „Jup!“ Mit einem Ruck setzte er sich auf und langte nach dem dampfenden Becher. „Mmh,.... gut! Aber das soll doch wohl keine Bestechung sein?“ „Ach was!“

Nach unserem gemütlichen Frühstück und nachdem auch Duncan endlich seine Morgentoilette beendet hatte, machten wir uns auf den Weg zu den restlichen UNICEF Mitgliedern, die bereist mit Schaufeln bewaffnet ein zerstörtes Krankenhaus freilegten. Ganz aufgeregt bemerkte ich, daß es sich hierbei genau um die Einrichtung handelte, in der „meine“ Holly laut dem Zeitungsartikel beschäftigt gewesen war. Doch bevor ich meinen Artikel zücken und die Umstehenden nach Holly fragen konnte, drückte uns eine junge Frau namens Page jeweils eine Schaufel und eine Atemmaske in die Hand. „Einfach buddeln Jungs! Und wenn ihr Klopfzeichen oder sogar Stimmen hört, ruft sofort nach mir!“ Klopfzeichen? Stimmen? Oh je, da lief es mir doch kalt den Rücken herunter! Dass unter diesen ganzen Trümmern noch Menschen begraben sein sollten, konnte ich mir einfach nicht vorstellen!

Mein Kumpel schien das besser verdrängen zu können, denn er starrte nur angeekelt das verdreckte Werkzeug und den Berg Schutt an, in dem wir jetzt wühlen sollten. „Der Kaffee war ein Pluspunkt, Ryan, aber das ist noch lange nicht genug!“ Entschlossen packte ich meine Schaufel und tauchte sie in den ersten Schutthaufen. „Wir wollten den Menschen hier helfen und behaupte nicht, du hättest das nicht gewusst!“ „Ja ja, ist ja schon gut!“ Schweigend schaufelten und schwitzten wir nebeneinander her, luden den Dreck auf Schubkarren, fuhren ihn weg, bis Duncan auf etwas Weiches stieß. Als er versuchte den Gegenstand mit den Händen freizulegen, wurde sein Gesicht plötzlich schneeweiß und er sank zu Boden. „Dunk? Was ist los mit dir?“ Doch auch mir wurde leicht schwummerig, als ich entdeckte, was mein Freund da frei gebuddelt hatte. Aus leblosen Augen blickte mich ein kleines Mädchen an, in ihren Arm ein verschmutzter Teddybär geklemmt.

~Duncan~

„Duncy? Wach auf, Kumpel“, ich spürte, wie mir jemand immer wieder gegen die Wange schlug, damit ich wach wurde, „Möchtest du wieder ein Küsschen von mir?“ „Waaaaaas? Nein, bist du irre?!“, schreckte ich hoch und blickte mich desorientiert um. Ich war nicht mehr draußen bei den Aufräumarbeiten, sondern lag in unserem Lager auf einer Matratze. „Was ist passiert?“ „Dich hat es aus den Latschen gehauen, weil…“, begann Lee zu berichten. „….wegen diesem Mädchen…“, kalter Schweiß stand mir auf der Stirn. Noch nie zuvor hatte ich in meinem Leben eine Leiche gesehen, na ja, Kino konnte man ja augenscheinlich nicht mitzählen, und ich hatte ganz sicher nicht vor, mir das noch mal anzutun….Es lagen sicher noch unzählige weiterer Kinder unter diesen Trümmern und wenn sich alle diese unschuldigen Augen in mein Gehirn brannten, so wie die dieses Mädchens, dann würde ich keine Nacht mehr ruhig schlafen können…

„Ich bin eine Memme“, murmelte ich schuldbewusst vor mich hin. „Ach Quatsch, das hätte doch jeden umgehauen“, widersprach mein blonder Freund. „Du stehst aber noch!“ „Jeder geht anders damit um! Mich berührt das Schicksal dieser Menschen…wirklich, aber ich versuche, dass bei den Arbeiten alles nicht so nah an mich ran kommen zu lassen! Das hält man einfach nicht durch, verstehst du?!“ Seufzend nickte ich: „Ich pack das nicht, Lee! Ich kann da nicht wieder raus gehen und weiter machen.“ „Wir finden etwas anderes für dich….“, suchend sah sich Lee um und winkte die junge Frau, Judy, heran, die uns auch schon bei unserer Ankunft begrüßt hatte. „Ja, Mr. Ryan?“ „Hätten Sie vielleicht etwas für meinen Freund zu tun….das mehr mit was lebendigem zu tun hat?!“, raunte er ihr leise zu, doch ich konnte es noch ganz genau verstehen. Mitleidig sah sie mich an, während ich daraufhin betreten zu Boden blickte: „Machen Sie sich keine Vorwürfe! Das ist wirklich nicht jedermanns Sache und es erfordert noch mehr Courage es zuzugeben, als sich zu etwas zu zwingen, dass man eigentlich gar nicht machen möchte. Wie wäre es, wenn Sie im Krankenhaus weiter arbeiten? Dort wird immer Hilfe gebraucht.“ Begeistert sagte ich zu und fühlte mich schon gleich nicht mehr wie ein Versager. „Wir sehen uns dann heute Abend“, Lee winkte mir noch einmal zu und schloss sich wieder den Aufräumarbeiten an, während ich Judy in den anderen Teil des Hauses zum Krankenhaus folgte…

Neugierig sah ich mich dort um, als eine Frau in einem weißen Kittel auf mich zu kam, um mich einzuweisen. Sie zeigte mir, wie die Patienten versorgt wurden, doch am allerwichtigsten, wie sie mir sagte, war es, diese abzulenken, ihnen Mut zu machen und vor allem die Kinder zu trösten. Bei genauerem Betrachten gab es hier sehr viele davon und einige weinten herzzerreißend. Irgendwie war ich schon immer ein Kindernarr, vielleicht war es gerade das, was mich hatte ohnmächtig werden lassen…Der Anblick dieses kleinen Mädchens mit ihrem Teddy im Arm…Mein Leben lang würde ich dieses Bild nicht vergessen, aber ich musste es verdrängen, denn es gab jetzt wichtigeres und zwar diese Kinder zu beruhigen.

Vorsichtig setzte ich mich zu einem kleinen Mädchen auf die Matratze, dass abrupt aufhörte zu weinen, nur vereinzelte Tränen liefen jetzt noch ihre Wangen hinunter. „Was hast du denn, Kleines?“, fragte ich sanft. „Meine Mummy ist weg gegangen“, flüsterte sie leise, „Draußen helfen, aber sie kommt nicht wieder…“ „Sie ist bestimmt bald wieder da, keine Angst!“, sacht strich ich ihr die Tränen von den Wangen. „Wer bist du?“ „Ich heiße Duncan und du?“ „Sirina“, antwortete sie schüchtern. „Das ist ein schöner Name“, lächelte ich strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „Deine Mummy kommt sicher bald zurück!“ „Bleibst du so lange bei mir?“ „Ein Weilchen hab ich sicher noch Zeit“, zwinkerte ich ihr zu, worauf ich mit einem wunderschönen Lächeln belohnt wurde. „Was arbeitest du?“, stellte sie gleich die nächste Frage. „Na ja, im Moment bin ich hier, um zu helfen“, mehr oder weniger, dachte ich zerknirscht, weil ich mich wieder an mein unschönes Erlebnis von vorhin erinnerte, „und ansonsten singe ich in einer Band.“ Mit großen Kulleraugen sah sie mich an und krabbelte auf meinen Schoß: „Kannst du mir etwas vorsingen?“ „Aber natürlich“, nickte ich und stimmte eine Ballade an…: „I Could be the man for you“, grinsend stupste ich ihre Nase an, worauf die Kleine verlegen errötete. Irgendwie schaffte ich es doch immer wieder, dass die Frauenwelt mir zu Füßen lag und wenn ich irgendwem sagen würde, dass ich nicht stolz darauf wäre, würde ich demjenigen direkt ins Gesicht lügen…Ich verlor mich ganz und ganz und gar in diesem Song und schloss die Augen…

„I can make all your dreams come true
Maybe I´m a fool for saying
I´m in love with you

You maybe thinking I am strange
Not every single day, no, beauty comes my way ohhh


~Lee~

Ich hatte echt ein schlechtes Gewissen Duncan gegenüber. Erst schleppte ich ihn nach hier, wo ich doch genau wusste, das das hier mal so gar nicht sein Ding war, verschwieg ihm das mit Holly und dann musste auch noch ausgerechnet er diese Kinderleiche finden! Aber wenigstens hatte Judy ihm eine etwas nettere Tätigkeit verschafft und als ich in einer meiner kurzen Pausen durch das Fenster des Krankenzimmers schaute, hatte er gerade ein entzückendes kleines Mädchen auf dem Schoß, dem er augenscheinlich gerade ein Lied vorsang. Und wie immer, wenn Duncan sang, tat er das mit allem Gefühl, das er aufbringen konnte. Eine Eigenschaft, die ich an meinem besten Freund besonders bewunderte. Mir war es oft nicht möglich, meine Gefühle so einfach zu sammeln. Wenn ich zum Beispiel schlechte Laune hatte, war mir bestimmt nicht nach einem Liebeslied zumute, aber Duncan konnte seine Stimmungen sofort ausblenden und war sofort tief in dem Lied versunken.

Nachdem Duncan die Augen wieder öffnete, saß das kleine Mädchen immer noch ganz still auf seinem Schoß und himmelte ihn an. Und Dunk unser Kindernarr war ihr hilflos verfallen! Mit dem Gefühl jetzt wieder viel leichter an die Aufräumarbeiten gehen zu können, lief ich wieder zu den Aufräumarbeiten und stieß unvermittelt mit einer jungen Frau zusammen. Einer mir sehr wohl bekannten jungen weinenden Person.... Holly.

~Holly~

Weinend lief ich durch die Straßen des Dorfes, immer noch auf der Suche nach meiner Schwester, denn bis jetzt war sie spurlos verschwunden. Keiner hatte sie gesehen oder etwas von ihr gehört und während meine Verzweiflung wuchs, bekam ich auch noch heute Morgen die Nachricht, dass ich eine Leiche identifizieren musste. Wie sollte ich das überstehen? Wie sollte ich mir einen leblosen Körper ansehen, eine Hülle, die vielleicht einmal meine Schwester gewesen war? Ich fühlte mich so unendlich allein und hilflos und nur der Gedanken, dass ich Trischa möglicherweise doch noch finden würde, hielt mich aufrecht…

Schluchzend wischte ich mir die Tränen aus den Augen, wobei ich gar nicht hinsah, wo ich hin lief. Plötzlich stieß ich mit jemanden zusammen, der mich am Arm fest hielt, damit ich nicht umfiel. „Es…es…tut…tut… mir leid“, stotterte ich schniefend. Er jedoch sagte nichts und starrte mich an, wobei seine Augen immer größer zu werden schienen. „Du…du..bist es wirklich?!“, ungläubig musterte er mich, stieß dann ein lautes Jauchzen aus und wirbelte mich herum. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah und ob dieser Typ einfach nur ein Irrer, komplett übergeschnappt oder beides zusammen war. Schließlich setzte er mich wieder ab und ich sah ihn verwirrt an. „Ich kanns nicht glauben, ich hab dich wirklich gefunden und ich hab noch nicht mal nach dir gesucht. Duncy wird Augen machen, wenn ich dich ihm nachher vorstelle“, plapperte er wie ein Wasserfall darauf los. „Duncy? Wer soll das sein?“, was ein bescheuerter Name, dachte ich bei mir und wich vor diesem Kerl zurück, der irgendwelche Pläne vor sich hin schmiedete? Was war das nur für einer? Er sah zwar äußerst ansehnlich aus, vielleicht ein bisschen schmutzig, aber das zeugte, von seiner Hilfsbereitschaft und das er hier nicht untätig rum saß, trotzdem hatte er sie, meiner Meinung nach, nicht mehr alle. Dachte er wirklich, ich würde einfach mit ihm mitgehen? Jetzt nahm er mich auch noch bei der Hand, doch ich riss mich von ihm los, worauf er mich nur erschrocken ansah. „Was ist denn?“

„Das gleiche könnte ich dich auch fragen“, gab ich patzig zurück und vergaß dabei ganz, dass ich eigentlich auf der Suche nach Trischa war. Ich musste sie unbedingt finden, bevor ich mir diese Leiche ansehen und vielleicht das aussprechen musste, wovor ich mich so sehr fürchtete. „Du willst doch deine Schwester finden, oder etwa nicht?!“, es war eher eine Aussage, als eine Fragen und mir blieb vor Erstaunen die Luft weg, „Und ich werde dir dabei helfen!“ „Du scheinst mich ja bestens zu kennen, aber ich kenn dich doch überhaupt noch gar nicht und zuerst will ich deinen Namen wissen! Vorher geh ich mir dir garantiert nirgendwo hin!“

~Lee~

Oh Mann, da war mal wieder alles mit mir durchgegangen und ich hatte sie zu allem Unglück auch noch erschreckt. „Erstmal tut es mir leid, daß ich dich so einfach überfallen habe.“ Um sie zum Bleiben zu bewegen, schenkte ich ihr meinen schönsten Hundeblick, dem eigentlich keiner außer Jonny widerstehen konnte. Zumindest bewegte er sie erstmal dazu, stehen zu bleiben und mich aus ihren traurigen Augen interessiert anzusehen. „Also, mein Name ist Lee Ryan und ich komme aus London.“ Höflich streckte ich ihr meine rechte Hand zum Gruß hin, als sie diese ohne zu zögern nahm, begannen die Worte wieder schneller aus mir zu fließen. „Und ich kenne dich beziehungsweise dein Gesicht, dann am Tag nach der schrecklichen Flutwelle war in der Londoner Zeitung ein Artikel über dich. Und bitte erschrick nicht, aber dein Gesicht auf diesem grobkörnigen Foto hat mich einfach verzaubert.“ Auf ihrer Stirn hatte sich eine steile Falte gebildet. „Heißt das, du bist nur wegen dem Foto von mir hierher geflogen?“ Hoffnungsvoll und wieder meinen Hundeblick einsetzend nickte ich.

„O.K. so einen Idioten muß ich einfach gern haben!“ Glücklich stimmte ich in ihr helles Lachen ein. Drei Minuten standen wir uns lachend gegenüber, doch dann wurde aus ihrem Lachen plötzlich ein verzweifeltes Weinen. „Holly?“ Vorsichtig griff sie nun nach meiner Hand. „Danke Lee! Das war das erste Lachen seit drei Tagen. Damit hast du es wenigstens einen Moment geschafft, mich abzulenken!“ Gerührt betrachtete ich ihre zarten Finger in meiner Hand. „Aber jetzt muß ich .... ich muß... meine Schwester“ Sanft zog ich sie, während ihr zarter Körper wieder von Schluchzern geschüttelt wurde, in meine Arme und strich ihr beruhigend über den Rücken. „Aber ich soll sie identifizieren! Lee, sie ist vielleicht...“ Ihr Schluchzen wurde immer herzzereißender. Einen kurzen Moment kam mir die ganze Situation unwirklich vor und ich wusste nicht, ob man das auf die Intensität des Augenblicks oder die besonders tiefen Gefühle schieben konnte, aber so schnell war mir noch nie ein Mensch so ans Herz gewachsen wie Holly. Ich wollte nur noch, daß sie wieder glücklich war! „Weißt du was Holly? Ich werde einfach mit dir dahin gehen. Das macht es zwar nicht leichter, aber du bist wenigstens nicht allein!“ „Danke!“ Ihre Hand fest mit meiner verschmolzen, machten wir uns auf den Weg zu dem angeblichen Fundort ihrer Schwester. Ab und zu schüttelte noch ein unterdrückter Schluchzer ihren Körper, aber ich gab ihr sofort, durch ein Drücken ihrer Hand zu verstehen, daß ich ganz dicht bei ihr war.

An der besagten Stelle angekommen begrüßte uns ein einheimischer Polizist in gebrochenem Englisch und bedeutete uns, ihm zu folgen. Mir wurde das Herz schwer, als ich den riesigen Platz vor uns entdeckte. Leichensack an Leichensack lag dort aufgebart, notdürftig mit Eis bedeckt, um die Verwesung der darin liegenden Toten zu verlangsamen. Über allem hing ein fürchterlicher Gestank, der mir fast die Tränen in die Augen trieb. Ab und zu kamen Männer mit neuen Säcken oder trugen ältere weg, die bereits identifiziert worden waren, um sie dann ihren Familien zu übergeben. Überall standen weinende oder einfach nur geschockte Angehörige. Holly hatte bei dem Anblick meine Hand losgelassen und war in meiner Arme geflüchtet. „Lee, ich kann das einfach nicht!“ Vorsichtig umfasste ich ihr Kinn und drehte ihren Kopf so, daß sie mir in die Augen sehen musste. „Doch du kannst das! Und sie wird nicht dabei sein!“ Ich wusste nicht, woher ich diese Gewissheit nahm, aber ich glaubte fest an meine Worte.

Langsam öffnete der Beamte den Leichensack, in dem er Holly´s Schwester vermutete. Ein Zittern lief durch Holly, als ein Gesicht verdeckt durch wunderschöne schwarze Locken zum Vorschein kam. Unbewegt strich der Polizist diese zur Seite....

~Holly~

Ich war froh, dass er bei mir war, denn vermutlich hätte ich das ohne ihn nicht durch gestanden, auch, wenn es verrückt von ihm war. Ich meine, er hatte nur ein Foto von mir gesehen und war hier her geflogen? Einfach so? Welcher Mensch, welcher Mann tat so etwas? Ich habe ihn erst heute kennen gelernt und doch scheint er mir so vertraut, als ob ich ihn schon ewig kennen würde. Bereitwillig hatte er sich dazu bereit erklärt, mich zu begleiten und mir in dem Moment bei zu stehen, vor dem ich mich am meisten fürchtete….dem Tod meiner Schwester ins Auge zu sehen…

Verzweifelt flüchtet ich mich in Lee´s Arme und verbarg mein Gesicht an seinem Hals. Doch er zwang mich vorsichtig, ihm in die Augen zu sehen und beinahe glaubte ich seinen Worten, das ich es durch stehen und Patrischa nicht dabei sein würde. Ich betete zu Gott, dass er Recht hatte, dass ich nicht ohne meine Schwester weiter leben musste, dass ich endlich aus diesem Albtraum erwachen konnte und alles wäre gut. Beinahe hätte ich seine Worte geglaubt, bis ich sah, wie der Beamte langsam den Leichensack öffnete, in dem angeblich meine Schwester lag. Wut und Verzweiflung zugleich erfüllten mein Innerstes, weil ich das Gefühl hatte, der Beamte würde mich absichtlich hinhalten, wollte das unvermeidliche herauszögern…vielleicht um mich zu schonen? Ich würde sie mir eh ansehen müssen, ob ich wollte oder nicht, schon allein, um endlich Gewissheit zu haben…

Zum Vorschein kamen schwarze Locken, wie die meiner Schwester und ich fröstelte, als der Polizist dieser zur Seite strich. „Sehen Sie sie sich ganz genau an, um wirklich sicher zu sein“, sagte der Beamte leise und ich trat näher an den Leichensack heran. Mit unbeweglicher Miene musterte ich dieses wunderschöne Gesicht und das mehrere Minuten lang, um mir auch wirklich ganz sicher zu sein…

„Holly?“, kam es fragend von Lee, der nun hinter mich getreten war und mich sacht an den Oberarmen berührte. „Oh mein Gott….“, flüsterte ich, rieb mir noch einmal über die Augen, um sicher zu sein, dass mir mein Sehvermögen keinen Streich spielte. „Es tut mir so…“ „Nein, Lee, NEIN! Sie….es ist nicht meine Schwester!“, überglücklich fiel ich ihm um den Hals und er wirbelte mich herum, „Trischa ist nicht tot! Sie lebt ganz sicher noch!“ „Siehst du, ich hab´s dir doch gesagt!“, murmelte er, als er mich fest in seinen Armen hielt. „Ich bin so glücklich, Lee“, strahlte ich ihn über das ganze Gesicht an und blickte in seine Augen, die mich durch dringend ansahen. Überrascht über diese Intensität schnappte ich nach Luft und registrierte, wie seine Lippen den meinen näher kamen…

There's a song that’s inside of my soul
It's the one that I've tried to write over and over again
I'm awake in the infinite cold
But you sing to me over and over and over again

So I lay my head back down
And I lift my hands and pray
To be only yours
I pray to be only yours
I know now you're my only hope

Sing to me the song of the stars
Of your galaxy dancing and laughing and laughing again
When it feels like my dreams are so far
Sing to me of the plans
That you have for me over again


In diesem Moment konnte ich mich nicht dagegen wehren, selbst, wenn ich es gewollt hätte. Sacht und zärtlich zu gleich drückten sich seine Lippen auf die Meinen. Ich begann leicht zu zittern, aber es war nicht dasselbe zittern, das meinen Körper durch fahren hatte, als der Beamte den Leichensack geöffnet hatte. Dieses Mal war es angenehm und es fühlte sich verdammt gut an, mehr als das…Ich genoss, es, wie Lee zärtlich an meiner Unterlippe knabberte, während ich für einen Moment die schrecklich Situation um uns herum vergaß. Wie schön es war, nicht mehr denken zu müssen, über das, was sein würde…was vielleicht noch kommen würde…

So I lay my head back down
And I lift my hands and pray
To be only yours
I pray to be only yours
I know now you're my only hope

I give you my destiny
I'm giving you all of me
I want your symphony
Singing in all that I am
At the top of my lungs
I'm giving it back

So I lay my head back down
And I lift my hands and pray
To be only yours
I pray to be only yours
I pray to be only yours
I know now you're my only hope


Ich wusste, wahrscheinlich genau so wie er, dass es der falsche Zeitpunkt und vor allem der falsche Ort für diesen Kuss war, aber ist es nicht immer so? Das größte Glück findet man meist, wenn die Situation ausweglos erscheint, wenn der Schmerz und das Leid überwiegt und man daran zweifelt, ob man glaubt, dass es keine Hoffnung mehr gibt….

~Duncan~

Do you believe in Love at first sight
Tell me does that book that you´re
Reading tell the story of your life
Do you believe in love at first sight
Should I walk on by
Turn a blind eye to love
Love at first sight”


„Wow, ein schöner Song“, hörte ich plötzlich neben mir jemanden sagen und zwar eine Frauenstimme. Ich öffnete die Augen und sah direkt in ein milchweiß zartes Gesicht einer jungen Frau, dass von schwarzen, gelockten Haaren umrahmt wurde. „Vielen….vielen…D…Dank“, stotterte ich, wobei ich errötete. Moment mal, seit wann stotterte ich denn in Gegenwart einer Frau und seit wann errötete ich? Irgendwie war ich, seit wir in den Flieger nach Sri Lanka gestiegen waren, etwas daneben. Es geschahen Dinge, an die ich mich nur schwer gewöhnte, wie die Sache gerade eben…

„Deine Mum ist bald wieder da, Sirina! Sie wollte dir Bescheid sagen, das es noch etwas länger dauert, aber da sie gleich wieder zurück musste, hat sie mich gebeten, es dir zu sagen“, wandte sie sich an das kleine Mädchen, das noch immer auf meinem Knie saß. „Hast du wieder in der Küche geholfen?“, fragte die Kleine, wobei ihre Stimme vorwurfsvoll klang. „Ja…bis mich Schwester Agnes raus geschmissen hat, nun muss ich mich wieder hinlegen, dabei geht es mir doch gut“, grummelte sie leicht eingeschnappt, wobei sie sich auf der Nachbarmatratze nieder ließ. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie ein Pflaster auf der Stirn trug…vermutlich um eine Wunde zu schützen, die genäht worden war. Ob sie auch jemanden in den Fluten verloren hatte? Vielleicht ihren Freund? Oh je, Duncan, woran denkst du da nur schon wieder, tadelte ich mich selbst und schüttelte unwillig den Kopf.

„Warum starrst du mich so an?“ Mist, wie peinlich! Hatte ich sie echt angestarrt? „Ich…ich….“ „Ja?“, blickten mich dunkle Augen erwartungsvoll an. „Sorry“, murmelte ich nur und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Seit wann stellte ich mich wie der letzte Volltrottel an? „Für was entschuldigst du dich?“, harkte sie lächelnd nach. „Ich weiß auch nicht…Wäre es unverschämt, wenn ich dich jetzt schon nach deinem Namen fragen würde?“ Betreten sah sie erst zu Boden und blickte mich dann aus tief traurigen Augen an. Okay, jetzt war ich wirklich in ein Fettnäpfchen getreten und, Gott stehe mir bei, damit ich da je wieder raus kam….

~Patrischa~

Ich hatte den wundervollen Gesang schon auf dem Weg ins Krankenzimmer gehört und diese tiefe rauchige Stimme jagte mir eiskalte Schauer den Rücken hinunter. Einen Moment blieb ich im Türrahmen stehen und betrachtete den blonden Mann, wie er mit geschlossenen Augen Sirina vorsang. Die Kleine hatte sich vertrauensvoll an ihn gekuschelt und da sie ihm scheinbar sofort vertraute, war der Blondschopf mir gleich sympathisch. Denn mein Schicksal und das des kleinen Mädchens waren untrennbar verbunden, denn man hatte uns nach der großen Flut gemeinsam in einem alten Fischerboot gefunden und. Jedenfalls hatte man mir das so erzählt, denn leider konnte ich mich weder an das Unglück selbst, noch an mein Leben davor erinnern. Die Ärzte gingen davon aus, daß ich, während ich im Wasser um mein Leben gekämpft hatte, etwas gegen den Kopf bekommen hatte und daß ich deswegen mein Gedächtnis verloren hatte. Aber mit etwas Ruhe und Zeit würde ich mich wieder erinnern, aber ich wusste ja nicht mal mehr meinen Namen!

Und dann fragte er nach genau diesem und wieder mal nahm tiefe Verzweiflung von mir Besitz, denn tief in meinem Inneren wusste ich, daß es da draußen Jemanden gab, der gerade nach mir suchte und ich konnte nichts tun, um dabei zu helfen. „Ich ... ich weiß ihn nicht! Ich hab ihn vergessen.“ Ich hatte so leise gesprochen, daß ich meine Worte kaum selbst hören konnte, doch er nickte nur verständnisvoll. „Dann wird ich dich einfach Angel nennen, bis er dir wieder einfällt?“ Angel? Wie kam er nur auf diese Idee! „Wieso Angel?“ Langsam hob er den Kopf, um mir direkt in die Augen zu sehen. „Weil du genauso aussiehst, wie ich mir einen Engel vorstellt.“ Das charmante Lächeln auf seinem Gesicht zog mich in seinen Bann und mir feil zum ersten Mal auf, wie unglaublich gut er aussah. Die blonden Haare waren kurz und kunstvoll geschnitten und hingen ihm bei dem schwülheißen Wetter verwegen ins Gesicht. Aus dem Ebenmäßigen Gesicht blickten mich zwei tiefblaue Augen freundlich an. Zwei Augen, in deren Tiefen ich zu versinken drohte. Oh Nein! Mir kam das Lied wieder in den Sinn, daß er eben Sirina vorgesungen hatte. Liebe auf den ersten Blick! Hatte ich in meinem alten Leben daran geglaubt? Jetzt jedenfalls hatte mich genau diese wie ein Blitz getroffen!

~Duncan~

Ihre Augen werde ich niemals mehr in meinem Leben vergessen….sie blickte mich so unschuldig, so verletzlich und gleichzeitig so sehnsüchtig an, dass ich aufpassen musste, nicht den Verstand zu verlieren. „Ist es dir unangenehm, wenn ich dich so nenne?“, harkte ich vorsichtig nach, weil sie nichts dazu sagte. „Nein…ich…ich bin nur noch nie so genannt worden bzw. kann ich mich nicht daran erinnern, dass mir jemand schon mal so einen Kosenamen gegeben hat“, antwortete sie leise. „Shhht, schon gut“, ich setzte Sirina neben mich, ließ mich vorsichtig neben Angel, wie ich sie liebevoll getauft hatte, nieder und nahm sie in den Arm. „Ich möchte mich so gerne wieder daran erinnern, aber ich kann nicht…“, schluchzte sie verzweifelt. „Du darfst dich nicht selbst unter Druck setzen! Das blockiert dich noch mehr! Versuche, alles aus deinem Kopf zu verbannen…“, ich merkte sofort, wie sie sich merklich entspannte und sich vertrauensvoll seufzend an mich schmiegte. Zärtlich strich ich über ihre Wange und spürte darauf hin ihren Atem an meinem Hals, der mir eine angenehme Gänsehaut zauberte. Wir kennen uns kaum, doch ich habe schon jetzt das Gefühl tiefer Verbundenheit. Nicht die zweier Freunde, die immer füreinander da sind, durch dick und dünn gehen, sondern die Verbundenheit zweier Liebender, die sich in einer Situation getroffen hatten, die sie nur gemeinsam bewältigen können…

Verrückt, oder?! Ich, der ich meinem besten Kumpel noch vor gar nicht langer Zeit eine Predigt gehalten hatte, verliebte mich Hals über Kopf in diese unbekannte Schönheit, die einem Engel glich! Allerdings gab es zwischen Lee und mir einen kleinen aber feinen Unterschied….Holly existierte nur als ein Foto, wahrscheinlich war sie schon längst in ihr Heimatland zurück gebracht worden und Lee würde sie niemals finden, selbst wenn er halb Amerika auf den Kopf stellen würde. Mein Engel jedoch war real, so real, wie eine Frau nur sein konnte. Sie lag hier, in meinen Armen und ich hoffte, ich betete, dass sie dort für immer bleiben würde….

„Duuuuuu, Duncan…“, zupfte plötzlich jemand an meinem Shirt, was veranlasste, dass sich Angel von mir löste. Sirina stand vor mir und sie war nicht allein. Anscheinend hatte sie sämtliche Kinder des Krankenhauses zusammen getrommelt und jedes einzelne von ihnen sah mich nun mit großen Kulleraugen bittend an. „Was möchtest du denn?“ „Kannst du uns alles noch mal was vorsingen?“, fragte sie schüchtern und die anderen nickten synchron. „Natürlich, aber dafür schieben wir erstmal die Matratzen zusammen, um es gemütlicher zu machen“, lächelte ich und auf Sirina´s Kommando flitzen die Kleinen so schnell umher, um die Matratzen zusammen zu schieben, dass ich ihnen schon gar nicht mehr mit den Augen folgen konnte. Die Kinder konnte gar nicht genug bekommen, forderten Lied um Lied und natürlich hatte ich auch ein paar lustige Anekdoten von unseren Touren, vorzugsweise von Lee, auf Lager. So verbrachten wir den ganzen Tag, bis es am Abend Zeit zum schlafen gehen war. Alles wurde wieder an seinen Platz gerückt und ich sang ihnen noch ein Gute Nacht Lied, bevor ich mit Angel noch etwas an die Luft ging. Schwester Agnes rümpfte zwar etwas die Nase, weil sie fand, dass auch Angel ins Bett gehörte, aber sie ließ uns gewähren und ermahnte mich, auf sie aufzupassen. Als ob gerade ich zulassen würde, dass ihr etwas geschieht…

„Du hast die Kinder wirklich sehr glücklich gemacht…“, bemerkte sie leise, als wir uns in der Nähe des Krankenhauses auf einen Stein setzten. „Irgendwie brauchte ich das auch….Ich bin her gekommen, um mit meinem Kumpel hier zu helfen und nachdem ich dann heute Morgen den leblosen Körper dieses kleinen Mädchens gefunden habe….hab ich mich ziemlich unnütz gefühlt“, gestand ich und knetete etwas nervös meine Hände. „Ich weiß, es ist schrecklich…Ich werde das hier alles niemals vergessen...das Leid, die Panik, die Verzweiflung….und vor allem dich!“, sie sah mir kurz in die Augen und dann auf den Boden. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, weil ich mir so etwas erhofft hatte. „Ich werde nie wieder hier her kommen können, ohne diese Bilder vor Augen zu haben, ohne daran zu denken, was hier geschehen ist“, lenkte sie ab, doch das wollte ich nicht. Ich wollte wissen, was sie empfand, für mich, was sie über unsere Begegnung dachte, auch wenn es zu viel verlangt und noch viel zu früh dafür war….

Relax Your Mind
And Just Close Your Eyes
You Know I'm With You
Whatever You Do
Just Take Your Time
'Cause We're Just Devine
Just Let Yourself GO
And Trust In Me
'Cause I'm Gonna Make You See

That I'm The One
Who's There For You
I'll Go All The Way With You
It's True
'Cause I Feel For You
Through All The Seasons
Night And Day
Oh, I'll Never Walk Away
Oh No
This I Promise You


„Und ich werde nie wieder hier her kommen können ohne an dich zu denken, ohne dein wunderschönes Gesicht vor mir zu sehen und mir zu wünschen, dass du mir vertraust….Das…das du mich dir beistehen lässt, Angel….“, ich schluckte und drehte ihr Kinn zu mir, damit sie in meine Augen sehen musste, „…und mir ein kleines Zeichen gibst, dass ich mein Herz nicht umsonst aufs Spiel setze…“

'Cause You're The
Angel Of Mine
The Light Of My Life
Through All The
Good And Bad Times
You're The One
That Always Shines
'Cause You're The Angel
Angel Of Mine...

Take Care Of me
And Make Me See
That I Can Trust In You
'Cause You're Faithfully
It's Plain To See
What You Mean To Me
Thank You For Everything
What You've Done For Me
'Cause I'm Gonna Make You See

That I'm The One
Who's There For You
And I'll Go All The Way With You
It's True
'Cause I Feel For You
Through All The Seasons
Night And Day
Oh, I'll Never Walk Away
Oh No
And This I Promise You


Verträumt sah sie mich an und ich hatte das Gefühl, als würde ich mich in ihren Augen verlieren, aus denen ich nie wieder auftauchen wollte. Ich hoffte auf eine Antwort, einen klitzekleinen Vertrauensbeweis ihrerseits, mit dem sie mir signalisierte, dass ich ihr nicht egal war, dass ich ihr etwas bedeute….

Kein Wort bekam sie heraus, allerdings kam sie mir immer näher und Sekunden später spürte ich ihre weichen Lippen auf den meinen. Sanft fuhr ich mit meiner Zunge über ihre Lippen und sie verwehrte mir nicht den Einlass in ihren Mund, als ich ihn begehrte. Tausend Schmetterlinge tummelten sich in meinem Bauch, während wir uns behutsam küssten, immer darauf bedacht, nicht zu weit zu gehen. Doch war das überhaupt noch möglich? Konnten zwei Menschen, wie wir, die sich erst heute kennen gelernt hatten, noch weiter gehen? Gab es überhaupt ein Limit, eine Grenze, die wir nicht überschreiten durften??

'Cause You're The
Angel Of Mine
The Light Of My Life
Through All The
Good And Bad Times
You're The One
That Always Shines
'Cause You're The Angel
Angel Of Mine...

And I Will Always Be There
Yes, I Always Share
The Good Things In Life
Till The Time Is Passing By
'Cause You're The Angel
Angel Of Mine


Wohlig seufzend ließ sie von mir ab und ich blickte sie verliebt an. „Sei mir nicht böse, aber ich möchte etwas spazieren gehen….allein.“ „Hab ich was falsch gemacht?, fragte ich besorgt. „Nein!“, erwiderte sie heftig, „ganz im Gegenteil, aber ich möchte einfach etwas allein sein, meine Gedanken und vor allem meine Gefühle ordnen..:“ „Aber bleib nicht zu lange, ok?!“ „Keine Angst“, lächelte sie und strich mir über die Wange, „Ich möchte schließlich noch einen Gute Nacht Kuss und ich hoffe, dass du dann noch da bist…“ Eifrig nickte ich und ließ sie gehen…meinen Engel! Oh man, Lee würde Augen machen, wenn ich sie ihm vorstellen würde….

~Patrischa~

Mit schnellen Schritten ging ich am Strand entlang, dem Strand, an dem das ganze Unglück seinen Lauf genommen hatte. Das Unglück, daß Duncan mich in den letzten paar Stunden so leicht hatte vergessen lassen! Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, so glücklich zu sein, weil ich ihn gefunden hatte, während um mich herum alles von Leid, Tod und Zerstörung geprägt war. Doch genau das machte meine Gefühle für ihn noch reiner und kostbarer. Er war alles, was mir geblieben war! Mein Schicksal! Und genau zu diesem Schicksal würde ich jetzt zurückgehen!

~Lee~

Nach dem Kuß hatten wir uns noch ganz lange in die Augen gesehen, bevor wir dem Polizeibeamten erklärten, daß diese Leiche nicht Holly´s Schwester war. Hand in Hand ohne ein Wort verließen wir den gruseligen Leichenplatz. Eine Weile liefen wir stillschweigend nebeneinander her, um uns dann an einem relativ ruhigen und nicht ganz so zerstörten Platz im Schatten eines Baumes nieder zu lassen! Zärtlich schmiegte sich Holly in meine Arme, legte ihren Kopf unter meinem Kinn ab und seufzte zufrieden. „Sie könnte also noch leben!“ „Natürlich lebt sie noch! Du bist doch auch eine Kämpferin!“ Sie hob den Kopf und sah mich mit ihren großen dunklen Augen, die mich so faszinierten, an. „Ja, aber du hast nicht gesehen, wie die Wassermassen sie verschlungen haben.“ Nein, das hatte ich nicht, aber ich wusste, ich musste für Holly daran glauben, daß sie überlebt hatte. „Magst du mir nicht von ihr erzählen? Ich weiß ja nicht mal ihren Namen?“

~Holly~

„Sie heißt Trischa“, lächelte ich verträumt, als er mich bat, ihm von ihr zu erzählen, „eigentlich Patrischa, aber ich habe das abgekürzt, als wir noch klein waren. Sie ist….nun ja…sie ist meine ältere Schwester und doch habe ich immer mehr auf sie aufgepasst, als sie auf mich, das Nesthäkchen. Sie nimmt sich vieles mehr zu Herzen als ich, sie ist viel sensibler und viel zu gütig und zu jung, um jetzt schon aus ihrem Leben gerissen zu werden….Wie sehr hab ich mir gewünscht, an ihrer Stelle zu sein, dass mich die Wassermassen verschluckt hätten und…“ „So darfst du nicht denken, Holly! Es war ihr Entscheidung, den Versuch zu wagen, dieses Kind zu retten und sie wird ihn nicht mit dem Leben bezahlt haben, hörst du?! Sie lebt und wir werden sie finden!“, er nahm mich noch fester in den Arm und ich fühlte mich so unendlich geborgen, wie schon lange nicht mehr. Wenn es nicht so unendlich schön wäre, würde es mir beinahe Angst machen, ihn nach so kurzer Zeit schon an mich ran zu lassen. Doch irgendwie hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl bei ihm, dass er nicht mit mir spielen würde und ich ihm vertrauen könnte…

„Ich weiß noch, wie wir als kleine Mädchen durch den Garten unserer Eltern getobt sind, uns alle Geheimnisse anvertraut haben und sie für mich in die Bresche gesprungen ist, als ich mal wieder heimlich bei einem Jungen übernachten wollte. Unsere Eltern hatten das schon einmal raus gekriegt, dass ich sie angelogen hatte, aber da Trischa ihnen versicherte, dass ich wirklich zu eine Freundin gehen und bei ihr übernachten würde, ließen sie mich gehen….Oh man, wenn ich daran zurück denke…Ich brauche sie, Lee, Ich darf sie einfach nicht verlieren!“, wimmerte ich und drückte mich noch näher an ihn. „Das wirst du nicht, das verspreche ich dir! Aber heute ist es zu spät, um weiter nach ihr zu suchen! Du kommst jetzt erstmal mit mir, damit ich dich im Auge habe, denn ich mag dich einfach nicht allein lassen! Außerdem kann ich dir dann endlich Dunky vorstellen“, lächelte er und zog mich hoch. Schon wieder dieser Typ… „Wer ist das überhaupt?“ „Der beste Kumpel, den man sich nur vorstellen kann und dem ich es zu verdanken habe, dass ich überhaupt hier her kommen durfte“, strahlte er, ergriff meine Hand und zog mich mit sich zu ihrem Lager, „Frag besser nicht…Lange Geschichte!“, fügte er noch hinzu, weil ich ihn wohl komisch angesehen hatte. Na, wenn das so war, musste ich diesem Dunky wohl meinen Dank aussprechen…

~Duncan~

Nachdem Angel alleine spazieren gegangen war, ging ich wieder zurück in die Krankenstation, schließlich hatte sie mir deutlich zu verstehen gegeben, dass sie noch einen Kuss von mir erwartete und den wollte ich ihr natürlich nicht verwehren. Etwas gelangweilt schlenderte ich zurück und ließ mich neben Sirina, die immer noch nicht schlief und mich leicht angrinste, auf die Matratze von Angel fallen. Zufrieden seufzend verschränkte ich die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke. Wann sie wohl wieder kam? Und ob sie dann wohl den Kuss doch bereuen würde? Immerhin hatte sie gesagt, sie wolle ihre Gefühle ordnen…

Unwirsch schüttelte ich den Kopf um von diesem Gedanken los zu kommen. Ich durfte mich jetzt nicht selber verrückt machen, denn es würde schon alles gut gehen…ganz sicher! „Ach Dunky, da bist du ja“, vernahm ich plötzlich die Stimme meines Freundes, die mich aus meinen Gedanken riss. „Wann wirst du endliche ler…..“, mehr bekam ich nicht raus, denn Lee war nicht allein. Seine Hand war verschlungen mit derselben jungen Frau, die ich auch schon auf dem Bild von diesem Zeitungsartikel gesehen hatte. „Also, darf ich vorstellen, Dunky, das ist…“, begann Lee sie bekannt zu machen, doch ich unterbrach ihn. „Ich weiß, wer sie ist“, zischte ich unfreundlich, „Hatten wir nicht beschlossen, dass wir nicht deinen Hirngespinsten hinter her jagen?!“ „Erstens: „Das haben nicht WIR, sondern DU beschlossen! Zweitens: Habe nicht ich sie, sondern sie mich gefunden und drittens, warum regst du dich so auf….Dunkylein?!“, blitzte er mich provozierend an. „Jetzt pass mal gut auf, Ryan…“, knurrte ich, sprang auf und trat ganz nahe an die Beiden heran. Nun stellte sich aber Holly zwischen uns, die mich mehr als wütend anstarrte. „Nein, du passt mal auf, was erlaubst du dir eigentlich?! Ohne Lee hätte ich den heutigen Tag wohl kaum überstanden und du bildest dir ein, ihn hier fertig machen zu können oder wie?! Aber vorher musst du an mir vorbei….“, schnappte sie und ich begann zu lachen. „Auf dem Foto siehst du gar nicht so zickig aus, aber eins sag ich dir, ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich mit Lee umgehen soll und wie nicht! Du kennst ihn noch lange nicht so gut wie ich….“ „Das wird sich ändern“, funkelte mich Holly an, wobei sie sich keinen Zentimeter von Lee weg rührte, der mich nur überlegen angrinste. So was feiges aber auch, lässt sich von ner Frau verteidigen, anstatt selber den Mund aufzumachen. „Lee, kann ich dich mal bitte sprechen….ALLEIN!“, forderte ich knurrend, doch Holly machte keine Anstallten uns allein zu lassen und ich war drauf und dran, ihn aus dem Haus zu schleifen, weil er einfach nicht reagierte…außer mich blöd anzugrinsen. „Du weißt, ich wiederhole mich ungern…“, ich atmete tief durch, um mich wieder etwas zu beruhigen. „Und warum tust du es dann?“, fragte Lee nun und grinste noch breiter. Gut, dann eben so, dachte ich und wollte grade dazu ansetzen, ihm richtig die Meinung zu geigen, als sich eine weitere Stimme einmischte, die uns alle herum wirbeln ließ. „Was ist hier los?“

~Patrischa~

Ich wollte gerade wieder in das Krankenzimmer zurückgehen, um mir meinen versprochenen Gute Nacht Kuss abzuholen, als ich drei mehr als laute Stimmen vernahm. Eine davon schien Duncan zu gehören. Neugierig geworden, betrat ich das Zimmer, wo die Duncan, ein anderer blonder Mann und eine kleine Brünette heftig aufeinander einredeten. Komisch! Bei Anblick der junge Frau durchzuckte mich ein merkwürdiges Gefühl. „Was ist hier los?“ Ruckartig drehten sich die Drei zu mir herum, wobei sich die Augen der Brünetten sofort mit Tränen füllten, als sie mich ansah. „Lee, Holly, darf ich vorstellen? Das ist Angel!“ „Ihr Name ist Patrischa“, fuhr mir Holly leise ins Wort. Patrischa? Woher wollte diese junge Frau das wissen? Langsam, von lauten Schluchzern geschüttelt, kam sie auf mich zu und nach einem Blick in ihre funkelnden braunen Augen, die mir seltsam bekannt vorkamen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Holly! Meine Schwester!

Im Raum herrschte vollkommene Ruhe und wir sahen uns einige Minuten einfach nur an, glücklich die Andere wieder zu haben, bevor uns schluchzend in die Arme fielen. „Oh Holly, es tut mir so leid! Ich konnte mich an Nichts erinnern!“ Verständnisvoll nickte sie mit dem Kopf, so dass die braunen Strähnen nur so wirbelten. „Hauptsache ich hab dich wieder! Ich konnte einfach nicht glauben, das du.. du..“ „Das ich gestorben bin? Aber es war kurz davor! Doch ich konnte das kleine Mädchen nicht einfach untergehen lassen, Schwesterchen.“ Mittlerweile hatten wir uns auf zwei Matratzen gleiten lassen und saßen uns gegenüber, Alles und Alle im Raum ausblendend. „Hat sie auch überlebt?“ „Ja hat sie. Sie heißt Sirina und ist auch noch hier im Krankenhaus.“ „Aber wie hast du das bei diesen gewaltigen Wassermassen geschafft, euch zu retten. Ich hab dich doch noch untergehen sehen!“ „Ich hab wie eine Verrückte versucht über Wasser zu bleiben, als wir plötzlich an einem alten Fischerboot vorbeigeschwemmt wurden. Mit letzter Kraft habe ich da erst Sirina und dann mich hinein geschoben.“ Völlig ineinander versunken hielten wir uns an den Hände und sahen uns stillschweigend an, als uns ein Räuspern aus unserer Versunkenheit riss. „Holly?“

~Lee~

Das war also Holly´s Schwester! Gut, dass konnte man anhand der Ähnlichkeit leicht schlussfolgern. Trischa war das Ebenbild ihrer Schwester, nur mit schwarzen statt braunen Haaren und einem nicht ganz so verschmitzten Gesichtsausdruck. Vorsichtig versuchte ich die Stille zu durchbrechen und die Beiden aus ihrer Vertrautheit zu reißen. „Holly?“ „Oh Lee und“ frech grinste sie meinen besten Freund an. „Dunkylein. Das ist übrigens meine vermisste Schwester Patrischa.“ Bei dieser fröhlichen Vorstellung war sie von der Matratze aufgesprungen, auf mich zugehüpft und hatte sich mir in die Arme geworfen. „Lee, du hattest Recht! Ich hab sie wieder!“ Glücklich drückte sie mir ihre feuchten Lippen schmatzend auf den Mund. „Ich könnte die ganze Welt umarmen!“ Genauso hatte ich sie mir gewünscht, meine Traumfrau! Endlich wieder glücklich und fröhlich! Und absolut sexy!

~Holly~

Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich meine geliebte Schwester wieder habe und ich bin Lee unendlich dankbar, dass er an sie, an mich geglaubt hatte. Unendlich erleichtert umarmte ich ihn und drehte mich in seiner Umarmung zu seinem Kumpel um: „Na, hat es dir die Sprache verschlagen,….Dunkylein?“ „Ich heiße Duncan und diesen bescheuerten Spitznamen hast du von dem da, hab ich Recht?!“, er deutete mit einem finsteren Blick auf Lee, der nur grinste. „Hör auf ihn zu ärgern“, mahnte Trischa, gleich wieder ganz die große Schwester, „ich möchte keinen Streit, wo ich so glücklich bin!“ Überrascht registrierte ich, wie sie sich an Duncan schmiegte, der gleich viel zu friedender aus der Wäsche guckte. Mit zusammen gekniffenen Augen musterte ich die beiden…

Vom äußerem her passten sie gut zusammen, wenn dieser Kerl aber nun wirklich so zickig war, wie er sich hier grade gegeben hatte…na dann Gute Nacht und das war nicht das einzigste Problem, dass ich auf Trischa zukommen sah…Anscheinend hatte sich meine Schwester noch nicht an alles erinnert, was ja auch kein Wunder war, schließlich hatte sie einiges durch gemacht, dennoch musste ich sie daran erinnern, wenn sie nicht von selbst drauf kam. Sie hatte zuhause Verpflichtungen, wenn auch welche, die mir nicht in den Kram passten und ich sie nicht verstehen konnte, aber sie hatte sie und wenn da zwischen Duncan und ihr mehr war, musste sie so bald wie möglich klare Verhältnisse schaffen…

~Duncan~

Oh man, was für eine Überraschung….Ich hatte mich in die gesuchte Schwester von Lee´s Hirngespinst, das nun leibhaftig vor mir stand, verliebt. Sacht schmiegte sich Angel…ähm Trischa an mich und ich stellte sofort die Unterschiede zwischen ihr und Holly fest. Die jüngere Schwester war mehr die Impulsivere, die, die auf Leute zuging und jemanden ordentlich die Meinung geigen konnte, wie sie es bei mir vorhin eindrucksvoll bewiesen hatte….Kurz um, sie passte perfekt zu unserem Nesthäkchen! Trischa, die Ältere war mehr die Ruhigere, diejenige, die erst nach dachte, bevor sie sich auf etwas einließ und es dann auch einhielt…

„Du siehst müde aus….Magst du dich nicht hinlegen?“, fragte ich leise und drückte Trischa einen liebevollen Kuss auf die Stirn. „Ja, aber nur, wenn du bei mir bleibst“, forderte sie und kuschelte sich noch mehr an mich. „Hmmm, ich glaube kaum, dass ich hier bleiben kann…oder sehe ich irgendwie krank aus?“ „Nein, ganz und gar nicht“, um ein Grinsen zu unterdrücken, biss sie sich auf die Unterlippe und strich über meine Brust, „Aber ich kann ja mit zu euch kommen oder hast du etwa nicht genug Platz auf deiner Matratze?!“ „Also er hat Platz, aber ob du den noch haben wirst, wenn er erst mal da drauf liegt, weiß ich nicht“, warf Lee frech grinsend ein. „Das sagt ja gerade der richtige….Wer schläft denn zuhause mit einem riesen großen Teddy im Bett, hä?!“, schoss ich zurück. Zufällig hatte ich diesen einmal entdeckt, als Lee verschlafen hatte und ich ihn hatte wecken müssen. Leise war ich nach oben in sein Schlafzimmer geschlichen und bei seinem Anblick mit dem Teddybären im Arm war mir ein lautes gequietschtes „Süüüüüüß“ entwichen. Lee hatte mich schwören lassen, dass ich keiner Menschenseele davon verriet, dass er, wenn er Albträume hatte, noch immer mit dem Bären aus seiner Kindheit im Arm schlief. Bisher hatte ich mich auch immer daran gehalten, aber wenn er mir so kam…musste halt sein dunkelstes Geheimnis dran glauben…

Jedenfalls erntete ich für meine Bemerkung einige Blicke, die mich eigentlich hätten tot umfallen lassen müssen, doch glücklicherweise überlebte ich es gerade noch so, obwohl ich sah, dass Lee´s Finger verdächtig zuckten. Am liebsten hätte er sie bestimmt um meinen Hals gelegt…

Müde ließen wir uns nun endlich auf unseren Matratzen nieder, dich an unsere Liebsten gekuschelt und ich war gerade dabei, einzuschlafen, als Ryan noch ein letztes Mal seine Klappe aufreißen musste, um mir zu sagen, dass ich morgen ein Kissen im Gesicht haben würde, wenn ich es mir erlauben würde, auch nur den kleinsten Schnarcher von mir zu geben. Pah, ich und schnarchen….NIEMALS!! Da musste sich Ryan schon was besseres einfallen lassen, wenn er sich an mir rächen wollte….

~Lee~

Boah, wie ich ihn manchmal hasste! Musste Duncan ausgerechnet vor meiner Süßen mit meinem Teddy kommen? Und ich hatte so sehr gehofft, daß er das schon wieder vergessen hatte, aber in solchen Sachen hatte mein Kumpel ein perfekt funktionierendes Gedächtnis. Und jetzt stellte er es auch noch so hin, als könnte ich gar nicht ohne meinen Teddy schlafen, dabei brauchte ich meinen Pete nur, wenn ich von Albträumen geplagt wurde und die würde ich neben Holly bestimmt nicht haben. Diese hatte mich nach Duncan´s Plaudereien liebevoll geküsst und mir ins Ohr geflüstert, daß sie ihre Babyschmusedecke auch noch hatte.

Aber eins hatte Dunkylein perfekt hinbekommen! Trischa würde die Nacht mit auf seiner Matratze verbringen und somit blieb für Holly nur der Platz ganz dicht neben mir. Doch erstmal musste ich Duncan noch einen stecken, auch wenn die Sache mit dem Schnarchen eher plump war. Diese lästigen Geräusche gab er nämlich nur von sich, wenn er ordentlich in den Becher geschaut hatte. Aber nichtmal dieser dumme Spruch konnte das Honigkuchenpferdchengrinsen von seinem Gesicht wischen, daß um seinen Mund spielte, seit der Patrischa kennen gelernt hatte. Als die Mädels sich dann in das notdürftig eingerichtete Bad zurückzogen, um sich bettfein zu machen, knüpfte ich mir erstmal meinen Kumpel vor. Denn wer hatte noch Gestern behauptet, daß mein Suchen nach Holly ein Hirngespinst und unglaublich unvernünftig war? Und wer schien jetzt der Liebe auf den ersten Blick verfallen zu sein? „Na Dunky, musst du gleich auch noch ins Bad?“ Verwundert musterte er mich. „Na klar, aber wieso interessiert dich das?“ „Ich wollte nur wissen, ob du dir das schmutzige Grinsen noch aus dem Gesicht wischst?“ Allein das Hochziehen seiner Augebrauen verriet mir, daß ich schon kurz vor seiner Schmerzgrenze angekommen war. „Hey, ich bin schon ruhig! Aber Trischa scheint es dir ja echt angetan zu haben?“ Seufzend ließ er sich auf die karge Matratze fallen. „Und wie..“

Doch bevor ich ihn weiter ausquetschen konnte, stürmte schon ein kleines Mädchen auf ihn zu und ließ sich auf seinen Schoß fallen. „Wenn du Angel einen Gute Nacht Kuß gibst, will ich auch einen.“ Grinsend zerwuschelte er der Kleinen die Haare. „Mit dem größten Vergnügen Mylady.“ Hey, war das nicht das entzückende Wesen, daß ich heute Vormittag mit Duncan gesehen hatte? Sicher, daß ich das gleich herausfinden würde bückte ich mich zu ihr herunter. „Hey Prinzessin, was machst denn du hier?“ Mit großen Kulleraugen sah sie mich an, musterte mich von oben bis unten und sprang von Duncan´s Schoß, um mich etwas genauer aus der Nähe zu betrachten. Altklug verkündete sie dann: „Meine Mama hat gesagt, ich darf nicht mit Fremden sprechen, also musst du dich erstmal vorstellen.“ „Ich bin ein Freund von Duncan und heiße Lee.“ Während sie mir feierlich ihre kleine Hand zum Gruß reichte, stellte sie sich als Sirina vor. „Kannst du auch singen? Duncan hat uns heute ganz viele schöne Lieder vorgesungen.“ „Klar kann ich singen.“ „Aber bestimmt nicht so toll wie Duncan“, stellte sie fachmännisch fest. Herausfordernd grinste mich mein bester Freund an und äffte das bestimmt nicht so toll wie ich nach. „Ich könnte es aber mal versuchen?“ „Ja bitte.“ Freudig kletterte Sirina jetzt auf meinen Schoß und wartete, daß ich endlich anfing.

My love
There's only you in my life
The only thing that's right
My first love
You're every breath that I take
You're every step I make

And I
I want to share
All my love with you
No-one else will do
And your eyes
They tell me how much you care
Oh, yes
You will always be
My endless love

Two hearts
Two hearts that beat as one
Our lives have just begun
And forever
I'll hold you close in my arms
I can't resist your charms


Mit tiefer Stimme fiel Duncan in meinen Gesang ein, während uns Sirina mit großen Augen musterte.

And I
I'd play the fool
For you, I'm sure
You know I don't mind
(No you know I don't mind)
And, yes
You mean the world to me
I know I've found in you
My endless love

And love
I'd play the fool
For you, I'm sure
You know I don't mind
(you know I don't mind)
Oh, yes
You'd be the only one
'Cause no, I can't deny
This love I have inside
And I'll give it all to you
My love (my love, my love)
My endless love


~Patrischa~

Holly und ich standen im Bad und kletterten grad in unsere Pyjamas, als der leise Gesang an unser Ohr drang. „Haben die Jungs einen CD Player mit?“ Mit einem Bein in der Pyjamahose hüpfte Holly zur Tür, öffnete sie einen Spalt und hielt ihr Ohr lauschend heraus. „Kann doch nicht sein! Die singen selber! Verflucht Lee hat aber eine geile Stimme.“ „Und Duncan erst!“ Verträumt musterte ich die Fliesen an der Wand, während ich an den wundervollen Tag dachte, den ich mit diesem einzigartigen Mann verbracht hatte. „Na Schwesterchen, dich scheint das Dunkylein ja mächtig beeindruckt zu haben?“ „Er hat mir zwischen all dem Leid und der Zerstörung einen perfekten Tag geschenkt und mich davon abgelenkt, daß ich mich an Nichts erinnern konnte. Holly, das hat mich wirklich fertig gemacht! Ich musste immer daran denken, daß es da draussen bestimmt Jemand gibt, der mich liebt und der nach mir sucht.“ „Den gibt es ja auch!“ Forschend sah sie mich an. „Ja dich Holly! Aber jetzt hab ich dich ja endlich wiedergefunden.“ Trotzdem sie wohl noch etwas sagen wollte, unterbrach ich dieses Gespräch und zog sie erneut in meine Arme. Ich war so froh, sie wieder zu haben, aber trotzdem hatte ich für einen Tag genug erlebt! Jetzt wollte ich nur noch in Duncan´s Armen liegen, seine weichen Lippen auf meinen spüren und ruhig und fest schlafen!

~Holly~

Es fühlte sich so gut an, in Lee´s Armen zu liegen und zum ersten Mal seit Tagen konnte ich mich wirklich entspannen. Meine Schwester war wieder da und ich hatte noch dazu einen Mann gefunden, der ganz allein wegen mir hier her gekommen war, um mir beizustehen, mich zu unterstützen und mir neuen Mut zu geben. Nie wieder würde ich Lee los lassen, so viel stand fest und ich war mir sicher, dass es das Schicksal war, das uns hier zusammen geführt hatte. Nichts auf dieser Welt geschieht schließlich umsonst….Schon als kleines Mädchen hatte ich an Wunder geglaubt und darauf gehofft, dass mein Märchenprinz irgendwann vor mir stehen würde und jetzt war es endlich geschehen. Ich weiß, ich bin verrückt, dass ich schon so denke, aber das zwischen uns ist etwas ganz besonderes, dass es nur einmal im Leben gibt, dachte ich wohlig seufzend und unendlich tief entschwand ich ins Reich der Träume…

Wasser…schon wieder überall Wasser und ich konnte dem wieder nicht entkommen. Verzweifelt griff ich nach Trischa´s Hand, doch ich erreichte sie nicht und musste mit ansehen, wie sie einfach fort gespült wurde…weg von mir! Verbissen versuchte ich die Schmerzen in meinen Armen zu ignorieren und klammerte mich krampfhaft an einem Baum fest. Die Wassermassen waren unberechenbar, das Tosen wurde immer lauter und ich fragte mich, wofür ich mich noch fest hielt. Ich zitterte vor Kälte und die Müdigkeit übermannte mich. Als die nächste Welle kam, ließ ich, ohne weiter darüber nach zu denken, einfach los. Immer wieder wurde ich unter Wasser gedrückt. Verzweifelt versuchte ich mich über der Oberfläche zu halten, einfach nur Luft in meine Lungen zu saugen, doch stattdessen konnte ich einfach nur schreien….und mein Schreien wurde immer lauter….

~Duncan~

Mitten in der Nacht wurde ich von panischen Schreien geweckt. Zuerst dachte ich, es wäre Trischa, aber auch sie war gerade erst aufgeschreckt und blickte sich desorientiert um. Dann sahen wir Lee….der über einer kreischenden, sich wehrenden Holly kniete. Er hielt ihre Arme fest, weil sie mitten in einem furchtbaren Albtraum steckte und dabei wild um sich geschlagen hatte. Ich robbte zu ihm rüber um meinem Kumpel zu helfen, der ganz schön ins Schwitzen geraten war. Während ich ihre Arme übernahm, schlug Lee ihr sacht gegen die Wange und redete beruhigend auf sie ein, damit sie endlich aufwachte….

Erschrocken riss Holly nun endlich die Augen auf. Ihre Haut war von kaltem Schweiß überzogen und sie zitterte. Fürsorglich legte Patrischa den Arm um ihre kleine Schwester und strich ihr beruhigend durchs Haar. „Schhht, ganz ruhig, Holly“, redete sie leise auf sie ein, während ich Lee einen Blick zuwarf. Er ließ sie zwar gewähren, aber mit Sicherheit wäre er lieber an Trischa´s Stelle gewesen. „Ich….ich hab geträumt, ich könnte dich schon wieder verlieren“, schluchzte die jüngere der beiden Schwestern nun und vergrub ihr Gesicht am Hals meiner Liebsten. „Ist ja gut, es ist vorbei und du wirst nie wieder so etwas durch stehen müssen“, wurde Holly von Trischa beruhigt. Noch eine Weile saßen die beiden Schwestern auf der Matratze, während Lee zu mir rüber gekommen war. „Macht es euch etwas aus, wenn…“, druckste Trischa schließlich rum.

Ungläubig riss ich die Augen auf: „Das ist nicht dein Ernst?!“ Flehend sah sie mich an und ich seufzte tief: „Wenns sein muss, aber dafür verlange ich eine Entschädigung!“ Lächelnd nickte sie, beugte sich zu mir rüber, um mir einen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Das reicht vorerst“, meinte ich und während sich die beiden Mädels unter die Decke auf Lee´s Matratze kuschelten, saß mein bester Freund noch immer neben mir und konnte das gerade geschehen kaum fassen. „Was ist? Ich will noch schlafen, also leg dich gefälligst hin“, murrte ich und deckte mich zu. „Dann musst du mir auch was von der Decke abgegeben, ich kann nicht schlafen, wenn mir kalt ist“, nölte er und ich gab ihm widerwillig ein Stück ab, denn ich hatte vor, noch ein paar Stunden zu schlafen. Rücken an Rücken lagen wir zusammen gequetscht auf der Matratze und jeder zog an einer Seite der Decke. „Dunk, zieh deinen Hintern endlich ein! Ich fall hier gleich raus“, grummelte er schläfrig. „Das gleiche könnte ich dir auch sagen! Außerdem wo willst du denn hin fallen?“, schoss ich gereizt zurück. „Willst du etwa sagen, dass ich einen fetten….“, knurrte Lee. „Was sich liebt das neckt sich“, kicherte Holly, der es nun anscheinend besser ging, und Trischa stimmte mit ein. Brummend zogen Lee und ich uns die Decke ausnahmsweise mal der selben Meinung über den Kopf. Was tat man nicht alles für seine Herzensdame….

~Lee~

Am nächsten Morgen wurde ich wieder von den Geräuschen der sich bereit machenden Hilfskräfte geweckt. Schläfrig öffnete ich die Augen, einen zwei Millimeter, um direkt in Duncan´s Nasenloch zu schielen. Er hielt mich fest im Arm und mein Kopf lag direkt vor seinem. Mit einem lauten „What the hell“ hatte ich mich aus dieser unfreiwilligen Umarmung gerettet und stand begleitet von fröhlichem Kichern neben der Matratze. Auf der Matratze neben uns saßen die zwei Mädels fertig angezogen und hatten anscheinend nur darauf gewartet, dass endlich Einer von uns wach wurde und natürlich hatte es mal wieder mich getroffen. Nicht mal von meinem Geschrei war Duncan wach geworden. Dieser Mann konnte echt immer und überall pennen!

Doch bevor ich ihn wecken konnte, stürmte schon Judy unsere Einweiserin von gestern in den Raum. Mit hochrotem Kopf und völlig außer Atem baute sie sic vor mir auf. „Lee, die englische Presse hat mitbekommen, dass ihr hier seid und sie belagern schon das Krankenhaus, um euch zu interviewen.“ „Shit, wir wollten doch heute mit euch in das Kinderheim in Unawatuna fahren, um da Ordnung zu schaffen.“ Grübelnd legte die junge Frau ihre Stirn in Falten. „Aber es können eh nur zwei mit. Dann fahren die Mädels mit, wobei ich euch Jungs natürlich lieber dabei gehabt hätte“, entschuldigend blickte sie zu Holly und Trischa „die sind halt doch ein bisschen stärker! Also überlegt es euch! Auf alle Fälle will ich von den Pressefutzis gute Werbung für unsere Organisation haben.“ Und schon war sie wieder abgerauscht. „Und nun?“ Holly saß mir schmollend gegenüber. Nach einer kleinen Matratzenkonferenz auf der Matratze beschlossen wir, dass Trischa, die heute früh offiziell für einsatzfähig erklärt war, und ich mit zum Kinderheim fahren würden. Holly, die nach ihrem Albtraum noch ein wenig angeschlagen wirkte und Duncan sollten erst das Interview mit der Presse durchziehen und später mit dem Leihwagen zum Kinderheim nachkommen.

~Patrischa~

Langsam beugte ich mich über meinen schlummernden Freund, um ihn mit einem sanften Kuss zu wecken. Als er meine Lippen auf seinen spürte, umschlang er mich mit seinen Armen und zog mich neben sich auf sein Lager. „Guten Morgen Angel.“ Das süße Lächeln aus den halb geöffneten Augen ließ mein Herz höher schlagen. „Hi Duncan, ausgeschlafen?“ „Nicht wirklich, war ziemlich eng neben Ryan! Aber als erstes am Morgen dein wunderschönes Gesicht zu sehen, würde mich für Alles entschädigen.“ Wieder spürte ich seinen Mund auf meinem und eine Minute gaben wir uns nur der Süße dieses Kusses hin, bevor ich mich seufzend von ihm löste. „Ich hab aber noch schlechte Neuigkeiten für dich. Lee und ich fahren gleich zu einem Kinderheim im Nachbarort, das dringend aufgebaut werden muss.“

Ruckartig setzte er sich neben mir auf und sah mich traurig an. „Und ich?“ Bei seinem fast beleidigten Gesichtsausdruck musste ich fast lachen. „Hey Schatz, sei nicht traurig! Du hast die ehrenvolle Aufgabe, der englischen Presse gemeinsam mit Holly ein Interview zu geben.“ „Aber ich hätte den Tag viel lieber mit dir verbracht.“ Seine Finger hatten sich bei diesen Worten mit meinen verschlungen und gerührt betrachtete ich diese enge Verbindung. Unglaublich, dass ich schon nach einem Tag das Gefühl hatte, zu ihm zu gehören. „Ich möchte aber gern, dass Holly hier bleibt, da sie echt noch ein wenig angeschlagen von heute Nacht ist und Lee hat gesagt, du kannst einfach am besten mit der Presse umgehen.“ „Na gut, aber nur für dich Angel!“ Wie gern hätte ich noch ein wenig den Augenblick genossen, doch Judy rief bereits nach Lee und mir, der die Wartezeit mit Holly im Nachbarraum verbracht hatte. So blieb uns nur noch ei kurzer Kuss und ein Winken.

~Duncan~

Na ganz toll, während Lee nun mit meiner Süßen los zog, durfte ich mich mit der Presse herum schlagen. Ich konnte zwar gut mit denen reden, besser als Lee, den sie nicht so wirklich ernst nahmen, trotzdem buddelte ich lieber stundenlang im Dreck herum, als langweilige Fragen zu beantworten und zum aber hunderttausendsten Mal kategorisch zu erklären, dass mein Privatleben niemand etwas an ging. Diese Aasgeier stürzten sich nämlich auf sämtliche Informationen, die auch nur annährend nach einer Schlagzeile aussahen und ich legte nun wirklich keinen Wert darauf, für alle Welt ein offenes Buch zu sein. Jemand muss mich wirklich daran erinnern, dass ich mich bei Ryan bedanke…

Nachdem Trischa weg war, ließ ich mich der Länge nach wieder zurück fallen und schloss die Augen. Die letzte Nacht war wirklich nicht sehr angenehme. Lee hatte Ellebogen, für die er einen Waffenschein bräuchte und dauernd hatte ich eine Hand von ihm im Gesicht. Noch so eine Nacht stehe ich nicht durch und wenn ich eins brauchte, dann war das mein Schlaf!

„Hier, damit du wach wirst“, verwundert schlug ich erneut die Augen auf und erblickte Holly, die mir einen dampfenden Kaffee Becher unter die Nase hielt, „Lee meinte, dass sei das einzigste, um dich richtig wach zu kriegen…“ „Da hat unser Kleiner ausnahmsweise mal recht gehabt“, nickte ich dankbar und nahm ihr die Tasse ab. Vorsichtig setzte ich mich auf, um ja nichts zu verschütten und nippte an meinem Wachmacher. Über den Rand der Tasse hinweg sah ich Holly, die mich intensiv musterte. „Hat Lee mich angesabbert oder was?“, witzelte ich. „Warum ziehst du immer so über ihn her? Außerdem behandelst du ihn wie einen kleinen Jungen“, erwiderte Holly ernst. „Tu ich das?!“, gluckste ich und stelle vorsichtshalber das Getränk ab. „Würdest du vielleicht mal ernst bleiben?!“, meckerte sie, „Ich versuche hier, vernünftig mit dir zu reden und was machst du…du…du…“ Ich konnte schon fast sehen, wie kleine Rauchwölkchen aus ihren Ohren stiegen und um sie nicht noch mehr zu reizen, verkniff er sich sein Grinsen.

„Ich befürchte, unser Nesthäkchen wird mich bald nicht mehr brauchen…“, seufzte ich etwas wehmütig. Irgendwie war es zu meiner Gewohnheit geworden immer und überall auf ihn auf zu passen und ihn von Unsinn abzuhalten. Kein Wunder, nach der langen Zeit und was wir alles schon miteinander erlebt haben. Damit konnte man ganze Bücher füllen… „Wie meinst du das?“ „Ich glaube, du bist die Frau, die Lee in den Griff kriegen kann und dann braucht er mich, seinen großen Bruder nicht mehr.“ „Aber du bist doch nicht sein Bruder…ihr seid doch befreundet…oder habt ihr uns was verschwiegen…“, sie war sichtlich verwirrt. Milde Lächelnd legte ich die rechte Hand auf mein Herz: „ Doch, hier bin ich es schon! Ich weiß, dass du mich nach meiner Vorstellung gestern nicht sonderlich leiden kannst! Ich habe so reagiert, weil er sich leicht in Sachen verrennt. Man sagt immer, Menschen lernen aus ihren Fehlern, nur nicht Lee. Er handelt unüberlegt und impulsiv und ich wollte ihm einfach weitere Enttäuschungen ersparen. Kannst du das verstehen?“ Stumm nickte Holly, während sie nervös ihre Hände knetete. „Hat es dir die Sprache verschlagen?“ „Nein, ich könnte mir grade nur ziemlich in den Hintern treten, wegen gestern…Ich hab dich für ein richtiges Ekel gehalten, das seinem Freund nichts gönnt und…. “ „Ach kein Ding, ich kanns dir nicht verübeln und ich werde dir heute beweisen, dass ich nicht so bin….wir haben ja genug Zeit, bis wir mit der Presse fertig sind…“

Nachdem ich meinen Kaffee getrunken hatte und in frischen Klamotten steckte, stellten wir uns gemeinsam der Presse, die schon ungeduldig wartete. „Da sind Sie ja endlich, Mr. James, wir haben Sie schon erwartet“, begrüßte mich ein mir bekannter Reporter namens Mr. Smith. „Ja, ja, nur keine Hektik“, brummelte ich und ließ mich auf einem Stuhl nieder, während sich Holly neben mich setzte. Die Reporter versammelte sich vor uns und stellten Fragen über Fragen, wie wir hier her gekommen waren, wer die Idee hatte, was wir alles schon gemacht hatten und so weiter und sofort. Geduldig beantwortete ich eine Frage nach der anderen. Ich schwärmte über Lee´s Hilfsbereitschaft, wobei ich jedoch Holly absichtlich weg fallen ließ. Die Presse musste nun wirklich nicht alles wissen, was auch der Grund war, weshalb ich meinen kleinen Ohnmachtsanfall nicht erwähnte. Ich konnte mir nämlich schon genau die Schlagzeile ausmalen….“Blue – Sänger Duncan James ein Weichei und Versager auf ganzer Linie“ Bei diesem Gedanken schauderte ich. Nein, das musste nun wirklich nicht sein! „Diese reizende junge Frau neben ihnen ist uns ja schon bekannt…und Ihnen wohl auch, Duncan“, setzte Mr. Smith an, worauf ich ihn misstrauisch musterte. Warum wusste ich nur, was da gleich wieder kommen würde?!?

~Holly~

Anscheinend hatte ich mich wirklich geirrt. Duncan schien doch nicht so ein Arsch zu sein, für den ich ihn erst gehalten hatte. Entspannt zurück gelehnt erzählte er, ohne dabei genau ins Detail zu gehen, dass es Lee´s Idee gewesen war, hier her zu kommen und was sie bisher erlebt hatten. Meine Schwester und mich ließ er dabei jedoch unter den Tisch fallen, wofür ich ihm sehr dankbar war. Ich wiegte mich eigentlich schon ziemlich in Sicherheit, bis jedoch dieser eine Typ auf mich anspielte und das ziemlich eindeutig. Augenblicklich verfinsterte sich Duncans Miene und er verschränkte die Arme vor der Brust. „Was wollen Sie wissen?“ „Kommen Sie, Duncan, diese bezaubernde junge Lady sitzt doch nicht umsonst an ihrer Seite….und wird ab jetzt sicher abends neben Ihnen liegen“, zwinkerte der Reporter ihm breit zu. Empört schnappte ich nach Luft. Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein? Ich wollte gerade aufspringen und diesen allzu neugierigen Reporter zur Schnecke machen, doch Duncan legte beschwichtigend seine Hand auf meine.

Er wirkte nüchtern gefasst, doch ich sah ihm an, dass er stinksauer war. „Erstens: Für Sie immer noch Mr. James! Zweitens: ändert die Tatsache, dass wir uns in einem anderen Land befinden nichts daran, dass ich keine Fragen zu meinem Privatleben beantworte und drittens: sollte irgendwer irgendeine Lüge verbreiten, dann kriege ich das raus, lassen Sie sich das versichert sein!“, er atmete tief durch, „Hat jemand noch eine Frage?“ Finger schossen in die Höhe. „Eine, die nichts mit meinem Privatleben zu tun hat?“ Belustigt sah ich zu, wie die Reporter ihre Finger resigniert sinken ließen. Er hatte ihnen ganz schön den Wind aus den Segeln genommen. Erleichtert sah ich, wie er aufstand, sich damit entschuldigte, dass es noch jede Menge zu tun gab und wir los müssten. Ich folgte ihm raus zum Auto und ließ mich auf den Beifahrersitz plumpsen. „Springst du immer so mit denen um?“, fragte ich, während Duncan den Mietwagen entlang der Küste lenkte, um zu dem Kinderheim zu fahren, dass einige Kilometer von unserem Dorf entfernt war. „Wenn mir danach ist“, grinste er, wurde aber gleich wieder ernst, „Ich habe keine Lust, mir das gefallen zu lassen. Ich bin ein Mensch, wie jeder andere auch und das haben die gefälligst zu akzeptieren. Lass uns lieber von was anderem reden, sonst krieg ich nur schlechte Laune.“ Das war mir mehr als recht und wir führten ein wirklich angeregtes Gespräch, plauderten über Gott und die Welt, bis Duncan zu einer wirklich interessanten Feststellung kam….

~Duncan~

„Wir haben uns verfahren!“ „Nicht dein Ernst?!“ „Ich fürchte schon“, seufzte ich und kramte die Karte hervor. Oh man, nicht schon wieder, dachte ich grummelnd während ich versuchte unseren Standpunkt auszumachen, was nicht gerade leicht war. „Wie wärs, wenn wir auf gut Glück weiter fahren und im nächsten Dorf fragen, wo wir sind?“, schlug Holly vor und ich stimmte zu. Was blieb mir auch anderes übrig? Also startete ich wieder den Motor und fuhr weiter. Es dauerte mit Sicherheit eine Stunde, bis wir in einem Dorf ankamen und dort mussten wir erst mal jemanden finden, der uns den Weg erklären konnte, schließlich wollte ich nicht schon wieder in der Pampa landen. Nachdem wir endlich eine ziemlich genau Wegbeschreibung hatten, die mir verdeutlichte, dass wir entschieden zu viel gequasselt hatten und uns weit von unserem eigentlichen Kurs abgebracht hatte, war es nun etwas stiller geworden. Inzwischen war es nämlich schon nachmittags geworden und ich wollte ganz sicher nicht abends oder sogar nachts in der Wildnis in diesem teuren Leihwagen schlafen…Wer weiß, was hier draußen alles rumlungerte, dachte ich mit einem schaudern und fuhr zügig weiter….

Endlich kamen wir an unserem eigentlichen Ziel an und jetzt hieß es, erstmal Trischa und Lee zu suchen. Galant bot ich Holly meinen Arm an und wir schlenderten durch das Dorf, auf der Suche nach unseren Liebsten. Aufgeregt deutete Holly auf zwei Personen auf je einem Stein sitzend, die ein Brot zu verspeisen schienen. Die zwei bemerkten uns nicht, weil sie in eine angeregte Unterhaltung vertieft waren und so war es ein leichtes für uns, ganz nahe an sie heran zu kommen, ohne das sie auf uns aufmerksam wurden. „Na Ryan, ich dachte du bist zum arbeiten hierher gekommen und nicht zum mampfen!“, sprach ich ihn plötzlich laut an, so dass er zusammen zuckte. „Bist du wahnsinnig, mich so zu erschrecken“, meckerte er schlug mir mit der freien Hand gegen den Oberschenkel. „Hast du etwa ein schlechtes Gewissen?“ „Nein, warum sollte ich? Denn ICH habe ja gearbeitet, während du ja mal wieder hast auf dich warten lassen…“, bemerkte er spitz. „Ich habe auch gearbeitet, wenn ich dich daran erinnern darf und das mal wieder dank dir! Nur weil ich nicht gleich ausraste, wenn man mir unangenehme Fragen stellt, muss ich die Drecksarbeit machen“, grummelte ich. „Drecksarbeit? Also wenn ich dich so angucke und mich, dann glaube ich, habe ich mehr Dreck an mir als du! Aber du kannst gerne was davon abhaben“, grinsend stand er mit ausgebreiteten Armen auf, um mich zu umarmen. Erschrocken wich ich zurück und benutzte die kichernde Holly als Schutzschild. „Kommt ja gar nicht in die Tüte, mein Freund….es sei denn du setzte deine Freundin aufs Spiel.“ Einen Moment überlegte er und setzte sich dann wieder hin. Es war genau das eingetreten, was ich erwartet hatte…oh man, der Kleine war für mich wie ein offenes Buch…

Bevor wir uns zu Trischa und Lee setzten, stellte sich Holly auf die Zehenspitzen, um mir etwas ins Ohr zu flüstern: „Wir hatten keinen gute Start und ich hoffe, dass wir das vergessen können, Dunk und Freunde werden?!“ Ich nickte und setzte mich zu Trischa, die sich gleich zufrieden lächelnd an mich schmiegte. Wahrscheinlich wusste sie genau, was Holly mit da gerade ins Ohr geflüstert hatte…Schwestern eben… „Was gab es dann da zu tuscheln?“, harkte Lee mit einem eifersüchtigen Unterton nach, der nun wirklich nicht zu überhören war. „Nichts Lee! Außerdem musst du auch nicht alles wissen“, sie zwinkerte mir zu, bevor sie das protestierende Nesthäkchen in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelte, der Ryan ganz und gar ruhig stellte….

~Lee~
Ich konnte es gar nicht gut haben, wie meine Süße da an Duncan hing! Reichte ihm eine Schwester nicht? Doch wieder einmal tat Holly genau das Richtige, um diesen kleinen bösen Funken namens Eifersucht in mir zu ersticken, mich küssen. Ihre Lippen auf meinen ließen mich fast meinen Namen vergessen und ich war mir des dümmlichen Grinsens, was meinen Mund nach diesem Kuß umspielte, nur zu bewusst. Das war keine kleine Verliebtheit mehr! Das war Liebe und zwar zum ersten Mal in meinem Leben! Ich liebte Holly und zwar von ganzem Herzen! Doch einen Moment später war mir, als würde ich zu Eis erstarren. Wir hatten nicht mal mehr zwei Wochen miteinander und was würde dann passieren? Waren ihre Gefühle genauso wie meine? Würden wir auch auf diese lange Entfernung zusammen bleiben?

„Lee?“ Der helle Klang ihrer Stimme riß mich aus meinen Gedanken. „Ich dachte, wir wären zum helfen hier oder willst du weiter Löcher in die Luft starren? Dunk und Trischa sind schon am buddeln.“ Ich wusste dies war weder der rechte Augenblick noch der richtige Ort, aber ich musste es einfach jetzt loswerden. Sanft zog ich sie in meine Arme und schaute tief in ihre amüsiert funkelnden Augen. „Holly, ich weiß es klingt doof und unüberlegt. Aber ich liebe dich!“ Bei den ersten Worten hatte sie noch gelächelt, doch jetzt war jedes Lachen aus ihren Zügen verschwunden.

~Patrischa~

Lächelnd beobachtete ich wie Holly in Lee´s Armen lag und die Beiden sich leidenschaftlich küssten. Da hatte meine kleine Schwester doch einen echt sympathischen jungen Mann aufgegabelt, der ihr noch dazu völlig verfallen schien. Hoffentlich konnte sie mit seinen Gefühlen umgehen, denn soweit ich wusste, war mein Schwesterchen noch nie verliebt gewesen. Was nicht hieß, daß sie bislang keinen Freund gehabt hätte, nur war sie nie wirklich mit dem Herzen dabei gewesen. Sie glaubte an die große Liebe und war bereit darauf zu warten. Ich für meinen Teil hatte diese Hoffnung schon längst aufgegeben und lächelnd musste ich mich an die langen Diskussionen mit Holly erinnern, bei denen sie mich immer wieder versuchte, vom Gegenteil zu überzeugen.

Doch dann fiel mein Blick auf Duncan und plötzlich schien mir Holly´s Theorie gar nicht mehr so dumm zu sein! Schließlich hatte ich mich ihm so schnell verbunden gefühlt, wie nie einem Menschen zuvor! Und genau diese Verbundenheit spürte ich wieder, als sich zwei Arme sanft um mich schlangen und jemand warme Küsse in meinen Nacken hauchte. „Wollten wir nicht arbeiten?“ Verspielt stupste ich gegen sein Kinn. „Ja und das haben wir ja auch schon soooo lange! Deswegen hab ich mir ja auch einen Kuß verdient!“ Wie ein kleiner Junge mit bettelndem Gesicht stand er vor mir. „Ach, hast du das?“ Sein entschlossenes Nicken und der kleine Flunsch, den er zog, überzeugten mich schließlich. „Na gut, aber danach machen wir weiter!“

~Duncan~

Als ich Trischa dort stehen sah, wie sie verträumt zu Lee und ihrer Schwester hinüber sah, konnte ich einfach nicht anders, als meine Arme um sie zu schlingen und einen Kuss zu fordern. Ich hoffte, dass sie mir diese Bitte nicht abschlagen würde und meine geschmollte Schnute half mir dabei. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihre Lippen ganz leicht auf meine. Wenn sie dachte, dass mir das reichen würde, hatte sie sich aber ganz gewaltig getäuscht… Entschlossen, mir mehr zu holen, zog ich sie mit einem Ruck an mich und intensivierte den Kuss. Meine Zunge fand den Weg in ihren Mund und sie seufzte kaum hörbar. Minutenlang standen wir eng umschlugen da, in denen ich einfach nicht von ihr ablassen konnte…jedenfalls so lange bis sie sich schwer atmend von mir löste. „Ich denke, das sollte erstmal genügen“, keuchte sie und hielt partout von mir Abstand. „Also ich bin mir da nicht so sicher….“, grinste ich und versuchte ihr wieder näher zu kommen. „Nix da, wir haben noch genügend Arbeit vor uns! Also los, mach dich wieder ans Werk!“, scheuchte sie und ich gehorchte artig. Allerdings beugte sich Trischa nicht nach unten, so wie ich, sondern blieb stehen. Grinsend bemerkte ich ihre Blicke auf eins meiner ganz bestimmten Körperteile und fing kindlich an zu kichern. Mittlerweile hatte ich ein Gespür dafür, wann Frauen auf meinen Hintern starrten und brauchte mich nicht mehr umzudrehen. Mein Job brachte es mit sich, dass ich, ich drücke es mal nett aus, mich fühlte wie Freiwild. Ein Streichelzoo war manchmal nichts dagegen…Ich meine, steht auf meiner Stirn „Touch me“ geschrieben“?

Trischa´s Blicke jedoch machten mir rein gar nichts aus, ganz im Gegenteil. „Willst du mal anfassen?“, frech grinsend drehte ich mich zu ihr um, worauf Trischa sich augenblicklich aus ihrer Starre löste und mich anfunkelte. „Ich wusste ja gar nicht, dass du so eingebildet bist“, schnaubte sie und in ihrer Stimme schwang gut hörbar deutlich Empörung mit. „Tz tz….so ein abfälliges Wort…ich würde es eher Selbstbewusst nennen“, grinste ich und sie stemmte die Hände in die Hüften. „Da gehen unsere Meinungen dann wohl etwas auseinander“, rümpfte sie die Nase und fing an zu arbeiten. „Macht nichts…wir können das ja auch auf nachher verschieben“, lachte ich, weil ich ihren Gesichtsausdruck zu niedlich fand, und half ihr, denn Lee und Holly hatten es ja anscheinend nicht nötig, sich mal nützlich zu machen…

~Holly~

Was hatte er da nur gesagt? War es wirklich sein Ernst gewesen oder war es nur eine Art Urlaubsflirt? Obwohl man das hier wirklich nicht als Urlaub bezeichnen kann… In diesem ganzen Unglück um uns herum hatte ich die große Liebe….nein…MEINE große Liebe gefunden und das wurde mir erst jetzt so richtig bewusst, als er mir tief in die Augen sah und sein Geständnis nun noch einmal wiederholte. Lee war anders als die anderen zuvor. Er war…wie sollte ich ihn beschreiben…Kein Mann, der oberflächlich an eine Sache ran ging und noch niemand hatte so etwas getan, was Lee für mich getan hatte. Er musste…nein, er war einfach etwas ganz besonderes und ich war furchtbar glücklich, dass er solche Gefühle für mich hegte, denn er konnte wirklich jede andere haben…

„Holly, bitte sag was! Ich…wenn du nicht die gleichen Gefühle für mich hast, dann ist das okay und ich werde versuchen, damit zurecht zu kommen, aber sag etwas. Quasi über Nacht habe ich mein Herz an dich verloren und ich muss wissen, woran ich bin, wie wichtig ich dir bin…wie viel dir unsere….“Beziehung“ bedeutet….ob ich mir umsonst Hoffnungen mache und dich nach dieser Zeit nie wieder sehe….Bitte…Lass mich nicht im Unklaren!“, flehte er und klang dabei so verzweifelt, dass ich heftig schlucken musste. Mir selbst musste ich nun eingestehen, dass er mir in der wenigen Zeit, in der wir uns kannten, unheimlich wichtig geworden war und ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen konnte. Er war für mich stark gewesen, als ich in der schlimmsten Zeit meines Lebens schwach war, als ich nicht die Kraft hatte, an die Zukunft zu glauben und schon allein deshalb würde ich ihn niemals vergessen. Doch auch noch etwas anderes hatte er in mir ausgelöst…nämlich so lieben zu können, wie ich es vorher noch nie getan hatte….

Entschlossen sah ich ihn an und diesmal war er es, der schluckte. „Ich liebe dich auch, Lee“, lächelte ich und fiel ihm einfach um den Hals. „Ich….ich….“, stotterte er, was ich mit einem leidenschaftlichen Kuss beendete. „Sag nichts“, hauchte ich dazwischen und verlor mich vollkommen in ihm, in diesen Mann, der sich spielend leicht in mein Herz geschlichen hatte. Ich glaubte ganz fest an uns, das wir eine gemeinsame Zukunft hatten. Das sich unsere Wege bald trennen würden, daran wollte ich nicht denken, ich konnte einfach nicht, denn ich war fest davon überzeugt, dass wir auch dafür eine Lösung finden würden….gemeinsam….

~Lee~

Ich fass es nicht! Sie liebt mich auch! Wie kann das nur sein? Ich hätte vor Holly nie gedacht, daß es eine Freu geben könnte, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen wollte! Aber Holly war diese Frau! Ihr Leben spielte sich zwar tausende Kilometer von London entfernt ab, aber unsere Liebe würde diese Entfernung überstehen, schließlich konnte ich meine freie Zeit ja so verbringen, wie ich wollte und an dem nötigen Kleingeld fehlte es mir ja glücklicherweise auch nicht mehr! Egal wie, wir würden eine Lösung finden, damit wir weiterhin zusammen bleiben konnten!

„Hey ihr Zwei! Langsam habt ihr genug gekuschelt! Wie wär es mal mit arbeiten?“ Duncan! Musste dieser Mensch einem eigentlich auch jeden Tag versauen? „Ja ja, du alter Sklaventreiber, wie legen ja schon los!“ Seufzend entließ ich Holly aus meinen Armen, die Trischa und Duncan vergnügt zuwinkte. Noch einmal zog ich sie in meine Arme, wirbelte sie einmal um mich herum und drückte ihr einen schallenden Kuss auf. „So, nun kann es weiter gehen!“ Holly´s Kichern liebkoste meine Ohren, als ich mir die erstbeste Schaufel griff. „Geliebter Spinner!“ Mit fröhlichen Gesichtern machten wir uns alle Vier an die Arbeit, bis plötzlich ein Klingeln die Stille zerriss...

~Patrischa~

Erschrocken fuhr ich hoch, als plötzlich aus Duncan´s Richtung ein lautes Klingeln startete. Alle Helfer hatten ihren Blick auf meinen Freund gerichtet, als der nervös sein Handy, das diesen ungewohnten Lärm verursacht hatte, aus der Hosentasche zog. „James.“ Duncan sprach mit ruhiger Stimme ein paar Minuten mit dem Anrufer, häufig nur ein ja oder nein von sich gebend, während sich die Helfer aufgeregt um ihn scharrten. Seit der Flutkatastrophe hatten nämlich sämtliche Handys nicht funktioniert und die normalen Telefonleitungen waren ja zerstört worden, weswegen die Meisten nicht mal ihren Familien mitteilen konnten, dass sie noch am Leben waren.

Aus diesem Grund brach sofort ein lautes Stimmengewirr los, kaum das Duncan sein Gespräch beendet hatte. Alle baten oder flehten ihn an, sein Handy einmal benutzen zu dürfen, um ihre Familien zu kontaktieren. Vorsichtig hatte ich mich aus der Menschenmenge geschlichen und stand neben Holly und Lee, als Duncan sich zu uns gesellte. „Tja mein Firmenhandy bin ich wohl erstmal los!“ Eine junge Chinesin schrie gerade förmlich in das kleine Elektrogerät. Hinter ihr hatten sich die anderen Helfer artig in einer Reihe aufgestellt und warteten auf ihre Chance. „Sieht wohl so aus!“ stimmte Lee seinem Kumpel zu. „Wer war denn das?“ „Jonny, er versucht bereist seit gestern, uns zu erreichen.“ „Oh je!“ Jonny? Wer auch immer das war? „Er ist fuchsteufelswild gewesen. Bereut es wohl ordentlich, dass er uns hat fliegen lassen, da er die Situation komplett unterschätzt hat.“ Ein eher schmutziges Grinsen überzog Lee´s Gesicht bei diesen Worten. „Das hab ich schon vermutet. Jetzt reicht ihm mein Babysitter wohl nicht mehr!“

Doch Duncan ging gar nicht auf Lee´s Scherz ein, sondern senkte nur traurig den Blick. „Lee, er hat sich wirklich Sorgen gemacht! Mittlerweile verstopfen die Nachrichten über die Flutkatastrophe wohl Fernsehen und Zeitungen. Allein hier in Galle gab es 6000 Flutopfer.“ Unsere gerade noch so euphorische Stimmung wurde von diesen Zahlen schlagartig ernüchtert. Oh Gott! So viele Menschen hatten hier in den Wassermassen sterben müssen! Mit Tränen in den Augen berichtete Duncan weiter. „Und es hat nicht nur Sri Lanka so schlimm getroffen, auch Thailand, Indien und viele andere Küstenorte sind schlimm betroffen. Man spricht von bis zu 200000 Toten!“ Tief getroffen schmiegte ich mich an Duncan und auch Holly und Lee standen eng umschlungen. Was für ein Glück wir doch gehabt hatten! Wie viele Menschen hatten ihre Liebsten bei diesem Unglück verloren, wie viele Kinder ihre Eltern verloren?

Plötzlich hob Holly den Kopf. „Oh Gott, Mum und Dad wissen ja auch noch gar nicht, ob wir noch am Leben sind! Wir müssen sie sofort anrufen!“ Mum? Dad? Das waren Begriffe, Namen, die mir nichts sagten, denn mir wurde in diesem Moment bewusst, daß ich mich zwar an meine geliebte Schwester, aber nicht an mein Leben oder meine Familie erinnern konnte. Holly war schon drauf und dran sich in die Schlange um Duncan´s Handy einzureihen, als Lee sie am Arm festhielt. „Dunk? Hast du dein Privathandy nicht auch noch dabei?“ Nach einem kurzen Zögern und einem fragenden Blick in meine Richtung zog er es vorsichtig aus seiner Hemdtasche und gab es Holly. „Kommst du mit mir Trischa?“ Jetzt hieß es wohl Farbe bekennen! Doch Duncan war bei mir und wie durch einen siebten Sinn schien er verstanden zu haben, daß mir etwas auf der Seele lag, was ein leichter Druck an meiner Hand mir zu verstehen gab. „Ich kann sie nicht mir dir anrufen Holly! Ich kann mich nicht an sie erinnern.“ Schockiert sah Holly mich an. „Was?“ Mittlerweile suchten sich kleine Wasserbäche den Weg über meine Wangen. „Es tut mir leid! Ich würde so gern, aber es geht einfach nicht.“ Schluchzend verbarg ich meinen Kopf an Duncan´s Schulter. „Holly, richte ihnen doch einfach die liebsten Grüße von Trischa aus und sag nichts weiter von der Amnesie. Sie werden erleichtert genug sein, von euch zu hören!“ Immer noch wurde ich von Schluchzern geschüttelt, als ich schon Holly leise mit unseren Eltern sprechen hörte. Würde es jemals wieder normal sein? Würde ich mich jemals wieder an alles erinnern können?

~Duncan~

„Schhhhht ist ja gut“, versuchte ich eine weinende Trischa zu beruhigen, deren Finger sich mittlerweile in meinem Hemd fest gekrallt hatten und sie es weiter mit ihren Tränen benetzte. Immer schlimmer werdende Schluchzer schüttelten ihren Körper, den sie halt suchend an mich presste. Hilflos sah Lee mich an und zuckte mit den Schultern. Manchmal war er wirklich mehr als unbeholfen, dachte ich, als Trischa plötzlich anfing, ohne Punkt und Komma los zu reden und das mit reichlichen Schluchzern zwischen drin. Sie wimmerte davon, dass sie sich nie wieder erinnern würde. Das sie ihr gesamtes Leben vergessen konnte, im wahrsten Sinne des Wortes, das alles nie mehr so werden würde, wie es war und dass in ihrer Erinnerung keine Eltern existierten…

So langsam steckte mich ihre Verzweiflung an und ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. Ich packte sie an den Schultern, drückte sie von mir weg, schüttelte sie und fuhr sie scharf mit „Patrischa!“ an. Mit geröteten aufgerissenen Augen blickte sie mich an. „Es wird alles wieder gut, hörst du?!“, fuhr ich sanfter fort, „So setzt du dich nur selbst unter Druck! Lass dir Zeit und du wirst dich bald wieder an alles erinnern können!“ Etwas ruhiger schmiegte sie sich nun in meine Arme und weinte lautlos vor sich hin. Gleich darauf kam Holly wieder und berichtete von dem Gespräch mit ihren Eltern. Diese waren unheimlich erleichtert gewesen, endlich von ihren Töchtern zuhören und wollten, dass sie so bald wie möglich nach hause kamen. Holly erklärte ihnen jedoch, dass sie hier noch gebraucht würden und es ihnen so weit gut ginge. Von Trischa richtete sie liebe Grüße aus und sagte ihnen, dass ihre älteste Tochter gerade mit irgendwelchen Kindern beschäftigt war…

Ernst sah Holly mich an und ich nickte. Es war besser, Trischa jetzt zurück zu bringen, bevor sie noch einen Nervenzusammenbruch erlitt, weil sie sich selbst so verrückt machte. Ich nahm sie auf meine Arme und trug sie ins Auto. „Und wer fährt jetzt?“, fragte Lee hoffnungsvoll und betrachtete den Autoschlüssel in meiner Hand, der verführerisch klimperte. „Hier, Holly, fahr du“, ich warf ihr den Schlüssel zu, worauf Lee beleidigt die Lippen schürzte. „Danke, mein….FREUND!“

~Holly~

Trotz der ernsten Situation um meine große Schwester konnte ich mir ein Kichern nicht verkneifen. Lee sah sooo süß aus, wenn er schmollte und das war nun gerade der Fall. Männer….nur, weil er nicht fahren durfte… „Jetzt sei doch nicht so“, ich kniff ihm in die Wange, als er sich neben mir auf dem Beifahrersitz nieder ließ. Er grummelte nur etwas Unverständliches vor sich hin und verschränkte die Arme vor der Brust. „Stell dich nicht so an, Ryan! Mit deinem Porsche kannst du meinetwegen zuhause wie ein Verrückter rum kurven, aber nicht hier und schon gar nicht, wenn die Mädels mit im Wagen sind“, mahnte Duncan leise von hinten und strich der schlafenden Trischa zärtlich über den Rücken. „Du traust mir ja wohl gar nicht“, gab Lee zurück und hörte sich dabei richtig zickig an. „So lange du am Steuer eines Autos sitzt, ganz sicher nicht“, gab Dunk unbeeindruckt zurück, „und damit ist die Diskussion beendet!“ „Wie du meinst…Daddy“, erwiderte Lee patzig und rutschte in seinem Sitz runter. „Das macht er immer so….“, informierte mich Duncan sachlich, „beleidigte Leberwurst spielen, aber irgendwann kriegt er sich wieder ein. Er kommt einfach nicht ohne mich zurecht“, lachte er leise und von Lee hörten wir nur ein Schnauben. „Bleib ruhig, Kleiner und ärger dich nicht! Das gibt nur graue Haare“, stupste sein Kumpel meinen Liebsten von hinten an. „Na, dann kannst du mir ja mal die Adresse von deinem Friseur verraten, da geh ich dann nämlich auch hin, denn anscheinend macht er seine Sache ziemlich gut“, konnte es sich Lee nicht verkneifen ihm noch einen Spruch rein zu drücken, bevor er den Kopf zur Seite drehte und demonstrativ die Augen schloss….

„Triezt ihr euch immer so?“, harkte ich neugierig nach. „Meistens und du kennst die anderen noch nicht“, grinste Dunk in den Rückspiegel. „Na, ihr seid mir ja ne Truppe….Ich glaube, ich muss „die anderen“ auch noch kennen lernen…“, murmelte ich vor mich hin und konzentrierte mich wieder richtig auf die Fahrt. Einige Zeit später kamen wir an unserem Lager an und während Duncan meine Schwester vorsichtig rein trug, weckte ich Lee. „Ich will einen Kuss, ansonsten bewege ich mich nirgends wohin“, murmelte er noch schläfrig und ich erfüllte ihm seine „Bitte“, was er natürlich voll ausnutzte. Zusammen gingen wir rein und erblickten Duncan, der neben Trischa kniete und ihr vorsichtig über die Wange strich. Als er uns bemerkte, stand er auf und kam zu uns herüber. „Ich denke, wir sind uns einig, wenn wir jeden Stress von Trischa vermeiden“, begann er, worauf ich nickte, „Sie ist kurz davor zu verzweifeln und ich befürchte, dass, wenn sie sich weiter so verrückt macht, sie sich nachher an nichts mehr erinnern kann…“

~Lee~

Trischa tat mir echt unendlich leid und auch Holly wurde vom Schicksal ihrer Schwester echt mitgenommen. Sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern zu können, musste einfach fruchtbar sein! Meine Kindheit mochte nicht immer rosig gewesen sein, aber das hatte die Liebe meiner Mum und meiner Schwester mehr als wettgemacht! Und diese Beiden für mich so unendlich wichtigen Personen vergessen zu können, war eine furchtbare Vorstellung! Oder auch die tolle Zeit mit Blue und den Jungs. Wir mochten zwar ein schräger Haufen sein, der sich so oft es ging gegenseitig neckte, aber die Jungs waren meine zweite Familie geworden. Allein der Gedanken daran ließ mich schaudern!

Mittlerweile hatte diese traurige Stimmung uns alle ganz fest in der Hand, weswegen ich spontan beschloss, dass das sofort geändert werden musste! Die Mädels mussten einfach mal von dem ganzen Leid hier abgelenkt werden! Während ich losstiefelte, um etwas Passendes ausfindig zu machen, blieben Holly und Duncan Karten spielend an Trischa´s Bett zurück. Zufrieden bemerkte ich, dass meine Süße Duncan anscheinend haushoch überlegen war und er schon langsam einen Flunsch zog, denn ein guter Verlierer war er nicht gerade!

Vorsichtig lenkte ich den Leihwagen durch die zerstörten Gassen Galle´s. Von wegen Rasen, als ob man in diesem Chaos schnell fahren konnte! Aber seit einer etwas außer Rand und Band geratenen Fahrt mit meinem Porsche, die in einem winzig kleinen Dreher geendet hatte, war Duncan von meinem Fahrstil nicht mehr allzu überzeugt! Wie weit weg das Alles doch bei dem Leid und Schmerz hier schien! Eine ganz andere Welt! Eine Welt, die ich zu vermissen begann! Eine Welt, die ich so gern mit Holly teilen würde!

Nach etwa einer Stunde hatte dann endlich ich gefunden, was ich gesucht hatte! Das war einfach die perfekte Idee und würde einen Hauch von Normalität zurück in unser Leben bringen! Und um den Abend noch zu verbessern, hielt ich auf dem Rückweg auf dem kleinen Markt, den die Einheimischen schon wieder aufgebaut hatten und erstand für die Mädels ein paar neue Sachen, denn sie hatten ja bei dem Unglück alles verloren! Ich hatte ihnen zwar ein paar T-Shirts von mir geben können, aber sie liefen seit der Flut immer in derselben Jeans rum. Alles andere hatten die Wassermasse ihnen genommen! Die neuen Sachen waren zwar nichts besonderes, aber in dieser Situation würden sie ausreichen müssen! Nachdem die nette Verkäuferin alles in eine Papiertüte gepackt hatte, machte ich mich mit einem siegessicheren Lächeln auf den Weg zu unserem Lager.

~Patrischa~

Ein leichtes Rütteln an meiner Schulter und ein sanfter Kuss auf die Wange holten mich aus meinem tiefen und traumlosen Schlaf. „Hi mein Schatz, hast du gut geschlafen?“ Besorgt musterten mich seine blauen Augen. „Ich hab geschlafen wie ein Stein!“ Langsam hatte er sich bei meiner Antwort hinter mich gleiten lassen, so daß ich mich an ihn lehnen konnte und sicher in seinen Armen lag, während er liebevoll seine Hände durch meine schwarzen Locken gleiten ließ. Die kreisenden Bewegungen lösten ein herrlich entspannendes Kribbeln meiner Kopfhaut aus und ich hätte am liebsten geschnurrt. „Du hast dir auch gleich ein bisschen viel zugemutet! Vielleicht hätten wir dich noch nicht mitnehmen sollen?“ Ich wusste, dass er sich nur Sorgen um mich machte und wollte, dass es mir besser ging, aber ich konnte nicht mehr so untätig Rumsitzen! Dann hätte ich ja noch mehr Zeit über meine Vergangenheit nachzugrübeln und danach würde ich nur noch mehr am Ende sein! „Es geht mir gut, Duncan! Und es ist ein gutes Gefühl, mitzuhelfen!“ Bei diesen Worten war ich aufgesprungen und wollte aufgeregt im Raum herum laufen, doch Duncan packte mich und zog mich in seine Arme. „Ich versteh dich, aber für heute reicht es! Lee und Holly holen ein paar Einkäufe aus dem Auto, dann wirst du duschen und dich ein wenig hübsch machen und dann gehen wir aus!“ Meine Augen weiteten sich vor Überraschung. „Ausgehen? So richtig? Wohin?“ „Lass dich einfach überraschen!“ Sein Mund senkte sich hungrig auf meinen, um jede Frage im Keim zu ersticken. Weich und zart, rau und fordernd, ließ er mich alles um mich herum vergessen. Seine Zunge ging auf Abenteuerreise durch meinen Mund, knabberte an meinen Lippen, bis ich mich nur noch erschöpft an ihn lehnen konnte. „Wie die Teenies!“ Ganz versunken in diesen Kuss, hatten wir beide nicht bemerkt, dass Holly und Lee bereits neben uns standen und jetzt lauthals lachten. „Könnt ihr dieses Gesabbere nicht mal auf später verschieben? Wir haben ein Date!“

Holly hüpfte von dieser Aussicht höchst begeistert durch den Raum, eine braune Papiertüte in der Hand schwenkend. „Lee hat uns was zum anziehen gekauft und wir gehen aus.“ Wie ein kleines Kind sang sie diese Worte vor sich hin. „Was zum anziehen?“ Allein der Gedanke, mal wieder etwas Sauberes auf der Haut zu spüren, verzückte mich total. „Dann laß uns duschen gehen!“ Unbeschwert und fröhlich lief ich mit Holly in den Duschraum, wo zu unserem Glück, niemand sonst war. Kaum in dem gekachelten Raum angekommen, stürzten wir uns neugierig auf die große Tüte. Holly brachte als erstes Duschgel, Haarshampoo und eine Bürste zum Vorschein, was uns Beide glücklich aufstöhnen ließ. Hygieneartikel waren seit der Flutkatastrophe kaum zu bekommen und ich hatte schon das Gefühl gehabt, nie mehr wirklich sauber zu sein! Wasser allein reicht einfach nicht!

Ungeduldig, was noch zum Vorschein kommen würde, griff ich nach der Tüte, um meine Hand mit zwei Paar einfachen weißen Baumwollturnschuhen raus zu ziehen. Selbst auf die richtige Größe hatte Lee geachtet. Doch ein lauter Juchtzer von Holly ließ mich die Schuhe schnell vergessen, denn jetzt zog sie zwei einfache Sommerkleider aus dem Papiersack. Schlicht geschnitten, knielang, aus duftender Baumwolle und einfach herrlich! „Egal, was du sagst Trischa, das rote ist meins!“ Grinsend hielt Holly das Kleid vor ihren Körper und drehte sich fröhlich im Kreis, den roten Stoff wie eine Fahne um sich schwenkend. Vorsichtige versenkte ich meine Finger in dem weichen Stoff des übrig gebliebenen Kleides. Weich, so herrlich weich!

Mit einem Teil unser neu gewonnenen Reichtümer verschwanden wir kurz darauf unter der Dusche. Allein für das Gefühl richtig sauber zu sein und für all diese wundervollen Dinge, hatte sich Lee einen dicken Kuß verdient! Nachdem wir uns beide noch mit der Bürste bearbeitet hatten, gingen wir wieder zu den Jungs, die nebeneinander an die Wand gelehnt auf uns warteten. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren, denn Duncan gackerte nicht gerade mannhaft los. Jedenfalls bis sich unsere Blicke trafen, denn da ging das Lachen sofort in ein Husten über. Lee schlug seinem Kumpel freundschaftlich auf den Rücken, bis auch er Holly entdeckte und mitten in der Bewegung inne hielt. Dabei sahen wir bestimmt nicht besonders aus, aber in den Blicken der beiden Männer stand ein Verlangen, was ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ein Gefühl, bei dem ich mir sicher war, es noch nie gespürt zu haben! „Also wir wären bereit loszufahren!“ Holly hatte sich als erste wieder gefangen und drängte nun zum Aufbruch, gespannt wie ein Flitzebogen, was uns wohl erwarten würde. „Darf ich mich auch noch umziehen?“ Lee und Duncan hatten ja noch ihre Arbeitsklamotten an. „Na gut, aber in fünf Minuten geht es los!“ Holly drehte sich, den Rock des Kleides um sich schwingend, fröhlich im Kreis.

~Lee~

Eines Tages würde mich diese Frau noch um den Verstand bringen! Während ihres kleinen Tanzes flog der Rock so hoch, daß mir ein wundervoller Blick auf ihre braun gebrannten, schlanken, perfekten Beine geboten wurde. Flott kramte ich meine Sachen zusammen und zog den immer noch sprachlosen Duncan hinter mir her in die Dusche. „Wo hast du nur diese Kleider her, Ryan? Trischa sieht aus wie ein Engel in dem weißen Kleid!“ Zufrieden grinste ich vor mich hin. „Deswegen habe ich es auch gekauft. Und Holly ist die leibhaftige Sünde! Deswegen das Rote! Hatte schon Angst, daß die Mädels die Kleider tauschen, dann hätte ich mir wohl deine Freundin schnappen müssen!“ Patsch! Hatte ich Duncan´s Duschgel an meinen Nassen und frisch eingeseiften Hintern bekommen. „Wage es ja nicht!“ Vergnügt und schnelle als je zuvor machten wir uns fertig und selbst mein Kumpel, der für gewöhnlich das Bad für Stunden belegte, schaffte die ausgesprochene fünf Minuten Grenze.

Als ich jedoch gerade wieder in das Zimmer stürzen wollte, wo die Mädels warteten, hielt mich Duncan am Arm zurück. „Lernst du eigentlich jemals, wie man sich anzieht?“ Verzweifelt ließ er seinen Blick an mir herunter gleiten. „Was ist falsch an dem Shirt?“ „Alles!“ Wie immer hatte ich mich für ein gemütliches eng anliegendes T-Shirt entschieden. Im Gegensatz zu mir trug Duncan eines seiner geliebten italienischen Hemden, mit aufgerollten Ärmeln und halb aufgeknöpft, gewährte es einen netten Ausblick auf Duncan´s halben Oberkörper. Dieser kramte bereist emsig in meiner Reisetasche, um mir kurz darauf mit triumphierendem Blick ein weißes Leinenhemd entgegen zu strecken. „Das ist es!“ Während er noch mal mit Haargell seinen Schopf bearbeitet, schlüpfte ich maulend in das Hemd. „Perfekt! Jetzt werden die Mädels Bauklötze staunen.“

Zehn Minuten später saßen wir endlich alle im Auto, Duncan am Steuer, Trischa auf dem Beifahrersitz und Holly und ich auf der Rückbank. Diesmal hatte ich Duncan das Steuer freiwillig überlassen, denn Holly hatte mir vor der Abfahrt bereits ins Ohr geflüstert, wie heiß sie das neue Hemd fand und auf der Rückbank konnte man einfach besser kuscheln. Glücklicherweise hatte ich Duncan den Weg vorher genau beschrieben, so daß wir die zehnminütige Fahrt völlig ungestört verbrachten. Vor der herrlichen kleinen Villa angekommen, sprangen die Mädels gleich aus dem Auto, während Duncan mir anerkennend zunickte. Die Villa lag außerhalb von Galle auf einem Hügel mit einem herrlichen Blick ins Tal und auf das jetzt so ruhige Meer. Durch die hohe Lage war das Anwesen von den Wassermassen verschont geblieben und strahlte in schönstem weiß. Vor der Tür stand ein in schwarz gekleideter Einheimischer, der uns galant die Haustür öffnete. Duncan und Trischa traten Arm in Arm als erstes durch die Haustür, Holly und ich folgten.

~Patrischa~

Wahnsinn! Dieses Haus war einfach der Wahnsinn! Was wollten die Jungs nur mit uns hier? Der Einheimische, der uns eben die Tür geöffnet hatte, geleitete uns durch die vornehme Eingangshalle, ins Wohnzimmer, hinaus auf die sonnen beschienene Terrasse, auf der ein bereits gedeckter Tisch mit Platz für vier Personen stand. Höflich rückte der junge Mann uns Damen die Stühle zurecht uns verschwand, nachdem wir alle Platz genommen hatten, im Haus. „Wow, wem gehört denn dieses Wahnsinnshaus?“ Holly war die ganze Zeit verdächtig still gewesen und hatte mit großen Augen, die ihr unbekannte Umgebung betrachtet. Doch jetzt, nachdem wir allein waren, platzte es aus ihr heraus. Lee grinste von einem Ohr zum Anderen. „Gehört einem Freund von uns.“ Auch Duncan hatte eine verschwörerische Miene aufgesetzt, was mich nun auch sehr neugierig machte. „Was denn für ein Freund?“ „Na ja“, druckste Lee etwas herum. „Die Villa gehört Elton John.“ „Wem???“ Holly und ich sahen ihn völlig verdattert an. „Ihr kennt Elton John? Den Elton John von „Your Song“ und „Candle in the Wind“? Nicht euer Ernst?“ Doch wenn man ihren Blicken trauen konnte, kannten sie ihn tatsächlich.

Kaum hatte ich diese Überraschung verdaut, brachte der Hausdiener ein Tablett mit vier Sektgläsern. Bei netter Unterhaltung, bei der die Jungs und hauptsächlich mit Geschichten aus ihrem Job erheiterten, verbrachten wir die nächsten zwei Stunden mit viel Champagner und leckerem Essen. Die Sonne hatte sich im Laufe des Essens hinter den Bergen versteckt und unser Tisch wurde nur noch von den überall verteilten Kerzen erhellt. Meine Finger fest mit Duncan´s verschränkt genoß ich die romantische Stimmung, als noch zwei Geigenspieler die Terrasse betraten. Duncan war aufgesprungen und machte nun einen Diener vor mir. „Darf ich bitten?“ Bei solch einer formvollendeten Aufforderung ließ ich ihn natürlich nicht lange warten und kurz darauf bewegten sich zwei eng umschlungene Paare im flackernden Kerzenlicht zu der leisen Musik.

~Duncan~

Ich glaube, dass war die beste Idee, die Ryan jemals hatte, aber besser war es, wenn man ihm so was nicht sagte, denn unser Nesthäkchen bildete sich gleich immer so viel darauf ein. Ich hatte ganz vergessen, dass Elton John hier eine Villa hatte und er uns angeboten hatte, dass wir seine Häuser, die er so ziemlich überall auf der Welt hatte, denn immerhin war er sehr berühmt und hatte auch das nötige Kleingeld dazu, zu jederzeit benutzen konnten. Durch unsere Zusammenarbeit mit ihm hatten wir ihn sehr gut kennen gelernt und er war zu einem richtig guten Freund und Ratgeber geworden. „Sorry seems to be the hardest word“ war ein voller Erfolg gewesen und hatte uns z.B. in Deutschland den Durchbruch beschert. Es war eines unserer Projekte als Band, auf das wir besonders stolz waren und nun bescherte uns seine Villa auch noch einen so schönen unbeschwerten Abend mit unseren Liebsten…

Zufrieden atmete ich den Duft von Trischa´s schwarzen Locken ein, während wir uns im Takt zur Musik bewegten. Es war einfach nur ein schönes Gefühl zu spüren, wie sich sie vertrauensvoll an mich schmiegte und ihr warmer Atem, den sie mir in regelmäßigen Abständen gegen die nackte Haut meiner Brust hauchte, verursachte mir eine wohlige Gänsehaut. Doch irgendwie merkte ich, dass sie mich etwas fragen wollte und harkte da mal nach, nicht, dass ich neugierig wäre…

„Na los, raus damit“, ermunterte ich sie. „Woher weißt du, dass ich dich was fragen will?“, gab sie verdutzt zurück. „Ich bin eben sehr sensibel und feinfühlig“, grinste ich gespielt eingebildet, wofür ich mir einen Kniff in die Seite einfing. „Wofür war das denn?“ „Dafür das du dich über mich lustig machst, mein Lieber!“ „Tu ich das?“ „Ja, tust du! Willst du jetzt meine Frage hören?“, ich nickte, „Also, woher kennt ihr Elton John? Das stimmt doch oder? Lee hat nicht irgendein krummes Ding gedreht…?!“ Lauthals lachte ich los, so das ich meinen Kumpel unwillig mit dem Kopf schütteln sah: „Du zerstörst die Stimmung, Duncan!“, knurrte er zwischen den Zähnen hervor und widmete sich gleich darauf aber wieder Holly.

Glucksend wischte ich mir über die Augen, weil sich dort schon Lachtränen gebildet hatten. „Lee ist zwar vieles, er mag naiv, hitzköpfig und stur sein und manchmal benimmt er sich wie ein kompletter Volltrottel, aber er ist nun wirklich kein Langfinger….jedenfalls nicht das ich wüsste…“, ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht wieder los zu lachen, „Wir kenne Elton John, weil wir mal mit ihm zusammen gearbeitet haben, aber im Land von Britney Spears kriegt man davon anscheinend nichts mit…“ „Kleine Info, in die war er mal verschossen“, mischte sich Lee nun ein, der offenbar gelauscht hatte. „Schon mal was von Privatgesprächen gehört?!“, fragte ich und warf ihm einen bitterbösen Blick zu. „Das ist ja interessant…“, meinte Trischa und harkte bei Lee weiter darüber nach. Dieser gab natürlich lieben gern darüber Auskunft. „Er hat sie auch schon mal getroffen, aber sie hat ihn abblitzen lassen und seitdem ist sie bei ihm unten durch“, grinste Lee. „Wenn du nicht gleich deinen Schnabel hältst, dann kram ich von dir auch noch ein paar interessante Details hervor…“ „Ähmmmm….also ich glaube, es wird Zeit, dass wir uns zurück ziehen oder was meinst du, Holly?“, das war ja mal wieder so klar, dass er ablenkte. Feigling!

„Du meinst, wir bleiben hier? Wir schlafen hier? In einem richtigen Bett?, fragte Holly mit großen Augen und fiel ihm um den Hals. „Aber natürlich, was dachtest du denn?“, gab Lee mit stolz geschwellter Brust zurück. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sich mit Sicherheit gerade selbst auf die Schulter geklopft. Holly fiel ihm um den Hals und verwickelte ihn in einen leidenschaftlichen Kuss. „Wie die Teenies“, erinnerte ich mich an den Spruch von vorhin, den ich unbedingt los lassen musste. „Nachmacher“, streckte mir Lee, die Zunge frech entgegen, bevor er mit Holly händchenhaltend nach oben ging. „Und was machen wir beide jetzt?“, fragte Trischa und schmiegte sich an mich. „Ich weiß nicht….ich fand die Idee mit dem Zurückziehen eigentlich gar nicht so schlecht…“, lächelte ich und zog sie an der Hand mit nach oben in eines der freien Zimmer. „WOW, ist das groß hier!“, entfuhr es meiner Süßen, als sie in das geschmackvoll eingerichtete Zimmer eintrat. „Schön, dass es dir gefällt.“ „Machst du Witze? Und wie es mir gefällt, es ist einfach traumhaft!“, schwärmte sie und ließ sich der Länge nach auf das Bett fallen. „Vielleicht sollte ich mit Elton über den Kaufpreis verhandeln“, witzelte ich und setzte mich neben sie. „Witzbold“, lachte sie und gähnte ausgiebig. Erneut stand sie auf und ließ das Kleid von ihren Schultern gleiten, das lautlos auf den Boden fiel. Ich konnte sie einfach nur mit offenem Mund anstarren, was ihr ein leises Lachen entlockte. „Wenn du nicht vertrocknen willst, dann solltest du lieber den Mund zu machen“, kicherte sie und forderte mich auf, mich auch bettfertig zu machen. Eiligst entledigte ich mich meiner Klamotten und kuschelte mich zu ihr unter die Decke. Sie bettete ihren Kopf auf meine Brust und ich konnte sie wohlig seufzen hören. „Lass mich nie wieder los“, flüsterte sie leise. „Keine Angst, dass habe ich ganz sicher nicht vor…“

~Holly~

Knutschend verschwanden Lee und ich in einem der großen Zimmer. „Meinst du, Duncan will mit…“ „Vergiss ihn, immerhin bin ich bei dir“, klimperte er mit den Wimpern. „Hey, er ist immerhin mit meiner Schwester da drüben und das allein!“ „Willst du Anstandsdame spielen?“, grinste er frech, während er an meinem Kleid herum nestelte, „Trischa wird schon wissen, wie sie mit ihm umzugehen hat. Werd du erstmal mit mir fertig“, er fing an mich zu kitzeln und warf mich aufs Bett. „Das ist so was von unfair“, kicherte ich und versuchte mich gegen ihn zu wehren. „Ach wirklich?“, Lee hielt meine Hände an beiden Seiten meines Kopfes fest, während er begann meinen Hals zu liebkosen. „Was machst du denn da?“, fragte ich heiser, bemüht, einen klaren Kopf zu behalten. „Also Babe, wenn du das nicht weißt, dann…“ „Natürlich weiß ich das…“, mit einem Ruck beförderte ich ihn auf den Rücken und setzte mich auf ihn. Lee schloss genießerisch die Augen, als ich mich leicht auf ihm bewegte, „…aber so was muss man sich erst verdienen!“ Mit einem triumphierenden Grinsend rollte ich mich von ihm runter. Verdattert sah er mich an, wobei er aber grinsen musste: „Ich entdecke ja immer mehr neue Seiten an dir….Wer hätte gedacht, dass du so ein Biest sein kannst?!“ „Du wirst noch eine Menge Seiten an mir entdecken, Mr. Ryan“, lächelte ich verführerisch und kuschelte mich an ihn. Er schloss die Arme fest um mich, so dass ich mich noch nie so wohl und geborgen gefühlt hatte. Jeder andere wäre sauer über mein kleines Spielchen gewesen, aber nicht er, nicht Lee, was zeigte, das er etwas ganz besonderes war…

Am nächsten Morgen wachte ich erst am Vormittag auf. Lee saß auf dem Bett und beobachtete mich. „Gute Morgen, Darling, hast du gut geschlafen?“ „So gut, wie schon lange nicht mehr“, seufzte ich zufrieden und drückte ihm einen dicken Kuss auf die Lippen. „Mhhh ich lass dich nie wieder los…“, lächelte er, aber bei mir schrillten sämtliche Alarmglocken los. Er würde es müssen…und ich hatte nicht daran gedacht…

„Was hast du auf einmal? Du guckst so betrübt?“, harkte er besorgt nach. „Ach nichts….lass uns frühstücken gehen“, lenkte ich ab und schlüpfte aus dem Bett in einen Morgenmantel, den Lee mir reichte. Unten saßen schon Duncan und Trischa gemütlich zusammen und fütterten sich mit irgendwelchen Leckereien. „Guten Morgen, Sonnenschein“, lächelte Trischa, worauf ich nur ein lahmes „Morgen“ hervor brachte. „Oho, schlechte Laune…“, murmelte Duncan leise, doch ich hatte es gehört. „Die hättest du auch, wenn heute dein letzter Tag hier wäre“, rutschte es mir heraus. Ungläubig sah mich Lee an: „Wie? Letzter Tag??“

~Lee~

Bei Holly´s Ankündigung war mir unbewusst die Kinnlade auf den Tisch gefallen. Was sollte das heißen, daß heute ihr letzter Tag hier war? Wenn ja, wieso hatte sie mir das nicht vorher gesagt? Und warum konnte sie nicht einfach länger bleiben? Oder wollte sie gar nicht mehr länger mit mir zusammen sein? Allein der Gedanke, mich jetzt schon von ihr trennen zu müssen, hatte mir die Sprache verschlagen und ich konnte sie nur noch traurig ansehen, während mir die Fragen wie Blitze durchs Gehirn schossen. Doch auch Trischa schien die Ankündigung ihrer Schwester überrascht zu haben, denn sie starrte Holly mit offenem Mund und Tränen in den Augen an. Der ganze Augenblick schien so unwirklich, als würde die Zeit stillstehen, bis Duncan, der sich als Erstes wieder gefangen hatte, Holly fragte: „Wie?? Letzter Tag??“ „Ich... ich..“ Holly blickte verzweifelt von mir zu ihrer Schwester. „Ich konnte gestern Abend nicht so schnell einschlafen und hab noch mal bei unseren Eltern angerufen und die.. die...“ Weinend suchte sie Schutz in meinen Armen. „Lee, sie haben sich solche Sorgen gemacht und deswegen haben sie uns Plätze in der ersten Maschine, die Morgen nach Los Angeles geht, reserviert. Sie und...“, vorsichtig fixierte sie Trischa. „Keneth wollen, daß wir so schnell es geht kommen.“

Keneth? Wer um Himmels Willen war dieser Kerl? Doch bevor ich Holly nach ihm fragen konnte, nahm sie mein Gesicht zwischen ihre Hände und sah mich lange an. „Lee, wenn ich könnte, würde ich dich nie wieder verlassen, aber mein Dad ist gesundheitlich sehr angeschlagen und ich mache mir Sorgen um ihn. Er braucht mich!“ So schwer es mir auch fiel, ich konnte sie verstehen, weswegen ich ihre Lippen auch mit einem sanften Kuß befeuchtete. „Ist schon gut Holly, ich versteh das doch! Auch wenn ich dich natürlich lieber bei mir hätte! Aber so schnell ich kann, werde ich dich in L.A. besuchen, ich versprech es dir!“ als sie sich in meine Arme kuschelte und sich für mein Versprechen mit zärtlichen Küssen bedankte, schien die Welt um uns zu versinken. Es gab nur noch uns und den letzten Tag, der uns für lange Zeit vergönnt war! Und in diesem Moment wusste ich genau, was ich zu tun hatte.

~Patrischa~

Als Holly damit herausrückte, das wir morgen schon Nachhause fliegen mussten, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. In meinem Magen hatte sich ein großer Klumpen namens Angst gebildet. Zuhause war für mich immer noch ein Fremdwort, meine Eltern Wildfremde und dann hatte Holly noch einen Namen gesagt, der mir so seltsam vertraut schien. Während Holly und Lee sich eng aneinander kuschelten, nahm Duncan meine Hand und zog mich weg, weg von dem Tisch und weg von der erschreckenden Tatsache, daß er morgen schon nicht mehr an meiner Seite sein würde. Wir kannten uns kaum mehr als Stunden und ich hatte mein komplettes Leben vor ihm verloren. Aber er war derjenige, der mich trotzdem zu einem ganzen machte. Der mir alle Ängste, alle Zukunftssorgen nehmen konnte, dem ich blind vertraute und der immer für mich da war. Im Gehen flüsterte ich ihm ein leises Danke zu, woraufhin er meine Hand, die sicher mit seiner verschlungen war, fest drückte. „Ich danke dir Trischa! Niemals zuvor ist mir ein Mensch so schnell ans Herz gewachsen wie du! Man könnte sagen, daß du mir den Glauben an die Liebe auf den ersten Blick geschenkt hast. Und dafür liebe ich dich!“

Schweigend und im gleichen Rhythmus bewegten wir uns von Elton John´s Haus weg, die Straße nach Galle hinab. Die Straße schlängelte sich um den Berg und nach der nächsten Kurve bot sich uns ein wundervoller Blick auf das kleine Dorf. Eine kleine Bank lud ein, diesen Anblick zu genießen und genau dort ließen wir uns nieder. Duncan hatte seine Arme um mich geschlungen. „Wusstest du, daß der Name Galle auf das singhalesische Wort gala für Rastplatz zurückgeht? Der Hafen war früher schon von großer Bedeutung, existierte schon um Christi Geburt. Wegen des regen Edelsteinhandels nimmt man an, daß es mit dem biblischen Tarsis identisch ist. 1505 wurde es von den Portugiesen besetzt und 1640 von den Holländern erobert. Aus der Zeit der holländischen Besatzung stammen die Befestigungsanlagen am Hafen (um 1669) und die Stadtmauern um die Altstadt, auch Dutch Fort genannt.“ Lachend hielt ich ihm meine Hand vor den Mund. „Hast du einen Reiseführer verschluckt?“ Grinsend fuhr er sich durch die blonden Haare und zwinkerte mir verschmitzt zu. „Ich wollte dich nur etwas aufmuntern und es scheint ja funktioniert zu haben. Wenn du lachst, bist du einfach die schönste Frau auf Erden!“

~Duncan~

„Bist du sicher, dass du objektiv genug für so ein Kompliment bist?“, zwickte sie mich in die Seite. „Ja, das bin ich…Für so was hab ich eben das richtige Auge“, grinste ich sie frech an und diesmal boxte sie mir leicht gegen den Arm, „Bist du zu allen so gewalttätig?“ „Na, warte, ich bin dir gleich gewalttätig“, sie lachte fies und ich sah zu, dass ich meine Beine in die Hand nahm und schnell weg kam. „Machst du schon schlapp?“, rief ich über die Schulter zurück. „Nein, aber du gleich“, sie setzte zum Spurt an und sprang mit einem Satz auf meine Rücken. Die Beine hatte sie von hinten um meine Hüften geschlungen und ich konnte nicht widerstehen, sie an den Füßen zu kitzeln. „Das ist so was von fies“, kicherte sie, klammerte sich aber weiter an mir fest. „Ach wirklich?!“, ich fuhr weiter an ihren Waden hoch und sie kicherte noch mehr. Man, die Frau war ja bald noch kitzliger als Lee…

„Schon gut, ich gebe auf“, prustete Trischa. Ich steuerte die Bank an, ließ mich darauf nieder und sah sie abwartend an. „Ist etwas?“ „Ich warte auf meinen Gewinn, weil du das Handtuch geworfen hast!“ „An was hat der Herr denn da gedacht?“ „Hmmm….lass mal überlegen….Also....Du bist eine Frau…“, kombinierte er, „…und ich bin ein Mann….“ „Ich würde mir Sorgen machen, wenn es anders wäre…“, warf Trischa kichernd ein und ich setzte einen saueren Gesichtsausdruck auf. „Du nimmst mich nicht ernst!“ „Doch, doch“, gluckste sie, „Red nur weiter…“ Das war mir aber nun endgültig vergangen. Ungeduldig zog ich sie näher an mich, so das sie sich rittlings auf meinen Schoß setzen musste. „Darauf wollte ich hinaus“, raunte ich ihr ins Ohr, bevor ich sie näher auf mich drückte und sie begierig anfing zu küssen. Trischa stieg voll drauf ein, mehr noch, sie heizte mich sogar noch an, in dem sie ihre Hüften bewegte und herum rutschte. Oh oh, Dunc, Vorsicht, sonst wird’s gleich irgendwo eng…

Keuchend ließ ich von ihr ab und sie blickte mich verdutzt an. „Du kannst einen ganz schön heiß machen und dabei wollte ich nur ein kleines Küsschen…“ „Ja ja, wers glaubt…“, kicherte sie und küsste hingebungsvoll meinen Hals. „Ähm…Dunk…“, nuschelte sie und hauchte gegen meine Haut. „Hmmm?“, machte ich, als Zeichen, das ich hörte. „Hab ich dich so heiß gemacht, dass du schon vibrierst?“ „Wer stört denn da nun schon wieder?“, meckernd fischte ich mein Handy aus der Hosentasche…Ryan! Wer sollte auch anders nerven?!

„Was ist?“ „Wie immer einen freundlichen Ton auf den Lippen“, kam es ironisch aus der Ohrmuschel, „Warum hat das so lange gedauert?“„Ich musste das Handy erst aus der Hosentasche holen!“ „Ui, du bist aber schnell befriedigt“, schallendes Gelächter brandete mir entgegen und auch Trischa hatte es gehört, denn sie sank lachend nach Luft japsend auf der Erde zusammen. „Wie schön, dass ihr euch so toll über mich amüsieren könnt“, grummelte ich, „Jetzt sabbel nicht weiter rum, sondern sag lieber, was du nun schon wieder willst!“ „Ja ja, wer wird den gleich so unfreundlich werden…Ihr müsst zurückkommen und Holly ablenken! Ich habe eine Überraschung für sie!“ „Die da wäre?“ „Du kannst alles essen, aber nicht alles wissen! In 5 Minuten steht ihr auf der Matte!“ Das wars hinzitiert, aufgelegt, Gespräch beendet! Sollte ich Ryan irgendwann mal um die Ecke bringen, dann musste ich mir gute Zeugen suchen, die sich leicht bestechen ließen…

~Holly~

„Na nu, ihr seid ja schon zurück“, wunderte ich mich, als meine Schwester und Duncan, mit ziemlich miesepetrigem Gesichtsausdruck, wieder zurück kamen, „Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Duncan wollte gerade den Mund aufmachen und wollte seinem Ärger Luft machen, da rammte ihm Trischa den Ellenbogen in die Rippen. Musste ich das jetzt verstehen?

„Oh, da seid ihr ja schon“, kam Lee mit einem strahlenden Lächeln zurück. Mein Blick wanderte zurück zu Duncan, der aussah, als würde er seinen Kumpel am liebsten fressen. „Müsste ich irgendwas wissen?“, fragte ich misstrauisch. „Aber nein oder Duncy?!“, grinste Lee. Duncan´s Lächeln, das er nun aufgesetzt hatte, sah mehr wie ein Zähnefletschen aus. „Natürlich nicht…“, er funkelte Lee an, nahm Trischa und schließlich auch mich an der Hand und zog mich nach oben. „Was machen wir denn hier?“ „Rum stöbern“, bekam ich lapidar als Antwort. „Das können wir doch nicht machen“, wehrte ich ab, „Das hier ist das Haus von…“ „Elton John! Na und?“, er zuckte mit den Schultern und betrat eines der Zimmer, „Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß…Außerdem bin ich ihm ganz besonders sympathisch, wenn ihr versteht, was ich meine…“, viel sagend klimperte er mit den Wimpern. „Das ist nicht dein Ernst…“, lachte Trischa. „Hey, als wir den Song aufgenommen haben, hatte ich nicht umsonst die ganze Zeit mit einem freundlichen Lächeln, die Hände auf meinen Hintern gepresst!“ „Also ich kann ihn gut verstehen…“, kicherte meine Schwester und ich fiel mit ein….bis ich die unendlich vielen Sonnenbrillen sah, die auf Unmengen Regalen an der Wand lagen. „Oh….mein…Gott…Der hat ja wirklich so viele…“, staunend sah ich mich um. „Och, das ist nur ein kleiner Teil davon…Ich glaube, hier lagern die Auslaufmodelle…“, meinte Duncan beiläufig und setzte sich eine viel zu große altmodische Sonnenbrille auf die Nase, „Wie sehe ich aus?“ „Lächerlich!“, meinte ich trocken, worauf er die Brille weiter runter rutschen ließ und mir einen giftigen Blick zuwarf. „Kein Wunder, dass ihr euch so gut versteht!“

Wir alberten noch eine gute Stunde mit den Brillen herum, probierten sie auf und führten sie und gegenseitig vor, bis Lee rein kam, grinsend den Kopf schüttelte und meinte „Wie im Kindergarten!“. „Dann bist du ja hier genau richtig“, schoss Duncan zurück. „Nein, das überlass ich dann doch besser dir!“, eiligst zog er mich aus dem Zimmer nach unten und schließlich nach draußen. „Was hast du vor?“ Er lächelte geheimnisvoll: „Lass dich überraschen, meine Hübsche!“

~Patrischa~

Die Beiden tobten aus dem Haus wie kleine Kinder. Fröhlich wandte ich mich Duncan zu, der immer noch ein wenig wegen Lee´s Spruch zu schmollen schien. „Na mein Schöner. Was fangen wir denn mit dem restlichen Tag an?“ Zärtlich schmiegte ich mich an ihn und hauchte kleine Küsse auf seinen Mund. „ich weiß nicht! Jedenfalls keinen Schutt schleppen.“ Ich wusste, daß Duncan die Aufräumarbeiten hier nur mitmachte, weil er seinem besten Freund einen Gefallen hatte tun wollen, doch seine Divaallüren waren manchmal wirklich schlimm. „Aber die Menschen hier brauchen Hilfe und ich finde toll, daß Lee sich so dafür engagiert!“ „Trischa!“ Sein Ausruf unterbrach meinen kleinen Vortrag schneller als ich dachte. „Ich finde es auch gut, wie sehr Lee sich darum kümmert und deswegen bin ich auch mit geflogen, um auch etwas Gutes zu bewirken und allein für diesen kleinen Gedanken wurde ich mehr belohnt, als ich mir hätte vorstellen können. Ich habe dich gefunden! Aber heute ist unser letzter Tag und den will ich ganz allein mit dir genießen. Bitte!“ Und wie gern ich ihm diese Bitte erfüllte, schließlich würde ich morgen nach Amerika zurückgehen. In ein Land und eine Stadt, die mir fremd geworden war. „Und was willst du mit mir unternehmen?“ „Was hältst du von einem ganz normalen Tag? Wir machen es uns auf Elton´s Couch bequem, futtern die Reste aus dem Kühlschrank, gehen schwimmen und sind einfach nur zusammen?“ „Das klingt nach einer wirklich guten Idee!“

Und genau das machten wir auch, einfach zusammen sein. Nachdem wir uns eine wilde Wasserschlacht geleistet, den Kühlschrank geplündert und es uns auf dem Sofa bequem gemacht hatten, schaltete Duncan den Fernseher ein. Ich lag eng in seine Arme gekuschelt da und genoß das sanfte Kreisen seiner Hand auf meinem nackten Arm, als aus dem Fernseher ein mir wohlbekanntes Lied erscholl.

And can you feel the love tonight?
It is where we are
It's enough for this wide-eyed wanderer
That we got this far
And can you feel the love tonight?
How it's laid to rest?
It's enough to make kings and vagabonds
Believe the very best


Über den Bildschirm flackerten die Bilder des Films „Lion King“. Keneth und mein Film. Der Film nachdem er mich gerettet hatte! Ruckartig richtete ich mich auf. Keneth? Oh nein! Ich war verlobt! Ich hatte einem Menschen ewige Treue geschworen und saß hier mit einem Fremden! Ich hatte Keneth so viel zu verdanken! Wie hatte ich ihn nur vergessen können? Als Duncan mich wieder an sich ziehen wollte, schupste ich ihn weg. „Nein! Faß mich nie wieder an!“ „Was?“ Erschrocken setzte er sich auf.

~Lee~

„Aber ich werde nicht an diesen Strand gehen und das habe ich dir schon hundert Mal gesagt.“ Schmollend saß Holly auf dem Beifahrersitz des Leihwagens und stierte auf das sanft dahin plätschernde Meer. „Holly, es ist unser letzter Abend und ich habe im Kofferraum eine Überraschung für dich, die du aber nur bekommst, wenn du jetzt mit mir dorthin gehst.“ Beim Anblick ihrer Unterlippe, die sich immer weiter nach vorne schob, musste ich unwillkürlich schmunzeln. Indem ich an ihre Neugier appelliert hatte, hatte ich sie schon fast überzeugt. Wenn Holly einer Sache nicht widerstehen konnte, dann waren es Überraschungen! Zumindest hatte mir das Trischa erzählt und aus Holly´s Gesichtsausdruck konnte ich schließen, dass dies tatsächlich so war. Doch plötzlich lief ihr eine einzelne Träne die Wange hinab. „Ich habe aber Angst!“ Erschrocken kniete ich mich neben die geöffnete Tür und nahm ihre Hand in meine. „Wieso das denn meine Schöne?“

Mit zitternder Stimme erzählte sie mir von ihrer Angst, daß wieder so eine riesige Flutwelle den Strand überschwemmen könnte. Schutz suchend hatte sie sich in meine Arme geflüchtet. „Ich bin bei dir Holly und da kann doch gar nix passieren! Du weißt doch, Unkraut vergeht nicht!“ Das kleine Lächeln, was sich jetzt auf ihrem Gesicht ausbreitete, war als würde die Sonne für mich aufgehen. „Aber nur, wenn du mich nicht einen Moment los lässt!“ „Ich werde mein Bestes geben, aber erstmal müssen wir das, was im Kofferraum ist, an den Strand tragen.“ Neugierig folgte sie mir hinter den Wagen und beobachtete gespannt, wie sich der Kofferraumdeckel öffnete, um sich direkt darüber zu beugen kaum das er halb geöffnet war.

„Oh Gott, was hast du denn da alles dabei?“ Schmunzelnd über ihre Neugier griff ich nach dem Picknickkorb und einer großen Decke, die oben auf lagen. „Wonach sieht das denn aus Holly? Wir picknicken hier.“ Ihre eben noch vor Furcht geweiteten Augen verzogen sich gemeinsam mit ihrem Mund zu dem Lächeln, was ich an ihr so sehr liebte. „Kannst du die Decke und den Korb nehmen?“ „Ach und was trägt dann der gnädige Herr?“ Kaum hatte sie die beiden Sachen genommen, hob ich die schwere Kühlkiste aus dem Kofferraum und öffnete langsam den Deckel. „Champagner? Wo hast du denn den her?“ „Ich hab halt so meine Beziehungen.“ Holly musste ja nicht wissen, daß ich diese zwei Kostbarkeiten vor einer Stunde in Elton´s Keller erstöbert hatte. „Und wieso zwei Flaschen?“ „Weil ich vorhabe, dich beschwipst zu machen und deine dann Lage schamlos auszunutzen.“ Holly lachte, als wir den schmalen Weg zu der kleinen Bucht hinunter gingen, die Elton mir am Telefon so wärmstens empfohlen hatte. Herrlich weißer Sand, unzählige Palmen und türkise ruhige See. „Wie auf einer Postkarte!“ Holly schien ihre Angst für einen Moment vergessen zu haben und betrachtete versunken das friedliche Bild vor uns. Mit einem Schwung breitete ich die große Picknickdecke aus, auf die sich Holly auch gleich sinken ließ. Genüsslich streckte sie ihre Beine aus, die frech unter dem roten Kleid, daß sie mir zuliebe heute wieder trug, hervorlugten.

~Duncan~

„Nein! Fass mich nie wieder an!“ „Was?“ Erschrocken setzte ich mich auf. Was sollte das bedeuten? Warum war sie plötzlich so panisch? Es schien, als hätte sie Angst vor mir…nur aus welchen Gründen? Was hatte ich falsch gemacht? „Trischa, was ist denn los? Hab ich was falsch gemacht?“ „Nein, du…du…nicht…a…a…aber…ich“, stotterte sie und stand auf. „Du machst mir Angst! Sag mir, was los ist“, forderte ich ungeduldig und trat einen Schritt auf sie zu. Trischa jedoch brachte gleich noch mehr Raum zwischen uns und das erschreckte mich. „Wir können nicht zusammen sein!“ BUMM! Das saß! 10.000 Ohrfeigen hätten mir nicht mehr weh tun können, als dieser eine Satz!

Oh, oh
You make me believe
You are the one for me it seems
But now I find it's hard
The way you're treating me, it's mean
Cause time after time I keep changing my mind
And I can't get myself over you

The moment you leave me, the moment you're gone
I don't think that I could last another minute
But when we're together, something's so strong
I don't think that we'll ever find a limit
What's going on (what's going on)
What's going on


„Wo liegt dein verdammtes Problem, hä?“, fuhr ich sie lauter an, als ich eigentlich wollte. Sie antwortete einfach nicht, was mich noch wütender machte. „Na los, rück schon raus damit! Warum willst du mich abservieren? Hast du genug von mir?“ „Nein!“, kam es schneller als erwartet. „Ach ja?! So kommt es mir aber bald vor!“ „Wir hätten nie eine Chance…“, sie schluchzte schon fast, doch so sehr ich diese Frau liebte, in diesem Augenblick tat sie mir kein Stück leid! „Weshalb?“ „Wir leben in unterschiedlichen Ländern und…“ „Pah, und was ist mit Lee und deiner Schwester? Wohnen sie etwa näher zusammen?“, gab ich giftig zurück. Tränen liefen ihre Wangen hinunter, als sie kaum merklich den Kopf schüttelte. „Es tut mir leid….“ „Was tut dir leid? Das du mich die ganze Zeit nur ausgenutzt hast? Klar, jetzt geht’s wieder nach hause, da brauchst du keinen mehr, der Händchen hält!“ „Das ist nicht wahr!“, schrie sie schon beinahe. „Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so belogen und benutzt worden….und ich dachte, du wärst was besonderes…“

Each time you're down, I helped you on your feet but then
Just as soon as you're ready to, you left me on my own again
Cause time after time I keep changing my mind
And I can't get myself over you


Verletzt und enttäuscht wandte ich mich von ihr ab und stapfte nach draußen. Ich wollte einfach nur weg….weg von diesem Haus, in dem wir einen wunderschönen entspannten Abend verlebt haben, aber vor allem wollte ich weg von ihr! Ihre Beweggründe waren absolut nicht nach zu vollziehen und ich konnte es ihr an der Nasenspitze ansehen, dass das mit der Entfernung nur eine Lüge gewesen war. Hatte ich es nicht verdient, dass sie wenigstens ehrlich zu mir war? Ich dachte wirklich, sie liebt mich und wir hätten eine Chance…Mein Gott, ich hätte doch alles aufgegeben in England, nur um bei ihr sein zu können…und sie? Anscheinend war ich ihr nicht so wichtig, wie ich glaubte, wie ich gehofft hatte…

The moment you leave me, the moment you're gone
I don't think that I could last another minute
But when we're together, something's so strong
I don't think that we'll ever find a limit
What's going on (what's going on)
What's going on


Zielstrebig setzte ich meinen Weg zu unserem Lager fort. Irgendwas musste ich tun und wenn ich wieder buddeln musste…das war mir mehr als piep egal! „Ahh Mr. James, könnten sie und helfen?“, wurde ich auch schon direkt begrüßt. Ich nickte und machte mich zusammen mit ein paar anderen Männern an die Arbeit. Krampfhaft betete ich darum, dass nicht wieder ein Kind zum Vorschein kommen würde, wobei ich gleichzeitig versuchte, Patrischa zu verdrängen. Sie hatte mir nur vorgelogen, dass sie mich liebte, weil sie auf sich allein gestellt war. Jetzt ging sie in ihr altes Leben zurück und ließ mich und alles andere hinter sich und eines war klar…


When you lie that you love me
And small promises you couldn't keep
How I tried to believe you but my tears they just cut so deep
And I can't get myself over you

The moment you leave me, the moment you're gone
I don't think that I could last another minute
But when we're together, something's so strong
I don't think that we'll ever find a limit


Je eher ich sie aus meinem Herzen streichen würde, umso besser für mich….

~Holly~

„Es geht doch nichts über die unberührte Natur!“ meinte Lee mit einem Seufzer. Und dann zeigt er mir seine Liebe zur Natur auf ungewöhnlichste Art und Weise, indem er sich sein schlichtes T-Shirt einfach über den Kopf zog, dann hüpfte er hin und her, bis es ihm gelungen war, seine Turnschuhe auszuziehen. Und schließlich machte er noch den Reißverschluß seiner Shorts auf und streifte sie ab. Ich schnappte überrascht nach Luft, als er nur mit einer knappen Badehose bekleidet vor mir stand, aber er war ja auch ein Atem beraubender Anblick. Ich saß wie gelähmt da und beobachtete, wie er mir die Hand entgegen streckte. „Kommst du mit?“ Mehr als ein Kopf schütteln brachte ich jedoch nicht zustande und er bestand auch nicht darauf, daß ich ihn begeleitete. „Aber geh du ruhig. Ich schaff das alleine hier!“ Lee wandte sich um und lief in die Brandung, stellte sich den Wellen entgegen und tauchte durch eine Welle. Als ich wieder einen Blick auf ihn erhaschen konnte, war er schon ein gutes Stück draussen und teilte das Wasser mit kräftigen Zügen. Als er schließlich umkehrte und zum Strand Zurückschwamm, ließ er sich vom Wasser treiben. Als er wieder Boden unter den Füßen hatte, richtete er sich auf und rief mir zu: „Komm her Holly! Das Wasser ist einfach herrlich!“ Wieder konnte ich nur den Kopf schütteln, diesmal jedoch nicht von Angst gefangen, sondern weil mich sein kaum von Stoff bedeckter Körper faszinierte.

Als er aus dem Wasser kam, wandte ich den Kopf ab und murmelte irgendwas von einem unvergleichlichen Sonnenuntergang. Lee atmete immer noch heftig von der Anstrengung, aber auch mein Atem ging schnell. Ich beruhigte mich jedoch ein wenig, als ich aus den Augenwinkeln wahrnahm, wie er langsam wieder in seine Shorts schlüpfte. Erst jetzt bemerkte ich, daß ich für einen Moment die Luft angehalten hatte. „Herrlich!“ sagte er und fuhr sich mit der Hand durch seine nassen Haare. „Das war großartig und jetzt habe ich einen Bärenhunger! Wie steht es mit dir?“

Lee machte wohl Witze! Natürlich war ich hungrig, nur war es eine andere Art von Hunger, den ich empfand. Niemals würde ich den Lee´s Anblick vergessen, den er geboten hatte, als er aus dem Wasser gestiegen war, naß und umschmeichelt von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Um meine Verlegenheit zu überspielen fragte ich: „Was hast du denn zu essen dabei?“ Ich wagte immer noch nicht, ihm in die Augen zu schauen. „Reis, Fisch, Meeresfrüchte, Baguette und Kuchen. Also alles, was ich in Elton´s Kühlschrank finden konnte.“ Bei den Meeresfrüchten war ich zusammen gezuckt. Mit diesen Krabbenviechern konnte ich nun wirklich nichts anfangen! Doch Lee grinste mich nur an. „Prima, dann bleibt ja mehr für mich!“ „Alter Gierschlund!“ Grinsend öffnete er den Kühler und nahm eine der beiden Falschen heraus, die er schnell und gekonnt öffnete. „Weißt du, was ich schon immer mal machen wollte?“ „Nein. Was denn?“ Tapsig krabbelte er auf der Decke auf mich zu. „Champagner aus dem Bauchnabel einer wunderschönen Frau schlürfen.“

Bevor ich jedoch auf diesen Spruch reagieren konnte, hatte er mir schon die Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuß verschlossen, der mein Herz wild zum Schlagen brachte. Er nahm mir den Atem, sinnlich, verführerisch, voller Leidenschaft. Ich vergrub die Finger in Lee´s Haaren und zog seinen Kopf noch näher zu mir heran. Als wir uns schließlich voneinander lösten, atmeten wir beide heftig. Doch bevor Lee etwas sagen und diesen Moment zerstören konnte, zog das rote Kleid rasch über meinen Kopf. „Und warum erfüllst du dir diesen Wunsch nicht?“

~Lee~

Als sie sich langsam rücklings auf die Decke sinken ließ, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ihr schlanker Körper wurde nur noch von einem dünnen roten Stück Stoff verhüllt, daß man kaum mehr Bikini nennen konnte. „Na los! Oder hat es dir die Sprache verschlagen?“ Holly´s verschmitztes Grinsen riss mich aus meiner Starre. Nur gut, denn einen Moment später hätte ich ihr vermutlich diesen letzten Rest Stoff vom Körper gerissen, um sie dann schnell und hart zu nehmen, doch so sollte es mit ihr nicht sein. Nicht sie, denn sie war die erste Frau, die ich von ganzem Herzen liebte! Mit ihr würde es anders sein!

Schnell griff ich nach der geöffneten Champagnerflasche und goss ein wenig der prickelnden Flüssigkeit in Holly´s kleinen, aber perfekten Nabel. Jetzt war Eile angesagt, denn der Champagner wollte nicht an diesem Ort bleiben, also beugte ich mich schnell über sie, leckte und schlürfte ihn in großer Eile weg. Holly hatte angefangen unkontrolliert zu kichern, da die Berührungen sie mehr als kitzeln mussten. „Du findest das wohl lustig?“ „So ziemlich!“ Ihr Lachen war jedoch nur eine weitere Herausforderung für mich und ich begann, statt weiter Champagner auf ihr zu verteilen, ihre kleinen Brüste durch den zarten Stoff des Bikinis zu liebkosen. Drückte sie zärtlich, streichelte die Brustwarzen, die sich fest und hart aufgerichtet hatten. Ich lachte, als sie sehnsüchtig aufseufzte. Dann ließ ich meine Hand tiefer gleiten, berührte ihren Bauch und glitt schließlich mit der Hand zwischen ihre Schenkel, um mit der Hand kleine Kreise auf den dort vorhandenen Stoff zu ziehen.

~Holly~

Ich schloß die Augen und schlang die Arme um ihn, als würden seine Zärtlichkeiten mir alle Kräfte rauben. Ich stöhnte auf, als ich spürte, wie er meinen Körper erkundete und mich auf eine Art und Weise berührte und reizte, daß ich meine Lust am liebsten heraus geschrien hätte. Ich schnappte nach Luft, als Woge für Woge der allerschönsten Gefühle über mir zusammen schlug. Schließlich zog er seine Hand wieder zurück und postierte sich neben mich, so daß er mich ungehindert betrachten konnte. Dann beugte er sich vor und unsere Lippen verschmolzen wieder zu einem langen, leidenschaftlichen Kuß. Lee stöhnte leise auf, als er spürte, wie lustvoll ich seinen Kuß erwiderte. „Oh ja, mach weiter so“, flüsterte er mir zu und genoß es sichtlich, sich so von mir erregen zu lassen. Seine Lippen wanderten über meine Wangen zu meinem Ohr, an dem er zärtlich zu knabbern begann. Doch ich wand meinen Kopf und zog mit den Lippen eine Spur von Küssen seinen Hals entlang. Dasselbe Spielchen wiederholte ich auf seine Brust und seinen Bauch entlang und als ich mich dann halb auf ihn legte, meine aufgerichteten Brustwarzen an seinem nackten Oberkörper rieb, stöhnte er diesmal laut auf. Auf eine höchst sinnliche Weise rieb ich mich an ihm und stieß einen Protestlaut aus, als Lee mich ein Stück von sich weg schob.

Doch gleich darauf war ich wieder versöhnt, als er erst mit einem Ruck mein Bikinioberteil dann das kleine Höschen zerriss, beides weit von uns weg warf und ich seine Zunge an meiner sensiblen Spitze spürte. Leicht wie ein Lufthauch zuerst, aber dann schlossen sich seine Lippen fest um ihre Brustwarze und seine Liebkosungen wurden fordernder. Wärme breitete sich in meinem ganzen Körper aus und ich seufzte leise, als seine Hand zwischen meine Schenkel glitt, als seine Finger mich streichelten und jenen Teil meines Körpers zärtlich erforschten. Mein Atem kam schwer und heftig, während er sich neben mir rasch seiner Shorts und der knappen Badehose entledigte. Nachdem er sich wieder über mich geschoben hatte, ließ ich meine Hand an seinem Körper herunter gleiten und bis sie sich um sein Glied schloß, führte es näher zu mir heran, dorthin, wo er wieder begonnen hatte, mich so erregend zu liebkosen. „Liebe mich Lee! Jetzt und hier, so als würde es das Morgen nicht geben!“ „Das tue ich doch Holly“, erwiderte er und ich spürte, wie seine Zärtlichkeiten immer kühner wurden. „Fühl nur, wie ich dich liebe! Alles an dir!“

Er hörte nicht auf mit der süßen Qual, bis ich aufschrie und ihn anbettelte, mir endlich Erlösung zu schenken. Und als ich es kaum noch ertragen konnte, kniete er sich über mich. Nun machte er mit seinem Mund genau das, was eben noch seine Finger getan hatten.

~Lee~

Holly klammerte sich an mich und vergrub ihre Finger in meinem Haar. Endlich, endlich als ich es keinen Moment länger aushalten konnte, gab ich ihrem Verlangen nach. Ich versuchte sanft zu sein, nicht so stürmisch und drang ganz langsam in sie ein, ihre Reaktion abwartend. Als ich merkte, wie willig sie mich in sich aufnahm, versenkte ich mich völlig in ihr. Erfüllt von unendlicher Zärtlichkeit blickte ich auf meine große Liebe nieder. „Ich liebe dich Holly!“ „Dann zeig es mir endlich“, rief sie ungeduldig und verstärkte den Druck ihrer Hände auf meinen Po. Meine Leidenschaft für sie in diesem Augenblick zu zügeln, fiel mir unendlich schwer, aber ich liebte Holly viel zu sehr, weswegen ich Angst hatte, ihr weh zu tun. Ganz langsam, ganz vorsichtig begann ich mich in ihr zu bewegen, zog mich zurück, drang erneut in sie ein, tiefer als vorher, dann hielt ich wieder inne. Wir fanden einen gemeinsamen Rhythmus, eng an eng, immer schneller, bis ich spürte, wie sich ihre Muskeln langsam um mich zusammenzogen, heftiger schneller und das war der Moment, in dem auch ich mich zum ersten Mal diesen großen Gefühlen ganz hingab. Einem Gefühl, was man anscheinend nur erlebte, wenn man mit jemandem schlief, denn man aufrichtig liebte.

Eine halbe Stunde lagen wir noch dicht aneinander gekuschelt auf der Decke und genossen einfach, so dicht beieinander zu sein, bis das Knurren meines Magens Holly zum Kichern brachte. „Ich glaube, so langsam sollten wir mal den Korb plündern. Bevor du mich auffrisst!“ Während ich die Köstlichkeiten aus dem Picknickkorb um uns reihte, schlüpfte Holly wieder in ihr Kleid. „Schade!“ Mit einer kleinen Schmolllippe beobachtete ich, wie ihr köstlicher Körper hinter dem roten Stoff verschwand. „Sei nicht traurig mein Süßer! Wenn wir heute Nacht in Elton´s Bett liegen, muß ich das Kleid ja wieder ausziehen!“ Nette Aussichten! Vielleicht würde sie mich dann ja noch mal an ihr naschen lassen?

Bei dem flackernden Licht einer kleinen Kerze verspeisten wir gemütlich unsere Vorräte, wobei ich mir einen Spaß daraus machte, meine Süße zu füttern. Selbst den kleinen Scampi, den ich ihr reichte, verspeiste sie nach einem Moment Widerwillen. „Na ja, geht ja noch!“ Als wir unser Picknick dann beendeten, war es tiefe schwarze Nacht. Vorsichtig brachten wir alles in das Auto und machten uns auf den Weg zurück zur Villa. Fröhlich lachend liefen wir Arm in Arm ins Wohnzimmer, in der festen Erwartung, Duncan und Trischa dort vorzufinden. Doch das Haus lag in vollkommener Dunkelheit da. „Ob die Beiden schon ins Bett gegangen sind?“ „Ich hab keine Ahnung! Ich werde mal vorsichtig in das Schlafzimmer von den Beiden schauen!“ Eine Minute später kam sie schon die Treppe herunter geeilt. „Lee, da ist keiner! Wo mögen die sein? Nicht, daß was passiert ist!“ „Ruhig Blut Süße. Ich ruf einfach mal auf Dunk´s Handy an.“ Gesagt getan. Nach ewigem Klingeln lassen, knurrte mein Kumpel ein unfreundliches „James“ ins Telefon. „Hey Dunk, wo steckt ihr denn?“ „Wir? Es gibt kein wir, Lee! Also laß mich einfach in Ruhe!“ Und schon hatte er aufgelegt. Was war denn da passiert? Und vor allem, wo waren die Beiden? Doch bei einem erneuten Versuch, Duncan zu erreichen, stellte ich fest, daß dieser sein Handy mittlerweile ausgeschaltet hatte. Verflucht!

~Patrischa~

Nachdem Duncan voller Wut aus der Villa gerauscht war, hatte ich mich auf einem Liegestuhl am Pool zusammen gerollt und starrte vor mich hin. Ich hatte den zwei wichtigsten Menschen in meinem Leben unglaublich weh getan, nur wusste der Eine davon noch gar nichts, weil ich ihn bis heute Abend vergessen hatte und der Andere hatte mir nicht mal die Chance gegeben, ihm alles zu erklären. Aber vielleicht war es so sogar am Besten, denn ich wusste nicht, ob ich stark genug gewesen wäre, Duncan wegzuschicken. Aber Keneth hatte ich ein gemeinsames Leben versprochen und selbst wenn ich in Duncan meine große Liebe gefunden hatte, würde ich immer bei Keneth bleiben!

Die Stimme meiner Schwester, die verzweifelt meinen Namen in die Dunkelheit hinaus rief, riss mich aus meinen Gedanken. „Holly, ich bin hier!“ Eilig bewegte sie sich zu mir und zog mich in ihre Arme. „Ich hab mir ja solche Sorgen gemacht! Was ist denn passiert?“ „Holly, warum nur hast du mir Keneth verschwiegen?“ Plötzlich war eine große Wut auf meine Schwester in mir aufgestiegen. Hätte sie mir doch nur früher von ihm erzählt! Dann hätte ich mich nie so sehr auf Duncan eingelassen! Und ich hätte ihn nie so sehr verletzt! „Du kannst dich wieder erinnern?“ „Ja und diesmal an Alles!“ „Aber du hast ja jetzt Duncan!“ Sie würde es einfach nie verstehen, was mich mit Keneth verband. Vielleicht, weil ich nie Jemandem die Geschichte erzählt hatte, wie ich ihn kennen gelernt hatte. Ich wusste, daß Holly ihn nicht mochte, weil uns keine leidenschaftliche Liebe verband, sondern wir nach Außen nur wie gute Freunde wirkten. Also beschloß ich ihr nicht zu erzählen, wie und warum Duncan weg gegangen war. Vielleicht würde sie mich so in Ruhe lassen!

~Holly~
„Ich will wissen, was hier los war!“, forderte ich aufgebracht. „Das geht dich nichts an“, wollte sie mich abwimmeln. „Und ob mich das was angeht, Patrischa! Ich bin immer noch deine Schwester! Habt ihr euch gestritten?“ „Lass gut sein, Holly! Es ist vorbei!“, sie rappelte sich auf und schlurfte schwerfällig nach oben, wo ich gleich darauf eine Tür zuschlagen hören konnte. Lee kam aus dem Haus und musterte mich fragend: „Was war hier los?“ „Du bist nicht der Einzigste, den das interessiert! Aus meiner Schwester ist kein Wort raus zu kriegen! Hast du Duncan angerufen?“ „Ja! Er sagte, es gäbe kein „Wir“ mehr! Dann hat er aufgelegt und sein Handy ausgestellt. Weiß Trischa nicht, wo er ist?“ „Ich denke, das weiß sie wirklich nicht…Irgendwas ist hier während unserer Abwesenheit geschehen…“ „Ich mach mir Sorgen um Duncan…“, Lee hatte seine Stirn in tiefe Falten gelegt, „Wer weiß, wo er steckt…“ „Er ist viel zu vernünftig, um irgendeinen Blödsinn anzustellen….Dir würde ich so was eher zutrauen!“, versuchte ich ihn etwas aufzumuntern. „Na vielen Dank“, grummelte er säuerlich. „Nein, jetzt mal ernsthaft, glaubst du wirklich, er würde…?“ „Ich weiß nicht“, murmelte er, „Alles was ich weiß ist, dass er deine Schwester sehr liebt und das er leidet, aus welchem Grund auch immer…Ich muss ihn suchen!“ „Nein, das ist keine gute Idee! Dieses Land ist groß und Duncan könnte überall sein! Er hat sich sicher einen Ort gesucht, an dem er ungestört ist und nachdenken kann! Außerdem will ich nicht, dass dir was geschieht! Bitte geh nicht“, flehte ich ihn an und er schloss mich fest in seine Arme. „Also gut, ich bleibe hier…“ Wenig später lagen auch wir in unseren Betten, aber an Schlaf war erstmal nicht zu denken. Nervös wälzte sich Lee hin und her, bis ich meinen Kopf seiner Brust bettete und ihm beruhigend über den Bauch strich. Mit der Zeit wurde er ruhiger und als ich ihn anblickte, sah ich, dass er endlich eingeschlafen war. Nun hatte ich Zeit, in aller Ruhe über Trischa nach zu denken. Was hatte sie bloß getan? Ob sie Duncan von Keneth erzählt hatte? Wieder einmal fragte ich mich, was sie an diesem Kerl fand. Er passte nicht zu ihr, nicht so, wie Duncan mit ihr harmonierte. Warum also ergriff sie nicht ihre Chance???

Desorientiert wachte ich am nächsten Morgen auf. Über meine Grübeleien letzte Nacht war ich wohl eingeschlafen und trug dafür nun die Konsequenzen: Kopfschmerzen, die meinen Schädel bald zum platzen brachten. Müde tapste ich hinunter und setzte mich zu Lee an den Tisch, der mir gleich eine Schmerztablette rüber schob. Anscheinend ging es ihm heute Morgen genau so wie mir. Wenig später kam auch Trischa runter. Sie grüßte uns mit einem „Guten Morgen“ doch keiner von uns erwiderte ihren Gruß. Sowohl Lee als auch ich waren stocksauer und ich hatte nicht vor, meiner Schwester diesmal entgegen zu kommen. Das Frühstück verlief also stillschweigend. Danach zogen wir uns alle an, räumten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Wir schlängelten uns durch den Flughafen zu einem Schalter um einzuchecken. Dann kam der Abschied, vor dem ich mich am meisten gefürchtet hatte….

„Ich werd dich vermissen“, flüsterte ich leise in Lee´s Ohr, als er mich fest in seinen Armen hielt. „Ich dich auch! Mehr, als du dir vorstellen kannst! Ich komme dich sobald wie möglich besuchen, ok?! Und bis dahin werden wir die Telefonrechung in die Höhe treiben!“ Unser Flug wurde nun bereits zum dritten mal aufgerufen. „Wehe du tust das nicht“, drohte ich ihm scherzhaft mit Tränen in den Augen, „Ich rufe dich an, wenn ich gelandet bin! Hoffentlich hast du Dunk bis dahin gefunden…“ „Ganz sicher und wenn ich ein Sondereinsatzkommando herordern muss!“ „Holly, wir müssen gehen“, drängelte Trischa ungeduldig. Das erste mal seit dem Frühstück hatte sie wieder den Mund aufgemacht. „Sollte Duncan irgendwas passiert sein, Trischa, dann mache ich dich persönlich dafür verantwortlich“, knurrte Lee und ich konnte ihm seine Wut nun wirklich nicht verübeln. Kurzerhand drehte sich meine Schwester um und ging ins Flugzeug. „Ich liebe dich“, hauchte ich ihm mit einem letzten Kuss zu und folgte ihr schweren Herzens…

Im Flieger hatte Trischa den Fensterplatz für sich beansprucht und als ich sah, dass sie weinte, hätte ich vor Wut aus der Haut fahren können. Doch ich zwang mich ruhig zu bleiben, um keine Szene heraus zu beschwören. Widerwillig setzte ich mich neben sie: „Warum heulst du jetzt hier rum? Wegen dem, was Lee gesagt hat?“ „Kann ich was dafür, dass er sich einfach verdrückt hat?!“, schniefte sie. „Ja, kannst du!“ „Woher willst du das denn wissen? Warst du dabei?“, zischte sie giftig zurück. „Nein, aber Duncan ist wegen dir total fertig und das sagt doch schon alles! Du hast nun wirklich keinen Grund hier rum zu heulen!“, meinte ich kalt und schnallte mich fest. „Du verstehst mich einfach nicht“, schluchzte sie, „Hättest du früher ein Wort über Keneth verloren, dann…“ „Jetzt fang nicht an, alles mir in die Schuhe zu schieben! DU ganz allein hast Duncan wehgetan! Alles, was du hättest machen brauchen wäre, dich gegen Keneth zu entscheiden, aber nein! Du hältst ja an dieser…dieser Farce fest! Und so lange du so drauf bist, Patrischa, solltest du mich lieber nicht mehr ansprechen!“

~Lee~

Weg war sie! Wie ein Lufthauch, der mich erst umschmeichelt und dann wieder weg gezogen war! Wie konnte man einem Menschen so schnell so nah kommen! Aber ich war mir sicher, dass unsere Beziehung halten würde, egal wie weit sie von mir entfernt war! Doch nun war es an der Zeit, den anderen Liebeskranken zu suchen. Ich machte mir echt Sorgen um Duncan! Trischa hatte ihn genauso wie mich Holly bis ins Mark getroffen und ich hatte echt gedacht, dass die Beiden perfekt zusammen passten! Was war da nur vorgefallen? Mir tat auch schon leid, dass ich Trischa vor ihrem Abflug eben so angefahren hatte. Sie hatte völlig fertig ausgesehen, weswegen ich mir auch nicht vorstellen konnte, dass ihr Duncan so gleichgültig war, wie sie es Holly gegenüber behauptet hatte. Vielleicht hätte ich mit ein wenig Verständnis viel mehr aus ihr heraus bekommen. Aber das alles war jetzt Nebensache!

Wo konnte Dunk nur sein? Nach gründlicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass er nur an zwei Orten sein konnte. Er hatte kein Auto und kannte sich hier eher gar nicht aus, also musste er entweder bei der Krankenstation oder bei den UNICEF Leuten sein. Ich entscheid mich erstmal, zu den Aufräumarbeiten zu fahren und siehe da... Duncan! Erschrocken musterte ich meinen besten Freund. Das sah ihm ja gar nicht ähnlich! Völlig verdreckt bohrte er einen Spaten grimmig in die Erde. „Duncan?“ Er schien mein Rufen gar nicht wahrzunehmen. „Duncan?“ Diesmal hob er nur kurz den Kopf und schenkte mir ein leises Knurren. „Was ist Ryan?“ „Was ist denn passiert?“ Mitfühlend legte ich ihm eine Hand auf die Schulter. „Wenn du mir auf die Nerven gehen willst Kleiner, dann mach dich besser auf ne Tracht Prügel gefasst! Ich hab keinen Bock auf Erklärungen!“ Sprach er und stürzte sich wieder in die Arbeit.

Und dieses kurze Gespräch war bis auf ein paar einsilbige Antworten alles, was man in den nächsten drei Wochen aus ihm herausbekam. Wir waren noch eine Woche in Sri Lanka geblieben, um weiter bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Eine Woche, in der Duncan wie ein Bekloppter im Dreck schuftete. Die einzige Gelegenheit, zu der er sich wieder völlig normal verhielt war, als er Sirina und ihrer Mum einen Scheck überreichte, mit der sie ihr Haus wieder aufbauen konnten. Die Kleine hatte sich dankbar und glücklich in seine Arme geworfen, was auch sein verletztes Herz nicht kalt gelassen hatte. Doch danach hatte ich nicht eine Gefühlsregung mehr auf seinem Gesicht lesen können. Seitdem wir zurück in London waren, war er aus dem Tonstudio nicht mehr heraus gekommen. Er hatte mittlerweile so viele herzzerreißende Balladen geschrieben, dass wir noch weitere sechs Blue Alben damit hätten füllen können! Und so langsam wusste ich mir mit ihm einfach nicht mehr zu helfen. Mein einziger Lichtblick waren die abendlichen Telefonate mit Holly!

~Duncan~

Tja, nun bin ich schon 14 Tage wieder in London, meinem Zuhause, das mich eigentlich immer trösten konnte. Ging es mir schlecht, lief ich einfach durch die Stadt, atmete die so für mich tröstliche Luft ein und beobachtete, wie das Wasser der Themse langsam dahin floss. Dabei konnte man oder besser gesagt ich, am besten über mein Leben nach denken. Eigentlich ging es mir danach immer besser. Jedes mal kam ich zu dem Entschluss, dass alles doch nicht so schwarz war, wie ich es mir gerade ausmalte und das es einen Ausweg gab, dass ich einen finden würde….doch dieses Mal konnte auch die Stadt, die ich so sehr liebte, mir nicht helfen. Ruhelos streifte ich durch die Stadt und versuchte einen Weg zu finden, um mit all dem klar zu kommen, doch so sehr ich auch suchte, mir blieb dieser Weg verschlossen…

Empty spaces
fill me up with hopes
distand faces
with no place left to go

Without you, within me
i can´t find no ways
where i´m going is anybodys guess


Lee versuchte schon seit drei Wochen an mich ran zu kommen, doch am allerwenigsten hatte ich Lust auf reden. Was sollte das bringen? Ich sah keinen Sinn darin, meinem Kumpel die Ohren voll zu heulen, dass ich vor Sehnsucht bald umkam. Aber unser Nesthäkchen wäre nicht unser Nesthäkchen, wenn er so einfach aufgeben würde...

Gestern kamen, natürlich rein zufällig, wie sie sagte, Antony, Simon und Johnny vorbei. Sie erkundigten sich ganz beiläufig nach meinem Befinden und erst, als ich sie herein gelassen hatte, hatten sie mich so richtig in die Mangel genommen. Als Antony dann auch noch fragte, was mit mir los wäre, war mir endgültig der Kragen geplatzt. Als wenn sie das nicht wüssten…Lee hatte doch vorher alles ausgeplappert…

Nachdem ich den dreien dann „nett“ erklärt hatte, dass ich meine Ruhe haben wollte, rief ich erstmal meinen „Freund“ an, um ihn am Telefon rund zu machen. Was denken die sich? Das mein Leben vorbei ist, nur weil sie mich nicht will? Verdammt, sie ist doch nur eine Frau….

I tried to go on like I never knew you
I´m awake but my world is half asleep
I pray for this heart to be unbroken
but without you all i´m going to be is incomplete

voices tell me
I should carry on
but I am swimming
in an ocean all alone
baby, my baby
it´s written on your face
and you still wonder
if we made a big mistake


….eine Frau, für dich ich bereit gewesen wäre, zu sterben und das nach so kurzer Zeit! Ich hatte mich Trischa viel zu weit geöffnet! Allein deswegen war es ihr möglich gewesen, mich so sehr zu verletzen. Wie konnte ich nur so dumm sein? Und warum machte ich mir darüber noch Gedanken? Es gab keine Trischa mehr in meinem Leben. Sie war wie ein Kapitel in einem Buch, das man am besten schnell abschloss und die Seiten weiter blätterte. Ich weiß, ich bin trotzig, aber nur das allein ließ mich nicht ganz verzweifeln und ich versuchte weiter hartnäckig, meinen Weg ohne sie zu gehen….

I tried to go on like I never knew you
I´m awake but my world is half asleep
I pray for this heart to be unbroken
but without you all i´m going to be is incomplete

I don't mean to drag it on
But I can't seem to let you go
I don't wanna make your face this world alone
I wanna let you go (alone)


Leider war das nur leichter gesagt, als getan, denn ob ich es wollte oder nicht, diese Frau beherrschte mich, meine Gedanken, meine Gefühle, ja sogar selbst in meinen Träumen ließ sie mir keine Ruhe. Ja, ich wollte sie los lassen, aber das hatte sie anscheinend nicht vor…Verdammt noch mal, sollte das jetzt ewig so weiter gehen? Wollte sie mich kaputt machen? Sollte ich als emotionales Frack vor ihr am Boden liegen, damit sie noch drauf treten konnte?

I tried to go on like I never knew you
I´m awake but my world is half asleep
I pray for this heart to be unbroken
but without you all i´m going to be is incomplete
incomplete


Und selbst dann würde ich ihr noch verzeihen, wenn sie mich darum bitten würde, denn ganz tief in mir spüre ich, dass mir ein Teil meines Herzens genommen wurde….

~Patrischa~
Wie schon so oft in den letzten Tagen wurde ich von einem immer wieder kehrenden Traum aus dem Schlaf gerissen. Orientierungslos saß ich auf meinem Bett und versuchte das unkontrollierte Zittern in den Griff zu bekommen, dass meinen ganzen Körper schüttelte. Duncan! Wieder war es Duncan gewesen, der mich in meinem Traum in seinen Armen gehalten hatte. Duncan, der mir ewige Liebe schwor! Und dann plötzlich verschwammen seine Gesichtszüge und „er“ stand wieder vor mir. Das Gesicht zu einem fiesen Grinsen verzogen und ich rief nach Duncan, doch der kam nicht. Aber Keneth kam und rettete mich und deswegen hatte ich ihm den Rest meines Lebens versprochen!

Holly hatte Keneth nie besonders gemocht und sie konnte einfach nicht verstehen, warum ich einen Mann heiraten wollte, der mich nicht auf Händen trug und leidenschaftlich liebte. Aber ich hatte sie immer mit fadenscheinigen Ausreden abspeisen können, doch jetzt sprach sie gar nicht mehr mit mir und das ging mir mehr zu Herzen, als ich zugeben wollte. Doch ich konnte ihr die Wahrheit einfach nicht sagen! Niemals! Zahlreiche Tränen liefen meine Wangen hinunter, als ich diesen Schwur immer und immer wieder wiederholte, während mein Körper von Schluchzern geschüttelt wurde. Doch ich erstarrte, als die Tür mit einem lauten Krachen gegen die Wand schlug....

~Trischa~

Diese ganze Farce musste endlich ein Ende haben. Gestern Abend hatte ich mit Lee gesprochen und er erzählte mir wieder, wie sehr Duncan litt. Also hatte ich beschlossen, noch einen letzten Versucht zu wagen und genau deshalb war ich an diesem Morgen zu Patrischa gegangen. An der Tür begegnete mir natürlich gleich Keneth, der Mann, den ich am wenigsten sehen wollte. „Guten Morgen Holly“, grüßte er gespielt freundlich. Die Abneigung, die ich gegen ihn hegte, bestand, wie jeder halbwegs normale Mensch sehen konnte, sofort auf Gegenseitigkeit. Jedoch war er ein guter Schauspieler, auf den meine Schwester leider rein gefallen war….

„Spar dir das! Ist Patrischa da?“ „Oben in unserem Schlafzimmer….“, er hatte ein dreckiges Grinsen aufgesetzt. Spöttisch verzog ich den Mund zu einem milden Lächeln und stemmte die Hände in die Hüften. „Glaub mir, ich weiß, dass sie dich noch nicht ran gelassen hat! Du brauchst also gar nicht so tun, als ob und wenn! Lass die Finger von meiner Schwester!“ „Willst du mir etwa drohen, Kleine? Du wirst nichts gegen die Hochzeit ausrichten können, mein Lieben! So langsam solltest du dich wirklich damit abfinden und dich damit anfreunden, mich bald als deinen Schwager in eurer Familie begrüßen zu können!“ „Eher beiß ich mir die Zunge ab!“, fauchte ich und rauschte nach oben.

Ich machte mir erst gar nicht die Mühe, anzuklopfen, sondern trat einfach ein. Trischa saß schluchzend auf dem Bett, was mich dazu veranlasste, die Tür hinter mir zu zuknallen. Woher nahm ausgerechnet sie sich das recht, zu heulen, wo sie doch an allem Schuld ist! Duncan ging es beschissen und sie saß hier, heulte rum, wo sie eigentlich bei ihm sein sollte!

„Holly…“, sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und versuchte sich ein Lächelnd abzuringen, „Schön, dich zu sehen!“ „Schade, dass ich das nicht behaupten kann“, gab ich kühl zurück, „Sieh dir das an!“ Ich reichte ihr einen Zeitungsartikel, den Lee mir per E-Mail geschickt und ich ausgedruckt hatte…

„Sorge um Blue – Sänger Duncan James!

Was ist los, mit Sänger Duncan James? Seit seiner Rückkehr aus Sri Lanka, wo er und sein Bandmate Lee Ryan einige Zeit verbrachte haben um bedürftigen Menschen und beim Aufbau eines Dorfes zu helfen, sieht man Blue´s Mädchenschwarm nur noch deprimiert durch die Gegend laufen.

Gerüchten zufolge soll Duncan dort bei den Aufräumarbeiten eine Kinderleiche ausgegraben haben, doch ist das wirklich alles, was den Sänger bedrückt? Das Management hüllt sich in Schweigen und auch seine Bandkollegen Simon Webbe, Antony Costa und Lee Ryan schweigen zu diesen Thema.

Duncan selbst sprach bisher nie über sein Privatleben und tut es auch jetzt nicht. In Interviews blockt er jegliche Fragen mit „Kein Kommentar“ dazu ab. Müssen wir uns Sorgen machen? Verfällt der junge Mann aus uns unbekannten Gründen in Depressionen?!? Die „Sun“ bleibt dran!“


Zwischen Überschrift und Text prangte ein extra großes Foto, dass Duncan zeigte, wie er mit gesenktem Kopf und trauriger Miene durch Londons Straßen schlich. „Lee zufolge ist das eine seiner neuen Lieblingsbeschäftigungen. Ansonsten vergräbt er sich bis über beide Ohren in Arbeit und frisst alles in ihn rein!“ „Das wollte ich nicht…“, flüsterte sie und starrte das Foto an. „Mein Gott, Patrischa, was hast du aus ihm gemacht…?!“ „Er hätte sich eben nicht in mich verlieben sollen!“, schrie sie und ich konnte genau die Verzweiflung aus ihrer Stimme hören. „Schieb das nicht auf ihn!“, fauchte ich sie an. „Was willst du eigentlich von mir?!“, aufgebracht sprang sie aus dem Bett und funkelte mich an. „Ich will, dass du mit diesem Penner Schluss machst und Duncan endlich erlöst!“ „Das kann ich nicht…“ „Weshalb?“ „Weil ich ein Versprechen gegeben habe, dass ich nicht brechen werde!“ „Ich hätte dich nicht für sie feige gehalten….“ „Mein Entschluss steht fest, Holly!“, entschlossen straffte sie die Schultern, „Du wirst das akzeptieren müssen!“ „Nein…das kann ich nicht!“, ich atmete tief durch. Meine große Schwester hatte sich entschieden….und ich mich auch!

„Gut, wenn du dieses Leben willst, mit…so einem Mann…dann kann ich dir nur viel Glück wünschen…“ „Was….was….was willst du damit sagen?“, stotterte sie. „Du hast dich nicht nur gegen den Mann entschieden, der dich über alles liebt und alles für dich tun würde, sondern auch gegen mich, deine eigene Schwester!“ „Das kannst du nicht machen! Ich brauche dich!“ „Du lässt mir keine andere Wahl, Patrischa und du wirst meinen Entschluss akzeptieren müssen….Leb wohl!“ Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und verließ das Zimmer. „Holly, bleib gefälligst stehen!“, schrie sie mir unter Tränen nach, doch jetzt gab es kein Zurück mehr. Eilig verließ ich ihr Haus und versuchte wieder einen klaren Kopf zu kriegen. Ja, es war mir nicht leicht gefallen, aber es war richtig, das spürte ich….

~Patrischa~

Ich hatte in der folgenden Nacht noch lange wach gelegen und mich erst Stunden später in den Schlaf geweint! Duncan hatte auf dem grobkörnigen Foto wirklich furchtbar ausgesehen und allein sein Anblick, ließ meinen Entschluss wieder wackeln. Doch ich konnte ihm nicht geben, was er brauchte. Aber mit Holly musste ich unbedingt ins Reine kommen und deswegen würde ich ihr heute sagen, was mich seit Jahren bei Keneth hielt. Sie war meine Schwester und somit der wichtigste Mensch in meinem Leben! Ich konnte es aushalten, auf meine große Liebe zu verzichtet, aber ich würde es nicht überleben, keine Schwester mehr zu haben.

Also machte ich mich auf den Weg zu unseren Eltern, wo Holly seit einiger Zeit wieder wohnte. Leise schlich ich an diesem Morgen, um meine noch schlafenden Eltern nicht zu wecken, über den Flur zu Holly´s Zimmer. Vorsichtig öffnete ich die Tür und durchquerte den Raum, um mich vorsichtig auf ihrem Bett nieder zu lassen. Meine Hand suchte ihre braunen Haare, strich über das Kopfkissen und fand nichts außer Papier. Kaum hatte ich den Umschlang in der Hand, wurde mir bewusst, dass meine Schwester nicht mehr da war! Sie war gegangen, ohne mir ein weiteres Wort der Erklärung zu gestatten. Wie in Trance schaltete ich Holly´s Nachttischlampe, ein kleiner Mond den ich ihr letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, an und las mit feuchten Augen die wenigen Worte, die sie mir hinterlassen hatte:

Hi Trischa,

wenn du diese Zeilen liest bin ich schon auf dem Weg nach London. Ich kann einfach nicht mit ansehen, wie du dein Leben zerstörst! Ich versteh dich einfach nicht! Wie kann man seine große Liebe einfach weg werfen? Solltest du endlich zur Vernunft kommen, kannst du mich bei Lee erreichen. Ansonsten sag Mum und Dad, dass ich kurzfristig ein Auslandssemester in London machen kann.

Holly


Vielleicht war das Besser so?

~Lee~

Wieder lag ich mich Holly am Strand von Sri Lanka, ihr nackter Körper eng mit meinem umschlungen, ihre Lippen fanden meine und….

Die Sturmklingeln an meiner Tür riss mich aus den schönsten Träumen. Langsam erhob ich mich aus dem Bett, streifte mir meine Boxershorts über und schlich schläfrig zur Haustür. Mit einem unfreundlichen „Welcher Idiot stört so früh?“ öffnete ich die schwere Holztür. Ich konnte kaum meinen Augen trauen! Vor mir stand Holly! Holly? Noch bevor mein müdes Gehirn seine Arbeit aufnehmen und ich mich fragen konnte, was sie hier machte, war sie schon in meine Arme gesprungen und bedeckte mein Gesicht mit kleinen Küssen. „Hi Schatz“, wieder trafen ihre Lippen meine. „Holly? Was machst du hier?“ Ich drückte sie ein Stück von mir weg, um ihr in die Augen sehen zu können. Kaum hatte ich diese Frage ausgesprochen, standen genau dort Tränen. „Hey Maus, ist ja gut!“

„Frag mich nachher noch mal, was ich hier mache, aber jetzt lieb mich bitte einfach!“ Kaum fiel die Tür hinter ihr ins Schloss, lagen ihre Lippen schon wieder auf meinen und ihre kleinen Hände fingerten an meinen Shorts herum. Und so sehr ich auch wissen wollte, warum sie so plötzlich vor mir stand, hatte ich in der Tür zu meinem Schlafzimmer schon vergessen, was ich hatte fragen wollen. Eilig öffneten meine Finger die Knöpfe ihrer Bluse, streiften sie ab, rasch gefolgt von ihren Jeans, bis sie nur noch mit knappen schwarzem Stoff bekleidet war. Doch auch jetzt gönnte sie mir keinen Augenblick der Ruhe! Ihre emsigen Finger umschlossen fordernd meine Männlichkeit und trieben mich so vollends in den Wahnsinn. Ich konnte keinen Augenblick länger warten! Rasch entfernte ich ihren Slip, ließ mich langsam auf sie gleiten und hatte mich mit einem Stoß in ihr versenkt. Doch so leicht ließ sie mich nicht davon kommen! Ohne mich wehren zu können, hatte sie unsere Körper umgedreht und saß nun auf mir. Erst schien sie mit langsamen Bewegungen das Gefühl auszukosten, die Kontrolle übernommen zu haben, doch dann wurden ihre Bewegungen schneller, fordernder. Nachhause kommen war der letzte Gedanke, der durch meinen Kopf rauschte, bevor ich mich mit einem letzten Stöhnen in ihr verströmte…

~Holly~

„Jetzt geht es mir schon besser“, seufzte ich tief, als sich Lee von mir herunter rollte und mich gleich in seine Arme zog. Seine Nähe gab mir das Gefühl von Geborgenheit und ich bettete, wieder etwas glücklicher, meinen Kopf auf seiner Brust. Erleichtert schloss ich die Augen, als ich spürte, wie er mit seiner Hand immer wieder zärtlich über meinen Rücken strich. „Darling, versteh mich jetzt nicht falsch, du hast mich grade zu einem der glücklichsten Männer auf der ganzen Welt gemacht…“ Grinsend knuffte ich ihn in die Seite, weil ich wusste, worauf er anspielte. Lee lachte: „Aber ich wüsste schon gerne, was los ist!“ „Wie kommst du darauf, das was los ist? Darf ich meinen Freund nicht mal überraschend besuchen?!“, fragte ich zuckersüß. „Darfst du, aber dann darfst du dabei nicht weinen, weil sich dein Freund nämlich sonst Sorgen macht!“, erwiderte er ernst, „Holly, ich seh doch, das was nicht stimmt! Was ist los?“ „Na…na schön…ich…ich bin von zuhause abgehauen!“ „WAAAAS? Warum das denn? Deine Eltern werden sich Sorgen machen! Weiß jemand bescheid, wo du bist?“ „Keine Panik, ich habe eine Nachricht hinterlassen und zu deiner ersten Frage…Ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten! Patrischa und ich haben uns andauernd nur noch gestritten und jetzt rate mal, um was es dabei ging…“, grummelte ich. „Ich tippe mal einfach so ins Blaue….um Keneth?!“ „Der Kandidat hat 100 Punkte! Ich kann diesen verdammten Lackaffen einfach nicht ausstehen und ich werde den Teufel tun, als ihn freiwillig in unserer Familie willkommen zu heißen. Eher lernen Schweine fliegen“, meckerte ich, sprang aus dem Bett und lief im Zimmer herum. „Süße, das bringt doch nichts, wenn du dich aufregst“, Lee klopfte neben sich aufs Bett damit ich wieder zu ihm kam. Ich tat ihm den Gefallen und ließ mich wieder neben ihn ins Bett plumpsen, „Ich geh nicht mehr nach hause! Da kriegen mich keine zehn Pferde mehr hin!“. Unsicher blickte ich ihn an: „Ich also….kann ich vielleicht…hier bleiben?“

„Nein, ich hab mir gerade meinen feuchten Traum erfüllt und schmeiß dich jetzt wieder raus!“ Erschrocken riss ich die Augen auf. „Das warn Witz! Natürlich kannst du bei mir bleiben! Du hast doch wohl nicht allen ernstes geglaubt, dass ich dich raus schmeißen würde?!“, er kringelte sich vor lachen auf dem Bett. „Du Blödmann“, grummelte ich, ein Grinsen unterdrückend und schmiss ein Kissen nach ihm. Schmollend verschränkte ich die Arme vor der Brust….jedenfalls bis Lee sich wieder eingekriegt hatte und seine Hände über meinen Rücken zu meinen Brüsten wanderten. „Willst du weiter schmollen? Oder wollen wir meine Traum noch ein wenig weiter ausarbeiten?“, raunte er mir ins Ohr. „Ich bevorzuge letzteres“, murmelte ich, bevor er meinen Mund mit einem Kuss verschloss und mich zurück in die Kissen drückte….

„Wow, hat das gut getan“, streckte sich Lee, als wir wieder dicht nebeneinander gekuschelt im Bett lagen. Erst jetzt traute ich mich die Frage zu stellen, die mir schon die ganze Zeit auf dem Herzen lag. „Wie geht es Duncan?“ „Um es so auszudrücken…beschissen wäre noch geprahlt! Ich hab…na ja…ich hab Antony, Simon und Johnny mal bei ihm vorbei geschickt….Du glaubst nicht, was das für ein Theater war! Er hat mich ja schon oft rund gemacht, aber so wie er mich dieses Mal zusammen gestaucht hat…Ich dachte, der kommt jeden Moment durchs Telefon!“ „Fuck!“, murmelte ich leise vor mich hin, „Denkst du, wir können ihn mal besuchen gehen? Vielleicht können wir ihn etwas aufmuntern?!“ Lee fand, dass es nicht schaden könnte, also rappelten wir uns vom Bett hoch und machten uns ausgehfertig…

~Duncan~

Eigentlich denkt man, Jahre müssten langsam vergehen, doch niemand hat eine Ahnung, wie unendlich lange nur ein Tag dauern kann, wenn man ihn nicht mit dem Menschen verbringt, den man liebt. Wenn man Zeit hat, immer und immer wieder über alles nach zu denken und sich vorzustellen, wie es hätte sein können. Ein Leben zu zweit, vereint für immer, voller Liebe, Leidenschaft, Vertrauen, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Immer füreinander da zu sein….Das war die Vorstellung von meiner Zukunft mit Patrischa….Sie nagt an mir, wie ein Hund, der das letzte von einem Knochen haben will…sie verfolgt und quält mich und ich wünschte, irgend jemand würde diese Liebe endlich von mir nehmen…

Lately in my life I'm
Finding it harder to
Settle the feelings that I
Thought would always be
Playing the game was easy
Saying the things that please me
But through it all
I can see the love has slipped away

Bye now, take this love away from me
Bye now, set my soul and spirit free
Bye now, take this love away from me
Bye now, let me be what I can be

Go make it easy on yourself


Keinen Morgen kann ich aufwachen ohne als erstes nicht an sie denken zu müssen. Ich schleppe mich tagtäglich durch meinen Alltag, in der Hoffnung, dass es endlich aufhören würde, weh zu tun, doch es passierte nichts…rein gar nichts! Liebe sollte etwas schönes sein! Sie sollte einen Menschen erfüllen, ihm Wärme geben und Kraft, um alles durch stehen zu können…doch im Moment hält sie mich nur am Boden und manchmal habe ich das Gefühl, daran zu ersticken…Ich vergrabe mich zwar in Arbeit, aber ich kann mich nicht auf andere Sachen konzentrieren. Sie allein beherrscht mein Denken und ja, bald glaube ich, ich habe meine Seele dem Teufel verkauft, als ich mich auf diese Frau einließ, denn Trischa wird sie niemals frei geben, genau so, wie mein Herz….

Lately in my life I'm
Finding I struggle if I
picture myself no longer
Underneath your spell

Bye now, take this love away from me
Bye now, set my soul and spirit free
Bye now, take this love away from me
Bye now, let me be what I can be

Go and just leave me
Go make it easy on yourself

I cant stand to see you
Couldnt bare to feel you
Its tearing my heart
Its only to


Andauernd hab ich ihr Bild vor Augen und obwohl ich versuche, mich dagegen zu wehren, kehrt es immer wieder zurück. Ich will sie nicht mehr sehen oder an sie erinnert werden müssen, doch ich scheine dem nicht entkommen zu können….noch nicht mal hier zuhause in London, wie der heutige Tag mit wieder einmal bewies…

Bye now, take this love away from me
Bye now, set my soul and spirit free
Bye now, take this love away from me
Bye now, let me be what I can be

Bye now, take this away from me
Bye now, can't you see what i can see
Bye now, that with you I'll never be
Bye now, so take your love away from me

Go and just leave me
Go make it easy on yourself


Es klingelte stürmisch an meiner Haustür, aber ich ließ mir Zeit mit dem Öffnen. Vielleicht würde derjenige ja, bevor ich aufmachte, wieder gehen…Doch dem war nicht so und stattdessen sprang mir Holly in die Arme. Verdattert drückte ich sie an mich…und schon wieder war da etwas, dass ich ganz automatisch mit Trischa verband. „Was…was…machst du denn hier?“ „Sie wohnt jetzt hier bei mir“, antwortete Lee statt ihr und grinste dabei bis über beide Ohren. Holly nickte zustimmend. „Gibt es einen Grund?“ „Ich möchte einfach bei meinem Freund sein…“ „…und da spielt nicht zufällig deine Schwester noch eine kleine Rolle bei?“, fragte ich, während ich wieder rein ging, etwas zu trinken holte und mich dann den beiden auf der gegenüberliegenden Couch nieder ließ. „Wie kommst du darauf?“, fragte Holly unschuldig. „Lass das, Holly! DAS zieht vielleicht bei Ryan aber nicht bei mir“, schnaubte ich. „Na schön, ja, es ist wegen Trischa! Wir haben uns in der letzten Zeit ziemlich oft gestritten, weil…“ „Halt“, unterbrach ich sie, „Ich will es gar nicht wissen! Diese Frau war mein Verhängnis, aber ich bin über sie hinweg“, meinte ich selbstsicher, worauf sich Lee und Holly mit einem „Ja, alles klar…“ Blick ansahen, „Ihr braucht gar nicht so zu gucken! Auch, wenn sie deine Schwester ist, aber ich will mit ihr nichts mehr zu tun haben!“ „Duncan, ich weiß, wie es in dir aussieht, aber…“ „Du weiß, wie es in mir aussieht? Das ich nicht lache…Du hast keine Ahnung, Holly, also sag so was nicht! Nicht du, noch Lee, noch sonst wer, hat eine Ahnung, was ICH fühle, also verschon mich mit diesem Mist und wenn du nur her gekommen bist, um mich über meine Gefühle aufzuklären, dann kannst du gleich wieder abzwitschern!“ „Duncan, jetzt reichts aber!“, fuhr mich Lee an.

„NEIN! Es reicht MIR!“, schrie ich ihn an, „Warum schleppst du hier jetzt auch noch deine Freundin an? Hab ich dir nicht deutlich klar gemacht, was ich von solchen Aktionen halte?! Verschwinde, Lee….bevor ich mich vergesse!“ „Ich glaube, das hast du bereits“, enttäuscht warf er mir noch einen letzten Blick zu und verließ zusammen mit Holly das Haus. Ehrlich gesagt, war ich froh, endlich wieder allein zu sein…mit mir, meinen Gedanken und meinen Gefühlen….

~Lee~

Drei Wochen waren seit diesem Rausschmiss von Duncan vergangen! Drei Wochen, in denen ich ihm so gut wie möglich aus dem Weg gegangen war! Denn ganz im Gegensatz zu Holly, die sein unmögliches Verhalten auch noch rechtfertigte, war ich einfach nur stinksauer! Das er unglücklich verliebt war, tat mir ja leid, aber das war keine Rechtfertigung, es an Allen auszulassen! Und Holly, die sich extra wegen ihm mit Trischa zerstritten hatte, auch noch so dumm anzumachen, schlug dem Fass den Boden aus! Dummerweise hatte mir Holly untersagt, ihm seinen Verstand wieder einzuprügeln. Also hatte ich den zweitbesten Weg gewählt, nämlich ihn zu schneiden. Glücklicherweise waren wir zur Zeit im Studio und ich hatte einfach mit Ant die Zeiten getauscht, so dass ich jetzt immer Morgens und Dunk Nachmittags dran war. Diese Regelung verschaffte mir auch noch einen zweiten Vorteil! So hatte ich nämlich den kompletten Nachmittag Zeit, etwas mit Holly zu unternehmen!

Allein der Gedanke an meine Traumfrau zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht! Ich hatte nie gedacht, dass es so einfach sein könnte, mit Jemandem zusammen zu leben! Aber mit Holly war es einfach perfekt! Sie hatte sich gleich nach ihrer Ankunft einen Studienplatz besorgt, meine Familie um den Finger gewickelt und mein Haus umgestaltet und ohne, dass ich es groß bemerkt hatte, war sie zum Dreh- und Angelpunkt meines Lebens geworden. Es gab nur eine Sache, die sie unendlich traurig machte! Und das war die Funkstille mit Trischa! Holly dachte zwar, ich würde das nicht merken, aber ab und zu, wenn sie sich unbemerkt fühlte, kullerte ihr eine Träne die Wange hinab. Aber irgendwie musste das doch wieder zu kitten sein! Duncan hin oder her! Wenn Trischa meinte, sie müsste mit diesem Kerl zusammen sein, dann sollte sie doch! Aber ihre Schwester konnte sie doch unmöglich aufgeben!

Mit dem Plan sie heute Abend, wenn Holly unter Dusche war, würde ich Trischa einfach anrufen und sie nach London einladen. Dann mussten sich die Beiden einfach aussprechen! Fröhlich pfeifend schloss ich die Haustür auf und rief nach meiner Süßen, doch egal wie lange ich ihren Namen rief, Niemand antwortete. Nacheinander eilte ich durch alle Räume, bis ich Holly im Schlafzimmer auf dem bett liegend vorfand. Mit Tränen überzogenem Gesicht blickte sie mich an und hielt mir wortlos ein Stück Papier entgegen. Verwundert las ich die wenigen Zeilen, die auf weißem Büttenpapier prangten: „Wir freuen uns die Hochzeit unserer Tochter Patrischa Mary McLane mit Keneth Bradley Vane bekannt zu geben.“ Eine Einladung! Zu Trischa´s Hochzeit! Na wenn das nicht herzlos war!

Noch bevor ich Holly tröstend in meine Arme schließen konnte, klingelte es an der Tür Sturm. Schnell drückte ich Holly einen Kuss auf die Stirn, flüsterte ihr ein „Bin gleich wieder da zu“ und lief nach unten. Schwungvoll öffnete ich die Haustür, um den Besucher möglichst schnell wegzukomplimentieren. Doch ich kam nicht mal zu einem Hallo, als sich schon zwei Hände um den Kragen meines Hemdes schlangen…

~Duncan~

„Wo ist sie?“, knurrte ich, nachdem ich so sehnsüchtig darauf gewartet hatte, meinen Freund endlich in die Finger zu kriegen. „Wo ist wer?“, fragte er verdutzt, wofür ich ihm schon gleich eine hätte rein schlagen können. Wenn Ryan eines gut kannte, dann sich noch blöder anstellen, als er sowieso schon aussah!

„Deine Freundin!“, grummelte ich und drückte Lee gegen die Wand, „Ich will ihr den Hals umdrehen!“ „Wie bist du denn drauf? Hast du irgendwas genommen?“ „Wenn ich was genommen hätte, würdest du hier schon lange nich mehr rum sabbeln, also wo ist sie? Oben?“ Ich stieß ihn unsanft von mir und stapfte die Treppe nach hinauf..

Gerade, als ich oben angekommen war, hüpfte Lee schon wieder vor mir herum und versperrte mir den Weg. „Du kannst jetzt nicht zu ihr!“ „Sagt wer? Wer will mir das verbieten? Du?“, höhnte ich, worauf er stur nickte, „Ryan, ich geb dir jetzt mal einen guten Tipp, von Freund zu Freund….Geh mir aus dem Weg, wenn du deinen nächsten Geburtstag noch erleben willst!“ „Ich werde dich SO ganz sicherlich nicht zu ihr lassen!“ „Das werden wir ja noch sehen!“, unsanft schubste ich ihn von mir weg und ging schnurstracks in Lee´s Schlafzimmer. „Nenn mir einen guten Grund, Holly, warum ich dich nicht zum Teufel schicken sollte?“

~Holly~

Sie tat es also wirklich! Noch immer hatte ich nicht verstanden, warum meine Schwester ausgerechnet diesen Typ heiraten wollte. Schon allein der Gedanke daran, drehte mir den Magen um…

Lee war mir in dieser Zeit eine große Stütze. Er nahm mich in tröstend in den Arm, wenn mich die Traurigkeit wegen Trischa wieder einmal übermannte und war einfach nur für mich da. Ich wünschte nur, wir könnten genau so für Duncan da sein, doch der ließ keinen mehr an sich ran. Lee war stocksauer auf ihn, ging ihm ganz und gar aus dem Weg und auch von mir ließ er sich nicht dazu überreden, einen Schritt auf Duncan zu zumachen. Dabei brauchte er uns doch, denn allein würde er ganz sicher nicht damit fertig werden…

„Nenn mir einen guten Grund, Holly, warum ich dich nicht zum Teufel schicken sollte?“, die Tür wurde plötzlich aufgestoßen und Duncan stand mitten im Zimmer. Schnell wischte ich mir über das Gesicht und sah ihn verwirrt an. „Was ist denn los?“ „Was los ist?“, er lachte hysterisch, „Das weißt DU doch ganz genau!“ „Nein, ich weiß nicht, wovon du redest…“ „Dann werd ich´s dir zeigen…“, er schmiss einen Umschlag aufs Bett und ich erkannte sofort, um was es sich handelte, denn es war der selbe Umschlag, den auch ich erhalten hatte. Mein Gott, sie wusste doch wie sehr er litt und dann schickte sie ihm auch noch eine Einladung? Sehr feinfühlig von ihr….

„Duncan, ich habe damit wirklich nichts zu tun!“, beteuerte ich. „Ach wirklich?! Wer war denn bei mir und wollte mir was über meine Gefühle erzählen? Wenn ich euch nicht raus geschmissen hätte, wärst du mir sicher damit gekommen, dass doch noch alles gut geht! Ich glaube, du hast viel zu viele Kitschfilme gesehen!“ „Es reicht jetzt, Dunc! Schalt mal einen Gang runter! Ich werde es nicht dulden, dass du so mit meiner Freundin sprichst“, fuhr Lee ihn nun an und baute sich vor ihm auf. „Nein, Lee, bitte, halt dich da raus“, bat ich mit einer Handbewegung. „Ja, Ryan, deine Freundin kann sich sehr gut allein verteidigen!! Ich will nichts mehr von Trischa hören, dieser verdammten Hochzeit oder….“

Während er seinem Ärger laut Luft machte, ging ich unbeeindruckt auf ihn zu, aber er wich vor mir zurück, bis er nicht mehr weiter konnte und an die Wand stieß. Nun endlich konnte ich ihn in meine Arme schließen. Er verstummte und sacke kraftlos an der Wand nach unten auf den Boden. Tränen fielen auf meine Schultern und ich bedeutete Lee nach draußen zu gehen und uns allein zu lassen. Es war Duncan bestimmt nicht recht, wenn sein bester Freund ihn in so einem schwachen Augenblick sah….

„Was hat sie bloß aus mir gemacht?“, schluchzte er, „Ich will stark sein, Holly, aber sie zieht mich einfach immer wieder runter….“ „Du willst stark sein?! Dann fahre zu dieser Hochzeit! Und sei es nur, dass du dir selbst beweist, dass du auch ohne sie klar kommst!“, beruhigend strich ich ihm durch die Haare und blickte in seine verweinte Augen, „Keine Angst, wir werden die ganze Zeit an deiner Seite sein….Versprochen!“ Stumm nickte er, lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. Innerlich hoffte ich, dass Duncans Anwesenheit meine Schwester doch noch an ihrem Entschluss zweifeln ließ und wenn nicht….dann hatte Duncan noch jede Menge Unterstützung nötig….

~Patrischa~

Kaum hatte Keneth unsere Wohnung verlassen, saß ich wieder einmal weinend auf meinem Bett. In drei Tagen würde ich heiraten und in meinem Kopf spuckte nur ein Mann herum und das war leider nicht der, den ich heiraten würde. Trotz dem Abstand und aller Bemühungen konnte ich Duncan einfach nicht vergessen! Heute hatte ich mit meiner Mutter mein Hochzeitskleid abgeholt. Während sie sich mit der Verkäuferin noch über die nötigen Asseccoires unterhalten hatte, hatte ich eine andere Kundin beobachtet, die fröhlich lachend mit ihrer Schwester rumschäkerte. Sie schienen so vertraut und so aufgeregt wegen der Hochzeit. Da war mir mal wieder klar geworden, wie sehr ich Holly vermisste und wie sehr ich mir wünschte, genau dieselbe Aufregung wegen meiner Hochzeit wie diese junge Frau zu empfinden und genau wie sie den Mann zu heiraten, den ich von ganzem Herzen liebte. Aber ich hatte Verpflichtungen und die musste ich nun einlösen...

~Lee~

Es fiel mir unendlich schwer, den Raum zu verlassen. Nicht, daß Duncan Holly doch noch etwas tat, aber als ich die Tür zu unserem Schlafzimmer schloss, hatte Duncan seinen Kopf an Holly´s Schulter geneigt und sein Körper wurde von Schluchzern geschüttelt. Vielleicht war jetzt endlich der Knoten bei ihm geplatzt und er konnte endlich seine Trauer heraus lassen! Ich jedenfalls wünschte mir nichts sehnlicher! Auch wenn ich Holly gegenüber immer den Harten markierte, vermisste ich meinen besten Freund!

Langsam ging ich in die Küche herunter und stellte zwei Töpfe auf die Herdplatte. Sollte Dunk wirklich zur Vernunft gekommen sein, würde er nach einer Aussprache bestimmt Hunger haben. Außerdem lenkte mich Kochen von dem Geschehen oben ab. Doch kaum waren die Spaghetti im kochenden Wasser versunken, begann das Telefon zu klingeln. „Ryan.“ „Hallo Lee, hier ist Shelby, Holly´s und Trischa´s Mum.“ Als ob ich das nicht gleich an der Stimme erkannt hätte. Die war nämlich der von Holly furchtbar ähnlich. Ich kannte Holly´s Eltern zwar noch nicht persönlich, aber sie riefen jeden Abend an, um sich zu erkundigen, wie es Holly ging und bei der Gelegenheit hatten wir schon mehrfach miteinander gesprochen. „Hallo Shelby, Holly ist leider im Moment nicht zu sprechen.“ „Das passt sich prima Lee. Ich wollte eh mit dir reden.“ „Mit mir?“ Was konnte sie nur von mir wollen? „Lee, ihr müsstet eigentlich Morgen Post bekommen. Und zwar..“ „Die Einladung zu Trischa´s Hochzeit?“ „Genau. Ist sie etwa schon da?“ „Heute gekommen.“ Leider kam die Vorwarnung zu spät! „Ich verstehe nur nicht, warum Trischa Duncan eingeladen hat?“ Holly hatte ihrer Mutter alles über die Zeit in Sri Lanka erzählt, weswegen sie auch von Trischa´s Liebelei mit Duncan wusste. „Trischa hat ihn nicht eingeladen.“ Jetzt war ich wirklich verwirrt. „Nicht?“ „Nein, ich war das! Das ist auch der Grund weswegen ich anrufe. Trischa war letzte Woche bei uns und ist im Garten auf der Liege eingeschlafen. Und da lag ein Buch auf ihrer Brust, ihr Tagebuch, und das hab ich dann gelesen. Lee, sie liebt Duncan und nicht Keneth!“ „Aber warum will sie ihn dann heiraten?“ „Das kriege ich einfach nicht aus ihr heraus! Sie redet soundso mit Keinem!“ So langsam löste sich meine Verwirrung und ich verstand, was Shelby zu sagen versuchte. „O.K. sie liebt Duncan, aber warum soll er zu ihrer Hochzeit kommen?“ „Weil sie sich, wenn er da ist, nicht mehr selbst belügen kann! Ihr seid meine letzte Hoffnung, daß sie Keneth nicht heiratet! Du musst Duncan und Holly einfach überreden zu kommen! Aber sag Ihnen nicht, daß ich das mit der Einladung war.“ „O.K. ich sag den Beiden nichts, aber ich hoffe wirklich, das das Ganze was bringt. Sonst bricht mir Duncan noch vollends zusammen!“ Sie bat mich auch noch, zu dem Polterabend zu kommen und da ein Lied zu singen, doch das konnte ich ihr noch nicht versprechen. Ich hatte eh meine Zweifel, daß Duncan mitkommen würde. Aber wenigstens hatte ich jetzt wieder Hoffnung, daß unser Traumpaar wieder zusammen kommen könnte!

~Duncan~

Jetzt war ich anscheinend komplett abgedreht….ja, so muss es sein, denn anders kann ich es mir einfach nicht erklären, dass ich nun in diesem Flieger in die USA saß, der mich zu dem letzten Menschen brachte, den ich nicht sehen wollte…oder machte ich mir was vor? Wollte ich sie in meinem Inneren doch sehen??? Nein, nein, das würde der Abschluss eines Kapitels sein und dann würde sich ein neues Kapitel für mich öffnen…

Don't, don't want you back

You hit me faster than a shark attack
You saw my picture on the Backstreet's Back, alright
And you were more than just a pretty face
But how you fooled me, I'm still amazed babe
But I should have known that I would be
Another victim of your sexuality
But now we're done and over with
Don't, don't want you back

Don't want you back
Cuz you're no good for me, I know
That's all I can say
Don't want you back
Forgive my honesty but you gotta go
I don't want you back


Seufzend starrte ich aus dem Fenster…wenn wir jetzt abstürzen würden, hätte sich alles eigentlich erledigt… Unwillig schüttelte ich den Kopf. Was dachte ich denn da? Meine besten Freunde saßen mit im Flieger und ich dachte an den Tod. Gott, Dunc, wie gestört bist du eigentlich?, schalt ich mich selbst und schloss gequält die Augen. Schon erstaunlich, was aus einem Mensch werden kann…wie sehr man sich verändern kann….

You started going out with so-called friends
But I was blind and so I lost all common sense
But there were things that made me realize, realize
Like all the hundred no, thousand lies

Don't want you back
Cuz you're no good for me, I know
That's all I can say
Don't want you back
Forgive my honesty but you gotta go
I don't want you back


“Dunc, wir sind alle bei dir”, flüsterte Holly plötzlich neben mir, nahm meine Hand und drückte sie. „Ich weiß und ich bin euch sehr dankbar dafür!“, versicherte ich ihr, worauf sie mich näher an sich heran zog, so dass mein Kopf nun auf ihrer Schulter ruhte. „Es tut mir so leid…vielleicht hättet ihr nie dort hin kommen sollen...Dann hättest du Trischa niemals getroffen…und…“ „Und du hättest Lee nicht kennen gelernt! Ihr zwei seid so glücklich und das mit Trischa und mir sollte einfach nicht sein…Wenn ich zurück in den Flieger nach London steige, werde ich alles hinter mir lassen…einschließlich deiner Schwester!“

Baby, don't bother telling me your reasons why
Just let us sing this story 'bout you and I
Don't want you back
That's all I know (don't want you back, don't want you back)
All I can say
Don't want you back
You know you gotta go

Don't want you back
Cuz you're no good for me, I know
That's all I can say
Don't want you back
Forgive my honesty but you gotta go
I don't want you back

Don't want you back
Cuz you're no good for me, I know
That's all I can say
Don't want you back
Forgive my honesty but you gotta go
I don't want you back


~Holly~

Ja, zum Teufel, ich machte mir Vorwürfe, denn es würde nicht aufhören…wegen mir! Ich würde mit zurück nach London gehen und ihn immer an Trischa erinnern. Er dachte, es würde so einfach sein, doch das würde es nicht werden…

„Du musst dir keine Vorwürfe machen, Holly, hörst du?!“, flüsterte Lee plötzlich eindringlich. „Das tue ich aber! Duncan stellt sich das so einfach vor, aber das ist es nicht! Vielleicht war es doch nicht richtig, ihn dazu zu bewegen, mit zu dieser Hochzeit zu kommen…Es war ein Fehler, in dieses Flugzeug zu steigen und Duncan all dem auszusetzen!“ „Jetzt mach mal halb lang, Holly“, kam es von hinten. Simon hatte sich erhoben und spähte zu uns rüber. „Immerhin ist Duncan ein erwachsener Mann! Der steckt das schon weg! Er hat zwar im Moment fürchterlichen Liebeskummer, aber irgendwann wird er über deine Schwester hinweg sein! Wir werden alle für ihn da sein und ihm helfen!“ Ja, deswegen waren auch Antony und Simon mit gekommen, weil sie ihrem Kumpel beistehen wollten!

„Sieht so ein erwachsener Mann aus?“, sie deutete auf den schlafenden Duncan an ihrer Schulter, „Im Moment kommt er mir eher vor, wie ein verletzter kleiner Junge, der nicht weiß, wohin mit seiner Trauer! Und durch mich wird er immer wieder an sie erinnert werden! Das wird Patrischa noch eines Tages leid tun! Sie wird sich nicht vor meinen Vorwürfen drücken können, wenn ich überhaupt mit ihr rede….“ „Sie ist deine Schwester!“, ermahnte mich Lee. „So? Davon hab ich reichlich wenig gemerkt“, meinte ich kühl und sagte kein Wort mehr…

„Duncan, wach auf, wir landen gleich“, vorsichtig rüttelte ich ihn wach, woraufhin er mich verschlafen anblinzelte. Als wir dann endlich aussteigen konnten, trippelte er unsicher hinter uns her. Schließlich harkte ich mich bei ihm unter, um ihm etwas Sicherheit zu vermitteln. Als wir endlich alle unsere Koffer hatte, ging es zum Hotel, wo sich unsere Wege erstmal trennten. Wir alle wollten uns zunächst erstmal fertig machen, bevor wir heute Nachmittag zur Trauung in die Kirche aufbrechen würden…

„Holly, du solltest Duncan vielleicht doch mehr sich selbst überlassen und dich nicht so an ihn klammern!“, meinte Lee plötzlich, als ich mit einem Handtuch um den Körper aus dem Bad kam. Überrascht zog ich eine Augenbraue nach oben, worauf er schleunigst weiter redete, weil er vermutlich Angst hatte, gleich nicht mehr zu Wort zu kommen. „Ich finde, du behandelst ihn wie ein Baby! Aber er ist erwachsen und er kann mit solchem Schmerz umgehen! Versteh mich nicht falsch, natürlich will ich ihm helfen und ich finde es toll, dass du für ihn da bist, aber du klammerst dich wegen deinen unnötigen Schuldgefühlen an ihn!“

„DAS siehst DU vielleicht so, aber ICH nicht! MEINE Schwester hat ihm weh getan und durch mich wird er immer wieder an sie erinnert! Du oder ich…wir können uns nicht mal annährend vorstellen, was DAS für ein Gefühl ist, Ryan und deswegen solltest du besser den Mund halten, bevor du die Nummer zwei nach Trischa auf meiner Liste bist, dem ich die Augen auskratzen werde!“

~Lee~

„Holly!“ Mein leiser Ausruf stoppte urplötzlich ihren Wutausbruch. „Ich liebe dich! Und auch für Duncan bist du mittlerweile eine gute Freundin geworden!“ „Aber das hilft ihm doch auch nicht!“ Kraftlos ließ sie sich neben mir aufs Bett sinken. „Und wie ihm das hilft! Schließlich ist er nur wegen dir mit nach hier gekommen!“ Schützend hatte ich meine Arme um sie geschlungen und nach einem kleinen Moment des Widerstandes ließ sie sich an meine Brust ziehen. „Ich sollte es dir ja eigentlich nicht verraten, aber ich glaube, es ist ganz wichtig, daß du das jetzt weißt!“ Aufmerksam musterten mich ihre Tränen verhangenen Augen. „Vor drei Tagen hat mich deine Mum angerufen, um mir zu sagen, daß nicht Trischa sondern sie uns zu der Hochzeit eingeladen hat.“ „Mum? Warum?“ „Pscht, ich will es dir ja erklären!“ Die Tränen waren verschwunden und wurden von einem typischen neugierigen Holly Blick abgelöst. „Sie hat das Tagebuch deiner Schwester gefunden. Holly, Trischa liebt Duncan und sie will Keneth nur wegen irgendeinem Geheimnis heiraten, daß sie nicht mal ihrem Tagebuch anvertraut hat. Innerlich hofft sie, daß Duncan kommt und sie rettet!“ Verblüfft blickten sie mich mit ihren dunklen Augen an. „Das stand da?“ „Laut deiner Mum schon und außerdem stand da auch noch, daß sie dich total vermisst. Sie leidet sehr unter eurem Streit Holly!“ „Das sollte sie auch!“ „Holly!“ Doch mein kleines Teufelchen hatte dies nicht böse gesagt, denn der Schalk stand ihr in den Augen. „Und jetzt denkt Mum, wenn wir Duncan da ohne Trischa´s Wissen hinbringen, überlegt es sich meine Schwester noch mal und brennt mit uns durch?“ „So ungefähr war der Plan!“

Eine halbe Stunde standen wir dann schick aufgebügelt vor der Tür des Hotels und warteten auf die Limousine, die uns zur Hochzeit bringen würde. Holly trug ein rotes bodenlanges Seidenkleid, was ihre Figur perfekt umschmeichelte und mir das Wasser in den Mund trieb. Auf dem Weg nach draußen hatten wir besprochen, daß sie sich bis wir in der Kirche ankamen, um Duncan kümmern würde, weswegen sie sich fröhlich schwätzend bei ihm untergehängt hatte. Duncan hingegen brachte kein einziges Wort heraus. Er hatte genau wie wir anderen Jungs einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd an, doch im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten trug er sein Hemd geschlossen und eine Krawatte. Sein Gesicht war blass und er stierte verschlossen vor sich hin. Ich konnte nur hoffen, daß sein Leid bald vorbei sein würde. Es musste einfach funktionieren!

Vor der Kirche hatte es Trischa´s Mum so organisiert, daß schon alle Leute drinnen auf ihren Plätzen saßen und nur sie auf uns wartete. Mit reichlich Tränen begrüßte sie ihre jüngste Tochter, die sich sofort schluchzend in ihre Arme warf. Kaum hatte Holly seine Hand losgelassen, machte Duncan einen völlig aufgelösten Eindruck und er sah sich zwanghaft nach Fluchtmöglichkeiten um. Vorsichtig legte ich ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir sind alle bei dir Dunk!“ Wie um meine Worte zu bekräftigen, hatten sich Simon und Antony rechts und links neben uns aufgebaut. Und genauso gingen wir auch in die Kirche. Shelby hatte uns erstmal einen Platz auf der Empore reserviert, von der aus wir ein Lied zum Gottesdienst beisteuern sollten. Wenn wir damit fertig waren, stand uns unten eine Sitzreihe zur Verfügung. Als die ersten Takte der bekannten Hochzeitsmelodie mit einem Tamtamtamtam begannen, wollte Duncan unwillkürlich aufspringen, doch Holly und ich hatten uns jeder auf einer Seite von ihm platziert und ergriffen nun beide eine seiner Hände. „Du schaffst das Dunk!“

~Patrischa~

Die letzten Tage waren glücklicherweise so von Programm gefüllt gewesen, daß ich gar nicht zum Nachdenken gekommen war. Doch jetzt stand ich in meinem weißen Seidenkleid an der Seite meines Vaters, den Blick zum Altar gerichtet, wo Keneth schon ungeduldig wartete. Jetzt gab es kein zurück mehr! Mit Tränen in den Augen schickte ich Duncan in Gedanken einen Kuß zum Abschied. Danke lieber Gott, daß ich meine große Liebe wenigstens kennen lernen durfte! Aber jetzt war es an der Zeit, das Versprechen einzulösen, daß ich dem Mann gegeben hatte, der mich gerettet hatte! Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den Anderen, als die Musik begann und mein Vater mich langsam zum Altar geleitete. Durch den weißen Schleier und die Tränen in meinen Augen sah ich die Leute auf den Bänken nur verschwommen.

Mit einem sicher „Ich als ihr Vater“ antwortete mein Vater auf die Frage des Priesters, wer hier seine Tochter ihrem zukünftigen Ehemann übergab. Keneth musterte mich von oben bis unten und schien für seine Verhältnisse mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Seine Gefühle zu zeigen, lag ihm einfach nicht. Ganz im Gegensatz zu Duncan, der sich schon wieder in meine Gedanken schlich! Nein Patrischa! Es ist zu spät! Du hast dich gegen ihn entschieden.

„Und nun bitte ich die angekündigte Band den Song zum Beginn des Gottesdienstes anzustimmen.“ Band? Warum wusste ich gar nix davon? Doch als die ersten Takte des Liedes erklungen, wusste ich genau, warum man mir nichts davon gesagt hatte.


It's been hard wakin' up, wakin' up to the truth
I've been so blind, couldn't see for love no.
Tried my best to ignore it, wish the pain away
But just like tomorrow, its coming round again.



Duncan´s raue Stimme trieb mir eine Gänsehaut auf den Rücken und wieder Tränen in die Augen. Das durfte doch nicht wahr sein! Warum wusste er von meiner Hochzeit? Und wieso war er hier, nach all dem was ich ihm an den Kopf geworfen hatte? Empfand er wirklich noch etwas für mich? Langsam drehte ich mich in Richtung der Empore, saugte seinen Anblick in dem schwarzen Anzug in mich auf. Wie immer sah er einfach perfekt aus und mein Herz schien ihm entgegen zu fliegen!

~Duncan~

Kaum hatte der Gottesdienst begonnen, forderte uns der Priester bereist auf, daß erste Lied zu singen. Die Jungs und ich erhoben uns, als die Melodie eingesetzt hatte. Noch nie zuvor in meinem Laden war mir etwas so schwer gefallen, wie in diesem Moment mit meinen drei besten Freunden dieses Lied anzustimmen….

Und dann ihr Blick, als sie mich auf der Empore entdeckte, der mir durch Mark und Bein ging. Sie sah erschrocken aus, als hätte sie mit meiner Anwesenheit nicht gerechnet, was ja schon mal gar nicht sein konnte…SIE war es doch die mich eingeladen hatte. Was sie mir damit allerdings beweisen wollte, wusste ich absolut nicht, so sehr ich mir darüber auch den Kopf zerbrach. Ich aber wusste, was ich ihr und mir beweisen wollte, nämlich das ich sie nicht brauchte….Aber soll ich ehrlich sein? Wenn ich die Möglichkeit haben würde, würde ich sofort aus dieser Kirche flüchten…

Aber meine Freunde hatten sich um mich drapiert, so dass ich erst gar keine Fluchtmöglichkeit hatte und auch Holly hatte die ganze Zeit an mir gehangen, damit ich mich auch ja nicht verkrümeln konnte. Ich muss gestehen, ohne sie würde ich mir ganz schön verloren vorkommen und hätte das sicher alles nicht durch gestanden…Lee hat echt ein Schweine Glück gehabt!



So darling, please don't treat me like a fool.
Its been hard enough for me, getting over you
Darling please don't treat me like you do
I'll be damned if I am gonna let ya
Damned if I don't forget ya
So please don't treat me - like a fool.


Kaum merklich schüttelte Trischa unten den Kopf. Was willst du mir sagen, Trischa, was? Ich musste mich mehr als zusammen reißen, denn sie sah wunderhübsch aus, in ihrem Kleid und verdammt, ich sollte der Mann sein, der dort unten an ihrer Seite stand, der sie zu seiner Frau nehmen sollte und….der sie heute Nacht lieben durfte…


Thought I gave you the best, but it wasn't enough
You took advantage of my trusting heart
Tried my best to forgive you, did my best to forget
I am done with the tears and there are no regrets.

So darling, please don't treat me like a fool.
Its been hard enough for me, getting over you
Darling please don't treat me like like you do
I'll be damned if I am gonna let ya
Damned if I don't forget ya
So please don't treat me - like a fool.




Worauf hatte ich mich nur eingelassen, als ich sie kennen gelernt hatte? Warum hatte ich mich nicht zurück halten können und hatte mich Hals über Kopf in diese Frau verlieben müssen. Sie trieb mich bis an den Rand des Wahnsinns…und ich glaube, das wusste sie auch sehr genau...


I know I'll be reaching out to touch you in the night
Holding on to the memories, Cos you're not here to hold me tight
You lied when you told me, It hurt to be apart
When all the lying you're doing is in someone else's arms.


So darling, please don't treat me like a fool.
Its been hard enough for me, getting over you
Darling please don't treat me like you do
I'll be damned if I am gonna let ya
Damned if I don't forget ya
So please don't treat me - like a fool.



Ich schluckte und verabschiedete mich in diesem Augenblick von meiner großen Liebe! Leb wohl, Patrischa! Ich kann nur hoffen, dass du an der Seite dieses Mannes glücklich wirst….

~Patrischa~

Der Gottesdienst zog einfach an mir vorbei! Nachdem sie das erste Lied gesungen hatten, setzten sich Duncan, Lee, Holly und noch zwei weitere junge Männer zu meinen Eltern in die erste Reihe. Vorsichtig schielte ich über meine Schulter, um gerade noch die einzelne Träne zu sehen, die Duncan´s Wange hinab glitt. Holly legte sofort den Arm um ihn und funkelte mich wütend an! War es eine alte Verpflichtung wirklich wert, gleichzeitig meine große Liebe und meine Schwester zu verlieren?

Keneth schien meine gedankliche Abwesenheit gar nicht zu bemerken. Sanft drückte er meine Hand und lächelte mich glücklich an. Was sollte ich nur tun? Doch plötzlich riss mich der Priester aus meinen Gedanken.

„Und hiermit frage ich dich Patrischa Mary McLane, ob du den hier anwesenden Keneth Bradley Vane zu deinem recht mäßigen Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren willst, bis das der Tod euch scheidet?“ Das Herz schlug mir bis zur Kehle. Vor mir stand er, der Junge, der schon seit Ewigkeiten mein bester Freund war, der mir in guten und schlechten Zeiten zur Seite gestanden hatte, für den ich aber nur liebevolle Zuneigung empfand. Andererseits war ich mir Duncan´s verzweifelter Blicke in meinem Rücken bewusst. Er war der Mann, dem mein Herz vollends verfallen war. Doch kannte ich ihn gut genug, um alles was ich mit Keneth hatte aufs Spiel zu setzen? Würde er mich ein Leben lang lieben, mich verstehen, wenn es mir schlecht ging?


When there's no one else
Look inside yourself
Like your oldest friend just
Trust the voice within
Then you'll find the strength
That will guide your way
You'll learn to begin to
Trust the voice within, ohh



Meine innere Stimme jedoch sagte mir, dass Ich meinen Gefühlen vertrauen musste. Leidenschaft und die tiefe Liebe zu Duncan würden mich, selbst wenn es nicht funktionieren sollte, glücklicher machen, als eine Vernunftehe mit Keneth. Mit Tränen in den Augen drehte ich mich zu meinem langjährigen Freund um, ergriff seine Hand und flüsterte: „Es tut mir leid Ken! Ich kann dich nicht heiraten! Du bist mein bester Freund und ich möchte dir für alles danken, was wir gemeinsam erlebt haben und vor allem dafür, dass du mich gerettet hast. Du warst immer für mich da, wenn ich dich gebraucht habe, aber mein Herz gehört Einem Anderen. Und selbst wenn ich damit den größten Fehler meines Lebens mache, gehöre ich zu ihm.“ Schnell drückte ich meinem sprachlosen Verlobten einen Kuss auf die Wange, raffte mein langes Kleid zusammen und rannte den Kirchengang entlang bis zu Duncan´s Platz. Dieser war schon aufgestanden und schaute mich mit großen Augen an. „Komm!“ Bei diesem einen Wort hatte ich bereits seine Hand gegriffen und zog in hinter mir aus der Kirche.

~Duncan~

Ich bin total übergeschnappt! Ja, anders kann ich mir das auch nicht erklären, warum ich mich von ihr aus der Kirche ziehen ließ. Wollte ich nicht eigentlich mit all dem abschließen und meinen Hintern zurück in einen Flieger nach London setzen? Aber kaum lässt Trischa alles stehen und liegen, springt Duncan James natürlich….wie typisch für mich!!

„Hey Dunk, ich glaub den könnt ihr gebrauchen…“, Lee war hinter uns her gehetzt und warf mir den Autoschlüssen unseres Mietwagens zu, „Alles Gute…“ Hä? Wie? Alles Gute? Was glaubt der eigentlich, was jetzt passiert? Meint der etwa, dass ich jetzt mit ihr durchbrenne?! Ich werde sie zur Rede stellen, sie anschreien, was sie mir angetan hat, eine Erklärung von ihr fordern, aber vor allen Dingen…

„Duncan, ich kenn da ein kleines Hotel in den Bergen von Beverly Hills. Würdest du da bitte hin fahren…Ich muss aus diesem Kleid raus“, bat Trischa neben mir sitzend leise. „Natürlich“, murmelte ich und ließ mich von ihr durch die Stadt zu dem Hotel lotsen.

…würde ich wieder weich werden! Verdammt Duncan, was ist bloß mit dir los? Wo ist meine Entschlossenheit sie aus meinem Leben zu streichen? Aus welchem Grund sollte ich ihr verzeihen? Bloß, weil die Dame es sich anders überlegt hat? Weil sie meinte, sich jetzt doch wieder mir zuwenden zu müssen? Wer garantiert mir, dass sie es sich nicht morgen schon wieder anders überlegt hat und ich wieder allein da stehe. Wer sagt mir, dass ich alles nicht noch einmal durch machen muss?

Grübelnd schlurfte ich hinter Trischa her ins Hotel, wo sie an der Rezeption schnell ein Zimmer mietete, in der hauseigenen Boutique einen Trainingsanzug erstand und wir hoch zu dem Zimmer gingen. Einladend ließ sie dir Tür für mich offen stehen, doch ich zögerte. Sollte ich es wirklich wagen? Ich kam mir vor, als wenn ich vor einem Tigerkäfig stehen würde…

„Dunk? Kommst du?“, kam es fragend von drinnen, worauf ich noch einmal tief durch atmete und eintrat. Drinnen nestelte Trischa bereits an ihrem Kleid herum. „Kannst du mir bitte mal helfen? Ich krieg es nicht auf!“ „Was für ein Spiel soll das hier sein?“, fragte ich kalt, worauf sich Trischa erschrocken zu mir umdrehte.

„Das ist kein Spiel, Duncan! Das hier ist bitterer ernst! Ich habe gerade meinen Verlobten für dich verlassen!“, empörte sie sich. „Oh, wie großzügig! Habe ich dich darum gebeten? NEIN!“ „Warum zum Teufel bist du dann her gekommen?“, schrie sie mich an. „Weil ich dieses Kapitel abschließen wollte! Weil ich dich endlich aus meinem Kopf, meinen Gedanken und meinem Herzen verbannen wollte und weil ich glauben wollte, ich hätte dich nie getroffen…was vielleicht sogar besser gewesen wäre…“, murmelte ich. „Ach ja, so siehst du das ganz also…“

„Was hast du denn von mir erwartet, Trischa? Das ich vor Freude ausflippe?! Das ich vor die auf die Knie falle und sage, dass alles gut wird, obwohl ich selbst nicht daran glaube? Wenn du das wirklich gedacht hast, dann bist du wirklich naiver, als ich dachte!“ „Du weißt gar nicht, wie mies es mir ging…“ „Oh, bitte komm mir jetzt nicht mit dieser „Ach-es-ging-mir-ja-so-dreckig-Masche! Mir ging es auch schlecht! Hast du eigentlich eine Ahnung, wie sehr ich unter unserer Trennung gelitten habe und weißt du, was ich gefühlt habe, als die Einladung zu DEINER Hochzeit bei mir rein flatterte? Du hast doch keine Ahnung, Patrischa…“

„Du auch nicht…Ich war ihm verpflichtet, deshalb wollte ich ihn heiraten…“ „Ey, jetzt erzähl mir nicht so eine Scheiße, ja?! Wenn ich jemanden nicht liebe, dann heirate ich ihn auch nicht! Punkt aus!“ „Du verstehst nicht…“ „Allerdings!“ „Ich wurde fast vergewaltigt!“, schrie sie mich plötzlich an und Tränen traten in ihre Augen.

„WAS? Von ihm?“, hakte ich erschrocken nach. „Nein…“, zitternd rieb sie sich über die Arme, „Ich war…abends allein unterwegs…ja ja, ich weiß, ein hilfloses Weib“, sie lachte trocken auf, „Plötzlich zog mich jemand in ein Gebüsch…ein Mann…Nur einmal konnte ich schreien und das war mein Glück, denn Kenneth war zufällig in der Nähe und er hörte es…Er riss den Kerl von mir runter, bevor….“, beschämt schlug sie die Augen nieder, „Seitdem waren wir zusammen und ich hatte das Gefühl, ihm immer noch irgendwie zu Dank verpflichtet zu sein…Nur deshalb habe ich mich von dir getrennt, mit einem schlechten Gewissen, Ken, dir und mir gegenüber…Duncan, du musst mir glauben, ich liebe dich! Und wenn ich alles ungeschehen machen könnte, dann würde ich es tun, ich würde…“

Weiter ließ ich sie nicht sprechen, denn ganz automatisch hatten sich meine Beine auf sie zu bewegt und ich hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen…

Ein Kuss, der mich alles, was war, vergessen ließ. Sie gehörte zu mir, was mir genau in dem Moment klar wurde, als sich unsere Lippen trafen und jetzt würde sie mir Niemand mehr wegnehmen. „Hab ich dir schon mal gesagt, was für eine wunderschöne Braut du warst?“ Sie sah mich aus ihren tiefbraunen Augen verwundert an. „Duncan?“ „Schande über mich! Du bist wunderschön! Das Kleid ist wie für dich gemacht!“ „Aber..“ „Nichts aber Angel! Trischa, du warst schon Mein, als du auf den Altar zugegangen bist und zwar weil du von Anfang an für mich bestimmt warst! Warum sonst hätte uns dieses Unglück am Ende der Welt zusammen gebracht, wenn nicht das Schicksal das so gewollt hätte?“ Ihr tiefroter Mund senkte sich auf meinen. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher, als ich sie mit einem Ruck von mir weg schob. „Ich will dich Patrischa, jetzt und hier.“ Meine Augen glitten an ihrem perfekten Körper auf und ab, registrierten wie sich die dünne Seide um ihre Brüste schmiegte. Ich wusste, wenn sie jetzt nein sagen würde, wäre ich verloren! „Und ich will dich!“ Wie ein lustvoller Hauch striffen ihre gemurmelten Worte an mein Ohr, woraufhin ich sofort meinen Mund hungrig auf ihren presste. Unsere Lippen verschmolzen und als der Kuss immer intensiver wurde, öffnete ich langsam den Reißverschluss ihres Kleides und ließ es langsam an ihrem Körper herab gleiten. Raschelnd rutschte es auf den Teppich. „Aber so gefällst du mir noch besser.“

~Patrischa~

Mich überlief ein Schauer des Entzückens, als seine Hände wie ein Hauch über meinen Körper strichen und immer wieder innehielten, um eine Rundung zu erforschen, eine Kurve zu bewundern. Als er den Kopf hob, blickte er auf meine Brüste, die nur noch von einem Hauch von Spitze verhüllt waren. „Oh Gott, du machst mich..“ Lächelnd beobachtete ich, wie er die Zähne zusammen biß und die Augen schloss.

Doch dann nahm er meine Hand und presste sie gegen seine das Vorderteil seiner Hose. Mir wurde kalt, dann glühend heiß und ich merkte, wie mir die Farbe ins Gesicht stieg. Dunk jedoch schien von meinem Gefühlsaufruhr nichts zu bemerken, denn er hatte noch immer die Augen geschlossen. „Das ist gut, so gut“ sagte er leise. Nach ein paar Augenblicken öffnete er die Augen wieder, seufzte tief auf und warf mir ein zerknirschtes Lächeln zu. Als er meine Hand auch noch los ließ, fiel sie kraftlos an meiner Seite hinab. „Es tut mir leid Angel! Ich will es ja langsam angehen, aber du raubst mir noch den Verstand!“ Ich nickte wortlos, unsicher, ob ich je wieder die Kraft zum Sprechen haben würde und stand still wie eine Statue, während er die Hände hob und sein Hemd meinem Kleid am Boden folgen ließ. Ich rührte mich auch nicht, als Duncan sich auf die Bettkante setzte, um Schuhe und Socken auszuziehen. Es war, als könnte ich nicht mehr aus eigenem Antrieb denken, geschweige denn handeln, weil mein Denken allein von diesem Mann bestimmt war.

~Duncan~

Ich öffnete meine Hose, doch weiter kam ich nicht. Meine Augen, die sich die ganze Zeit nicht weit von dem verlockenden Anblick den Trischa, nur noch mit Unterwäsche bekleidet, bot entfernt hatten, wanderten zu ihrem Gesicht. „Ich kann mich nichtmal ausziehen, weil ich ständig daran denke, dich zu berühren“, gestand ich mit einem leisen Lachen. Ich umschloss mit beiden Händen leicht ihre Taille und zog sie and die Bettkante, direkt zwischen meine gespreizten Oberschenkel. Vorsichtig rieb ich mein Gesicht an ihren Brüsten, strich ich mit geöffneten Lippen über die samtweichen Hügel, zupfte die weiße Spitze zur Seite bis ich mit der Zunge ihre aufgerichteten Spitzen kosten konnte. Meine Hände wanderten derweil von ihrer Taille zu den Hüften nach hinten, streichelten und liebkosten und zogen sie noch näher zu mir heran. „Du riechst so gut! Ich habe mir immer gewünscht, wieder so nah an dich heranzukommen, um diesen herrlichen Duft in mich aufzunehmen.“

Ihr zarter Spitzen-BH wurde vorne von zwei Perlenknöpfen zusammengehalten, die ich nun vorsichtig öffnete, jedem Stückchen Haut, dass ich mehr enthüllte gebührenden Respekt zollend. Als ich die Haken geöffnet hatte, bot sich mir endlich der Blick auf Trischa´s wohlgeformte Brüste, deren Spitzen sich mir schon bereitwillig entgegen streckten.

~Patrischa~

Ich hätte mir nie träumen lassen, wie verführerisch der Mund eines Mannes sein konnte. Doch jetzt beobachtete ich, wie sich Duncan´s Mund erst meiner einen, dann der anderen Brust ausgiebig zuwandte. Dann wurde jedoch der Genuss, den mir diese Berührungen schenkten, überwältigend und meine Augen fielen zu. Erregung überflutete meinen ganzen Körper. Kühle Luft streifte mich, als sein Kopf weiter nach unten wanderte. Ausgiebig küsste er meinen Bauch, jeden einzelnen Rippenbogen, bis er an dem schmalen Seidenslip angekommen war. Dieser fiel jedoch auch schnell Mithilfe seiner geschickten Finger raschelnd zu Boden. Doch erließ mir keine Zeit Atem zu holen. Er küsste meinen Nabel, er küsste weiter unten, erküsste mich an Stellen, von denen ich nie zu träumen gewagt hatte.

Ich trieb in einem Ozean der Empfindungen und sie alle waren neu, unbekannt und berauschend. Ich erwachte ein wenig aus meiner Untätigkeit und vergrub meine Finger in seinen Haaren, zerwuschelten es und als er meine Hüften packte, um mich noch näher an seinen Liebkosenden Mund zu pressen, bog ich ohne zu überlegen meinen Rücken durch und wölbte mich ihm entgegen. Erst als er mich sanft auf das Bett zog und sich sanft über mich schob, schlug ich verträumt die Augen auf und schaute in seine intensiv blitzenden blauen Augen. Duncan´s Atem kam heftig und stoßweise. Ohne seinen heißen Blick von mir zu nehmen, setzte er sich auf, um den Reißverschluss seiner Hose zu öffnen. „Jetzt kann ich dich endlich so küssen, wie ich es mir immer gewünscht habe.“ Seine Stimme klang rau und aggressiv.

~Duncan~

Mein Mund senkte sich auf ihren, hart und fordernd, und als unsere Lippen in einem leidenschaftlichen Kuß verschmolzen, bohrten sich ihre Nägel in meinen Rücken. Ich löste mich von ihren Lippen, die rosig von meinem Kuss waren, und senkte meinen Mund auf ihre Brüste. Ich versuchte meine Leidenschaft zu zügeln, in dem Wunsch, ihr Vergnügen zu schenken. Eine meiner Hände glitt über die Außenseite ihres Oberschenkels nach unten, dann langsam an der Innenseite wieder nach oben, immer höher, bis zur Quelle ihrer Hitze. Ihre Reaktion auf meine Berührung war heftig, überwältigend. Sie bog sich mir entgegen, stieß einen leisen Schrei aus. Mein Atem ging schwer vor Anspannung, sie nicht sofort zu nehmen. Vorsichtig ließ ich stattdessen einen Finger in sie gleiten. Trischa stieß flehende meinen Namen aus und klammerte sich an meine Schultern, während ich langsam immer weiter vordrang.

~Patrischa~

Einen Herzschlag später saß er auf der Bettkante, den Kopf in den Händen, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Sein Atem ging mühsam, rasselnd, disharmonisch. „Warum hast du es mir nicht gesagt?“ Sein vorwurfsvoller Ton trieb mir die Tränen in die Augen. „Ich weiß nicht was du meinst?“ „Dass du noch Jungfrau bist.“ Mein Mund war staubtrocken. „Ich..., ich dachte... du weißt es.“ „Ich wusste es aber nicht!“ Wütend sprang er auf und durchquerte mit langen Schritten das Hotelzimmer. „Duncan, es tut mir leid! Vielleicht hätte ich es dir wirklich sagen sollen. Ich...“ Er war stehen geblieben und fixierte mich mit seinen blauen Augen. Langsam trat ich auf ihn zu, umfasste zärtlich sein Gesicht, um ihm einen hauchzarten Kuss auf die Lippen zu drücken. „Aber du warst doch so lange mit Keneth zusammen.“ „Aber ich habe ihn nie genug geliebt, um ihm dieses Geschenk zu machen.“ Seine Stimme klang seltsam belegt, als er fragte: „Aber mich liebst du genug?“ „Ja.“ Langsam rieb ich meine Mitte an seiner immer noch vor Erregung pulsierenden Männlichkeit. Duncan stöhnte kurz auf, um mich dann auf seine Arme zu heben. Fest an ihn geschmiegt und in einen liebevollen Kuss versunken, ließ ich mich zum Bett tragen. Unendlich vorsichtig ließ er mich auf den weißen Satin des Bettes sinken, blickte einen Augenblick auf mich herab, um mir dann langsam zu folgen.

~Duncan~

Sie wusste nicht, was für eine Bürde sie mir mit diesem Geheimnis auferlegt hatte. Mit einer Jungfrau zu schlafen, mochte für manche Männer die Erfüllung ihrer Träume zu sein. Für mich bedeutete es Verantwortung. Andererseits fühlte ich mich auch geehrt, dass sie sich für mich aufgehoben hatte. Liebevoll betrachtete ich Trischa, wie sie sich lasziv auf dem Laken räkelte. „Duncan?“ Immer noch schimmerten die Spuren der eben vergossenen Tränen auf ihren Wangen. „Bitte komm zu mir.“ Langsam ließ ich mich auf sie gleiten, begann erst ihr Gesicht, dann wieder ihre Brüste mit Küssen zu bedecken. „Bitte!“ Wimmernd wand sie sich unter mir, die unbekannten Empfindungen voll auskostend. Um sicher zu gehen, daß sie für mich bereit war, ließ ich erneut einen Finger in sie gleiten. Feuchte Hitze erwartete mich. Sie war bereit. Während ich mich dann vorsichtig in sie schob, fixierte ich ihr Gesicht. Bereit mich sofort aus ihr zurückzuziehen, wenn ich ein Anzeichen von Schmerz entdecken konnte. Trischa´s Hände fuhren in das Kissen hinter ihr, als ich an der Mauer ihrer Jungfräulichkeit ankam. Sie warf den Kopf in den Nacken und stöhnte auf. „Ja, ja!“ Doch selbst als ich mich komplett in ihr versenkte, schien sie keinen Schmerz zu spüren. Nein, stattdessen begann sie sich wild zuckend unter mir zu bewegen, ihre Muskeln schlossen sich zuckend um meine Männlichkeit. Jede Beherrschung über Bord werfend, bewegten wir uns im Einklang, gebend und nehmend, wild und leidenschaftlich, bis die Kontraktion ihrer Muskeln auch mich über den letzten Gipfel warf...

~Lee~

Seit zwei Stunden strich ich nun ums Telefon, doch Holly zog mir immer wieder den Hörer aus der Hand und legte ihn zurück auf die Gabel. „Och Holly, so langsam sollten die Beiden sich doch ausgesprochen haben! Ich will jetzt endlich wissen, ob sie wieder zusammen sind!“ Doch mein Betteln wurde wieder mal ignoriert!

Nachdem Trischa und Duncan aus der Kirche gerannt waren, hatte Ken sprachlos vor der versammelten Meute gestanden und unzusammenhängende Sätze gestottert, bis Holly laut verkündet hatte, dass die Hochzeit hiermit geplatzt wäre. Eine Stunde später waren alle Gäste abgefahren und nur noch Holly´s Eltern und die Jungs waren übrig geblieben. Doch anstatt Trübsal zu blasen, machten wir uns über die Köstlichkeiten her, die ja nun mal für die Hochzeit bestellt gewesen waren. Doch irgendwann hatte ich genug von Kuchen und mich plagte die Neugier!

~Holly~

„Ryan, wirst du wohl hier bleiben?!“, zum wiederholen Male wollte sich mein neugieriger Freund davon schleichen, doch bis jetzt hatte ich ihn jedes Mal aufhalten können, bevor er sich zum telefonieren verkrümeln konnte. „Jetzt lass mich doch mal anrufen“, murrte er, doch ich schüttelte unnachgiebig mit dem Kopf und klopfte auf den Platz neben mir. Schmollend, wie ein kleiner Junge, der ins Bett musste, ließ er sich auf den Stuhl plumpsen. „Du hast unseren kleinen echt gut im Griff! Respekt“, zwinkerte Simon mir zu, worauf Lee ihn mit einem bitterbösen Blick bedachte, „Na, was denn? Ist doch wahr!“ „Deshalb brauchst du sie noch lange nicht darin zu bestärken!“ „Oh Süßer, das brauche ich doch gar nicht….Deine süße Schmollmiene reicht mir schon“, grinsend zwickte ich ihm in die Wange, worauf die anderen alle lauthals los lachten. Plötzlich klingelte ein Handy und Lee sprang sofort auf…

„Es ist Duncan“, verkündete er mit einem Blick auf das Display. „Gib her, ich will mit ihm reden!“, verlangte ich, doch mein ach so netter Freund drehte mir den Rücken zu und nahm das Gespräch an, während ich versuchte, ihm das Handy weg zu schnappen. „Kannst du mir mal sagen, warum du dich erst jetzt meldest? Wo steckt ihr?“, hörte ich ihn fragen. Sekundelang herrschte Stille, bis Lee weiter redete. „In einem Hotel in den Bergen von Beverly Hills also…Habt ihr euch ausgesprochen?“ Duncan redete anscheinend wieder und Lee lauschte sehr aufmerksam. „Wann kommt ihr wieder? Was soll das heißen, nicht so schnell??? Ich sag dir, wir heben euch nix auf von dem Essen! Ich hab schon so viel gegessen, das reicht für ein ganzes Jahr!“ Duncans Lachen war so laut, dass sogar wir es noch hören konnten, dann sprach er wieder weiter. „Wie? Schon gegessen? Was denn?“, harkte Lee begriffsstutzig nach, bevor der Groschen endlich gefallen war, „Duncy, du schlimmer Junge, du! Na, dann wünsch ich euch noch viel Spaß…vor allem mit dem Nachtisch!“, eilig klappte Lee sein Handy zu, drehte sich mit einem breiten Grinsen zu uns um und meinte trocken: „Sie haben schon gegessen!“

„Ohhh du bist unmöglich“, ich schlug ihm gegen die Brust, worauf er mich stürmisch in seine Arme zog, „Ich bin so froh, dass doch noch alles gut gegangen ist…“ „Ich auch…Ansonsten hätten wir Duncan demnächst auf die Couch eines Seelenklempners schicken können…“ „Lass deine Witzchen und küss mich lieber!“, befahl ich, was er sich natürlich kein zweites Mal sagen ließ. Nach so vielen Schmerzen und Qualen, hatten wir nun endlich die Gewissheit, dass doch noch alles gut werden würde….

~Duncan~

Wer hätte gedacht, dass sich das Blatt noch so wenden würde? Zwei Jahre später, womit keiner nach den Aufregungen um Trischa und meine Wenigkeit gerechnet hätte, stand unsere Hochzeit bevor…unsere DOPPELHOCHZEIT genauer gesagt! Ja, genau, Holly hatte es mit Lee auch so lange ausgehalten und war fest entschlossen, ihn zu ehelichen. Lee beliebte darüber gern zu scherzen, in dem er mit imaginären Handschellen durch die Gegend lief, aber er wollte nichts anderes, als dass Holly endlich seine Frau wurde. Das war eine Sache davon, die manche Leute zum nachdenken brachte. Niemand hätte es für Möglich gehalten, dass eine Frau Blue´s Nesthäkchen endlich zähmte, doch Holly war von Anfang an wie geschaffen dafür…und nicht nur dafür…

Sie und Patrischa hatten die Hochzeit ganz allein organisiert, obwohl Lee und ich vorgeschlagen hatten, einen Wedding Planner dafür einzustellen, um den beiden den ganzen Stress zu ersparen. Ich hatte das Wort „Wedding Planner“ noch nicht mal ganz ausgesprochen, da wäre Holly mir bald an die Gurgel gesprungen, während Lee schäbig gelacht hatte. War ja klar, dass er sich da dezent aus der Affäre ziehen würde, obwohl wir das gemeinsam beschlossen hatten. Holly faselte etwas davon, dass sie ja wohl die Hochzeit allein organisieren konnten, zumal sie ja zu zweit waren und wir Männer uns ja nur vor den Vorbereitungen drücken wollten, wo das doch das schönste war. Nach ihrem Vortrag, den ich eine ganze Stunde über mich ergehen lassen musste, während mein Kumpel sich auf dem Sofa vor lachen kringelte und damit den Zorn seiner zukünftigen Ehefrau auf sich zog, schmiss Holly uns hochkant mit den Worten „Und kommt ja nicht eher wieder, bis ihr einen Smoking habt, ihr Faulpelze“ aus dem Haus. Eingeschnappt zog ich eine Schnute, griff mir Lee und trabte los. Da wollte man ihnen was gutes tun und wie wird einem das gedankt?! „Duncan, warte mal“, Trischa war damals hinter mir hergehetzt gekommen, hatte mir einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen gedrückt und mich verliebt angesehen. „Wofür war das denn?“ „Einfach nur, weil du der Mann bist, der du bist!“ Wow, wenn das mal kein Kompliment war!!

Ja, und heute war nun unsere Hochzeit, dort, wo wir uns kennen lernten, am Stand von Sri Lanka, der vielen zum Verhängnis wurde…auch Lee und mir, aber im positiven Sinne!

Alle unsere Freunde waren da, saßen auf schön geschmückten Stühlen und unsere Mütter heulten bereits um die Wette, wie mir Lee mit einem grinsenden Wink zu verstehen gab. Wir beide standen bereits vor einem mit weißen und roten Rosen geschmückten Bogen unter dem der Pfarrer stand und mit uns auf unsere Bräute wartete. Plötzlich setzte Musik ein und Holly und Trischa, ihren stolzen Vater in der Mitte, schoben sich in unser Blickfeld. Trischa sah einfach nur wunderschön aus! Genau wie Holly! Beide hatten ganz einfache weiße kurze Kleider gewählt, die ihre braun gebrannte Haut sehr gut betonte. Ihr Haar hatten beiden hoch gesteckt und mit einigen Blumen verziert. Langsam schritten sie auf mich zu, so dass ich den Moment voll auskosten konnte. Ich fragte mich, was ich wohl gemacht hätte, wäre ich damals nicht nach Amerika geflogen. Auf jeden Fall, und dessen war ich mir sicher, würde ich hier heute nicht stehen und diese wundervolle Frau heiraten!

Als Trischa meine Hand nahm, zitterte sie leicht und ich strich ihr beruhigend über den Handrücken. Der Pfarrer setzte zu seiner Predigt an über Liebe, Vertrauen und die Hoffung, die man in den anderen setzt, die einen nie aufgeben lässt, ganz gleich was auch geschehen möge. Ganz zum Schluss kam er zu der alles entscheidenden Frage: „Wer möchte zuerst?“ „Oh Bitte, Alter vor Schönheit“, grinste Lee frech und deutete dabei auf mich. Die versammelte Hochzeitsgesellschaft lachte unter Tränen laut los. Vielen Dank, Kumpel! Wenn eines feststand, dann, dass Lee ob verheiratet oder nicht, sich in einigen Dingen wohl nie ändern würde…

Der Pfarrer gluckste und setzte dann eine ernste Miene auf: „Wollen Sie, Patrischa Mary McLane, den hier anwesenden Duncan Matthew James lieben und ehren? Ihm treu sein, bis in alle Ewigkeit bis das der Tod Sie scheidet, so antworten Sie: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Trischa lächelte mich überglücklich an: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ „Und Sie, Duncan Matthew James, wollen Sie Patrischa Mary McLane lieben und ehren? Ihr treu sein, bis in alle Ewigkeit, bis das der Tod Sie scheidet, so antworten Sie: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Ich atmete noch einmal tief durch, bevor ich die entscheidende Antwort gab: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Der Pfarrer nickte, wandte sich dann Lee und Holly zu und stellte ihnen die gleiche Frage, die sie genau so beantworteten wie wir. „Dann erkläre ich Sie, Duncan James und Patrischa Mc Lane, und Sie, Lee Ryan und Holly Mc Lane, zu Mann und Frau! Sie dürfen….“

Wie abgesprochen zogen Lee und ich unsere Frauen an uns und verwickelten sie unter dem Geklatsche unserer Familie und Freunde in einen leidenschaftlichen Kuss. In diesem Moment lief unsere gemeinsame Zeit, die jetzt erst richtig anfing, wie ein Film vor meinem inneren Augen vor mir ab. Seit ich Trischa kenne, habe ich viel gelernt und besser verstanden…

Wenn der Mensch, den man am meisten auf dieser Welt liebt, vor dir steht und dich um eine zweite Chance bittet, dann gewähre sie ihm. Gib einer Zukunft, an die du von Anfang an geglaubt hast, eine zweite Chance und probiere es noch einmal mit ihm…

…Once more with Feeling…



~Ende~






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